Cotes du Rhone Blanc Les Becs Fins 2021

Michel Tardieu - Chateauneuf du Pape

Cotes du Rhone Blanc Les Becs Fins 2021

mineralisch
leicht & frisch
fruchtbetont
92
100
2
Viognier 40%, Grenache Blanc 30%, Clairette Blanche 10%, Marsanne 10%, Roussanne 10%
5
weiß
13,5% Vol.
Trinkreife: 2023–2029
Verpackt in: 12er
3
Lobenberg: 92/100
6
Frankreich, Rhone, Chateauneuf du Pape
7
Allergene: Sulfite, Abfüllerinformation
lobenberg

Heiner Lobenberg über:
Cotes du Rhone Blanc Les Becs Fins 2021

92
/100

Lobenberg: Der 2021er Les Becs Fins präsentiert sich extrem duftig, fein und blumig. Mirabelle, Reineclaude, fein, schwebend, duftig und aromatisch. Der Mund wird deutlich beeinflusst vom Anteil Viognier, das erinnert fast an Muscadelle. Sehr aromatisch, sehr blumig. Feine aromatische helle Melone, etwas Mango dazu, gelbe Birne, wieder Mirabelle und Reineclaude. Eher spielerisch im saftigen Trinkfluss als tief und würzig. Nur ganz langsam kommt etwas Garrigue-Würze hintenraus. Die 13,5 Volumenprozent bringen eine hervorragende Balance – der Wein ist nicht zu schwer. Hintenraus aber auch relativ druckvoll und mit einer guten Länge. Er steht für eine Minute im Mund. Das ist für diese Preislage doch schon sehr eindrucksvoll. 92/100 *** Les Becs Fins ist eine Assemblage aus 40 Prozent Viognier, 30 Prozent Grenache Blanc, 10 Prozent Marsanne, 10 Prozent Roussanne und 10 Prozent Clairette. Der 2021er hat 13,5 Volumenprozent Alkohol. Seit Beginn der Arbeit von Tardieu gab es noch nie einen Jahrgang mit so geringen Alkoholgraden wie 2021. Es wurde natürlich nie chaptalisiert, sondern die extreme Eleganz und Feinheit gerne mitgenommen. Les Becs Fins wird immer in Zusammenarbeit mit denselben Vertragswinzern gemacht. Insgesamt sind es sechs Stück, alle bewirtschaften etwas unterschiedliche Terroirs. Der Großteil der Reben steht in der Village-Appellation Plan de Dieu auf Kalk- und Lehmböden. Teilweise stehen sie auch auf Sandböden in Cairanne. Die Weinbereitung wird von den Tardieus überwacht – spontane Vergärung und Ausbau im Edelstahl und im Beton. Becs Fins sieht niemals Holz, es findet keine Malo statt. Nach dem Ausbau werden alle Weine zu Tardieu gebracht – dort entsteht der finale Blend.

Jahrgangsbericht

Der Jahrgang 2021 stellt an der Rhône zweifellos einen Einschnitt in der Reihe der heißen, trockenen, mediterranen Jahrgänge dar, wie wir sie spätestens seit 2015 durchweg erlebt haben. 2021 erinnert viele Winzer im Rhônetal gar an die »guten alten Zeiten« vor 20, 30 Jahren – späte Lese, hohe Säurewerte und eine Phenolik wie es sie zuletzt in den 90ern gab. Ein Jahrgang der großen Emotionen, ein ständiges auf und ab der Gefühle: Die extreme Frostepisode vom 7. bis 9. April mit Temperaturen von teilweise fast -10°C betraf fast alle französischen Weinbaugebiete. Teilweise sorgte der Frost für einen kompletten Ernteausfall. Drei Wochen lang regte sich gar nichts in den Weinbergen des Rhônetals. Wie durch ein Wunder trieben viele Reben doch noch aus, aber nicht ohne Folgen: Die eiskalten Nächte brachten die Natur aus dem Gleichgewicht, der Wiederaustrieb verlief geradezu anarchisch, die Arbeit im Weinberg war extrem anspruchsvoll und verlangte den Winzerinnen und Winzern alles ab. Die wohltuenden Regenfälle während des gesamten Vegetationszyklus, die gemäßigten Temperaturen im Sommer und der goldene Herbst sorgten für ein großes Durchatmen. Am Ende wird 2021 nicht nur als Jahrgang der plötzlichen Wiedergeburt der Klassik, der Feinheit und Eleganz in Erinnerung bleiben, sondern auch wegen des immensen Aufwands – nur, wer 2021 alles gegeben hat, wurde am Ende mit ultrafeinen Weinen belohnt, wie wir sie seit Jahren nicht mehr im Glas hatten. An der südlichen Rhône ist 2021 ein Jahr der puren Trinkfreude. Alles ist sofort da, offen und so unglaublich fein. Die Alkoholgrade liegen rund 1,5 Prozent unter denen der vergangenen Jahrgänge. Sowohl die Weißen als auch die Roten sind hervorragend balanciert und bestechen mit guten Säurewerten und hoher Frische. Die Weine sind hocharomatisch, die Frucht ist schmeichelhaft und fast schon spielerisch-abgehoben. Eine Grenache voll auf der Pinot-Spur – wann gab es das zuletzt?! Die nördliche Rhône bringt 2021 einen Stil, den dort viele für nicht mehr möglich hielten: Extrem fein und verspielt, fast schon schwebend und mit einer genialen Frische ausgestattet. Ein Jahr für große Weißweine mit strahlender Aromatik und hervorragender Lagerfähigkeit, ein Jahr für herrlich klassische, stilvolle, delikate Rotweine mit betörend ätherischen Noten von Pfeffer und Veilchen und ultrafeiner, aber aufregender Tanninstruktur. All in all ist 2021 an der Rhône ein Jahr für Finessetrinker, für Liebhaber der Feinheit, der Frische und der Eleganz. Lange hat man sich nach solchen klassischen Jahren gesehnt. Aber klassisch mit einem genialen Twist, denn am Ende vereint 2021 mit seiner schlanken, hochfeinen Art und der genialen Duftigkeit und Aromatik das Beste von damals und heute. »Zurück in die Zukunft!« – das beschreibt diesen aufregenden Rhône-Jahrgang wohl letztlich am besten.

Mein Winzer

Michel Tardieu – Chateauneuf du Pape

Michel Tardieu ist inzwischen legendär und einer der besten Weinmacher Frankreichs. Robert Parker u. v. a. überhäuften ihn zu Recht mit Superlativen. Sehr oft arbeitet er an der Rhone und in anderen Regionen mit seinem Freund Philippe Cambie zusammen.