Neben Molitors Paradelagen in Zeltingen brilliert vor allem der Hang zwischen dem Erdener Treppchen und dem Ürziger Würzgarten. Das ist Markus Molitors Paradelage, vielleicht neuerdings ein klein wenig im Schatten des Berncasteler Doctor Versteigerungsweins. Aber grundsätzlich ist die Zeltinger Sonnenuhr das Beste, was Markus auf die Flasche bringt. Reiner Schiefer, die Reben sind wurzelecht, 80 bis 90 Jahre alt. Als Ganztraube angequetscht, bis zu einem Tag auf der Maische gelassen, langsam abgepresst und dann im Holzfass spontanvergoren. Zarte Zitronennoten, aber total reif, nichts anstrengendes wie in 2021 wo es so scharf war. Aber es ist neben der Weltklasse-Spätlese aus dem Würzgarten die feinere Klinge, wie immer. Straffer und steiniger in der Auslegung, weniger aromatisch, sondern seriöser und strikter. Die pure Eleganz im Schiefergestein. Etwas Limettenzeste, weißer Pfirsich, glockenhell und kristallin. Auch ein Touch Veilchen und Holunderbeere, was ihm neben den Unmengen an Gestein und Salz auch etwas Charme verleiht. Da zeigt sich die tolle Balance von 2023, das ein bisschen die Quadratur des Kreises aus Mineralität und Delikatesse ist. Seidige Gerbstoffe, die auf der Zunge tanzen. Und dann kommt der Mund und mit ihm die große Verblüffung. Denn so karg-steinig wie die Nase war, so fantastisch satt und konzentriert und cremig-dicht ist es am Gaumen. Keine Extreme, sondern eine hochfeine, wahnsinnig konzentrierte Power aus Mirabelle und Grapefruit. Dicht ohne Ende. Ich bin baff! Ein akrobatischer Riesling, der pures Gestein in der Nase in einen so geschmackvollen, reifen und satten Mundeintritt übersetzt. Das ist große Klasse, denn so viel seidigen Charme hatte ich gar nicht erwartet. Natürlich ist die salzige Frische im Kern dennoch da, aber dass der Wein jung schon so gut schmeckt und so köstlich zugänglich ist, verblüfft mich wirklich. Reich, ohne fett zu sein, sondern verspielt. Dennoch ziemlich viel Grip und Stoff in der Mitte. Viel besser geht eine trockene Mosel-Spätlese nicht mehr, auch wenn mich der Würzgarten sogar noch einen Hauch mehr mitgenommen hat in 2023. Aber das ist Geschmackssache. 96-97/100