La Borne steht auf dem gleichen Hang wie Morstein, nur ein ganzes Stück höher. Kalk- und Tonmergel auf reinem Kalkstein. Ganz alte Reben. Philipp Wittmann hat die Parzelle Anfang der 2000er erworben und sehr schnell gespürt, dass die Lage ganz anders ist. Sehr viel kühlere Lage noch als der Morstein selbst. Der 2021er La Borne ist weniger wild-exotisch als im Vorjahr und zum Zeitpunkt meiner Probe leiser als der superspannende Morstein. Mit viel Luft ist schöne gelbe Frucht zu erahnen, weiße und gelbe Pfirsiche vermischen sich, Lavendel, Kumquat, Mandarine. Alles nur in Nuancen, das Ganze ist überhaupt keine Vollgas-Nummer in 2021, sondern sehr elegant, weißfruchtig mit feinen gelben und exotisch-zitrischen Elementen im Mund. Passionsfrucht und reife Grapefruits, tänzelnd und fein auf dem Salz entlang. Die Länge setzt sich dann auch vorwiegend aus der Salzigkeit zusammen, kreidige Phenolik, Mineralität, Gesteinsanmutung, das ist, was stehenbleibt, sobald die Frucht weggespült ist. Grip ohne Ende, aber keinerlei Wucht. Ein feinsinniger La Borne, aber dennoch einer, der Zeit braucht. Man spürt an der Entwicklung, die der Wein in kürzester Zeit macht, dass hier mit der nötigen Reife richtig die Post abgeht. Der Wein ist einfach anders in der Stilistik, irgendwo zwischen dem Brunnenhäuschen und dem Morstein liegend, mit Anklängen an beide und dennoch ganz eigen. Der größte Unterschied ist die unglaubliche Feinheit, das hebt ihn eben ab und macht ihn dann auch teurer. 100/100