Les Aubaguetes 2021

Alvaro Palacios

Les Aubaguetes 2021

strukturiert
tanninreich
pikant & würzig
99–100
100
2
Carinena, Garnacha, Garnacha Blanca
5
rot
14,5% Vol.
Trinkreife: 2029–2062
Verpackt in: 6er OHK
3
Lobenberg: 99–100/100
6
Spanien, Priorat
7
Allergene: Sulfite, Abfüllerinformation
lobenberg

Heiner Lobenberg über:
Les Aubaguetes 2021

99–100
/100

Lobenberg: Die Nase fasziniert. Das ist wirklich schwarzer Schiefer in der Nase. Brutal! Ein Schiefer, wie ich ihn in dieser Intensität sonst nur von einigen Pinots von Markus Molitor an der Mosel kenne. Satt, schwarz, schiebend, aber nicht fett, sondern fein. Viel Bleistift, viel provenzalische Kräuter, untendrunter Holunder. Dazu schwarze Kirsche, etwas Blaubeere, sehr viel Garrigue-Würze – auch hier wieder Erinnerungen an die Nordrhône in dieser schwarzen, fast rustikalen Art. Der Wein kommt mit hoher aromatischer Wucht und ist trotzdem unglaublich fein. Ein Unikat! Schon das Riechen reicht… Im Mund schwarzer Pfeffer, Chili, Bleistift, Garrigue-Würze, Tabak, Rauch und geröstetes Fleisch. Ein unglaublicher Schub von unten. Massen an Tannin, die präsent sind, aber ultrafein. Die Lakritze ist schwarz und sauer zugleich. Sie kommt mit einer leichten Honigspur daher. Der Wein ist ultratrocken und hat trotzdem eine gewissen Fruchtsüße. Ein sehr feines Superkonzentrat in Garrigue, Schiefer und Schwärze, trotzdem ist es fein verwoben. Das Gegenteil eines Anfängerweins. Bestimmt nicht Everybody’s Darling, dafür ist er viel zu speziell. Aber dafür ist er hochgradig eindrucksvoll und macht Leuten, die sich mit Wein gut auskennen und mal was ganz anderes ausprobieren wollen, viel Freude. Ein super Pirat in einer ganz hochwertigen Verkostung. 99-100/100 *** Dieser Weinberg liegt im Dorf Bellmunt del Priorat auf 250 Metern Höhe. Er wurde 1901 angelegt und ist 1,8 Hektar groß. Die Reben stehen in extremer Steillage in Nordexposition. Der Name ist eine Verniedlichung für das Wort Schatten. Es ist etwas feuchter und er liegt vis-à-vis dem gegenüberliegenden Hang – in der Schlucht weht nachmittags immer ein frischer Wind. Es ist also grundsätzlich eher kühl, gleichzeitig speichern die tiefschwarzen und schwarzblauen Schieferböden die Wärme. Dieser Gegensatz macht den Weinberg aus. Es wird organisch gearbeitet. Der Wein wurde erstmals 2015 präsentiert, Alvaro konnte den Weinberg von dem alten Besitzen erst 2013 kaufen. Der 2021er besteht aus 71 Prozent Grenache, 26 Prozent Carignan und drei Prozent weißen Sorten. Er hat 14 Volumenprozent Alkohol. Im Weingut werden 60 Prozent der Trauben nicht entrappt und mit den Füßen angequetscht. Vergoren wird die Maische in offenen Holzgärständern. Danach erfolgt der Ausbau im Holzfuder und später im Beton. Nach rund zwei Jahren wird der Wein abgefüllt. 2021 gibt es nur 1.200 Flaschen.

Jahrgangsbericht

Der Winter 2020/2021 brachte zwischen Dezember und März sehr viel Regen und Schnee, auch etwas Frost. Die Böden waren vor dem Austrieb der Reben mit ordentlichen Wasserreserven gefüllt – ein guter Start in den Jahrgang 2021. Die Blüte verlief bis auf kleine Verrieselungen ziemlich normal, kein Frost, kein Mehltau. Dann folgten nach einem trockenen Mai noch vor der Blüte große Regenmengen im Juni. Nach der Blüte begann ein sehr trockener, warmer, teils heißer Sommer. Hitze- und Trockenstress waren die Folge, die Reben machten ab Mitte August total dicht, um sich zu schützen. Die Beeren waren zu diesem Zeitpunkt dickschalig und kerngesund, Sorge bereitet aber die phenolische Reife, die durch den Stillstand der Reben nicht erreicht werden konnte. Dieses Phänomen gab es in allen Regionen der nördlichen Hälfte Spaniens, also in allen Topregionen. Von Anfang September bis zum 25. September gab es einige Tage satten Regen. Durch die neue Wasserversorgung setzten Photosynthese und Reifung sofort ein. Ab dem 25. September war es trocken, extrem sonnig und warm, nachts sanken die Temperaturen deutlich. Fünf traumhafte Wochen mit großen Temperaturunterschieden zwischen Tag und Nach und hochintensiver Sonne folgten. Diese große Kühle, ja Kälte der Nächte, nach dem letzten Regen vom 25. September, gilt als der Schlüssel zu diesem großen, reifen und zugleich frischen Cool-Climate-Jahrgang. Das Ergebnis waren überall hochgesunde, dickschalige Beeren mit sattem Tannin und hoher Säure vor der Lese im Herbst. Die Weine sind weniger extremreif und immens als 2019, aber deutlich aromatischer und reifer als 2018, mit einer Frische, die ihresgleichen sucht.

Mein Winzer

Alvaro Palacios

Mittelpunkt des in den unwegsamen katalonischen Bergen gelegenen Weinanbaugebietes Priorato ist der kleine Ort Gratallops. Von hier aus haben in den vergangenen Jahren außergewöhnliche Rotweine für Furore gesorgt.