Direkt davor hatten wir den Côte-Rôtie im Glas. Der Hermitage kommt ziemlich anders rüber, monolithischer. Hochintensive rote Kirsche, Sauerkirsche und Holunder. Sehr gerade mit sauber definierten Kanten und Ecken. Nicht dieses Spielerische und Komplexe wie beim Côte-Rôtie, sondern eher druckvoll geradeauslaufend. Aber nicht fett, nicht wie 2022, sondern eher leicht und filigran bleibend. Mit viel Veilchenwürze darunter. Auch im Mund dominieren die Veilchen, dazu schwarze Kirsche, süße Brombeere und etwas Cassis. Gute Länge zeigend mit viel Druck. Aber da muss man ehrlich sein: nicht an den Côte-Rôtie heranreichend, der so komplex und abgehoben war. Eher auf dem sehr guten Level des Cornas Vieilles Vignes, nur in einer etwas anderen Ausprägung. 97-98/100 *** Der Hermitage von Tardieu besteht natürlich zu 100 Prozent Petite Syrah. Oder Serine, wie die uralte, kleinbeerige Form der Syrah hier genannt wird. Die Reben sind 60 Jahre alt. Die Trauben wachsen in verschiedenen Einzellagen im Hermitage-Berg: Méal, Pierrelles, Dionnières, La Croix. 13,5 Volumenprozent Alkohol. Ein Drittel der Trauben wird nicht entrappt. Die Spontangärung geschieht im Barrique, der Ausbau für 12 Monate in Barriques, 40 Prozent neues Holz. Danach wird der Wein weitere 12 Monate ins große Doppelstück von Stockinger gelegt. Keine Schönung und Filtration vor der Füllung in die authentischen Burgunderflaschen mit Naturkork.