In 1902 wurzelecht gepflanzte Reben, ein Hammer. Wie bei den anderen Rotschiefer-Weinen haben wir hier im Herrenberg GG mehr Druck und prägnantere Würze als bei den feineren Ritsch oder Laurentiuslay. Rotschiefer gibt immer mehr Textur und Druck in den Weinen, aber wenn man den Lesezeitpunkt richtig trifft geht es nicht in die Breite. Da muss man schnell sein. Auf dem Papier ist der Jahrgang 2024 sehr ähnlich zu 2021, hohe Extrakte, hohe Säuren, kleine Erntemenge. Geschmacklich ist es durch die höheren pH-Werte aber viel harmonischer und deutlich weniger grün als in 2021. Die Säuren sind total seidig und reif, die Texturen fast cremig, sehr dicht, dazu aber die kräuterig-steinige Aromatik eines kühlen Jahres. Wirklich ein faszinierender Jahrgang, wie eine moderne Version von 2008 mit mehr Eleganz. Der Wein geht immer mehr zur warmen Zitrusfrucht, in Richtung Mandarine, gelbe Kiwi, Orangenblüte. Der Herrenberg ist diese sehr ansprechende, fast explosive Nummer und so anders als die Steinhammer Laurentiuslay oder Ritsch. Er nimmt mich mehr in den Arm, wirk geschmeidiger und runder. Es wird nicht fetter, es behält schon dieses salzig-würzige Spiel und die Vibration, aber es kommt hier tieftöniger, basslastiger und etwas charmanter rüber. Der Jahrgang 2024 ist früh zugänglich, wird in seiner kühlen Puristik aber ein Langstreckenläufer sein. 96-97+/100