Doyac 2022: 83 Prozent Merlot, 14 Prozent Cabernet Sauvignon und drei Prozent Cabernet Franc. Gelesen wurde vom 18. September bis zum 5. Oktober. Der Gesamtertrag lag bei lediglich 15 Hektolitern pro Hektar wegen eines großen Hagelsturms. Was übrig blieb war aber grandios. Doyac hat durch seine Nähe zum Wasser dramatisch profitiert in diesem heißen, trockenen Jahr, genauso wie etwa Carmenère oder Haut-Maurac und Clos Manou. Im Gegensatz zu vielen Nachbarn hat das Weingut Doyac komplettes Kalkstein-Terroir, eine absolute Besonderheit, fast eine Kuriosität. Das ist aber einer der Gründe, warum hier die Merlot so überragend gedeiht. Doyac hat ein ähnliches Terroir wie etwa Saint-Émilion oder Castillon. Der 2022er Wein hat eine sehr reiche, voluminöse, schwarzfruchtige Nase. Weil viel Cabernet durch den Hagel verloren ging, haben wir hier 2022 eine noch eindeutigere Dominanz von der Merlot. Wunderschöner Holunder mit Veilchen hinter schwarzer Kirsche. Helle Lakritze und Nougat. Ganz fein und fast schwebend! Sicherlich auf dem gleichen Level des grandiosen 2020er. Der Mund erinnert sofort an Château Carménère. Auch hier diese feine Ausprägung, diese satte, aber schwebende rote Frucht. Schlehe und feine Sauerkirsche, dazu Salz und hohe Mineralität. Darunter eine feine Blütennote, Veilchen und noch mehr Rosenblätter. Das Ganze ist aber immer sehr fein bleibend, der Wein ist überhaupt kein Blockbuster. Anders als der kraftvollere Pauillac-Stil Clos Manou, den wir direkt davor probiert haben, ist Doyac eher burgundisch schwebend und ätherisch aromatisch hochintensiv. Er steht für Minuten mit seiner Sauerkirsch-Salzfracht, mit Holunder, Grafit, Lakritze und Nutella. 22 ist auf jeden Fall so gut wie 2020, dabei aber noch feiner und erotischer. Ein extrem schöner Haut-Médoc an der Grenze zu Saint-Estèphe. Sehr, sehr schicker Wein! *** Château Doyac ist ein ganz kleines biodynamisches Weingut mit wirklich extrem arbeitenden Besitzern, im Grund so eine Art zweites Clos Manou aber in femininerer Ausprägung. Spezielles Terroir mit reinstem Kalkstein, deshalb auch die spezielle Ausrichtung mit so viel Merlot, was sehr untypisch für das Médoc ist. Doyac liegt an der Gironde direkt neben der Appellation Saint-Estèphe, etwas im Süden davon. Der Weinberg ist dichtgepflanzt mit 7.000 Pflanzen pro Hektar, der Ertrag liegt bei rund 40 Hektolitern. Das heißt pro Stock deutlich weniger als ein Kilo aus kleinen stammnahen Träubchen. Der Untergrund besteht überwiegend aus Kalkstein mit einer geringen Lehmauflage. Doyac ist 28 Hektar groß und arbeitet komplett Demeter zertifiziert in Biodynamie. Die Weinstöcke sind im doppelten Guyot erzogen, die Ernte geschieht händisch und mechanisch mit einer Nachsortierung sowie einer optischen Lasersortierung nach dem Entrappen. Es kommen also nur Top-Beeren in die Vergärung, völlig clean. Die Fermentation erfolgt innerhalb von 15 Tagen bei rund 26 Grad im Inox-Stahl, temperaturreguliert. Der Ausbau dann für gut 12 Monate im Holz, davon 25 Prozent neues Holz. Es werden knapp 100.000 Falschen übr alle Qualitäten hinweg erzeugt, davon weniger als 50% Erstwein. Die Önologen sind der berühmte Eric Boissenot, der viele berühmte Premier und Deuxième Cru im Médoc berät, und dessen Mitarbeiter Marco Balsimelli. Das Rebalter ist ungefähr 25 Jahre alt. Komplette Entrappung und als Biodynamiker natürlich spontan vergoren. Doyac ist seit einigen Jahren auf dem Run. Wir haben ihn auf Empfehlung von Jean-Marc Quarin, dem angesagtesten französischen Weinjournalisten, entdeckt.