Schloss Johannisberg: Riesling Orangelack Kabinett 2023

Schloss Johannisberg: Riesling Orangelack Kabinett 2023

VDP

Zum Winzer

Riesling 100%
weiß, süß
10,0% Vol.
Trinkreife: 2024–2049
Lobenberg: 98/100
Suckling: 98/100
Deutschland, Rheingau
Allergene: Sulfite,
lobenberg

Heiner Lobenberg über:
Riesling Orangelack Kabinett 2023

98
/100

Lobenberg: Die Trauben für den Orangelack kommen aus einer kleinen Parzelle, die südöstlich unter dem Schloss liegt. Sie werden in einer traditionellen Korbpresse abgepresst und im Stahltank vergoren. Anschließend erfolgt der sechs Monate dauernde Ausbau in großen 1.200 Liter fassenden Fuderfässern, bevor abgefüllt wird. Leuchtendes Strohgelb. Die Nase ist vibrierend lebendig und eröffnet viel attraktive, perfekt reife, saftige gelbe Frucht. Weinbergspfirsich, Aprikose, gelbe Äpfel und exotische Ananas. Die Frucht-Aromen sind puristisch und klar. Weißer Honig, leicht rauchiges Gesteinsmehl, duftende Tannennadeln und die verspielte, süße Vanille- und Zimtwürze machen den Wein zum Leckerli! Aber das Beeindruckende ist die intensive, karge, steinige Mineralität, die von Minute zu Minute lauter wird im Glas. Der erste Schluck – dieser Stoff ist ultra lecker! Weißer Pfirsich, und die saftigste Nektarine mit Mandarinen und Honig. Die krasse Säure des Weins geht in der dichten, reifen Frucht beinahe unter, daher hat dieser Kabinett im Mund eine perfekt balancierte Süße. Salzige Zitrusaromen mit weißem Honig, duftenden Obstblüten, gelbem Steinobst und überraschenderweise auch aromatische Walderdbeere bleiben im Mund. Schicker und äußerst leckerer Stoff!

Jahrgangsbericht

Der Winter 2022 auf 2023 brachte endlich, wovon wir in den letzten Jahren oft zu wenig hatten: Niederschlag. Dank Regen satt, waren die Wasserreserven nach dem viel zu trockenen 2022 endlich wieder gut gefüllt, was den Reben einen vitalen Start ins Frühjahr eröffnete. Nahezu keine Frostschäden und paradiesisches Wetter begleiteten eine tolle Austriebs- und Blütezeit, die die Winzerherzen höherschlagen ließ. Es folgte, woran wir uns – mit Ausnahme von 2021 – bereits gewöhnt haben: ein heißer und (zu) trockener Sommer. An den kargsten Standorten gab es wie im Vorjahr etwas Trockenstress. Die älteren Reben kamen aber aufgrund der satten Winterniederschläge glimpflich und sehr gesund durch den provençalischen Frühsommer. Nichtsdestotrotz hätte 2023 eine mittlere Katastrophe werden können, wenn die Trockenheit bis zur Lese so durchgepowert hätte, doch ausgerechnet der sonnenverwöhnte August brachte die Kehrtwende auf den Hacken, denn es war der regenreichste August seit langem. Ab Anfang/Mitte September – gerade recht zur Lesezeit – machte das Wetter vielerorts erneut eine Kehrtwende und schwenkte zurück zu sonnig-warmen, trockenen Verhältnissen. Die bereits kühleren Nächte ermöglichten eine hocharomatische Ausreifung, die 2023 diese gewaltige Fruchtstärke und kühle Brillanz beschert hat. Tatsächlich sahen die Trauben mancherorts aus wie von einem anderen Stern: goldgelb, hochreif und voll praller Energie und Saft. Ob 2023 wirklich DAS Jahr der Jahre ist, steht natürlich noch in den Sternen, aber die Vorzeichen sind mehr als grandios… es ist aus mehreren Gründen der faszinierendste Jahrgang der letzten Jahre. Kein Jahr zuvor war in der Vegetationsperiode so »sonnig« UND so »nass« zugleich. Also doch kein reines (Wein-)Wunder, dass 2023 diese wundervolle geschmackliche Mischung zwischen den aromatisch-dichten 2018ern und 2019ern, sowie den rassig-kühlen 2012ern und 2013ern ist. Warme, satte Agrumenfrucht ohne Ende, von Grapefruit bis Quitte ist alles dabei – und darunterliegend immer wieder dieser mitreißende Speichelturbo. Die Weine haben mehr Dichte als in 2020, eine höhere Reife als in 2021 und mehr Geschmeidigkeit als in 2022 – deshalb gefällt mir der Jahrgang beim Riesling in der Breite bisher auch besser als seine Vorgänger. 2023 kann sowohl 2021er Riesling-Freaks als auch Fans des runderen 2018 abholen. Die Einzigartigkeit der 2023er Rieslinge liegt im Akkord aus beeindruckender Dichte, die selten schwer wirkt, glasklarem Terroircharakter und einem Trinkfluss für die Götter. Die höhere Wasserverfügbarkeit der Reben hat vielen Weinen einen schwer in Worte zu fassenden »Fluss« verliehen. Die Besten sind so reich und geschmeidig, dennoch nie fett oder überwältigend, immer freudvoll und saftig. Vor allem im direkten Vergleich mit dem phenolisch-festeren und etwas kargeren Vorjahr 2022, ist das ein Quantensprung in Richtung früher Trinkbarkeit und Gourmetfaktor. Ich kann mir gut vorstellen, dass 2023 sogar bei den großen Weinen für eine längere Zeit offen und zugänglich bleibt. Das gibt dem Jahr potenziell ein riesiges Trinkfenster, denn dank tiefer pH-Werte und großer Balance ist das allemal auch ein Jahrgang für den Keller. In der Spitze sind die 2023er buddhistische Rieslinge. Keines der letzten drei Jahre hatte ein so stimmiges Gesamtbild aus expressiver Frucht, samtig-dichter Textur und perfekt reifen Säuren. 2023 fließt einfach – Hedonismus pur!

98
/100

Suckling über: Riesling Orangelack Kabinett

-- Suckling: What explosive aromas this astonishing riesling Kabinett has. The aromatic maelstrom is hard to adequately describe, but there’s no question that the flinty energy catalyses the astonishing spectrum of aromas that reaches from rose hips to gunpowder via vineyard peaches and pomegranates. Staggering energy in the extremely long and incredibly stony finish. From organically grown grapes. Drinkable now, but best from 2026

Mein Winzer

Schloss Johannisberg

Schloss Johannisberg, eine weltweit bekannte und begehrte Instanz in Punkto Riesling. Das von Reben arrondierte Schloss ist eines der Aushängeschilder des Rheingaus und eines der schönsten Weingüter der Welt. Schloss Johannisberg war das erste Weingut, auf dessen Rebfläche zu 100 Prozent Riesling...