Patrick Piuze: Chablis Les Bas de Chapelot 2024

Patrick Piuze: Chablis Les Bas de Chapelot 2024

Chardonnay 100%
weiß, trocken
12,0% Vol.
Trinkreife: 2025–2039
mineralisch
Lobenberg: 95/100
Frankreich, Burgund, Chablis
Allergene: Sulfite,
lobenberg

Heiner Lobenberg über:
Chablis Les Bas de Chapelot 2024

95
/100

Genau wie in Deutschland, gab es in 2024 verheerende Frostverluste in Chablis. Es war eine der kleinsten Ernten seit Langem. Der Bas de Chapelot ist ein relativ neuer Wein bei uns im Programm. Wir hatten ihn in 2023 erstmalig ergattern können. Wie immer bei Piuze in gebrauchtem Holz ausgebaut. Er nimmt nur Fässer mit Erstbelegung aus kühlen Jahren aus dem Chablis und der Champagne. Er will Weine mit tiefen pH-Werten und hohen Säuren in seinen Fässern gehabt haben, bevor er seine Weine hineinlegt. Er sagt, das ist einfach besser für die mikrobiologische Hygiene. Sehr intensiver Hefekontakt, aber nur kurzer Ausbau wie im Burgund üblich. Abfüllung im Frühling 2025. Les Bas de Chapelot liegt direkt angrenzend an den 1er Cru Montée de Tonnere und tatsächlich ist Piuze damit hier direkter Nachbar des Plots von Raveneau. Kein Wunder also, dass dieser Wein, wenn man ihm etwas Luft und Zeit gibt, eine berauschende Intensität wie ein 1er Cru entwickelt. Hochfeine Frucht mit zart gelblichen Anklängen von Reneclaude, gelbem Apfel und einem Touch Nelkenpfeffer. Trotz des eher eleganteren Jahrgangs strahlt der Wein eine gewisse kühle Kraft und Tiefe aus, faszinierend. Der Mund ist eine Mineralexplosion, auch hier wieder zarte Gelbfruchtigkeit mit schönem Schmelz, der typisch für Piuze ist, extrem karg und stahlig ist er ja nie. Der Gourmetfaktor ist bei ihm immer vorne, für überschlanke Weine ist der ehemalige Sternekoch zu sehr Bonvivant. Langer, cremig-dichter Nachhall mit intensivem Salzabdruck. Zieht und zieht immer weiter durch den Mund, der Speichel läuft die Backen hinab, Kalksteinbiss im Finale. Das ist klares 1er Cru-Niveau in diesem Jahrgang, da hat die Appellationsgrenze wohl einen schlenker zu früh gemacht. Seis drum, jeder Piuze-Kenner weiß ja, was er hier ins Glas bekommt: Top-Chablis vom Feinsten.

Jahrgangsbericht

2024 markiert die Rückkehr zu einem sehr klassischen, fast schon nostalgischen Stil. Die Weine sind deutlich kühler, straffer und mineralischer als in den Vorjahren. Mit moderaten Alkoholgraden zwischen 12 % und 13 % vol. erinnert der Jahrgang an die »gute alte Zeit« des Burgunds. Besonders die Weißweine bestechen durch einen laserartigen Fokus und eine berstende, kristalline Mineralität, die an das exzellente Jahr 2014 erinnert. Ein Jahrgang für Puristen, die Struktur und Kante über cremigen Charme stellen. Der Jahrgang 2024 war ein hartes Stück Arbeit für die Winzer. Starke Frostschäden und ein sehr regenreiches Frühjahr und massiver Mehltaubefall führten zu drastischen Ertragseinbußen, besonders an der Côte de Nuits. Ein »goldener September« rettete zwar die Qualität der verbliebenen Trauben, doch die Mengen bleiben extrem klein. Die Qualität variiert stark je nach Lage und Geschick des Winzers. Wer jedoch bei den Top-Produzenten fündig wird, erhält tiefgründige, charakterstarke Weine von großer Eigenständigkeit und Raritätswert.

Mein Winzer

Patrick Piuze

Patrick Piuze hat sich seit dem Jahrgang 2010 dauerhaft neben Raveneau und Dauvissat als weiterer Spitzenwinzer in Chablis etabliert. Ihm wurde das Weinmachen jedoch nicht in die Wiege gelegt. Seine ersten Erfahrungen mit Wein machte er, als er in jungen Jahren im Skiurlaub Marc Chapoutier traf. Das...

Chablis Les Bas de Chapelot 2024