Der Zeltinger Schlossberg ist der an die Zeltinger Sonnenuhr anschließende Hang. Schlossberg Auslese** ist das Beste, was aus diesem Weinberg geholt wurde in 2018, denn er hat sich entschlossen die 2- und 3-Sterne-Auslesen hier zusammenfließen zulassen. Das kommt uns natürlich sehr entgegen, denn der Wein kostet damit ja nur die Hälfte. Hier also top of the top in relativ preiswert. Es ist der steilste Abschnitt dieses Hanges aus dem der Wein gewonnen wird, über 80 Jahre alte wurzelechte Reben in Einzelpfahlerziehung mit extremster Ausrichtung. Anders als die Zeltinger Sonnenuhr ist der Schlossberg deutlicher im Schiefer zu Hause. Zudem ist er reicher und opulenter in seiner Frucht, fast ölig in seiner Konzentration. Mit einer Lesemannschaft von 80 Leuten hat Molitor gearbeitet in 2022, das merkt man hier auch ganz klar. Die Auslese der Trauben ist makellos, hochreif, hochintensiv. Gewaltig viel Druck in der Nase, aber total clean, nahezu keine Botrytis. Grüne Mango, Passionsfrucht, Marzipan, Blütenpollen und Akazienhonig im Duft. Trotz seiner hohen Konzentration nicht so laut und kraftmeiernd wie ein Wein aus Ürzig. Schon fein bleibend, Zeltingen hat feine Weine. Aber dieser Schlossberg, der sich von Zeltingen weg Richtung Rachtig bewegt hat auf jeden Fall mehr Dampf als die Sonnenuhr. Eine große Delikatesse im Mund, gelbfruchtig, dicht und samtig, die Säure marmoriert den Wein ganz zart. Hohe Spannung, aber alles total entspannt, die Mineralität strukturiert den Wein, bleibt aber untergründig und wird nicht stechend. Eine hochfeine und zugleich hochintensive Auslese. Wegen ihrer Reichhaltigkeit eigentlich immer, aber in 2022 ganz besonders eine Auslese für Gourmets. Die allerletzte Finesse zu den 3-Sternen fehlt, aber wer wollte sich bei solcher Köstlichkeit und zu diesem Preis beklagen?! 97-98+/100