Bei dieser Verkostung war ich ja durch Tardieu und andere Erzeuger schon vorgewarnt, was für ein großes Jahr 2021 in Gigondas sein kann. Der Wein besticht durch eine erstaunlich opulente, rotfruchtige Nase. Himbeere, Erdbeere, aber noch mehr süße rote Kirsche, dazu Zwetschge, Sanddorn und weiße Schokolade. Etwas Minze und Eukalyptus. Grandios! Unendlich fein und trotzdem hocharomatisch und opulent. Der Mund kommt eher schwarzfruchtig rüber, eher schwarze Heilerde. Dunkel und würzig von untern schiebend. Seidiges Tannin, aber viel Grip aus Schwarzkirsche und etwas Cassis, dazu etwas geröstetes Fleisch. Gute Harmonie zeigend. Sehr gut komponiert, wenn auch für mich kein ganz großer Gigondas, dafür fehlt die letzte Vibration, aber sehr schick und in sich stimmig mit einer für 2021 enormen Opulenz. Schicker Stoff! 97-98+/100 *** Clos des Tourelles ist ein legendäres Weingut. Es wurde vor Jahren von der Familie Perrin gekauft und sehr aufwändig renoviert, sowohl die Weinberge als auch die Gebäude. Schöner geht es nicht. Dieses kleine Château, von einer Mauer umgeben, liegt mitten im Ort Gigondas am Marktplatz, ganz hoch auf 300 Meter. Die Reben sind uralt. Ein legendärer Besitz und wahrscheinlich die schönste Domaine von Gigondas. Alle Reben stehen direkt in diesem Clos rund um das Gutshaus. Die Böden bestehen aus felsigem Kalkstein. Aber der große Teil des Grundes liegt dann auch auf Sand über dem Kalkstein. Das bürgt für die große Eleganz in diesen Weinen. Es ist im Übrigen auch der Grund, weshalb die Reben auch noch wurzelecht sind. Uralt und vor der Reblaus gepflanzt, die mit sandigen Böden nicht umgehen kann. Sandige Böden geben auch diese unendlich feinen Weine, anders als die profunden lehmigen Böden. Die Perrins verfolgen in Gigondas das Burgund-Konzept: niemals Überextraktion. Seit einigen Jahren wurde das Konzept der Ganztraubenfermentation, was ja State of the Art im Burgund ist, umgestellt zu einer Schichtfermentation. Das heißt 50 Prozent sind Ganztrauben und 50 Prozent sind entrappt, je nach Zustand der Rappen. Die ganze Masse wird bei der Fermentation abwechselnd geschichtet. Erst ganze Trauben, dann entrappte Beeren, dann wieder ganze Trauben usw… Also ein Sandwich-Modell. Das Weingut wird natürlich biodynamisch bewirtschaftet, wie alles bei den Perrins. Penibelste Bearbeitung der Weinberge ist damit garantiert. Die Einzigartigkeit der Lage, die Einzigartigkeit der wurzelechten Reben – dies ist eine Traumkombination in Gigondas. Der Wein besteht zu 100 Prozent aus Grenache.