Auf Grünhaus hat der Frost von 2024 mit am meisten eingeschlagen, das heißt die Ernteverluste belaufen sich auf rund 90 Prozent. Es gibt daher von allen Weinen sehr viel weniger Menge als sonst und zudem auch nicht alle Weine im Programm. Die Mosel ist nun unterwegs zur offiziellen Vierstufigkeit des VDP. Ab dem Jahrgang 2020 hat das Weingut den historischen Begriff Grünhäuser wieder aufgegriffen, ab 2022 gab es dann keinen Grünhäuser Ortswein mehr, sondern einen Grünhäuser 1G, da er ja nur aus Ersten Lagen kommt. Bei Grünhaus genau genommen ja sogar nur aus Großen Lagen, denn alles bei Grünhaus ist Große Lage. Der Grünhäuser 1G ist also die neue Erste Lage, dafür gibt es keinen reinen Ortswein mehr. Also bestes Traubenmaterial von alten Reben aus den drei Großen Lagen. Ein leichtfüßiger, beschwingter Duft, kräuterig-kühl und blumig-verspielt. Gerade in diesem so kühlen und klassischen Jahr 2024 ist das ein archetypischer Grünhäuser. Der Wein ist schlank und hat doch eine unterschwellige Kraft, eine substanzielle Tiefe aus seiner grünblättrig unterlegten Frucht von Quittenbirne mit Limettenzesten. Das ist auch gar nicht so verwunderlich, denn da es keine Abtsberg und Bruderberg GGs gibt in diesem Jahr, ist das Metrial in dieses Erste Gewächs eingeflossen. Hier sind alle vier Fuder drin, die das Abtsberg GG hätten werden können. Der Mund ist sehr klassisch, oldschool im besten Sinne, sehr elegant, filigran, Ruwer-Riesling vom Feinsten. Die Säuren geben den Beat vor, sind aber total reif, überhaupt nicht grün oder spitz. Die Aromatik ist filigraner als im kraftvolleren 2023, etwas subtiler und geschmeidiger. Das ist ein tolles Jahr für Eleganztrinker, ein bisschen wie 2016 oder 2008, mit diesem Plus an Perfektion der heutigen Zeit. Ein superber Wein und klar nochmal ein Sprung vom Schloss-Riesling mit diesem GG-Material drin. Leider gibt es viel zu wenig Menge für die Welt.