Fontodi Chianti Classico Gran Selezione Terrazze San Leolino 2022 EVP 69 (bestellt),Die Gran Selezione San Leolino ist ein relativ neuer Wein bei Fontodi. Sie wurde erstmals 2019 separat ausgebaut. Die Trauben kommen aus der Lage des Weinguts im oberen Teil der Conca d'Oro, der »goldenen Muschel«. Der einzigartige Cru-Weinberg liegt ungefähr 100 Meter höher als der Vigna del Sorbo. Hier wurden schon seit dem 15. Jahrhundert Weinreben um die Kirche herum angebaut. Als Giovannis Vater die Lage erstand, war nur noch ein kleiner Teil mit Reben bestockt, der Rest war mit Olivenbäumen bepflanzt. Giovanni bewarb sich vor über 20 Jahren beim Consorzio mit dem Wunsch, hier wieder Reben pflanzen zu dürfen. Schlussendlich wurde die Anfrage genehmigt, da mit Dokumenten der Kirche belegt werden konnte, dass es sich um eine historische Weinlage handelte. Die Basis des Weins besteht aus Trauben der über 55 Jahre alten Reben, zudem kommt eine Selektion der Trauben von den besten »jungen«, mittlerweile um die 20 Jahre alten Reben hinzu. Giovanni wählt nur die allerbesten Trauben für diesen Wein aus der 7,7 Hektar großen Rebfläche aus. In warmen Jahrgängen ist der kühlere Alberese-Boden ein großer Vorteil. Mit wilden Hefen im Stahltank vergoren und dann 12 Monate lang in französischen Barriques ausgebaut, davon ein Drittel in Neuholz, ein Drittel in Zweitbelegung und ein Drittel in Drittbelegung. Anschließend folgt ein weiteres Jahr in großen Eichenfässern – hauptsächlich mit einem Fassungsvermögen von 25 hl, aber auch 27 hl und 50 hl – von einem Burgunder Küfer. Der Grund dafür ist, dass der Wein nach 1,5 Jahren im Fass dem Holz mehr Tannine entzieht, was so verhindert werden soll. Das Holz von dort ist sehr feinkörnig und stammt hauptsächlich aus Tronçais- und Allier-Eiche. Inzwischen kauft Giovanni viele Fässer völlig ohne Toasting und ansonsten nur noch mit wenig Toasting und somit weniger aromatischem Einfluss. Tiefes, beinahe undurchsichtiges Violett. Eine wunderbar opulente, weinige Nase! Konzentriert, dicht und schon beim Riechen samtig. Blaubeeren, Schwarzkirschen mit Tabak, etwas Nelke, Veilchen und würzigen Kräuternoten. Im Gegensatz zum ungestümen Vigna del Sorbo ist der Wein zurückhaltender und erscheint erst etwas schüchterner. Man muss den Torwart beinahe aus dem Kasten locken. Aber nach ein paar Minuten im Glas rückt er langsam raus. Die Nase ist beinahe burgundisch – so wunderbar elegant und harmonisch, voller zarter Finesse und besonders viel Erdigkeit. Flaccianello und Vigna del Sorbo sind reichhaltiger, während wir in der höher gelegenen Terrazza San Leolino eher einen geradeaus laufenden Wein haben, der langsam in die Tiefe geht. Im Mund treten immens saftige Schwarzkirschen und Blaubeeren auf die Zunge. Die vielen Tannine sind fein griffig, beinahe kalkig und laufen hintenraus pudrig zu. Auch der Nachhall ist cremig mit viel dunkler Frucht, etwas Lakritze, duftenden lila Veilchen, Lavendel, salzigen Kirschblüten und etwas Milchschokolade. Ein sehr starker Jahrgang aus diesem kühleren Höhenklima. Ein Wein zum Erforschen und Träumen. Das ist schon ein sehr schicker, raffinierter Wein. Es gibt nur 5.000 Flaschen – das ist also leider ziemlich rarer Stoff!,