Das Jahr 2024 war ein sehr klassisches für Riesling, vergleichbar mit 2014 oder 2008 im Charakter, verspielt, kühl, sehr straight. Leider gab es an der Mosel teilweise drastische Frostverluste, sodass die Mengen unterdurchschnittlich sind. Die kühlere und nasse Witterung hat eine sehr strenge Selektion der besten Trauben notwendig gemacht, das ging schon in der Basis los. Am Ende ist es bei Molitor ein Jahrgang für Rieslingfans der alten Schule, wunderbar ausgewogen, filigran, superfrisch und doch mit genug Power. Neben Molitors Paradelagen in Zeltingen brilliert vor allem der Hang zwischen dem Erdener Treppchen und dem Ürziger Würzgarten. Das ist Markus Molitors Paradelage, vielleicht neuerdings ein klein wenig im Schatten des Bernkasteler Doctor. Aber grundsätzlich ist die Zeltinger Sonnenuhr das Beste, was Markus auf die Flasche bringt. Reiner Schiefer, die Reben sind wurzelecht, 80 bis 90 Jahre alt. Als Ganztraube angequetscht, bis zu einem Tag auf der Maische gelassen, langsam abgepresst und dann im Holzfass spontanvergoren. In der Nase purer Stein, Feuerstein, Kreide, langsam etwas Zitronenabrieb, Limettensaft, Bergminze, aber total reif, nichts anstrengendes wie in 2021 wo es so scharf war. Das ist eine ganz feine Klinge, straff und ultramineral, etwas für Mosel-Puristen. Für Einsteiger mag diese Lage etwas zu salzig und mineralgetrieben sein, da gibt es in Erden oder Ürzig vielleicht etwas mehr Frucht zu holen. Das ist einfach extrem pur und straight. Ich liebe das ja! Im Mund mehr Druck und Dichte entwickelnd als ich dachte – und das aus nur 11% vol. Alkohol. Wahnsinnig konzentriert in seiner geschliffenen Leichtigkeit, innere Kraft ohne Schwere. Es wird sogar ein bisschen cremig, seidig hintenraus, ist in keinster Weise extremistisch, sondern voller Finesse und unbändigem mineralischem Grip. Wow, für eine Spätlese ist das ein gewaltig hohes Niveau, was soll denn da später noch kommen mit den GGs und Auslesen?! Ein Mega-Wert für dieses Geld, Reich, ohne fett zu sein, sondern verspielt. Dennoch ziemlich viel Grip und Stoff in der Mitte. Viel besser geht eine trockene Mosel-Spätlese nicht mehr.