Der Erdener Prälat ist schon für sich genommen eine Legende und ein mythisch überhöhter Ort. Hier haben wir 120 bis 130 Jahre alte wurzelechte Einzelpfahlstöcke, nur wenige tausend Quadratmeter groß. Jeder Winzer schätzt sich glücklich in dieser winzigen Lage etwas sein Eigen zu nennen. Die Extremversion als Amphitheater des benachbarten Erdener Treppchens. Also die Eleganz Erdens mit diesem dunklen Schiefer in Kombination mit diesem Brennglas von Exposition mit diesen uralten wurzelechten Reben. Das ist schon ziemlich einmalig in dieser Form an der Mosel. Eine der rarsten und teuersten Lagen der Mosel und Deutschlands überhaupt. Genau wie in 2021 ist der Prälat 2022 keine Auslese, weil Molitor etwas anreichern musste, um den Druck in die Intensität zu bekommen, die er sucht. Die Natur hat durch die große Trockenheit einfach nicht mehr hergegeben, das ist aber auch unter vielen Großen Gewächsen so gewesen, die ohnehin immer anreichern dürfen. Von Molitor nun preislich neben dem Doctor*** angesiedelt, der 2021 und 2022 nicht versteigert wird, sondern ab Hof verkauft. Geniale Intensität in der Nase. Bratapfel mit Limette, hochintensiv. Reife, mürbe Boskoop Äpfel, viel Schub, dazu süßliche, gelbliche Blüten. Wahninnig dicht in der Nase. Nicht ganz so verspielt wie die *** aus dem Erdener Treppchen und der Zeltinger Sonnenuhr, sondern einfach nur reicher und üppiger. Ein gewaltiger Druck schon im Duft. Rosenblätter und Veilchen, Kumquats und Mandarinen. Obwohl der Wein mit 12 Volumenprozent bestimmt nicht als fett zu bezeichnen ist. Im Mund sehr straight, sehr fokussiert, hat schon etwas mehr Samtigkeit und Volumen als 2021. Gewaltig konzentriert am Gaumen, erstaunlich wie Molitor das diesem kargen Jahr abgerungen hat. Alle warmen Zitrusfrüchte rollen nochmal durch, die leichte Extrakt- und Restsüße stützen das Volumen noch weiter. Eine wunderbar samtige, reiche Textur, die den Gaumen umschmeichelt und die einschneidende Mineralität der Lage schön abpuffert. Natürlich ist das ein Riesling für Freaks, alleine schon durch den Preis, aber am Ende bringt er auch ein Format ins Glas, das an der Mosel nahezu niemand geschafft hat in 2022. An deutschen Rieslingen kommt an Molitors Dreisternen kaum etwas vorbei, auch wenn die Mosel sicher nicht ganz vorne steht in 2022. Das ist auf jeden Fall die oberste vorstellbare Stufe, kurz vor dem Himmel und er schmeckt schon im Jungstadium unglaublich gut und ist vor 2021 zugänglich und trinkbar. 98-100/100