Wie immer ist Saint-Joseph deutlich wuchtiger in der Nase als Crozes-Hermitage. Die Wucht ist wirklich verblüffend. Nicht umsonst ist der Saint-Joseph der wirkliche Konkurrent von Côte-Rôtie. Auch stilistisch. Diese warmen Hänge, sonnenbeschienen und 100 Prozent Granitböden. Feine Rappigkeit auf Brombeere und schwarzer Kirsche, viel Lakritz und Veilchenmassen in der Nase. So blumig und reich! Im Mund kommt dann verblüffender Weise eine ganz große Feinheit. Der Wein hat nur 13 Volumenprozent Alkohol und kommt ätherisch-leicht daher. Er ist reif und trotzdem nicht wuchtig im Mund, sondern kommt mit Lakritze, Veilchen und Rappen spielerisch daher. Etwas intensiver, etwas reifer, etwas wuchtiger als der Crozes-Hermitage. Auch anders in der Stilistik: Deutlich mehr warmer Hang, deutlich mehr Lakritze, aber insgesamt ist 2024 eine Rückwärtsbewegung an die Stilistik der 1990er-Jahre. Ich denke hier sogar an den Beginn der 90er – 1991. Was für eine Old Fashioned Ausrichtung, aber wie unglaublich schön! Weg von den extrem reichen, dichten Weinen der Jahre 2022 und 2023 hinzu einer Rolle Rückwärts in die Feinheit der 90er. Mit dem Vorteil der Reife und der Balance. Sehr schicker Saint-Joseph! *** Anders als die Südrhône war der kühlere Norden mit der nicht so stark von Mehltau und anderen Krankheiten geplagten Rebsorte Syrah deutlich „normaler“. Es gab zwar auch hier niedrige Erträge und spätere Reife mit niedrigerem Alkoholwert, aber wer sehr alte Reben besitzt, konnte lange warten und zu einem Zeitpunkt ernten, wie er eigentlich eher in den 1990er-Jahren üblich war. Die Weine zeigen sich durch eine sehr hohe Farbigkeit aus mit viel Violett. Sehr pfeffrige Noten, samtig-dichte und reife Tannine. Üppige, beeindruckende Rotweine ohne viel Fett aber dennoch opulent, reif und fein mit sehr moderatem Alkohol und charmantem Gerbstoff. Reich, dicht, samtig und sehr klassisch – an die besten Weine der 90er-Jahre erinnernd. *** Tardieus Saint-Joseph wächst ausschließlich auf Granitböden. Paradis, Lieu Dit Saint Joseph und Oliviers. Die obersten 10, 20 Zentimeter sind verwitterter Stein, darunter kommt richtig Fels, in den die Reben ihre Wurzeln über 100 Jahre hinweg getrieben haben. Eine Cuvée aus Syrah und Petite Syrah oder Serine, wie die uralte, kleinbeerige Form der Syrah hier genannt wird. Die Serine-Reben sind über 100 Jahre alt, sie wurden kurz nach der Reblauskrise angepflanzt. Die Syrah-Reben sind 60 Jahre alt. Der Alkoholgehalt liegt 2024 bei 13 Volumenprozent. Ein Drittel der Trauben wird vor der spontanen Fermentation in Betontanks nicht entrappt. Der Ausbau erfolgt für 12 Monate in Barriques, zum Teil neues Holz, zum Teil Zweitbelegungen. Danach für weitere acht Monate in großen Doppelstückfässern von Stockinger. Die Weine werden nicht geschönt und nicht filtriert, bevor sie in die Burgunderflaschen mit Naturkork gefüllt werden.