Markus Molitor: Riesling Zeltinger Sonnenuhr Spätlese Weiße Kapsel 2024

Markus Molitor: Riesling Zeltinger Sonnenuhr Spätlese Weiße Kapsel 2024

Zum Winzer

Riesling 100%
weiß, trocken
11,0% Vol.
Trinkreife: 2029–2056
frische Säure
mineralisch
Lobenberg: 95–96+/100
Galloni: 94/100
Suckling: 94/100
Deutschland, Mosel Saar Ruwer
Allergene: Sulfite,
lobenberg

Heiner Lobenberg über:
Riesling Zeltinger Sonnenuhr Spätlese Weiße Kapsel 2024

95–96+
/100

Das Jahr 2024 war ein sehr klassisches für Riesling, vergleichbar mit 2014 oder 2008 im Charakter, verspielt, kühl, sehr straight. Leider gab es an der Mosel teilweise drastische Frostverluste, sodass die Mengen unterdurchschnittlich sind. Die kühlere und nasse Witterung hat eine sehr strenge Selektion der besten Trauben notwendig gemacht, das ging schon in der Basis los. Am Ende ist es bei Molitor ein Jahrgang für Rieslingfans der alten Schule, wunderbar ausgewogen, filigran, superfrisch und doch mit genug Power. Neben Molitors Paradelagen in Zeltingen brilliert vor allem der Hang zwischen dem Erdener Treppchen und dem Ürziger Würzgarten. Das ist Markus Molitors Paradelage, vielleicht neuerdings ein klein wenig im Schatten des Bernkasteler Doctor. Aber grundsätzlich ist die Zeltinger Sonnenuhr das Beste, was Markus auf die Flasche bringt. Reiner Schiefer, die Reben sind wurzelecht, 80 bis 90 Jahre alt. Als Ganztraube angequetscht, bis zu einem Tag auf der Maische gelassen, langsam abgepresst und dann im Holzfass spontanvergoren. In der Nase purer Stein, Feuerstein, Kreide, langsam etwas Zitronenabrieb, Limettensaft, Bergminze, aber total reif, nichts anstrengendes wie in 2021 wo es so scharf war. Das ist eine ganz feine Klinge, straff und ultramineral, etwas für Mosel-Puristen. Für Einsteiger mag diese Lage etwas zu salzig und mineralgetrieben sein, da gibt es in Erden oder Ürzig vielleicht etwas mehr Frucht zu holen. Das ist einfach extrem pur und straight. Ich liebe das ja! Im Mund mehr Druck und Dichte entwickelnd als ich dachte – und das aus nur 11% vol. Alkohol. Wahnsinnig konzentriert in seiner geschliffenen Leichtigkeit, innere Kraft ohne Schwere. Es wird sogar ein bisschen cremig, seidig hintenraus, ist in keinster Weise extremistisch, sondern voller Finesse und unbändigem mineralischem Grip. Wow, für eine Spätlese ist das ein gewaltig hohes Niveau, was soll denn da später noch kommen mit den GGs und Auslesen?! Ein Mega-Wert für dieses Geld, Reich, ohne fett zu sein, sondern verspielt. Dennoch ziemlich viel Grip und Stoff in der Mitte. Viel besser geht eine trockene Mosel-Spätlese nicht mehr.

Jahrgangsbericht

»Here comes the rain again…« – das Weinjahr 2024 war rasant und aufwühlend. Eine deutlich kühlere Vegetationsperiode mit wechselnden Regen- und Trockenphasen forderte die Winzer heraus. Der frühe Austrieb im April wurde von heftigen Spätfrösten abgelöst, die Ahr, Nahe, Nordbaden, Saar und Ruwer besonders hart trafen und zu teils dramatischen Ernteausfällen führten. Viel Manpower, bedingungsloser Einsatz und sorgfältige Selektion waren entscheidend. Die besten 2024er Weine zeigen eine bemerkenswerte Finesse mit überraschend viel Stoffigkeit und schlanker Kraft. Der kühlere Ausdruck erinnert an die präzisen Klassiker 2016, 2008, 2004 und 2002. Sie sind extrem klar gezeichnet und definiert und besitzen häufig mindestens ein Volumenprozent weniger Alkohol als die Vorjahre. Umso überraschender ist die Substanz und innere Dichte, die durch ausgiebige Sommerniederschläge und eine langsame Reifung bis in die kühlen Nächte der späten Lese ermöglicht wurde. Die Trauben erreichten enorm hohe Extraktwerte, die mit 2023 konkurrieren. »Die schönsten Aromen gedeihen im Schatten.« wie Florian Lauer immer sagt. Die Säuren sind »nordisch-straff« und vibrierend, aber reifer und weniger einschneidend als im “krachenden” 2021. Die Weine bieten eine genussvolle Cremigkeit, ohne ihr elektrisierendes Rückgrat zu verlieren. Der 2024er ist ein harmonischerer und feinerer Jahrgang als ebenfalls kühlere 2021, zudem ist es aromatisch in einem klassischeren und schlankeren Profil angesiedelt als die »Vollgas-2023er«. Bei vielen Weinen wurde ein Level erreicht, das mit dem Benchmark-Jahrgang 2023 mithalten kann, auch wenn die Mengen besonders bei den Großen Gewächsen teils sehr gering sind. Es gibt so viele wunderschöne, filigrane, saftig-dichte und auch richtig lecker-delikate Weine in diesem Jahr. Und das kann in dieser Leichtigkeit und finessenreichen, athletischen Form heute eben fast nur noch in Deutschland so geerntet werden. Franken glänzt mit exzellenten Silvanern mit kühlem Saft und eleganter Stoffigkeit. An Mosel-Saar-Ruwer wurde im restsüßen Bereich von Kabinett bis Auslese absolute Weltklasse geerntet, trotz mancherorts verheerender Frostschäden. Die Nahe glänzt 2024 nicht nur mit Riesling in ultrafokussierter Manier, sondern auch mit Burgundern dieses Jahr – genau wie die Südpfalz! Der wärmeren Mittelhaardt steht ein kühleres Jahr immer mehr als gut. Von Christmann über Bürklin bis Winning ist das der Stoff aus dem Riesling-Träume sind. In Rheinhessen hat wohl der Rote Hang sein Jahr der Jahre, so viele Mega-GGs nach den schwierigen Trockenjahren dort ein Segen… wow!

94
/100

Galloni über: Riesling Zeltinger Sonnenuhr Spätlese Weiße Kapsel

The 2024 Riesling Zeltinger Sonnenuhr Spätlese (White Capsule) has a gorgeous note of flint that mixes with fern and white peach. It is beautifully lithe, throwing an arc of light across the palate. The 2024 is bright, cooling, stony and precise. It will take time to unfold its charms but is convincing with its absolutely linear nature. (Bone-dry)

94
/100

Suckling über: Riesling Zeltinger Sonnenuhr Spätlese Weiße Kapsel

Cool and understated, but with excellent concentration and structure, this is an impressive dry Spatlese. Really needs more time in the bottle to reveal all its treasures, though the intensity of slate minerality in the finish is already stunning. Drink or hold.,,

Mein Winzer

Markus Molitor

Als der blutjunge Markus Molitor 1984 mit 20 Jahren das Weingut an der Mosel vom Vater übernahm, fing er praktisch bei Null an; ohne jede eigene Anbaufläche. Also harte Maloche auf gepachtetem Rebland.

Riesling Zeltinger Sonnenuhr Spätlese Weiße Kapsel 2024