Tim Fröhlich will einfach keine weichen Trauben während der Ernte, er sucht immer die leicht grünlichen Nuancen bei voller Reife. Der Schlüssel war der Ertrag in diesem Jahr, er musste niedrig sein. Alte Reben, tiefe Wurzeln und kleine Beeren, dann war die Dichte und Kraft da. Der Felsenberg war der am frühsten geerntete Plot der GGs, um die Säure zu erhalten, weil es schon auch ein warmes Terroir ist. Der Duft des Felsenberg ist faszinierend, karg und steinig. Der Jahrgang 2023 hatte ja schon genug Wasser über den Sommer, sodass es zwar straight und rassig ist, aber eben auch diese Cremigkeit und dieses kleine Plus an Charme hat, das den etwas härteren 2022ern gefehlt hat hier und da. Die typische warmsteinige Nase des Felsenberg kommt raus, wamer Sandstein, Sommerregen, gelbe Blüten und etwas Orangenschale, dazu die herbsaftige Grapefruit und diese ungeheuerliche dunkle Mineralität. Berauschend pikant, staubig-steinig, im Antrunk auf kühler, vibrierender Salzigkeit laufend, extrem präzise und fokussiert, aber so krachend intensiv und knochentrocken. Das ist schon ein brachialer Gesteinshammer, aber er hat diese schiebende, würzig-warme Steinigkeit, die sich durch den kraftvoll-vulkanischen Nachhall zieht. Die hohen Extrakte aus dem grandiosen Lesegut puffern die einschneidende Mineralität wunderbar ab, samtiger Trinkfluss, zugleich diese kompromisslose Salzigkeit, die sich in die Backen fräst. Die Balance dieses Jahrgangs ist herausragend, wie 2012 mit einem Plus an Reife. Selbst in der Jugend zugänglich, weil die Phenolik so saftig und reif ist, weil die Säure zwar vorne mitspielt, doch dabei so sämig und integriert ist. Der Stoff zieht wie eine Lokomotive, es geht nur geradeaus und hat doch den unvergleichlichen Charme von 2023. 97-98+/100