Die Reben sind tatsächlich 1896 gepflanzt, es ist mit fast 130 Jahren also einer der ältesten Riesling-Weinberge der Welt. Natürlich wurzelecht, alte Genetik. Die Reben ergeben winzige Erträge von goldgelben Träubchen. Typisch für diesen rötlicheren Schiefer von Longuich ist diese aromatische, druckvolle Würze, wie man sie auch im Ürziger Würzgarten finden. Allerdings schwenkt genau in diesem Weinberg der Boden auf einen bläulicheren Schiefer um. Der Wein trägt sowohl die charmante Würze des Rotschiefers als auch die herbe Eleganz des Blauschiefers in sich. Gerade auf dem intensiveren Rotschiefer ist der Lesezeitpunkt ganz entscheidend laut Christopher Loewen. Man muss aufpassen nicht in die Überreife zu kommen, das gab es früher an der Mosel einfach nicht. Auf dem Papier ist der Jahrgang 2024 sehr ähnlich zu 2021, hohe Extrakte, hohe Säuren, kleine Erntemenge. Geschmacklich ist es durch die höheren pH-Werte aber viel harmonischer und deutlich weniger grün als in 2021. Die Säuren sind total seidig und reif, die Texturen fast cremig, sehr dicht, dazu aber die kräuterig-steinige Aromatik eines kühlen Jahres. Wirklich ein faszinierender Jahrgang, wie eine moderne Version von 2008 mit mehr Eleganz. Wir haben eine unglaubliche Eleganz in diesem Jahr, rote Zitrone, Grapefruit, die Schale von rotem Weinbergspfirsich. Der Herrenberg ist immer unglaublich aromatisch, ist immer etwas wärmer in seiner Aromatik und der Textur als der sehr karge Steinwein Laurentiuslay. Er hat diese warme Würze aus dem Gestein, zwar auch einen salzigen Grip, aber weniger karg, etwas mehr auf der Frucht laufend. Er lässt einen ein Stück tiefer in den Sessel rutschen mit seiner Harmonie, ist nie anstrengend oder zu fordernd, das ist in 2024 anders als im extremeren 2021. Ein wirklich traumhaft schöner Riesling.