Der 2022er war tatsächlich der erste Jahrgang dieses Weines unter dem Anne Gros-Label, zuvor wurde der Wein als Gros Frères und Soeur vermarktet, aber Anne konnte die Parzelle aus dem anderen Teil der Familie erhalten. Ausbau klassisch im Barrique, allerdings mit deutlich weniger Neuholz-Anteilen als früher. Anne Gros' Stil ist deutlich feiner und puristischer geworden in den letzten Jahren. Tout en finesse. Ein wahnsinnig geschliffener und präziser Wein für dieses kraftvolle Terroir, hochfeine Tannine wie Samt und Seide, dazu dunkelwürzige Brombeere mit Cassis, Pfingstrosen, Lavendel und etwas Kaffee. Der Mund hat eine köstliche Süße, mehr sogar noch als der Echezeaux Grand Cru, der erstaunlicherweise etwas mehr Säurefrische hat. Cremig-reiches Creme de Cassis, Milchschokolade und etwas warmer Stein im Ausklang. Ein traumhaft schöner Wein, in sich ruhend, elegant und duftig, Burgund wie aus dem Bilderbuch. Großes Kino!
Der Jahrgang 2023 präsentiert sich als eine perfekte Symbiose aus Klassik und Moderne. Nach den extremen Hitzejahren der Vergangenheit wirken die 2023er wie ein »tiefes Ausatmen«. Sie sind geprägt von seidiger Textur, cremiger Zugänglichkeit und einer hellen, strahlenden Frucht. Besonders beeindruckend ist die Kombination aus Transparenz für das jeweilige Terroir und einer verführerischen Extraktsüße. 2023 war für die Winzer im Burgund ein Befreiungsschlag in Sachen Quantität. Trotz der großzügigen Erträge fehlt es den Weinen nicht an Konzentration, da hohe Extraktwerte einer Verwässerung entgegenwirkten. Das Wetter war über den Sommer moderat mit ausreichend Niederschlag, bis eine extreme Hitzewelle kurz vor der Lese im September für den finalen Schub an Reife und Dichte sorgte. Während die Weißweine an die Reichhaltigkeit von 2018 erinnern, bewahren sie durch eine feine Säurefrische ihre klassische Brillanz. Es ist ein Jahrgang des puren Genusses, der bereits in seiner Jugend viel Freude bereiten wird und bei den Rotweinen an die reiche Eleganz von 2019 erinnert.