Die Region Montsant ist geografisch um die Region Priorat herum gelegen und stand lange Zeit im Schatten des wesentlich bekannteren Nachbarn. Für Insider wurde das Montsant bereits vor drei Jahrzehnten zum verlässlichen Lieferanten für Weine gleichwertiger Qualität, aber zu bedeutend attraktiveren Preisen. Venus ist ein Weingut, das von zwei absoluten Ikonen des Priorat geführt wird, nämlich René Barbier – bekannt durch seinen Clos Mogador – und Sara Perez, der Chief-Winemakerin von Mas Martinet. Wer aufgrund dessen hier relativ klassische Weine erwartet, liegt falsch, denn dieser Stoff polarisiert! Die hochspannenden Weine sind ein wildes Erlebnis für erfahrene Weinfans, Liebhaber der oxidativen Weine aus dem Jura und mutige Abenteurer. Alle Weinberge werden aus Überzeugung biologisch bewirtschaftet. Der Blend besteht aus 40 Prozent Garnatxa Blanca (Grenache Blanc), 50 Prozent Macabeu (Viura) und 10 Prozent Xarel-lo, zum Teil kommen die Trauben von über 70 Jahre alten Rebstöcken. Dido Blanc ist genauer gesagt ein eher ein Blend aus Weißwein und »Orange Wine«, denn über 20 Prozent der Trauben werden zum Teil bis zu 15 Tagen auf den Traubenschalen mazeriert, der Rest wird direkt abgepresst und in offenen Gärtanks mit wilden Hefen vergoren. Der 14-monatige Ausbau erfolgt in einer Mischung aus gebrauchten Holzfässern sowie in jeweils einem 5.000 Liter und einem 2.500 Liter fassenden Fuderfass auf der Feinhefe. Frisch geöffnet erinnert der Stoff an eine Mischung aus würzigen Rotschmierkäse und reduktiven Aromen wie Gemüse und Kohl. Man fragt sich zu Recht: Freakstoff oder genial?! ABER dieser Wein ist ein Verwandlungskünstler und muss unbedingt karaffiert werden, im Idealfall ziehen Sie den Korken ein bis zwei Tage zuvor! Dann steht er in zartem, brillant leuchtendem Altgold im Glas. Die Nase offenbart ein Sammelsurium aus Salbei, getrockneten gelben Blüten, würzigen Piniennadeln und Orangenabrieb auf mürben Äpfeln, gebackener Quitte, immer noch ein Touch der charaktervollen Würze eines Munsterkäse mit enorm viel druckvoll schiebender, steiniger Mineralität und rauchigem, frisch zerschlagenem Feuerstein und Schiefer. Im Mund knallt der Stoff beinahe mit rieslingartiger Spannung und Frische auf die Zunge. Die Schalenhauptik hinterlässt Aromen von Rucola und süßen mediterranen Kräutern in animierender Bitterkeit. Insgesamt zeigt sich die Mineralität auch im Mund durch salziges Gesteinsmehl und Salzorange. Im Nachhall bleiben gebackene Quitte, Apfel-Tarte Tatin und feurige Milchschokolade mit Chili auf der Zunge. What a ride! Dieser Wein ist aus der Zusammenarbeit zweier Winzer-Genies entstanden, dennoch wird er beim ersten Schluck aus der Flasche garantiert unterschätzt. Wie gesagt, braucht er Luft, ein großes Glas und etwas Geduld. Sehr spannend!