Jean Faure

Chateau Jean Faure Grand Cru Classe 2020

BIO

voluminös & kräftig
tanninreich
98–100
100
2
Cabernet Franc 65%, Merlot 30%, Malbec 5%
5
rot
13,5% Vol.
Trinkreife: 2027–2060
Verpackt in: 12er OHK
3
Lobenberg: 98–100/100
Gerstl: 20+/20
Yohan Castaing: 95–97/100
Weinwisser: 95–96/100
VertdeVin: 95/100
Revue du Vin de France: 94–96/100
6
Frankreich, Bordeaux, Saint Emilion
7
Allergene: Sulfite, Abfüllerinformation
lobenberg

Heiner Lobenberg über:
Chateau Jean Faure Grand Cru Classe 2020

98–100
/100

Lobenberg: Château Jean Faure umfasst 18 Hektar und ist direkter Nachbar von Château La Dominique und Cheval Blanc, alle haben sie gemeinsame Grenzen. Cheval Blanc und Jean Faure dabei auf gleichem Terroir. Lehmböden mit einer sehr guten Wasserversorgung. La Dominique leider aber fast nur Sand. Die Lehmböden und ihre Weinberge in Pomerol und Saint Emilion, genau wie andererseits die reinen Kalksteinterroir auf dem Plateau, speichern das Wasser des Winters und leiden nicht so stark unter den trockenen Hitzejahren, wie wir sie seit 2015 fast durchgängig haben. Jean Faure wurde im Laufe der letzten 10 Jahre deutlich auf Dichtpflanzung umgestellt. Die vorhandenen Reben sind zum großen Teil weit über 80 Jahre alt. Mit der Dichtpflanzung geht der Ertrag inzwischen auf unter 500 Gramm Trauben pro Stock zurück. Bio und Biodynamie werden hier ganz großgeschrieben (die Umstellung und Zertifizierung ist fast abgeschlossen), weil der Besitzer Olivier Decelle das Ganze auch schon auf seinem Roussillon-Weingut Mas Amiel praktiziert. Olivier konnte den auf Vermittlung und Beratung des Önologen Éric Boissenot zustande kommenden Kauf des Weinguts 2004 durch den Verkauf seiner Ladenkette für frozen food bezahlen. Das Weingut gehörte früher Madame Loubat, der vor dem Verkauf an Moueix auch das Château Pétrus gehört hat. Sie wollte jedoch nicht an die meistbietenden Nachbarn wie Cheval Blanc verkaufen und so kam der externe Olivier Decelle zum Zuge. Der Berater des Weinguts ist inzwischen der sehr auf Biodynamie ausgerichtete Daniel Duclos. Die Weinberge werden mit dem Pferd gepflügt, um die Verdichtung zu minimieren. Der sanfte Rebschnitt nach Simonit wurde bei Jean Faure erstmals 2018 eingeführt. Damit werden der Saftfluss und die Versorgung der Reben verbessert. Gleichzeitig kann Krankheiten und Infektionen besser vorgebeugt werden. Der neue Berater Duclos ist Spezialist dafür und sein Vater gilt als Pionier für den sanften Rebschnitt in Saint-Émilion. Die Trauben werden – je nach Notwendigkeit – zum Teil entrappt, zum Teil als Ganztraube in die Fermentation gegeben. Diese findet im rohen Zement oder im Holz statt. Ohne Temperaturkontrolle, aber es gibt auch keine Kaltmazeration davor. Wir sind hier komplett zurück in der Ursprünglichkeit. Grundsätzlich wird kein externer Schwefel bis zum Frühjahr nach der Lese eingesetzt. Alle Prozesse laufen schwefelfrei, wie Olivier Decelle das bei Frau Lapasse in der Schweiz gelernt hat, die ihm sagte: »Vergärung mit Schwefel ist wie Schwimmen mit Haien.« Das schwefelfreie arbeiten setzt jedoch voraus, dass extrem sauber und penibel gearbeitet wird. Leiterin und Geschäftsführerin des Teams ist Marie-Laure Latorre, sowie ein weiterer Assistent, der zuvor bei Beauregard gearbeitet hat. Der 2020er ist eine Cuvée aus 65 Prozent Cabernet Franc, 30 Prozent Merlot und fünf Prozent Malbec. Die Cabernet Franc ist zu 20 Prozent nicht entrappt und wurde als Ganztraube vergoren. Die Fermentation fand spontan und ohne Schwefel im Betontank und Holzfuder statt. Ausgebaut wird auf der Feinhefe zu 15 Prozent in großen Holzfudern von 1200 und mehr Litern, zu 20 Prozent im Beton, zu 30 Prozent in gebrauchten Barriques und zu 35 Prozent in neuen Barriques. Die Ernte fand für den Merlot vom 10. bis zum 17. September statt, für Cabernet Franc vom 17. bis zum 27. September. Der Malbec wurde dazwischen gelesen. Von Jacques Boissenot, dem legendären önologischen Berater aller Top-Weingüter des Médoc, kommt die Empfehlung, den Blend der Weine schon im frühen Stadium, vor der ersten Schwefelung, stattfinden zu lassen. Die finale Assemblage wird also nach der Verkostung ohne Schwefel erzeugt. Die Weine wandern dann wieder zurück in die Fässer. Schwefel wird erst in der zweiten Märzhälfte hinzugefügt. Diese enorm frühe Entscheidung vor der Schwefelzugabe lässt zu, dass die Weine besser beurteilt werden können. 2020: Die Nase des Nachbarn von Cheval Blanc ist jetzt seit 2015 immer weiter im Fortschritt Richtung Feinheit. Zarte rote, würzige Himbeere, etwas Erdbeere dahinter. Ein klein wenig rote Kirsche und frische Zwetschge, ein leichter Touch Thymian. Sehr ätherische, feine, aromatisch-tänzelnde Nase. Der Mund zeigt eine immense Frische und kühlen Trinkfluss und widerspiegelt sicher einen Wein, den wir niemals in Bordeaux verorten würden. Das ist eher ein Loire-Wein. Dieser Anteil von Rappen tut sein Übriges, um eine schöne Frische darzustellen. Sehr reifes Lesegut und gleichzeitig ein kühler, feiner Trinkfluss. So verspielt im Mund. Einfach nur eine Freude, ein hedonistisches Leckerli. Nicht ganz die überbordende Frische und freakige Aufregung aus 2019. Und auch nicht ganz die Üppigkeit und die kraftvolle Wucht des immens reichhaltigen 2018er. 2020 weckt eher Erinnerungen an 2016, in seiner unendlichen Feinheit und Verspieltheit mit profunder Power darunter. Ganz feine Lakritze zieht sich durch diesen Wein, auch etwas Milchschokolade und Minze, die eindeutig von den Rappen kommt. Große Harmonie und eine hervorragende Balance. Mich erinnert 2020 eher an eine Mischung aus 2016 und 2015, mit einem leichten Hauch der Frische aus 2019. Eine große Freude, ein wunderschöner kühler Trinkfluss, mit einem traumhaft tänzelnden, hervorragend balancierten Finale. Eine leichte Honigspur, mit Karamelle und Salz, begleitet den tiefen und profunden Nachhall. Extrem delikat, extrem lecker. Die Flasche wird nie Gefahr laufen, nicht geleert zu werden. Die nächste aus dem Keller ist schon im Anmarsch. Ein Zechwein oberster Kategorie. 98-100/100

20+
/20

Gerstl über: Chateau Jean Faure Grand Cru Classe

-- Gerstl: Wouw, sind wir jetzt im Burgund oder noch in Bordeaux? Das ist pure Feinheit, sagenhaft raffiniert, ein himmlisches Parfüm, unendlich vielfältig, da sind sinnliche Aromen ohne Ende, der Wein hat eine Art zu strahlen, die unter die Haut geht. Am Gaumen zeigt er gewaltig Kraft, bleibt aber superelegant, gertenschlank und voller einzigartiger Finessen, eine wohlige Gänsehaut überzieht meinen Rücken, der Wein elektrisiert mich förmlich, da ist mineralische Spannung, alleine über den spektakulären Nachhall könnte man ein Buch schreiben, wie kann so viel Aromatik in so einen superleichten Wein verpackt werden? Ein Wein zum Niederknien und zum Staunen, der passt ganz klar nicht mehr in die 20 Punkte Skala. 20+/20

95–97
/100

Yohan Castaing über: Chateau Jean Faure Grand Cru Classe

-- Yohan Castaing: Frische, kristalline, sehr reine, frische und lebendige Nase. Welch eine Genialität! Schwarze Früchte und leichte Gewürze. Sehr reif. Am Gaumen ist er ebenfalls kristallin, geradlinig, geschmeidig, ohne übermäßige Säure und mit einer bemerkenswerten Präzision des Tannins. Menthol. Salzigkeit und unbestreitbare, hohe emotionale Präsenz. Ein präzise gemeißelter und zugleich schillernder Jean Faure. Einfach großartig. 95-97/100

95–96
/100

Weinwisser über: Chateau Jean Faure Grand Cru Classe

-- Weinwisser: 65 % Cabernet Franc, 30 % Merlot, 5 % Malbec. Tiefes Purpur mit opaker Mitte und zartem lila Rand. Dicht verwobenes Bouquet mit Wildkirsche, getrocknetem Rosmarin und dunklem Schokotrüffel, dahinter zartes Veilchenparfüm, tiefschürfende Terroirwürze und schwarze Oliven. Am vielschichtigen Gaumen mit cremiger Textur, herrlicher Extraktfülle, stützender Rasse und perfekt modelliertem Körper. Im gebündelten Finale ein Korb mit dunklen Kirschen, Palisander und schwarzen Johannisbeerdrops, endet mit feinkörniger Adstringenz. So gut habe ich diesen St. Emilion noch nie erlebt – Chapeau Olivier Decelle! 95-96/100

95
/100

VertdeVin über: Chateau Jean Faure Grand Cru Classe

-- VertdeVin: Die Nase ist frisch, elegant, rassig und bietet eine meisterhafte Fülle, Präzision, eine gewisse Reinheit der Frucht, Komplexität, kontrollierte Dichte, eine Strecke und eine schöne Finesse des Korns. Es finden sich Noten von breiiger Boysenbeere, Heidelbeere und leichter schwarzer Johannisbeere kombiniert mit Anklängen von Veilchen, reifen schwarzen Waldbeeren/Kirschen sowie hellen roten Beeren, Timut-Pfeffer, Pfingstrose, frischem blonden Tabak sowie dezente Anklänge von Sternanis, sehr dezente Anklänge von Zimt und Gewürzen (Malbec). Der Gaumen ist fruchtig, elegant, zart und saftig und bietet Genuss, Spannung, eine schöne Frische, einen luftigen Charakter in der Balance, maskierte Kraft / kontrollierte Kraft, Mineralität, Energie, Cremigkeit, Reinheit der Frucht und eine schöne Fruchtsäure. Am Gaumen zeigt der Wein Noten von leuchtenden Brombeeren, leuchtend purpurnen Pflaumen und leicht säuerlichen Blaubeeren, kombiniert mit Anklängen von Erdbeeren, Schokolade, schwarzem Tee, Pfingstrose sowie feinen Spitzen von Lilie, Kardamom, dezent karamellisierter Eiche und einem unmerklichen Hauch von Bourbon-Vanilleschote. Die Tannine sind präzise, elegant und fein cremig. Gute Länge und Persistenz. Ein schöner Wein, voller Eleganz und Reichtum, mit Frische und Balance. Es gibt einen unmerklichen Hauch von guter Bitterkeit und Kaffee im Abgang/Abgang. 95/100

94–96
/100

Revue du Vin de France über: Chateau Jean Faure Grand Cru Classe

-- Revue du Vin de France: The clay soils on which its Cabernet Franc grapes are grown provide the volume of this vintage whose salient feature is freshness. The wine is floral and juicy from some fine red fruit flavours and its sharp tannins have a graphite edge to them. 94-96/100

Mein Winzer

Jean Faure

Das 18 Hektar große Chateau Jean Faure mit nur 50.000 Flaschen Gesamtproduktion grenzt exakt an die Weinberge von Cheval Blanc, die Weinberge gehen auf breiter Front ineinander über, das Terroir und die Bestockung sind fast identisch, etwas dickere Sand-Lehm-Schicht über dem Kalkboden als bei Cheval...

Diesen Wein weiterempfehlen