August Kesseler: Pinot Noir Assmannshausen  Ortswein 2024

August Kesseler: Pinot Noir Assmannshausen Ortswein 2024

VDP

Zum Winzer

Pinot Noir 100%
rot, trocken
13,5% Vol.
Trinkreife: 2027–2039
saftig
fruchtbetont
seidig & aromatisch
Lobenberg: 94/100
Suckling zu 2023: 93/100
Deutschland, Rheingau
Allergene: Sulfite,
lobenberg

Heiner Lobenberg über:
Pinot Noir Assmannshausen Ortswein 2024

94
/100

Es gab in einigen wenigen Steillagen in Lorch etwas Frost bei Kesseler, aber insgesamt war es nicht dramatisch. Dann gab es Mehltau-Druck über das Jahr hinweg, wodurch einiges flöten ging an Ertrag. Es war also mengenmäßig kein großes Jahr, eher leicht unterdurchschnittlich. 2024 ist ein faszinierendes Spätburgunder-Jahr, weil es ein kühleres Jahr war als die Vorjahre, dennoch eine überraschende Dichte und Konzentration aus dieser kühlen Aromatik entwickelt. Feste, straffe Pinot Noirs wie früher. Insgesamt liegen die Spätburgunder auf einem homogen hohen Niveau bei Kesseler, August ist vor allem mit seinen Großen Lagen extrem happy. In einem Jahrgang wie 2024 brillieren die warmen, starken Lagen dann eben wieder deutlich. August Kesselers Assmannshäuser Ortswein stammt aus den Kernlagen der Gemeinde: Höllenberg, Hinterkirch, Frankenthal. Die Trauben werden komplett entrappt, dann offene Maischegärung für rund zwei Wochen in kleinen Edelstahltanks. Ausbau in klassischen Barriques, ein kleiner Teil Neuholz. Vom Gutswein Daily August kommend, ist das eine ganz andere Dimension. Wir gehen deutlich mehr in die Tiefe, zu profundem, dichtem Spätburgunder mit Terroirausdruck. Man spürt die Güte der Lagen. Dunkelrote, würzige Kirsche, Asche, Holzkohle, Holunder, Boysenberry. Der 2023er Assmannshäuser war ein Überflieger, weil es da keinen Höllenberg gab, also war alles best-of im Ortswein. In 2024 gibt es wieder ein Höllenberg GG, also ist der Ortswein wieder aus den Abstufungen und den Ortswein-Parzellen. Der Ortswein ist sooo wunderbar salzig-mineral, steinig-saftig, hat eine mundwässernde Frische. Das ist so köstliches, klassisches Assmannshausen, süße Veilchen, dichte Beerenfrucht und dann diese berauschende Frische, die die griffigen Tannine einfach davonträgt im Nachhall.

Jahrgangsbericht

»Here comes the rain again…« – das Weinjahr 2024 war rasant und aufwühlend. Eine deutlich kühlere Vegetationsperiode mit wechselnden Regen- und Trockenphasen forderte die Winzer heraus. Der frühe Austrieb im April wurde von heftigen Spätfrösten abgelöst, die Ahr, Nahe, Nordbaden, Saar und Ruwer besonders hart trafen und zu teils dramatischen Ernteausfällen führten. Viel Manpower, bedingungsloser Einsatz und sorgfältige Selektion waren entscheidend. Die besten 2024er Weine zeigen eine bemerkenswerte Finesse mit überraschend viel Stoffigkeit und schlanker Kraft. Der kühlere Ausdruck erinnert an die präzisen Klassiker 2016, 2008, 2004 und 2002. Sie sind extrem klar gezeichnet und definiert und besitzen häufig mindestens ein Volumenprozent weniger Alkohol als die Vorjahre. Umso überraschender ist die Substanz und innere Dichte, die durch ausgiebige Sommerniederschläge und eine langsame Reifung bis in die kühlen Nächte der späten Lese ermöglicht wurde. Die Trauben erreichten enorm hohe Extraktwerte, die mit 2023 konkurrieren. »Die schönsten Aromen gedeihen im Schatten.« wie Florian Lauer immer sagt. Die Säuren sind »nordisch-straff« und vibrierend, aber reifer und weniger einschneidend als im “krachenden” 2021. Die Weine bieten eine genussvolle Cremigkeit, ohne ihr elektrisierendes Rückgrat zu verlieren. Der 2024er ist ein harmonischerer und feinerer Jahrgang als ebenfalls kühlere 2021, zudem ist es aromatisch in einem klassischeren und schlankeren Profil angesiedelt als die »Vollgas-2023er«. Bei vielen Weinen wurde ein Level erreicht, das mit dem Benchmark-Jahrgang 2023 mithalten kann, auch wenn die Mengen besonders bei den Großen Gewächsen teils sehr gering sind. Es gibt so viele wunderschöne, filigrane, saftig-dichte und auch richtig lecker-delikate Weine in diesem Jahr. Und das kann in dieser Leichtigkeit und finessenreichen, athletischen Form heute eben fast nur noch in Deutschland so geerntet werden. Franken glänzt mit exzellenten Silvanern mit kühlem Saft und eleganter Stoffigkeit. An Mosel-Saar-Ruwer wurde im restsüßen Bereich von Kabinett bis Auslese absolute Weltklasse geerntet, trotz mancherorts verheerender Frostschäden. Die Nahe glänzt 2024 nicht nur mit Riesling in ultrafokussierter Manier, sondern auch mit Burgundern dieses Jahr – genau wie die Südpfalz! Der wärmeren Mittelhaardt steht ein kühleres Jahr immer mehr als gut. Von Christmann über Bürklin bis Winning ist das der Stoff aus dem Riesling-Träume sind. In Rheinhessen hat wohl der Rote Hang sein Jahr der Jahre, so viele Mega-GGs nach den schwierigen Trockenjahren dort ein Segen… wow!

Verkostungsnotiz
93
/100

Suckling zu 2023 über: Pinot Noir Assmannshausen Ortswein

This youthful Rheingau pinot noir has a wide spectrum of cassis, blackberry and ripe-strawberry aromas, plus just a touch of spicy oak. The fine-grained tannins and flavor of licorice neatly support the abundance of fruit at the long, velvety finish. Drink or hold. Screw cap.

Mein Winzer

August Kesseler

In Insider-Kreisen wird August Kesseler bescheinigt, eine der Personen mit dem meisten Charisma in der deutschen Weinlandschaft zu sein. Je näher man sich seinen Lebenslauf ansieht, desto mehr glaubt man den vermeintlichen Insidern. Wer kann schon von sich behaupten, das elterliche Weingut mit noch...

Pinot Noir Assmannshausen  Ortswein 2024