Jülg: Chardonnay Schweigen Ortswein 2024

Jülg: Chardonnay Schweigen Ortswein 2024

VDP

Zum Winzer

Chardonnay 100%
weiß, trocken
12,5% Vol.
Trinkreife: 2027–2034
voll & rund
mineralisch
Lobenberg: 94/100
Falstaff: 93+/100
Galloni: 91/100
Deutschland, Pfalz
Allergene: Sulfite,
lobenberg

Heiner Lobenberg über:
Chardonnay Schweigen Ortswein 2024

94
/100

Wie immer haben wir hier beim Ortswein schon eine ganz klar in Richtung Burgund tendierende Chardonnay-Nase. Sehr kalkig und mit schöner Feuerstein-Reduktion untermalt. Ausgebaut zu großen Teilen in gebrauchten Barrique und Tonneau, aber auch ein Teil neues Holz ist hier mit im Spiel. Feine Kräutertöne zu Beginn, auch Anklänge von Wiesenblüten. Mit etwas Luft kommt reife Zitrone nebst gelbem Obst. Apfel, Marille, geröstete Walnuss, ein feiner Hefeschleier und eben ziemlich viel kalkige Spannung. Der Mund ist wahnsinnig saftig, der Speichel läuft zusammen. Die vorhandene Säure ist so elegant eingebaut, niemals spitz oder aggressiv. Nur fordernd nach mehr. Gebackener Apfel, gelbe Traube, dann packt der dichte Gerbstoffbiss nochmal so richtig zu. Ultraklare, dichte Mineralität. Unheimlich salzig mit richtig Dampf dahinter! Wow, so viel Kraft schon im Ortswein. Dennoch ist hier ist alles rund, alles harmonisiert. Sehr schicke Kräuterigkeit im Nachhall. Es gibt so viele belanglosen Chardonnay in Deutschland, dieser gehört mitnichten dazu. Schöner Zug, mit feiner Salzigkeit aber gleichzeitig auch von Ausgleich geprägt und zutiefst elegant. Sehr schick.

Jahrgangsbericht

»Here comes the rain again…« – das Weinjahr 2024 war rasant und aufwühlend. Eine deutlich kühlere Vegetationsperiode mit wechselnden Regen- und Trockenphasen forderte die Winzer heraus. Der frühe Austrieb im April wurde von heftigen Spätfrösten abgelöst, die Ahr, Nahe, Nordbaden, Saar und Ruwer besonders hart trafen und zu teils dramatischen Ernteausfällen führten. Viel Manpower, bedingungsloser Einsatz und sorgfältige Selektion waren entscheidend. Die besten 2024er Weine zeigen eine bemerkenswerte Finesse mit überraschend viel Stoffigkeit und schlanker Kraft. Der kühlere Ausdruck erinnert an die präzisen Klassiker 2016, 2008, 2004 und 2002. Sie sind extrem klar gezeichnet und definiert und besitzen häufig mindestens ein Volumenprozent weniger Alkohol als die Vorjahre. Umso überraschender ist die Substanz und innere Dichte, die durch ausgiebige Sommerniederschläge und eine langsame Reifung bis in die kühlen Nächte der späten Lese ermöglicht wurde. Die Trauben erreichten enorm hohe Extraktwerte, die mit 2023 konkurrieren. »Die schönsten Aromen gedeihen im Schatten.« wie Florian Lauer immer sagt. Die Säuren sind »nordisch-straff« und vibrierend, aber reifer und weniger einschneidend als im “krachenden” 2021. Die Weine bieten eine genussvolle Cremigkeit, ohne ihr elektrisierendes Rückgrat zu verlieren. Der 2024er ist ein harmonischerer und feinerer Jahrgang als ebenfalls kühlere 2021, zudem ist es aromatisch in einem klassischeren und schlankeren Profil angesiedelt als die »Vollgas-2023er«. Bei vielen Weinen wurde ein Level erreicht, das mit dem Benchmark-Jahrgang 2023 mithalten kann, auch wenn die Mengen besonders bei den Großen Gewächsen teils sehr gering sind. Es gibt so viele wunderschöne, filigrane, saftig-dichte und auch richtig lecker-delikate Weine in diesem Jahr. Und das kann in dieser Leichtigkeit und finessenreichen, athletischen Form heute eben fast nur noch in Deutschland so geerntet werden. Franken glänzt mit exzellenten Silvanern mit kühlem Saft und eleganter Stoffigkeit. An Mosel-Saar-Ruwer wurde im restsüßen Bereich von Kabinett bis Auslese absolute Weltklasse geerntet, trotz mancherorts verheerender Frostschäden. Die Nahe glänzt 2024 nicht nur mit Riesling in ultrafokussierter Manier, sondern auch mit Burgundern dieses Jahr – genau wie die Südpfalz! Der wärmeren Mittelhaardt steht ein kühleres Jahr immer mehr als gut. Von Christmann über Bürklin bis Winning ist das der Stoff aus dem Riesling-Träume sind. In Rheinhessen hat wohl der Rote Hang sein Jahr der Jahre, so viele Mega-GGs nach den schwierigen Trockenjahren dort ein Segen… wow!

93+
/100

Falstaff über: Chardonnay Schweigen Ortswein

Eine gepflegte Reduktion trifft auf getreidige Aromen von Grieß und Flachs. Der Gaumen beginnt mit Saft und Nerv, eine mehlige, recht dichte Phenolik texturiert die Gaumenmitte, die taktile Mineralität dominiert den strukturell sehr langen Abgang. Ein toller Speisenbegleiter – vor allem auch mit noch etwas Flaschenreife.

91
/100

Galloni über: Chardonnay Schweigen Ortswein

The 2024 Chardonnay Schweigen was picked on a west-facing limestone plateau called Wormberg. This fermented in small, used barrels. The reduction is still totally flinty on the nose. The palate, however, melts into slender smoothness, with a creamy, yeasty richness that seems to underline its saltiness. This totally overdelivers as a village wine. (Bone-dry)

Mein Winzer

Jülg

Das Weingut Jülg im südpfälzischen Schweigen-Rechtenbach ist schon längst kein Geheimtipp mehr. Winzer Johannes Jülg zählt mit seiner absolut eigenständigen und sehr burgundischen Stilistik bereits seit einigen Jahren zur qualitativen Spitze der Pfalz.

Chardonnay Schweigen Ortswein 2024