Eva Fricke: »2022 war ein besonderer Jahrgang im Rheingau, sehr trocken mit kaum Niederschlag während der Saison. Daher waren die Pilz- und Krankheitsbelastung sehr gering. Dies ermöglichte es uns einen sehr natürlichen Pflanzenschutz zu verfolgen. Auf Kupfer wurde nahezu komplett verzichtet und es wurden stattdessen eigens produzierte Tees und Präparate im Pflanzenschutz verwendet. Um die Philosophie der natürlichen und interventionsarmen Weinherstellung weiter zu verfolgen, wurden zum ersten Mal neue Wege der Low-Intervention-Weinbereitung auch im Keller mit einer sehr natürlichen Herangehensweise gewählt: Einige Teile wurden direkt gepresst, andere erhielten eine 18-stündige Maischestandzeit oder wurden entrappt. Für diesen Wein wurden ausschließlich Edelstahltanks verwendet, um ihn so rein wie möglich zu halten – ohne jeglichen Einfluss von Holzfässern oder Mikrooxidation. Während der Weinbereitung hat der Wein fast zwei Jahre lang keinen Schwefel gesehen. Es ist der erste Wein, den Eva Fricke so lange auf der Feinhefe gelagert hat. So wurden die Weine im Rheingau während des 18. und 19. Jahrhundert hergestellt. Einen Monat vor der Abfüllung wurde dem Wein eine einzige Dosis Schwefel hinzugefügt.« Das ist also Eva Frickes back-to-the-future-Wein, eine Renaissance zum Weinbau bevor chemische Hilfsmittel verfügbar waren. Der Wein ist natürlich ein kleiner Ausreißer aus Frickes Range, aber ihr straffer, zitrischer und trockener Stil zieht sich auch hier durch. Eine sehr aromatische Nase mit Kamille, Zitronenschale, Brioche. Der Mund ist tannic und kraftvoll, zeigt die herbe Kraft des Jahrgangs, Grapefruitbitter mit feinen, erdigen Untertönen und getrockneten Wildblumen. Sehr lang. Ein genialer Speisenbegleiter!