Der Jahrgang 2023 ist dahingehend etwas ungewöhnlich, weil auf einen relativ sonnigen, aber nie heißen Sommer mit ausreichend Regen dann eine sehr heiße Ernteperiode folgte mit um die 40 Grad im August. Das hat volle Reife gebracht, obwohl enorm viele Trauben an den Stöcken hingen. Die Winzer waren am Ende aber froh, diese satte Menge zu haben, ansonsten hätte die Hitzewelle die Trauben zu extrem aufkonzentriert. So ist alles gut reif geworden, aber durch die gute Saftausbeute auch schön geschmeidig und fruchtstark geworden, ohne jegliche gekochten Aromen. Genau wie es in Deutschland 2018 war, hat also der etwas höhere Ertrag der Hitze zur Veraison gut entgegengewirkt. Das ist schon ganz lange einer der Lieblingsplots von Thierry Faravel, er hat lange darüber nachgedacht, mit diesem Plot etwas separates zu machen. Ausgebaut hat er den Lieu-dit schon immer einzeln, weil er ihn so fasziniert hat, danach ging es aber immer in den Blend. Thierry Faravel kämpft mit sich, mit Lieu-dits anzufangen, weil die Rhône für ihn eben nicht das Burgund ist und er eigentlich ein Traditionalist ist, der die Rhône als Blend eines Ortes sieht und nicht als Einzellage. Er glaubt mehr an den Bartolo Mascarello-Ansatz. Aber dieser Weinberg und das Ergebnis faszinierte ihn so, dass er nach 5 Jahren mit sich selbst ringen doch eine singuläre Füllung gewagt hat. Es ist eine sehr kühle Lage, meist die allerletzte die geerntet wird, in 2023 war es am 10. Oktober, also wirklich spät für die Rhône. Argilo-calcaire-Boden in einer kleinen Kuhle gelegen, also etwas schattiger und windig. Auch hier behält Thierry Faravel immer 70 bis 80 Prozent Ganztrauben in der Gärung. Der Wein ist unglaublich kühl und würzig schon im Duft. Ich kann verstehen, was Thierry so angezogen hat. Der Wein hat etwas sehr Ruhiges, fast Mythisches an sich. Er ist im Kontext von Thierrys Weinen sehr, sehr fein, hat immer eine Luftigkeit an sich, die kein anderer Wein des Weingutes hat. 2021 war der erste Jahrgang für diesen Wein. Er wächst auf 400 Metern Höhe, also mit die höchste Lage der Faravels. Eine Nordexposition, die sich wirklich zeigt. In der Nase sehr floral mit Rosenblättern, Veilchen und süßer Kirsche, sogar etwas Sauerkirsche, was man an der Rhône eher selten findet. Der Wein schwankt zwischen dem Burgund und der Nordrhône, schon irre, dass sowas in Gigondas wachsen kann. Diese Berglagen sind ein sehr eigenes, wirklich kühles Terroir. Mich erinnern die Tannine in ihrer kalkig-kühlen Art mit dem Pfeffer darunter mehr an einen Nordrhônewein, an einen Top-Saint Joseph. Das ist ein total anderer Stil für Gigondas als man es von dieser Domaine gewohnt ist. Faszinierend, großer Stoff, nicht zwingend besser als der Font de Tonin, aber klar die abgehobenere, finessenreichere und kühlere Expression. Ich liebe den Beauregard, mich hat er sofort gepackt.