Die erste Nase erinnert mich stark an den Bonneveau von Ferraton. Er hat sogar ein bisschen mehr Power und tendiert damit vielleicht auch zum Lieu-dit Saint-Joseph von Ferraton. Wow, was für eine Intensität! Reiche schwarze Blumigkeit mit Veilchen, Rosen und Vergissmeinnicht. Reiche schwarze Kirsche dahinter und Holunder. Das Ganze unterlegt von gelber Frucht. Aber die schwarze Frucht dominiert – hochintensiv! Ein so typischer Tardieu’scher Saint-Joseph-Angang im Mund. Jeder, der die Weine schon öfter getrunken hat, weiß, wie sie in den Mund eintreten: Diese Kombination von roter Frucht, leicht geflämmtem Fleisch und etwas Holz. Der Wein überwältigt in seiner Intensität. Trotzdem ist er aromatisch extrem geschmackvoll, hedonistisch und lecker. Und auch unverwechselbar in seiner großen Länge… Auch hat er – wie immer in dieser Qualitätsstufe – das beste Preis-Leistungs-Verhältnis der Nordrhône. Das gilt generell für Saint-Joseph, der ja der Côte-Rôtie für Arme ist. Das ist schickes großes Kino! Aber ohne Aggressivität – das ist 2022 mit dieser großen Balance und Harmonie, mit dem typischen Angang eines Saint-Joseph von Tardieu, mit der Wucht und der hohen Intensität an roter Frucht, an Holz und Länge. Ziemlich perfekt, aber er braucht ein paar Jahre Zeit. 98-100/100 *** Tardieus Saint-Joseph wächst ausschließlich auf Granitböden. Paradis, Lieu Dit Saint Joseph und Oliviers. Die obersten 10, 20 Zentimeter sind verwitterter Stein, darunter kommt richtig Fels, in den die Reben ihre Wurzeln über 100 Jahre hinweg getrieben haben. Eine Cuvée aus Syrah und Petite Syrah oder Serine, wie die uralte, kleinbeerige Form der Syrah hier genannt wird. Die Serine-Reben sind über 100 Jahre alt, sie wurden kurz nach der Reblauskrise angepflanzt. Die Syrah-Reben sind 60 Jahre alt. Der Alkoholgehalt liegt 2022 bei 13 Volumenprozent. Die Hälfte der Trauben wird vor der spontanen Fermentation in Betontanks nicht entrappt. Der Ausbau erfolgt für 12 Monate in Barriques, zum Teil neues Holz, zum Teil Zweitbelegungen. Danach für weitere acht Monate in großen Doppelstückfässern von Stockinger. Die Weine werden nicht geschönt und nicht filtriert, bevor sie in die Burgunderflaschen mit Naturkork gefüllt werden.