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Markus Molitor: Riesling Zeltinger Sonnenuhr Spätlese Weiße Kapsel 2023
100
- Riesling 100%
- weiß, trocken
- 11,0% Vol.
- Trinkreife: 2028–2055
- frische Säure
- mineralisch
- Lobenberg: 96–97/100
- Parker: 96/100
- Suckling: 95/100
- Yves Beck: 96/100
- Deutschland, Mosel Saar Ruwer
- Allergene: Sulfite,
Abfüller / Importeur: Markus Molitor, Haus Klosterberg, 54470 Bernkastel-Wehlen, DEUTSCHLAND
Heiner Lobenberg über:
Riesling Zeltinger Sonnenuhr Spätlese Weiße Kapsel 2023
/100
Neben Molitors Paradelagen in Zeltingen brilliert vor allem der Hang zwischen dem Erdener Treppchen und dem Ürziger Würzgarten. Das ist Markus Molitors Paradelage, vielleicht neuerdings ein klein wenig im Schatten des Berncasteler Doctor Versteigerungsweins. Aber grundsätzlich ist die Zeltinger Sonnenuhr das Beste, was Markus auf die Flasche bringt. Reiner Schiefer, die Reben sind wurzelecht, 80 bis 90 Jahre alt. Als Ganztraube angequetscht, bis zu einem Tag auf der Maische gelassen, langsam abgepresst und dann im Holzfass spontanvergoren. Zarte Zitronennoten, aber total reif, nichts anstrengendes wie in 2021 wo es so scharf war. Aber es ist neben der Weltklasse-Spätlese aus dem Würzgarten die feinere Klinge, wie immer. Straffer und steiniger in der Auslegung, weniger aromatisch, sondern seriöser und strikter. Die pure Eleganz im Schiefergestein. Etwas Limettenzeste, weißer Pfirsich, glockenhell und kristallin. Auch ein Touch Veilchen und Holunderbeere, was ihm neben den Unmengen an Gestein und Salz auch etwas Charme verleiht. Da zeigt sich die tolle Balance von 2023, das ein bisschen die Quadratur des Kreises aus Mineralität und Delikatesse ist. Seidige Gerbstoffe, die auf der Zunge tanzen. Und dann kommt der Mund und mit ihm die große Verblüffung. Denn so karg-steinig wie die Nase war, so fantastisch satt und konzentriert und cremig-dicht ist es am Gaumen. Keine Extreme, sondern eine hochfeine, wahnsinnig konzentrierte Power aus Mirabelle und Grapefruit. Dicht ohne Ende. Ich bin baff! Ein akrobatischer Riesling, der pures Gestein in der Nase in einen so geschmackvollen, reifen und satten Mundeintritt übersetzt. Das ist große Klasse, denn so viel seidigen Charme hatte ich gar nicht erwartet. Natürlich ist die salzige Frische im Kern dennoch da, aber dass der Wein jung schon so gut schmeckt und so köstlich zugänglich ist, verblüfft mich wirklich. Reich, ohne fett zu sein, sondern verspielt. Dennoch ziemlich viel Grip und Stoff in der Mitte. Viel besser geht eine trockene Mosel-Spätlese nicht mehr, auch wenn mich der Würzgarten sogar noch einen Hauch mehr mitgenommen hat in 2023. Aber das ist Geschmackssache. 96-97/100
Jahrgangsbericht
Der Winter 2022 auf 2023 brachte endlich, wovon wir in den letzten Jahren oft zu wenig hatten: Niederschlag. Dank Regen satt, waren die Wasserreserven nach dem viel zu trockenen 2022 endlich wieder gut gefüllt, was den Reben einen vitalen Start ins Frühjahr eröffnete. Nahezu keine Frostschäden und paradiesisches Wetter begleiteten eine tolle Austriebs- und Blütezeit, die die Winzerherzen höherschlagen ließ. Es folgte, woran wir uns – mit Ausnahme von 2021 – bereits gewöhnt haben: ein heißer und (zu) trockener Sommer. An den kargsten Standorten gab es wie im Vorjahr etwas Trockenstress. Die älteren Reben kamen aber aufgrund der satten Winterniederschläge glimpflich und sehr gesund durch den provençalischen Frühsommer. Nichtsdestotrotz hätte 2023 eine mittlere Katastrophe werden können, wenn die Trockenheit bis zur Lese so durchgepowert hätte, doch ausgerechnet der sonnenverwöhnte August brachte die Kehrtwende auf den Hacken, denn es war der regenreichste August seit langem. Ab Anfang/Mitte September – gerade recht zur Lesezeit – machte das Wetter vielerorts erneut eine Kehrtwende und schwenkte zurück zu sonnig-warmen, trockenen Verhältnissen. Die bereits kühleren Nächte ermöglichten eine hocharomatische Ausreifung, die 2023 diese gewaltige Fruchtstärke und kühle Brillanz beschert hat. Tatsächlich sahen die Trauben mancherorts aus wie von einem anderen Stern: goldgelb, hochreif und voll praller Energie und Saft. Ob 2023 wirklich DAS Jahr der Jahre ist, steht natürlich noch in den Sternen, aber die Vorzeichen sind mehr als grandios… es ist aus mehreren Gründen der faszinierendste Jahrgang der letzten Jahre. Kein Jahr zuvor war in der Vegetationsperiode so »sonnig« UND so »nass« zugleich. Also doch kein reines (Wein-)Wunder, dass 2023 diese wundervolle geschmackliche Mischung zwischen den aromatisch-dichten 2018ern und 2019ern, sowie den rassig-kühlen 2012ern und 2013ern ist. Warme, satte Agrumenfrucht ohne Ende, von Grapefruit bis Quitte ist alles dabei – und darunterliegend immer wieder dieser mitreißende Speichelturbo. Die Weine haben mehr Dichte als in 2020, eine höhere Reife als in 2021 und mehr Geschmeidigkeit als in 2022 – deshalb gefällt mir der Jahrgang beim Riesling in der Breite bisher auch besser als seine Vorgänger. 2023 kann sowohl 2021er Riesling-Freaks als auch Fans des runderen 2018 abholen. Die Einzigartigkeit der 2023er Rieslinge liegt im Akkord aus beeindruckender Dichte, die selten schwer wirkt, glasklarem Terroircharakter und einem Trinkfluss für die Götter. Die höhere Wasserverfügbarkeit der Reben hat vielen Weinen einen schwer in Worte zu fassenden »Fluss« verliehen. Die Besten sind so reich und geschmeidig, dennoch nie fett oder überwältigend, immer freudvoll und saftig. Vor allem im direkten Vergleich mit dem phenolisch-festeren und etwas kargeren Vorjahr 2022, ist das ein Quantensprung in Richtung früher Trinkbarkeit und Gourmetfaktor. Ich kann mir gut vorstellen, dass 2023 sogar bei den großen Weinen für eine längere Zeit offen und zugänglich bleibt. Das gibt dem Jahr potenziell ein riesiges Trinkfenster, denn dank tiefer pH-Werte und großer Balance ist das allemal auch ein Jahrgang für den Keller. In der Spitze sind die 2023er buddhistische Rieslinge. Keines der letzten drei Jahre hatte ein so stimmiges Gesamtbild aus expressiver Frucht, samtig-dichter Textur und perfekt reifen Säuren. 2023 fließt einfach – Hedonismus pur!
/100
Parker über: Riesling Zeltinger Sonnenuhr Spätlese Weiße Kapsel
The 2023 Riesling Zeltinger Sonnenuhr Spätlese (White Capsule) is remarkably refined and elegant on the beautiful, intense, complex, saline and slatey nose. Round, crystalline and refined on the palate, this wine is intense, complex and enormously saline, delivering finesse and elegance rather than power, even though it is intense enough to outclass most of the VDP GGs—and not just the ones from the 2023 vintage. This is a spectacular dry Spätlese from the Sonnenuhr. 11% stated alcohol. Natural cork. Tasted at the domaine from AP 19 24 in January 2026.
/100
Suckling über: Riesling Zeltinger Sonnenuhr Spätlese Weiße Kapsel
This wonderfully silky beauty is a monument to finesse! Just 11% alcohol with very delicate stone-fruit and spice aromas, the slatey minerality building beautifully at the long, extremely elegant and filigree finish. Drink or hold.,
/100
Yves Beck über: Riesling Zeltinger Sonnenuhr Spätlese Weiße Kapsel
Dieses filigrane Bouquet setzt auf Subtilitat. Es erinnert mit viel Fingerspitzengefühl daran, dass man nicht laut sprechen muss, um zu glänzen, sondern dass es ausreicht, pointiert zu sein. Alles ist mit atemberaubender Präzision aufeinander abgestimmt, wobei jede Komponente einen wichtigen Platz einnimmt, ohne sich in den Vordergrund drängen zu wollen! Diese Logik gilt auch am Gaumen. Der Wein ist salzig, lebhaft, subtil und schlank, was ihn jedoch nicht daran hindert, kräftig und pragnant zu sein. Ein mundender, delikater, lebhafter und anhaltender Wein. Eine Art Marathonläufer, der wahrscheinlich auch im Speerwerfen oder im Boxen in der Leichtgewichtsklasse erfolgreich ist! Knackig und punchy.
Markus Molitor
Als der blutjunge Markus Molitor 1984 mit 20 Jahren das Weingut an der Mosel vom Vater übernahm, fing er praktisch bei Null an; ohne jede eigene Anbaufläche. Also harte Maloche auf gepachtetem Rebland.