Eine reine Südexposition in den Hautes-Côtes, rund 25 Jahre alte Reben. Ein sehr kalksteinreicher Boden. Der weiße Prieuré wird zu 100 Prozent in Betoneier ausgebaut mit sehr langem Hefekontakt, null Holz. Das ist bei Verdet ab 2023 bei allen Weißen so. Er will weg vom holzgetragenen Chardonnay und den Boden und das Terroir in den Vordergrund stellen, nicht sein Winemaking. Der Wein verbleibt rund 11 Monate im Ei vor der Abfüllung, die im Spätsommer vor der nächsten Ernte stattfindet. Der Wein ist, auch weil er kein Holz hat, schön nuanciert und eher leise. Die feine Reduktion vom Hefelager mischt sich mit grünem Tee, hellem Rauch und feiner gelblicher und grünlicher Agrumenfrucht. Famos wie spannungsreich und fein der Wein aus diesem heißen Jahrgang ist, das war 2022 auch schon so, aber 2023 ist noch leckerer, noch ansprechender. Er hat in seiner Holzfreiheit eine geniale innere Spannung und einen kühlen, rassigen Geradeauslauf, aber das Ganze ist geschmeidiger und tänzelnder als im Vorjahr. Wirklich spannend in dieser etwas ungewöhnlichen frisch-schlanken Auslegung komplett ohne Holz, wie Thierry Mortet das auch macht mit seinem Terroir de Daix. Spannender Stoff!
Der Jahrgang 2023 präsentiert sich als eine perfekte Symbiose aus Klassik und Moderne. Nach den extremen Hitzejahren der Vergangenheit wirken die 2023er wie ein »tiefes Ausatmen«. Sie sind geprägt von seidiger Textur, cremiger Zugänglichkeit und einer hellen, strahlenden Frucht. Besonders beeindruckend ist die Kombination aus Transparenz für das jeweilige Terroir und einer verführerischen Extraktsüße. 2023 war für die Winzer im Burgund ein Befreiungsschlag in Sachen Quantität. Trotz der großzügigen Erträge fehlt es den Weinen nicht an Konzentration, da hohe Extraktwerte einer Verwässerung entgegenwirkten. Das Wetter war über den Sommer moderat mit ausreichend Niederschlag, bis eine extreme Hitzewelle kurz vor der Lese im September für den finalen Schub an Reife und Dichte sorgte. Während die Weißweine an die Reichhaltigkeit von 2018 erinnern, bewahren sie durch eine feine Säurefrische ihre klassische Brillanz. Es ist ein Jahrgang des puren Genusses, der bereits in seiner Jugend viel Freude bereiten wird und bei den Rotweinen an die reiche Eleganz von 2019 erinnert.