50 Prozent Cabernet Franc und 50 Prozent Merlot. Demoiselles zu probieren nach dem normalen Coutet ist immer eine Besonderheit. Meine Frau nennt ihn immer den Vampirwein, weil das Zeug einfach komplett nach Eisen und Blut schmeckt. Dazu kommen Feigensüße und Sämigkeit, konzentrierte Cranberry, Hagebutte, dunkle Himbeere und ein süßes Konzentrat aus roter Johannisbeere und Sauerkirsche. Das Ganze in einer Intensität, dass es einem den Atem raubt. Das ist schon in der Nase und später auch im Mund ein Wein, den man entweder liebt oder hasst. Man kann ihn mit 100 bewerten oder zerreißen, denn er ist so speziell und eigenwillig. Der Mund kommt mit einer wahnsinnigen Frische und Säure. Ein Konzentrat aus roter, pikanter, säurebeladener Frucht, mit süßer Feige, Honig und gleichzeitig mit Salzmassen. Die Länge ist verblüffend! Er nimmt allen Raum ein im Mund. Und nochmal: er polarisiert total. Das ist aber Saint-Émilion der absoluten Oberklasse, wie es früher einmal war. So etwas gibt es, wenn überhaupt, nur noch hier. Und wenn der normale Coutet noch Zugeständnisse macht an den seidigen Trinkfluss, dann ist die Cuvée Demoiselles als ultrafeines Konzentrat einfach noch deutlich spezieller. Jeder Trinker wird auch nach fünf Minuten diesen Wein noch auf der Zunge und am Gaumen kleben haben. Obwohl er komplett trocken ist, ist das ein Faszinosum. Grandioser Stoff und einer der Weine des Jahrgangs! 100+/100 *** Cuvée Demoiselles kommt aus zwei kleinen Plots aus den höchsten Lagen von Coutet, reiner Kalksteinfelsen ganz oben auf dem Plateau, direkt neben Beausejour-Duffau. Es sind die ältesten Reben des Hauses, über 80 Jahre, zum Teil über 100 Jahre alt, Cabernet Franc und Merlot, aber nur die spezielle, uralte Form der Merlot mit winzigen Beeren und rotem Saft. Und so gehen sie auch in den Wein. Es werden lediglich 2.000 Flaschen erzeugt. Der Name Demoiselles kommt daher, dass der Urgroßvater auf dem Weingut verblieben war, während der Großvater mit den Franzosen in den Indochinakrieg zog. Er bleib dort 20 Jahre. In der Zwischenzeit hielt der Urgroßvater mit den drei Schwestern von Adriens und Mathieus Großvater die Stellung. Die drei Schwestern gaben sich ein Gelübde, niemals zu heiraten und Kinder zu kriegen, um das Weingut nicht zu gefährden. Außerdem haben sie nichts verkauft – es blieb also immer bei den ganz ursprünglichen Rebbeständen und bei der biologischen Bewirtschaftung. So kam es 2014 zu dieser Cuvée und ihrem Namen. Diese Supercuvée wird exakt gleich auch in eine Spezialflasche mit verschweißtem Glas gefüllt. Dann kostet er allerdings 300. Das ist der gleiche Wein. Ein Wein der für Jahrhunderte weggelegt werden soll. Lassen sie uns bei der normalen Flasche bleiben. Diese 50/50 Cuvée aus den ältesten Reben vom besten totalen Bio-Terroir in Saint-Emilion ist schon sehr speziell. In diesem Wein ist eben die Merlot-Form, die einen roten Saft hat. Mit extrem kleinen Beeren. Eine Form, die es nur noch auf Château Coutet gibt. Die Urform der Merlot. Die Reben aus diesem Plot sind über 100 Jahre alt. Winzige Erträge. Das Besondere an diesem speziellen Wein ist, dass er komplett im Holz vergoren wird und bei der Mazeration extrem lange auf den Schalen belassen wird. Es wird alles ohne pumpen bewegt und ohne künstliche Bewegung zu Beginn mit den Füßen getreten. Der Wein verbleibt dann bis zum folgenden April im großen Holzfuder und wird erst dann in Barriques gefüllt. Demoiselle wurde 2017 erstmals umgestellt auf eine Entrappung per Hand. In Italien bei Altare nennt man das uno per uno. Das ist eine Methode, wie sie fast nirgends mehr möglich ist. Hier wird wirklich über zwei Tage mit einem Team von 80 Leuten (Freunde des Hauses, Gastronomen, Händler) jede einzelne Traube von Hand entbeert. Es gibt kein einziges grünes Element. Das ist die Quintessenz aller optischen Sortiermaschinen. Perfekter geht es gar nicht. Jede einzelne Beere wird von Hand herausgenommen, gesichtet und entschieden ja oder nein. Das ist vielleicht auch die Besonderheit, warum Demoiselles nochmals so viel anders, weicher und in seiner abgehobenen Art extremer ist. Der Charakter von Demoiselles unterschiedet sich doch recht klar vom normalen Coutet.