Von Heiner Lobenberg

Piemont-Reise 2020 | Barolo 2017

Von Sonntag 11. bis Samstag 24. Oktober 2020

2020 wird uns allen als sehr spezielles Jahr in Erinnerung bleiben. Corona, Kontaktbeschränkungen, Reisewarnungen, das ganze Programm. Als getestet gesunde Weinhändler fuhren Bianca und ich sicherheitshalber mit eigenem Auto erst mal von Bremen ins Burgund, Hotel Ibis Style in Beaune. Ich werde probieren, texten und ggfs. verhandeln, Bianca macht neue Fotos von allen Weingütern. Das Hotel ist eher simpel, aber es hat die perfekte Lage mitten in der Stadt und mitten in der besten Weinregion der Welt. Oder ist die beste Weinregion doch der zweite Teil unserer Reise, das Barolo-Tal in der piemontesischen Langhe?

Brandheiß

Schon denkwürdig, die zwei meiner Meinung nach besten Weinregionen der Welt in einem einzigen Reiseturn zu erkunden, alles hyper-vorsichtig, wenig Kontakte, möglichst immer allein mit dem Winzer/in probieren, abends in den Restaurants (die waren da noch oder wieder unter strengen Auflagen geöffnet) mit großem Abstand und nie in geselliger Runde. Schon sehr anders diese Reise … aber die wundervollen Weine entschädigten …

Burgund »en passant«

Im Burgund waren wir eigentlich nur einige Tage »en passant« um meinen Mitarbeiter und Wine-Scout Elias zu vertreten, der wegen Covid in Quarantäne war. Aber vier neue Weingüter galt es erstmals zu kontaktieren und einen Exportmanagerwechsel zu begleiten.

Ramonet
Zu Besuch bei Ramonet
Bonneau du Martray
Thibault Jacquet von Bonneau du Martray
Decelle
Im Keller bei Decelle

Wir sind nach den Neu-Besuchen bei Ramonet, Bonneau du Matray, Jean-Marc Vincent und Decelle & Fils mit den Proben der 2019er und 2018ern, sowie nach der riesengroßen 2019er Probe bei Jadot und dem sympatischen Exportdirektor Vincent Delcher mehr als zufrieden mit einem eher klassischen, fruchtstark üppigen Jahrgang 2018 und einem ungewöhnlichen, extrem spannenden Säure- und Mineraljahrgang 2019. Beide Jahrgänge sind extrem unterschiedlich, noch viel unterschiedlicher als 2016 und 2017, aber beide sind groß und aufregend.

  Decelle   Vincent   Jadot  

Vincent
Im Austausch mit Jean-Marc Vincent

Die Texte der vier neuen Weingüter finden Sie in Elias’ Burgunderbericht (er ist ja jetzt immun und konnte somit Anfang Dezember zur Degustation acht Tage ins Burgund reisen), da passen sie thematisch besser hin. Aber Jadot 2019 möchte ich Ihnen nicht vorenthalten …

Verkostungsnotizen Jadot weiß 2019

Der Jahrgang 2019 war gekennzeichnet durch einen langen, trockenen, aber milden Winter. Es gab einen relativ späten Austrieb und zweimal Frost, einmal mit Regen, einmal trockenen Frost. Insgesamt entstanden sehr kleine Beeren. Das Ganze war im Grunde ein wenig verkümmert. Ab Juni gab es Hitzewellen, die sich bis Ende August zogen und zu einer teilweisen Blockade der phenolischen Reife führten. Der Jahrgang ist am Ende trotz der großen Hitze kein hochreifer Jahrgang. Nicht im Ansatz so wie 2003, was zunächst befürchtet wurde. Auch nicht so generös wie 2018. Er ist reif, aber nicht überreif, neigt eher zu hoher Säure und schlanker, roter Frucht. Diese Kombination von Reife und unglaublicher Frische, mit schlanker Frucht, zieht sich durch ganz Europa in 2019. Bordeaux, Deutschland und eben auch Burgund, wo das Ganze vielleicht am ausgeprägtesten ist. Ab 2019 werden alle Chablis von Jadot im eigenen Keller direkt in Chablis erzeugt. Der 2019er Fourchaume zeigt eine wunderbare Frische und eine hohe Mineralität. Die Lage liegt dicht an Les Preuses, dem besten Grand Cru. Fourchaume ist daher auch einer der allerbesten Premier Crus. Wunderbare Länge. Orangenzesten, Limetten, grandiose Mineralität. Der Anteil des neuen Holzes in bei Jadot im Chablis etwas geringer als an der Côte de Beaune, wo man 100 Prozent neues Holz nimmt. In Chablis sind es etwa 50 Prozent Neuholz und die Ausbauzeit liegt nicht bei 18 Monaten, sondern bei 12 bis 15. Der Jahrgang 2019 ist früh zugänglich. Schon als Fassmuster macht der Wein Freude, zeigt Frische, aber eben auch Zugänglichkeit. Schicker Chablis! 94–95/100

Neben Les Preuses ist Les Clos die berühmteste Crand Cru Lage in Chablis. Sonnenexponiert und immer sehr kraftvoll, ausdrucksstark und voluminös. Für den Les Clos Grand Cru wird 100 Prozent Neuholz verwendet. 15 Monate Ausbau. Exotische Nase. Ananas, Passionsfrucht, hochintensiv. Etwas Quitte und Birne dahinter. Reif, aber auch zugänglich. Viel Charme, auch Weinbergspfirsich, weiße Frucht. Imposanter Mund. Kraft, Dichte, extreme Mineralität, die Augen ziehen sich zusammen. Aber die Frische, die Wucht und die Kraft halten sich die Waage. Ein großer Wein mit recht früher Zugänglichkeit. Trotzdem schwer beeindruckend! 97–98+/100

Abbaye de Morgeot ist eine der berühmtesten Lagen in Chassagne-Montrachet und wahrscheinlich zusammen mit Cailleret und Ruchottes die herausragende Lage in diesem Ort. Alle Weine, die ich von Jadot im Programm habe – mit Ausnahme der Chablis – stammen von eigenen Weinbergen der Jadots. Wie immer bei Jadot Ganztraubenpressung, dann im Stahl angegoren und die komplette Fermentation im neuen Barrique. Zwölf Monate werden die Weine auf der Vollhefe belassen, dann abgestochen und für weitere sechs Monate im neuen Barrique ausgebaut. Es ist lustig, dass wir Chassagne-Montrachet nach Puligny-Montrachet bei Jadot verkosten, normalerweise ist das umgekehrt. Aber diese Lage, Abbaye de Morgeot, ist so überragend, so herausstechend. Die Nase ist dicht und reich, aber nicht fett, sondern nur unglaublich viel, komplett und reichlich. Von Quitte bis Ananas und Maracuja, weißes und gelbes Steinobst, viel Druck und Cremigkeit, Charme und Blumigkeit. Man plumpst fast hinein. Im Mund wunderschöne Schärfe zeigend, Salz, bevor die Frucht kommt. Länge und Struktur, bevor die Frucht all das wieder einholt. Von Orangenzesten bis Maracuja und Quitte, Williams Birne, weißer Pfirsich, Aprikose. Lang und trotzdem cremig und balanciert. Sehr hohes Niveau mit großer Harmonie. Toller Wein! 96­–97+/100

Wie immer bei Jadot gibt es auch bei diesem Corton Charlemagne es Ganztraubenpressung. Dann wird im Stahl angegoren und die komplette restliche Fermentation im neuen Barrique durchgeführt. Zwölf Monate werden die Weine auf der Vollhefe belassen, dann abgestochen und für weitere sechs Monate im neuen Barrique ausgebaut. Dieser Corton von Jadot kommt aus der Lage Pougets, die eine Südausrichtung hat. Anders also als die Lagen von Bonneau du Martray, die mehr nach Westen ausgerichtet und deshalb kühler sind. Hier haben wir die ganze Kraft, die Corton Charlemagne zeigen kann. Sehr viel weiße Frucht, weiße Blüten, Üppigkeit. Trotzdem bleibt Corton immer auf der feinen, verspielten Seite. Und wie immer spielt die Weißfrucht eine dominante Rolle. Dahinter kommt der Kalkstein-Kreideberg durch. Salz und eine gewisse Schärfe. Große Harmonie zeigend. Vielleicht nicht ganz so aufregend wie Bonneau du Martray mit seiner kühleren Westausrichtung, aber auf jeden Fall ein großer Wein. Der Jahrgang 2019, mit seiner grandiosen Frische, trägt das seine dazu bei. 97–98/100

Ladoix ist vielleicht eine der spannendsten Weißwein-Appellationen im Burgund der letzten zehn Jahre. Die Weine kosten für ihre Qualität einfach einen Spottpreis und sind so unglaublich schön und einladend. Der spezielle Hintergrund dieses Weinbergs bei Jadot ist, dass er jenseits des kleinen Flusses wächst. Also im Bezug auf das Terroir ist er Côtes de Nuits, 100 Prozent Kalkstein- und Kreideböden. Hinzu kommt seine Südexposition. Sehr viel mineralischer also und mit deutlich mehr Struktur und Charakter als jeder Côte de Beaune, zu der dieser Weinberg offiziell gehört. Deshalb ist dieser Wein so ausdrucksstark. Jeder im Hause Jadot behandelt diesen weißen Ladoix wie einen Premier Cru und obwohl er kein Côte de Nuits Premier Cru ist, genießt er höchste Achtung – zurecht wie ich finde. Hocharomatisch, Blüten, aber auch Apfel, Birnen und weißer Pfirsich. Im Mund fast eine kleine Schärfe zeigend von der hohen Mineralität und der Salzigkeit. Nein, es ist kein Riesenwein, aber er hat 18 Monate im Holz gelegen und steckt es weg wie nichts. Das kostet nichts und hat trotzdem Größe. 93–94/100

Perrières ist die Toplage in Meursault und der einzige potenzielle Grand Cru. Jeder rechnet damit, dass Perrières bald auch zu einem Grand Cru ernannt wird. Es ist die einzige Lage in Meursault, die diese einzigartige Größe und Erhabenheit ausstrahlt. Wie immer bei Jadot wird auch bei diesem Wein eine Ganztraubenpressung durchgeführt, dann im Stahl an- und im Barrique zu Ende vergoren und ausgebaut. Nach zwölf Monaten auf der Vollhefe werden die Weine zum ersten Mal abgestochen und weitere sechs Monate im neuen Holz ausgebaut. 2019 steckt das Holz sehr gut weg. Das Jahr hat im Vergleich zu 2018 eine höhere Säure, was hervorragend zu diesem neuen Holz passt. Eine reiche Nase. Steinobst, von Aprikosenkernen zu weißem Pfirsich wandernd. Auch ein bisschen Birne, reich und dicht. Im Mund so wie Meursault eben ist. Nicht so filigran und puristisch wie Puligny oder Chassagne, sondern durchaus großrahmig, voluminös und generös. So ist dieser Perrières gerade in 2019, ein Jahr, das so viel Reife aufwies. Der Wein hat Bums, Kraft und Volumen und schon früh eine große Harmonie. Ein großer, frühreifer, voluminöser, dichter Meursault. 96–98+/100

Verkostungsnotizen Jadot rot 2019

2018 und 2019 waren große Jahre im Beaujolais und auch große Jahre für das Château de Jacques. Beaujolais – speziell die Crus – wird immer mehr zu einem ernsthaften Konkurrenten des Burgunds. Die Weine aus der Gamay Traube können auch unglaublich gut altern, vor allem jene aus den Crus. Teilweise sogar für Jahrzehnte. Morgon ist eine Appellation, die häufig etwas unterschätzt wird. Vulkanische, reiche Böden, grüne und blaue Quarzböden. Älter als die Granitböden anderer Crus. 360 Meter Hoch, kühl und windig. Mehr Eleganz als reine Power, hohe Aromatik, trotzdem würzige Weine mit langem, salzigem Finish. Eine kleine Appellation, aber die Weine sind berauschend schön. In der Nase dichte, reiche, süße Zwetschge. Fast bläulich daherkommend. Ein bisschen Blaubeere, ein bisschen Thymian, Veilchen und auch ein bisschen süßer Lavendel darunter. Viel Schwarzkirsche, weich, charmant, dicht, reich und aromatisch. Eindeutig zu unterscheiden von Pinot Noir, weil Gamay nicht so eine säurebetonte Sauerkirsch- und Süßkirsch-Variation bietet, sondern mehr zur bläulichen, riefen Frucht tendiert. Allerdings mit einem wahnsinnig frischen und salzigen Nachhall in dieser auch im Mund hervortretenden bläulichen Frucht. Das klingt jetzt nach einem massigen Wein, aber das Gegenteil ist der Fall: Es ist verspielt und trotzdem aromatisch intensiv. Ein bisschen Cassis kommt im Nachhall dazu und wieder diese Thymian-Würzigkeit. Sehr samtige, seidige Tannine. Aber durchaus fleischige Mitte und durchaus reichlicher Körper. Nur eben kein fettes, massives Teil, sondern immer auf der charmanten Seite bleibend. Sehr komplexer, berauschend schöner Charmeur. 94–95/100

Moulin à Vent ist wahrscheinlich der lagerfähigste Cru im Beaujolais. Der Name dieser Einzellage kommt vom nordischen Gott Thor, ein Powerwein auf steinigem Untergrund eben. Granitboden, Südexposition, Power, Langlebigkeit. Tiefe und reiche Weine kommen aus diesen speziellen Lagen. Preislich völlig unter Wert geschlagen, denn ein guter Moulin à Vent ist locker im Mittelfeld der Premier Cru des Burgunds anzusiedeln. Die Weine können viele Jahrzehnte lagern und verbessern sich dabei. Ganz häufig habe ich Vergleichsproben gemacht mit 30 bis 40 Jahre alten Beaujolais Cru, die locker im Bereich von viel höher klassifizierten Burgundern mithalten konnten. Moulin à Vent hat im Gegensatz zu vielen anderen Crus auch eben sehr viel Muskeln, sehr viel Power. Die Tannine sind üppig, aber sie sind natürlich reif und weich, speziell in den Jahren 2018 und 2019. Der Wein präsentiert sich mit reichlich, aber total feinen und samtigen Tanninen. Wie ich schon sagte: Ein Powerwein. Hell im Glas. Wie üblich für einen Beaujolais mit leicht bläulichen Reflexen. Die Nase: Berauschend nach schwarzer Kirsche. Etwas Cassis, darunter aber auch etwas Blaubeere. Feine süße Würze, etwas helle Lakritze oder besser etwas Süßholz. Veilchen und Rosenblätter. Hohe Intensität an Frucht und Aromatik im Mund. Die Augen ziehen sich sogar ein bisschen zusammen. Der Wein hat Säure, aber total weiche Weinsäure, nichts Spitzes. Länge, Salz, Kreide, Kalkstein. Ein Supercharmeur mit viel Druck und Fleisch in der Mitte. Aber selbstverständlich ist es Gamay. Niemals in der Jugend zu verwechseln mit einem Pinot Noir. Erst nach Jahrzehnten nähern sich diese beiden Weine an. Ein berauschend schöner Moulin à Vent. Fast dramatisch in seiner Ausdruckskraft. Viel frische Zwetschge, Cassis und Veilchen. Etwas schwarzer Pfeffer dabei, leichte Schärfe, Piment. Ein generöser Wein. 95–96+/100

Aux Cras ist eine superspannende Lage in Beaune. Sicherlich auf dem gleichen Level wie Beaune Grèves. Sehr ausdrucksstark. Ein Teil als Ganztraube vergoren, das ist in der Nase gar nicht zu verstecken. Wunderschöne Rappigkeit neben der jahrgangsspezifischen roten Johannisbeere. 2019 ist ein Jahr, in dem alles konzentriert war, es gab ganz kleine Erträge. Dementsprechend waren die Tannine und die Frucht deutlich konzentrierter in den ganz kleinen Beeren. Gleichzeitig ist die Säure jedoch deutlich höher als in 2018. Der Jahrgang 2018 war ein generöser, typischer Burgunder-Jahrgang, mit satter, reifer Kirschfrucht. 2019 präsentiert sich gar nicht so reif, obwohl er vollreif war. Aber durch die hohe Konzentration geht der Jahrgang viel mehr in die rote Johannisbeere, in diese unglaubliche Dichte bei gleichzeitig hoher Frische. Das ist famos! Ein schickes Finale. Was für ein schöner Wein aus Beaune! 95/100

Auch in diesem Clos de Bèze haben wir diese 2019er Hyperkonzentration in Frische, mit niedrigem Alkohol und unglaublich viel Druck. Konzentrierte Holunderbeeren in der Nase, mit Schlehe, Cassis und roter Johannisbeere. Der Wein hat unglaublichen Druck und trotzdem bleibt er schlank und spielerisch. Es ist eben nicht 2018 mit seiner Üppigkeit und Generosität, sondern 2019 mit dieser wahnsinnigen Frische und einer noch höheren Säure als 2017. Trotzdem eine hohe Reife zeigend. Das ist ein echt schicker Wein! Große Länge im Mund. Hier stellt sich dann wie im Premier Cru Cazetiers auch rote Kirsche ein. Cassis, Schlehe, rote Johannisbeere und Rappen. Länge, Stein und Salz, alles ist da. Ein großer Wein aus einem hochkonzentrierten Jahrgang, mit grandioser Frische. 2019 ist unique. Ich versuche die ganze Zeit Vergleiche zu bemühen, aber es geht eigentlich nicht. Ein Jahrgang wie 2019 habe ich im Grunde noch nicht probiert, weder hier noch in Bordeaux. Das ist nicht vergleichbar, das ist einfach 2019. 98–100/100

In diesem Chambolle-Musigny haben wir die typische 2019er-Nase bei Jadot. Ein leichter Rappenanteil, zusammen mit der hohen Konzentration eines extrem spannenden, konzentrierten, säurebeladenen Jahrgangs, der gleichzeitig Reife aufweist. Die Quadratur des Kreises setzt sich fort. 2019 ist sicherlich eines meines Lieblingsjahre im Burgund, wie auch in der restlichen Welt. Vielleicht noch vor 2016, das eher mit Generosität, Tannin und Langlebigkeit glänzt, 2019 hingegen mit Frische und mit einem enorm hohen Spaßfaktor. Und das Ganze in Chambolle-Musigny. Diese Frische und diese rote Frucht, eingegossen in diese zarte Appellation. Das Gegenstück zu Volnay an der Côte de Beaune ist Chambolle an der Côte de Nuits. So war tänzelndes, zartes. Einfach nur wunderschön und verspielt. 94–95/100

Ich habe die große Freude, an einem Tag sowohl Corton Charlemagne von zwei Erzeugern probieren zu dürfen als auch Corton Grand Cru. Erst Bonneau du Martray, jetzt Jadot. Der Unterschied ist, dass Bonneau du Martray grundsätzlich die kühleren Lagen hat, die frischeren, die atemberaubenderen Weine. Jadot dagegen die kraftvolleren, die dichteren. Dieser Corton zeigt reiche, dichte rote und schwarze Frucht. Sehr beerig. Hohe Intensität und die jahrgangsspezifische Aromatik von roter Johannisbeere und Holunder. Aber auch viel Schwarzkirsche, etwas Cassis und Brombeere. Der Mund zeigt große Harmonie, ist dicht und weich. Er zeigt schwarze und rote Kirsche, Schlehe und ein satte Säure. Unglaubliche Frische von roter Johannisbeere. Sogar ein bisschen pinke Grapefruit und Maracuja. Das ist schon echt irre, was da im Mund abgeht, mit hoher Mineralität und Salz. Ein großer Wein! 97–98/100

Les Cazetiers wird neben Lavaux Saint-Jacques und Clos Saint-Jacques als dritter großer Premier Cru in Gevrey-Chambertin gehandelt. Alle drei erreichen häufig qualitativ Grand-Cru-Standard. Jetzt sind wir wirklich voll an der Côte de Nuits angekommen. Gevrey-Chambertin mit diesem satten Volumen und dieser Kraft. In der Nase sind wir hier bei roter Frucht, bei roter Johannisbeere, bei roter Grütze, viel Schlehe und Sauerkirsche. Ganz langsam kommt auch ein bisschen Schwarzkirsche darunter, ein bisschen Brombeere. Gevrey hat schon viel Dampf. Dieser Les Cazetiers hat auch den ersten richtig klassischen Mund, weil er Schwarzkirsche und rote Kirsche hat. Er hat zwar auch Sauerkirsche, rote Schlehe und rote Johannisbeere, aber er hat deutlich mehr Üppigkeit als die bisher verkosteten Weine. Großrahmigkeit und Dampf. Ein frischer Wein mit Format, aber zehn Jahre wegsperren. 96+/100

La Platière ist ein Wein, den wir ganz neu ins Programm aufnehmen. Was könnte es Besseres geben als in so einem frischen Jahr wie 2019 mit Pommard, einer tendenziell eher runden und reichen Appellation, anzufangen. Ein Teil wird auch hier mit Ganztrauben vergoren. Der Wein liegt 18 Monate im Barrique, davon zwölf Monate auf der Vollhefe. Kein Holz ist spürbar in der Nase, sondern nur Frische. Kein dickes, üppiges Pommard. Was für ein Glück, dass ich nicht 2018 angefangen habe … 2019 passt perfekt. Reicher, dichter Mund, sehr gutes Volumen zeigend und schöne Cremigkeit. Im Gegensatz zum Volnay haben wir hier im Pommard neben der Johannisbeere und der roten Grütze auch rote und schwarze Kirsche, Volumen und große Harmonie. Sehr gelungenes Beispiel eines Pommard. Auch wenn er an den Volnay Mitans nicht ganz herankommt, ist das für Pommard schon großes Kino. 96/100

Wie bei allen Rotweinen von Jadot gibt es auch bei diesem Volnay ab 2019 einen ganz kleinen Anteil an Ganztrauben in der Gärung. Diese hohe Frische lässt die 18 Monate im neuen Barrique überhaupt nicht in Erscheinung treten. Eine grandios frische Nase. Man denkt gar nicht, dass das aus Volnay kommt. Man denkt an Cool Climate aus weit höheren Lagen, etwa Auxey-Duresses. Wunderschöne Johannisbeere. In der Nase leicht grüne Elemente und Spritzer darunter. Viel Mineralität. Im Mund sowohl die Weichheit, für die Volnay berühmt ist, diese unglaubliche Finesse und Geschmeidigkeit. Gleichzeitig aber auch hier diese frische rote Frucht. 2018 war das Jahr der reichen schwarzen Rotkirsche, 2019 ist das Jahr der Johannisbeere, der Frische des Holunders. Ein bisschen Cassis dahinter, Sauerkirsche und Schlehe. Eine wunderschöne Länge, das Salz kommt hoch. Zehn Jahr warten und es wird ein grandioser Volnay. 97+/100

Jadot
Bei Jadot mit Exportdirektor Vincent Delcher

So eingestimmt und voller Vorfreude fuhren wir mit einem eingelegten Pausenwochenende in Turin (das weltbeste Vitello Tonnato im Restaurant »Del Cambio« und dazu die grandiosesten Kaffeehäuser des ganzen Landes mit sparsamst besetzten Tischen) weiter nach Roddino (ein winziges Dorf oberhalb von Monforte), wo wir sicherheitshalber statt Hotel ein winziges kleines Häuschen inmitten der Weinberge gemietet hatten. Perfekt und sicher.

Piemont – Purer Hedonismus

Piemont 2017. Überhaupt 2017? Der Frost des Frühjahrs nach dem Austrieb gilt als Rufmörder des Jahrgangs, aber abseits davon und ganz real ist 2017 in Wirklichkeit in fast allen Regionen der Welt ein großes Jahr. An der Rhone und in Portugal ist 2017 sogar der beste Jahrgang zwischen 2010 und 2019. In Bordeaux und im Piemont, überhaupt in Italien und Frankreich und Deutschland klar besser als alle Jahrgänge zwischen 2010 und 2016. 2017 ist kraftvoll, vollmundig, intensiv fruchtig und frisch, alles was ein großes Jahr braucht, und 2017 steht qualitativ im Piemont nur ganz knapp im Schatten des klassisch langlebigen, noch unzugänglichen Jahres 2016.

2017 erinnert mich extrem an 1997 und 2007, zwei wunderbare, fast überwältigende Piemont-Jahrgänge für Bordeaux-Liebhaber. Dicht, kraftvoll, wuchtig, viel Nerv und Frische, aber sehr offen und zugänglich in seiner satten Frucht. Viel mehr Druck, Wucht und Klasse als die leckeren, runden Jahre 2015, 2011, 2009 und 2005. Aber viel zugänglicher und den Genießer extrem saftig und wohlig, geschmackvoll und fruchtaromatisch umarmend, als die für ewiges Leben, tanninreich verschlossen gebauten Jahrgänge 2016, 2013 und 2010. 2017 ist für mich nach 1997 und 2007 DAS Jahr des Wohlgenusses, ein Jahr ohne Reue, alles stimmt und alles ist sofort schon da. Verzückung sofort und mit viel Anspruch! 

2018 wird im nächsten Jahr eher burgundisch, zart, sehr reif, weich, üppig, rund und hell, alles wie aus einem hochreifen Chambolle-Musigny-Jahr.  Stilistisch nah an 2012 und vielleicht noch eher an 2008, aber noch charmanter. Aromatisch verträumte zarte Primaballerinas mit überwältigendem Genussfaktor. Früh zugänglich und im zarten Tannin und der seidigen Finesse auch für Nicht-Kenner des Piemont wahre, charmante Schönheiten. Purer Hedonismus.

Bartolo Mascarello

Montag 19. Oktober 9 Uhr morgens. Bartolo Mascarello. DER megaklassische Start schlechthin. Das Weingut, das ja nicht nur für seine traditionellen Weine steht, sondern auch für Bartolos handgemalte Etiketten. Ein echter Freigeist: »no Barrique, no Berlusconi« war eines seiner berühmtesten Etiketten. Seine Tochter Maria-Theresa Mascarello lebt diesen auf der einen Seite traditionellen, auf der anderen Seite unbeugsamen, freiheitsliebenden Spirit weiter. Hochsympathisch, liebenswert anders, unabhängig und eigenwillig. Und es ist ganz sicher so, wie man es auch von Hunden und ihren Besitzern sagt, Weine drücken die Persönlichkeit ihrer Winzer aus.

Der 2017er Barolo aus fünf verschiedenen Cru-Lagen (die Mascarellos halten nicht viel von Einzellagen sondern folgen dem traditionellen Ansatz »nur ein Wein«) ist nach dem hyperklassischen 2016er (eher 2006 als der elegante 2010) eine willkommene Hinwendung zu wunderbarer Frucht. Ein warmes und sehr trockenes Jahr, aber die 17er Weine sind verblüffend saftig und fruchtig. Tolle Opulenz dazu, irgendwie mit Assoziationen an 2005, 2015 und 2012. Den kann man schon trinken wenn 2016 gerade ein Drittel seiner Wartezeit im Keller hinter sich hat. 2016 ist DAS Riesenjahr, aber wenn man wie ich schon 60 ist, möchte man den Genuss doch noch in zehn Jahren erleben. Das gilt ja auch für Bordeaux, 2017 hat auch in der Region viel mehr Frucht und ist die nächste 20 Jahre der schönere Jahrgang als 2016. Ich glaube viele Genießer kaufen zu oft nur nach Größe und nicht nach Genuss und Hedonismus, aber was nützt der Schatz im Keller, wenn ich ihn besser 20 Jahre nicht antaste? Barolo? 2005, 2012 und 2017 kaufen, die Oden an die Freude.

Alle Mascarello Weine

Verkostungsnotiz Bartolo Mascarello

Maria Theresa steht ihrem Vater Bartolo in der Weinqualität überhaupt nicht nach! Fermentiert in Zement wie eh und je, 30 bis 50 Tage Schalenkontakt im Zementtank, danach ausgebaut im großen alten Holz. Vergärung nur spontan mit der Naturhefe. Dieser Barolo setzt sich zusammen aus den vier Einzellagen Cannubi, Rocche Annunziata, Rué und San Lorenzo. Bei Mascarello werden alle Lagen zusammen vergoren, die Auswahl findet nur im Weinberg statt, seit Jahrzehnten gibt es die gleiche Lesemannschaft, sie wählt schon im Weinberg perfekt aus. Die Weine werden komplett entrappt und dann mit der natürlichen Hefe vergoren. Das Resultat sind nur 15.000 Flaschen Gesamtproduktion des Barolo in einem Standardjahr. Die Fermentation läuft in den ersten 12–15 Tagen im Zement, danach verbleiben die Weine in guten Jahren zwischen 40 und 50 Tagen auf der Maische, ohne dass noch einmal Pigeage oder Remontage durchgeführt wird, tägliches Probieren bestimmt das Ende des aromatischen Zugewinns aus der Maischestandzeit. Danach erfolgt der Abzug und der Ausbau im großen gebrauchten Holz, so dass keinerlei aromatischer Holzeinfluss durch neues Holz kommt, sondern lediglich die gewollte Entwicklung per Oxydation stattfindet. Da der Abzug vom Beton ins Holz nach der alkoholischen Gärung i. d. R. schon bei nur noch 10 Grad Außentemperatur erfolgt, muss die Malo bis zum Frühjahr warten, geheizt wird hier nicht. 2017 war gekennzeichnet von einer großen Frostperiode. Allerdings ist bei Bartolo Mascarello kein einziger Weinberg betroffen gewesen, weil das Weingut überwiegend Steillagen in Hochlagen bewirtschaftet. 2017 war zudem sehr warm und es gab eine Trockenperiode. Das Ergebnis war eine vier Wochen frühere Lese als normalerweise. Mitte September wurden alle Trauben geholt. Das schöne war, dass in den ersten beiden Septemberwochen in den Nächten eine große Kühle herrschte. Wir haben also auf der einen Seite einen warmen, reichen, fruchtbetonten Jahrgang wie 2011 oder 2015. Und gleichzeitig haben wir Frische und Kühle durch den kühlen Herbst. Also auch eine hohe Eleganz. Die klimatischen Bedingungen haben auch dazu geführt, dass sich in Barolo die verschiedenen Höhenlagen etwas annäherten. Der Jahrgang, mit seiner Frische, Finesse und fruchtstarken Aromatik, dominiert in diesem Jahr 2017 deutlich mehr als in Jahren wie 2016 oder später 2019 und 2020. Der Alkohol ist für Barolo mit 14 Volumenprozent recht moderat. Kein Klassiker, kein tanninreicher Wein wie 2016, sondern eher früher zugänglich wie 2015. In der Nase reiche, frische Zwetschge, viel Kirsche, rote Kirsche und Marzipan. Sehr fein, sehr ätherisch. Ein klein bisschen Lavendel. Hocharomatisch, aber fein. Ich hätte dem Wein jetzt deutlich fruchtintensiver und fetter erwartet, aber die Nase ist eher schick und dabei so aromatisch. Der Mund kommt dann deutlich üppiger, aber auch hier bliebt es fein. Lavendel, zusammen mit Marzipan und roter, süßer Kirsche. Etwas Sauerkirsche und Schlehe. Ganz fein schwebend und aromatisch. Sehr lecker und zugänglich. Die Tannine sind extrem seidig und fein. Was für ein schickes Jahr! Und die Vergleiche 2011 und 2015 sind nicht verkehrt. Das schöne ist eben diese wunderbare Kühle, sprich die große Eleganz hintenraus. Das macht zusammen mit der Aromatik einen ausgesprochen leckeren Wein. 2017 wird sicherlich nach unter zehn Jahren schon ziemlich gut zu trinken sein. Das ist kein Riese, aber eine ziemlich große Schönheit. Tänzelnd, elegant und mit guter Länge. Ein Wein für die Freude. 97–98+/100

Sandrone

Am späteren Vormittag folgen dann Luciano und Luca Sandrone. Der jüngere Bruder von Luciano als Weinbergs-Chef und Kellermeister führt zusammen mit Lucianos Tochter Barbara als kauffrauliche Leiterin heute das Weingut. Luciano und seine Frau umsorgen als gute Geister alle mit ihrer wohlwollenden Fürsorge. Hier fühlt man sich sehr willkommen. Ein tolles und hochsympathisches Familien-team. Luciano und Luca gehören geschichtlich zu den Modernisten um Elio Altare, Clerico, Scavino und Conterno-Fantino. Kraftvolle Extraktion, relativ kurze Vergärung, keine wochenlanger Verbleib des Safts auf den Schalen, wie es als traditionelle Nachmazeration bei den Mascarellos, Cognos, Cavalottos, Giacosas betrieben wird. Ausbau im Barrique, hoher Neuholzanteil, Bordeaux, Burgund und Spanien als Vorbild. Aber nun die Besonderheit: Luciano war das zu viel Oxydation und zu viel neues Holz im 224 Liter Barrique. Er experimentierte mit dem 500 Liter Tonneau. Zwar viel neues Holz, aber auch ein Touch großes Fass der Traditionalisten, also reduktiver.

Sein Bruder Luca als perfekter Weinbergsmanager begleitet das hervorragend mit dem richtigen Lesezeitpunkt. Und so sind Sandrone, Roberto Voerzio, Aldo Conterno und Vietti für mich die Linie der »best of both worlds«. Von beiden Seiten das Beste. Grandiose Frucht, etwas früher zugänglich über Oxydation, nur leicht vom neuen Holz geküsst, hedonistisch in bester Form. Sandrone macht immer Freude, die Weine sind immer auch lecker (das darf so! Auch im Barolo :D). Und 2017 mit seiner offeneren Frucht und Opulenz passt ganz hervorragend. Das war eine extrem schöne Verkostung mit Luca, das Finale nach dem nach den Enkelkindern benannten Aleste (früherer Name Cannubi Boschis) aus Barolo (Cannubi ist die beste Lage der Gemeinde) und dem Le Vigne (aus vier großen Lagen Serralungas mit dem Hauptteil Villero komponiert) war dann der spät erscheinende Vite Talin. Einige Plots mit einem extrem ertragsschwachen aber extraktreichen Klon bepflanzt, das ist Vita Talin. 2015 kommt jetzt und ist mit einigen Super-Crus wie Giuseppe Mascarellos Ca d’Morissio sicher das Rarste und Außergewöhnlichste in der Barolo-Welt.

Alle Sandrone Weine

Sandrone
Luca Sandrone

Verkostungsnotizen Sandrone

Wie üblich beim Dolcetto kein Holz, eine Ausnahme bei Luciano Sandrone dem Meister des Holzeinsatzes. Ist in seinem Charakter einer der strukturiertesten Dolcetti. Extrem langer Nachhall. Ein Dolcetto, der wirklich lagern kann und durch die Lagerung gewinnt. Pflaumen gepaart mit einem Hauch Nelken und toller Fülle. 91/100

Etwas untypische Barberanase, extrem versammelt und mittig. Üppige schwarze Kirsche, rote Kirsche, sehr tief, Zwetschge, erdige Töne, Schokolade, leichter Barrique-Hauch, etwas Espresso, aber immer sehr versammelt bleibend, nicht die übliche offene Nase eines Barbera. Auch im Mund sehr versammelt. Kein Riesen-Wein, sondern eher wunderschön mit guter fleischiger Muskulösität. Wieder die schwarze und rote Kirsche, Herzkirsche, Sauerkirsche, versammelt, kraftvoll, schön, klar und sauber definiert mit mittlerer Länge, macht viel Freude und ist ein konzentrierter Fruchtwein ohne Überforderung, einfach nur gut. Sehr feine mineralische Würze am Ende. Das typische Markenzeichen für Barbera ist auch hier gegeben: die immer sehr hohe Säure und der relativ niedrige Tanninlevel bei gleichzeitig extremer Fruchtausprägung. Das macht die Weine so angenehm und frisch trinkbar. 92–93/100

Dieser Nebbiolo ist auf der anderen Flussseite in Roero, in der Nähe der Hauptstadt Canale gewachsen. Valmaggiore und Ochhetti sind die berühmtesten Lagen. Die Weinbergsbearbeitung geschieht mit der gleichen extremen Aufmerksamkeit wie bei den Baroli von Sandrone. Auch hier mehrfache grüne Lese und winzige Erträge unter 30 Hektoliter pro Hektar. Der Weinberg ist deutlich neuer bepflanzt als die Baroli, so dass es hier zwischen neun- und zehntausend Weinstücke pro Hektar gibt, diese Dichtpflanzung zur Reduzierung des Ertrages des einzelnen Weinstocks ist »state of the art«. Die Böden in Roero sind sandig, im Gegensatz zu den lehmigen Kalksteinböden der Langhe für Barolo und Barbaresco. Auch dieser Wein wird zehn Tage mazerisiert, danach aber in Stahl vergoren. Vierzehn Monate Ausbau ausschließlich im gebrauchten 500 Liter Fass, im sog. Tonneau. Der Wein ist etwas heller als die Baroli, bei diesem Wein geht es ausschließlich um die Finesse der Traubensorte Nebbiolo. Erstaunlich helle rote Früchte in der Nase, konzentrierte Himbeere und Walderdbeere, feine Kirsche darunter, sehr duftig und verspielt, helle Erde, weiße Schokolade, ein kleiner Hauch gelber Frucht, insgesamt ultrafein und rassig, verspielt, extrem charmant und total auf Finesse vinifiziert. Der Wein erinnert in Nase und Mund an die Barbaresci von Giacosa in seiner deutlichen Erdbeerausprägung. Auch im Mund deutlich Erdbeere und Himbeere, leichte rote Kirsche, wie schon in der Nase total verspielt, ein wenig dominikanischer Tabak, dann kommt salzige Mineralität, aber nicht in der intensiven Ausprägung wie bei den Baroli. Alles fein bleibend, geschliffenes, poliertes Tannin, mit toller frischer Säure dabei und recht deutlicher, wenn auch nicht wuchtiger, roter Frucht. Ein Spaßmacher mit Klasse. 93+/100

Wie jedes Jahr, und das verblüfft mich selbst immer wieder, bin ich ein großer Freund von Aleste und im Allgemeinen von Cannubi Boschis, ob seiner hohen Aromatik und seiner erotischen Ausstrahlung. Kaum ein anderer Wein ist wie Cannubi. 2017 war gekennzeichnet von einer großen Frostperiode im Frühjahr und von einem warmen Sommer mit langer Trockenperiode. Vom Frost wurde die Weinberge von Sandrone nicht heimgesucht, da das Weingut nur Hochlagen bewirtschaftet. Durch die Trockenheit und Wärme stand im Herbst eine rund zwei Wochen frühere Lese an als normalerweise. Ende September bis Anfang Oktober wurde bei Sandrone gelesen. Das schöne war, dass in den ersten beiden Septemberwochen in den Nächten eine große Kühle herrschte. Wir haben also auf der einen Seite einen warmen, reichen, fruchtbetonten Jahrgang wie 2011 oder 2015. Und gleichzeitig haben wir Frische und Kühle durch den kühlen Herbst und somit auch eine hohe Eleganz mit seidigen Tanninen. Die klimatischen Bedingungen haben auch dazu geführt, dass sich in Barolo die verschiedenen Höhenlagen etwas annäherten. Der Jahrgang, mit seiner Frische, Finesse und fruchtstarken Aromatik, dominiert in diesem Jahr 2017 deutlich mehr als in Jahren wie 2016 oder später 2019 und 2020. Barolo Aleste ist im Gegensatz zu Le Vigne, der aus verschiedenen Lagen wie Villero in Serralunga kommt, ein reiner Wein aus der Barolo-Lage Cannubi, sogar aus der Sublage Cannubi Boschis. Erst vor wenigen Jahren wurde der Wein zu Ehren der Enkelkinder umbenannt von Cannubi Boschis in Aleste, die Abkürzung der beiden Vornamen der Enkel. Cannubi Boschis ist deutlich weniger ausgeprägt in seinem Bouquet, er lädt nicht so weit aus, kommt nicht so brutal warm und intensiv rüber wie der Le Vigne. Fokussiert und deutlich mehr zur roten Kirsche und zur Sauerkirsche laufend. Fein, fruchtstark und auch deutlich mittiger. Auch der Mund ist ganz anders. Ganz rote Frucht, rote Kirsche und Sauerkirsche. Ein bisschen Cranberry, Schlehe und rote Johannisbeere. Deutlich rotfruchtig fokussiert. Der Wein ist aromatisch und hedonistisch, aber er ist deutlich mittiger laufend, deutlich rotfruchtiger und mit einer hohen Intensität. Der Vigne ist vielleicht der etwas größere Wein, der Cannubi ist klar der individueller. 96–97/100

Der Barolo Le Vigne ist eine Cuvée aus vier verschiedenen Lagen aus den Gemeinden Barolo, Novello und zweimal Serralunga, dabei auch die Toplage Villero. Die Bearbeitung beider Barolo geschieht bei Sandrone auf die gleiche Art und Weise. Vollständige Entrappung, acht Tage kalte Mazeration, dann weitere drei Wochen Fermentation im Stahl und danach noch einige Zeit Verweildauer auf der Schale. Verwendung nur des Vorlaufweins, kein harter Presswein. Ausbau zu 80 % in gebrauchtem 500 Liter Tonneau, 20 % neues Holz, 24 Monate, kein Abzug, keine Batonnage. 2017 war gekennzeichnet von einer großen Frostperiode im Frühjahr und von einem warmen Sommer mit langer Trockenperiode. Vom Frost wurde die Weinberge von Sandrone nicht heimgesucht, da das Weingut nur Hochlagen bewirtschaftet. Durch die Trockenheit und Wärme stand im Herbst eine rund zwei Wochen frühere Lese an als normalerweise. Ende September bis Anfang Oktober wurde bei Sandrone gelesen. Das schöne war, dass in den ersten beiden Septemberwochen in den Nächten eine große Kühle herrschte. Wir haben also auf der einen Seite einen warmen, reichen, fruchtbetonten Jahrgang wie 2011 oder 2015. Und gleichzeitig haben wir Frische und Kühle durch den kühlen Herbst und somit auch eine hohe Eleganz mit seidigen Tanninen. Die klimatischen Bedingungen haben auch dazu geführt, dass sich in Barolo die verschiedenen Höhenlagen etwas annäherten. Der Jahrgang, mit seiner Frische, Finesse und fruchtstarken Aromatik, dominiert in diesem Jahr 2017 deutlich mehr als in Jahren wie 2016 oder später 2019 und 2020. Der Le Vigne hat eine hocharomatische Nase, wie fast alle 2017er. Bei Sandrone mindestens genauso ausgeprägt wie zuvor bei Mascarello. Die Kühle der Nächte und die Wärme und Reichhaltigkeit der hohen Temperaturen. In Summe sehr feine, aromatische und gleichzeitig reiche Weine, mit seidigem Tannin und frischer Kühle im Mund. Das Kochen über Tag und das Frieren über Nacht bringt aber auch eine frühe Zugänglichkeit. 2017 wird sicherlich weniger als zehn Jahre brauchen, um Perfektion im Glas zu zeigen. Auf jeden Fall ein hedonistischer Jahrgang. Kein Jahrgang zum Anbeten, sondern ein extrem leckeres Jahr. Die Nase ist so reich und dicht. Marzipan, viel süße rote Kirsche, aber auch ein bisschen Cranberry im Hintergrund. Fast ein wenig Erdbeere und Himbeere, sehr duftig. Der Mund zeigt eine hohe Intensität, er ist viel zugänglicher als im Jahr 2016. So lecker, man mag es kaum ausspucken. Im Mund neigt er deutlich mehr zur Himbeere, fast Cabernet-Franc-artig. Etwas Erdbeere, satte Kirsche, jetzt auch Schlehe und ein kleiner Hauch Schwarzkirsche im Hintergrund. Hohe Aromatik. Einfach ein köstliches Jahr mit wunderbar reifen und seidigen Tanninen. Der Wein hallt für Minuten nach, aber nicht wie 2016 mit dem Tanningerüst, sondern mit seiner sensationell intensiv-fruchtigen Aromatik. Es gibt kein Jahr, das man klimatisch mit 2017 vergleichen kann. Die Tannine in diesem Jahr sind so seidig, so fein und so wenig hart. Grandios verspielt und gleichzeitig fruchtstark, intensiv und unendlich aromatisch. 2017 ist nicht vergleichbar, weder mit 2011, das die Kühle nicht hatte, und auch nicht mit 2003. Der Jahrgang 2017 ist reich und trotzdem unique in seiner seidigen, hocharomatischen Struktur. 97–98/100

Der Name des Weines stammt aus dem piemonteser Dialekt. Talin bedeutet »geboren« und ist der Name desjenigen Besitzers, der damals den Weinberg an Luciano verpachtet hatte. Der Vite Talin kommt immer zwei Jahre später auf den Markt als die anderen Barolo des Hauses. Das erste Jahr dieses Weins war der 2013er Jahrgang. Vorher wurde er weder gefüllt noch irgendwo beigemischt. Es ist eine separierte Parzelle mit speziellen Reben, die aufgrund ihrer Genetik zu starker Verrieselung neigen und deshalb nur winzige Erträge bringen. Vite Talin ist in drei verschiedenen Plots in der Gemeinde Barolo aufgeteilt. Das Ganze resultierte aus einen Experiment, das 1987 startete. Luciano Sandrone fand in einem gepachteten Weinberg eine sehr spezielle Rebe, die eine andere Blattfarbe und Blattform hatte und sehr schwachwüchsig war. Die Beeren waren nur halb so groß wie normal. Luciano und sein Bruder Luca haben die Reben ausgehend von der Mutterpflanze selber vermehrt und zunächst experimentell an verschiedenen Orten angepflanzt. Keine Sélectión Massale, sondern einfach eine Vermehrung dieser einzigen Mutterpflanze. Genetisch identische Pflanzen, die in drei Plots auf 0,7 Hektar aufgeteilt sind. Im ersten Jahr gab es nur zwei Liter. Man war sich am Anfang noch nicht mal sicher, ob es sich tatsächlich um Nebbiolo handelt, aber das hat sich dann später bestätigt. Das Ergebnis dieser Arbeit sind nur 2.000 Flaschen pro Jahr. Der Wein wird nicht im Stahl fermentiert, sondern im Holz. Zuvor werden die Trauben zu 100 Prozent entrappt. Der Ausbau geschieht zum Teil in 500 Liter Fässern und in Stückfässern mit 2000 Liter Fassungsvermögen. Keine Schönung, keine Filtration, nur eine ganz leichte Schwefelung vor der Füllung. Vite Talin bleibt drei Jahre im Holz und drei weitere Jahre auf der Flasche, bevor er auf den Markt kommt. Heute ist dieser Wein mit diesem wahnsinnig geringen Ertrag und der speziellen Ausprägung sicherlich die größte Rarität in Barolo überhaupt, vielleicht zusammen mit dem Ca d’Morissio von Giuseppe Mascarello. Weiche, warme, rotfruchtige Nase. Intensiv, aber eigentlich eher dominiert von Feinheit. Hagebutte und Sanddorn auf einem Hauch Schlehe und Kirsche. Fein und doch irgendwie anders. Die Intensität im Mund sprengt fast die üblichen Geschmacksgewohnheiten. Der Wein hat satte Gerbstoffe und trotzdem sind sie extrem fein. Er birst und quillt über vor Intensität. Eine satte Aromatik, aber extrem fokussiert. Sandiges Tannin, fast an Kalkstein erinnernd. Immenser Geradeauslauf mit ganz sauber definierten Kanten. Ein grandioser, aber extrem feiner Klotz, der sich da durch den Mund schiebt. Ein nicht enden wollender Nachhall, für Minuten steht diese rote Frucht im Mund. Cranberry mit Schlehe, roter Kirsche und Sauerkirsche. Alles wird eingenommen, alles wird belegt. Der Wein ist fast zu intensiv, aber knochentrocken, nicht kitschig, sondern nur von allem etwas viel. Was für ein immenses Erlebnis! 100/100

Brovia

Am frühen Nachmittag sind wir bei Alex Sanchez, ein spanischer früherer McKinsey Mann, der vor 20 Jahren im Urlaub Signora Brovia traf und der Liebe ins Piemont folgte. Ein Super-Sympath, anders kann man es nicht sagen. Und ein Vollblutwinzer über die Passion. Traditionalisten, extrem kleine Erträge pro Stock, konzentriert, nur große Holzfässer, lange Nachmazeration, nie Barriques. Die Brovia haben vier völlig verschiedene Weinberge in den Gemeinden Barolo, Castiglione und Serralunga, von Villero bis Rocche zu Ca’ Mia … Jedes Jahr darf man gespannt sein welches der »primus inter pares« ist.

Und wenn das Jahr für die Crus nicht perfekt genug ist, wie 2014, dann gibt es den »Unio«, darin waren alle Crus. So ziemlich der beste 2014er der gesamten Langhe, auch die Grassos aus Monforte folgten auf diesem Weg. Völlig zu Unrecht weniger beachtete Weine, diese zwei 14er sind schon jetzt und für die nächsten 15 Jahr Genuss mit das Beste, was es in Barolo gibt. Lecker ohne Ende, und das sind auch die 2017er. Opulent und fruchtstark, saftig, aromatisch, tolle Frische. Wie 2015 mit mehr Frische und mineralischem Druck, wie 2014 mit mehr Substanz, oder wie perfekte 2012er.

Alle Brovia Weine

Alex Sanchez

Verkostungsnotizen Brovia

Dieser Dolcetto wächst auf drei Hektar und überwiegend in Castiglione Falletto, ein bisschen auch in Serralunga. Das heißt in den zwei maskulinsten Appellationen der Langhe überhaupt. Hoher Eisenanteil in den Böden, massive Weine, sehr alte Reben. 50 Jahre und älter. Sehr kleine Erträge von 30 Hektoliter pro Hektar. Der Wein verbleibt für Dolcetto unglaubliche 18 Monate im Stahl, er sieht niemals Holz. Er hat aber eben eine lange Ausbauzeit. Der Wein ist für einen Dolcetto unglaublich dicht, ich habe noch nie einen Dolcetto in dieser Intensität, mit diesem Körper getrunken. In der Nase eine Sauer-/Schwarzkirschmischung mit einer unglaublichen Wucht und Dichte. Dazu leicht parfümierte Rosenblätter. Auch ein bisschen Jasmin, Rosmarin. Ganz dicht, fast wuchtig. Blumig und fleischig zugleich. Auch rohes Fleisch, frisches Tartar. Das setzt sich im Mund fort. Sofort dieser fleischige Ansatz und dann diese Kirsche in einer Konzentration, die so ungewöhnlich ist. Es ist typisch Dolcetto, aber so wuchtig und so fokussiert in der Mitte. Da er glücklicherweise kein Holz hat bleibt er komplett auf der Frucht. Wunderschöne Säure, das Ganze perfekt eingebunden, lang, voluminös. Der Mundeindruck entspricht fast einem großer Brunello di Montalcino aus einem fruchtstarken Jahr. Sehr an Sangiovese erinnernd, aber sehr dicht und reichhaltig dabei. Und wenn der normale Dolcetto ein hervorragender Pastabegleiter ist, so darf man hier schon durchaus zu etwas heftigeren Speisen greifen. Es darf schon sehr inhaltsreich werden. Große Länge. Der Wein macht viel Freude, und doch gibt er einem ein bisschen den Druck und die Wucht eines sehr reichen Weines, sodass ich ihn auch als singuläres Ereignis vor dem Kamin empfehlen kann. Großer Stoff für ein Dolcetto. 94+/100

Ein Barbera aus Serralunga. In manch fetten Jahren wie 2017 und 2019 werden die ältesten Reben separat zum Ciabot Fi verwendet, in 2018 ist alles in diesem Wein. Es bleiben dennoch winzige Mengen eines ganz außergewöhnlich pikanten und intensiven Stoffs. Schokolade flüssig, darin Schlehe, Cranberry, Granatapfelkerne, Brombeere und Waldbeeren darin schwimmend. Am Gaumen dazu rote Johannisbeere mit ihrer grandiosen Säure, Sauerkirsche, sehr saftig, weich und unendlich dicht und zugleich fein und hintergründig komplex. Der Wein verblüfft, auch macht er satt und ist frisch zugleich. Und im Gegensatz zum dichteren Ciabot Fi ist der Sori del Drago schon genussfertig und nimmt einen mit offenen Armen in Empfang, ungeheuer lecker trotz seiner Dichte. 93+/100

Der Villero wächst auf 340 Metern in Süd-West-Ausrichtung in Castiglione Falletto. Der Villero kommt vom gleichen Hang wie Rocche, etwas tiefer gelegen, das Beste aus Castiglione Falletto. Kalksteinböden, Sand, weißer Lehm, hohe Eleganz und maskuline Power zugleich. Die Reben wurden Anfang der 60er Jahre angepflanzt und wachsen auf ca. 1,5 Hektar Ton- und Kalkboden. Geerntet wird von Hand im Oktober. Nach 15–20 Tagen Fermentation im rohen Beton bei gleichbleibender Temperatur (Presswein wird niemals mitverwendet) reift der Wein zwei Jahre in Französischer Eiche in mittelgroßen Fässern von 30 Hektoliter. Danach wird der Wein ohne Filtration auf die Flasche gezogen. Bei der Veredelung wird penibel auf eine konstante Temperatur und die richtige Luftfeuchtigkeit geachtet; geschützt vor Sonneneinstrahlung und Kunstlicht. Das Ergebnis ist ein kraftvoller und körperreicher Wein vom historisch bedeutendsten Cru in Castiglione Falletto, Villero war die erste jemals etikettierte und genannte Einzellage in der gesamten Langhe (Vietti). Es ist eine deutlich wärmere Lage als Rocche, DIE Lage aus der Vietti heute noch seine Riserva macht, weil sie so unglaublich reiche Weine hervorbringt. 2017 war gekennzeichnet von einer großen Frostperiode im Frühjahr und von einem warmen Sommer mit langer Trockenperiode. Vom Frost wurden vor allem jene Winzer verschont, die Reben in Hochlagen bewirtschaften. Durch die Trockenheit und Wärme stand im Herbst eine deutlich frühere Lese an als normalerweise, teils vier Wochen früher. Das schöne war, dass Anfang September in den Nächten eine große Kühle herrschte. Wir haben also auf der einen Seite einen warmen, reichen, fruchtbetonten Jahrgang wie 2011 oder 2015. Und gleichzeitig haben wir Frische und Kühle durch den kühlen Herbst und somit auch eine hohe Eleganz, mit seidigen Tanninen. Deshalb ist 2017 ist nicht wirklich vergleichbar, weder mit 2011, das die Kühle nicht hatte, und auch nicht mit 2003 oder 2015. Die klimatischen Bedingungen haben 2017 auch dazu geführt, dass sich in Barolo die verschiedenen Höhenlagen etwas annäherten. Der Jahrgang, mit seiner Frische, Finesse und fruchtstarken Aromatik, dominiert in diesem Jahr 2017 deutlich mehr als in Jahren wie 2016 oder später 2019 und 2020. Villero liegt ebenso wie der Rocche in Castiglione Falletto. Beide Weinberge liegen entlang der Straße, die hoch führt nach Castiglione, beide liegen relativ hoch auf 350 Metern. Villero ist nach Südwesten exponiert, es ist also etwas wärmer. Die Böden bestehen zu einem Großteil aus weißem Lehm. Man spürt sofort die Wärme des Jahrgangs 2017, aber auch die Wärme der Lage Villero. Hohe Aromatik, hier kommt dann auch zur Strukturiertheit von Castiglione ein bisschen Erdbeere und Himbeere. Massive Zwetschge, darunter ein weinig Holunder, Sauerkirsche und Schlehe. Insgesamt einen hohen Charmefaktor ausstrahlend. Die Tag-Nach-Unterschiede waren – obwohl schon im September gelesen wurde – relativ gut. Das heißt, dass die kühlen Nächte die Säure erhalten haben. Villero ist dementsprechend ausgesprochen frisch, obwohl er nach Südwesten exponiert ist. Er ist erstaunlicherweise genauso frische wie der Rocche. Das Ganze mit dieser hohen Aromatik, mit diesem Charmefaktor und diesen roten Früchten. Gleichzeitig Struktur und seidige Tanninmassen. Die Tannine sind wirklich reichlich vorhanden, nur sind sie eben seidig. Alex Sanchez, der Winzer, führt aus, dass er in 2017 aufgrund der großen Trockenheit und Hitze keinerlei grüne Lese durchgeführt hat. Auch, weil dadurch die Säure noch weiter runtergegangen wären. So war die Säure gut erhalten, frisch und trotzdem gab es niedrige Erträge wegen der Trockenheit. Im Gegensatz dazu wurde 2016 dramatisch weggeschnitten und trotzdem war 2016 der größte Jahrgang in der Geschichte hier. Das Finale ist schwarzfruchtig. Holunder, Kräuter der Provence, seidige, aber massive Tannine. Für einen aromatischen, weichen, früh zugänglichen Jahrgang 2017 schon erstaunlich maskulin. Ein Wein mit Hang zu Größe. 96–98/100

Die Einzellage Rocche liegt auf 350 Meter in Süd-Ost-Ausrichtung, ganz oben in Castiglione Falletto. Die Reben wurden Mitte der 60er Jahre angepflanzt und wachsen überwiegend auf ca. 1,5 Hektar hellem Kalkstein und noch mehr Sandboden. Voraussetzung für große Eleganz. Geerntet wird von Hand im Oktober. Nach 15–20 Tagen Fermentation im rohen Beton bei gleichbleibender Temperatur reift der Wein zwei Jahre in Französischer Eiche in mittelgroßen Fässern von 30 Hektoliter. Danach wird der Wein ohne Filtration auf die Flasche gezogen. Bei der Veredelung wird penibel auf eine konstante Temperatur und die richtige Luftfeuchtigkeit geachtet; alles immer geschützt vor Sonneneinstrahlung und Kunstlicht. Das Ergebnis ist ein extrem eleganter Wein von einem der großartigsten Weinberge in Castiglione Falletto. 2017 war gekennzeichnet von einer großen Frostperiode im Frühjahr und von einem warmen Sommer mit langer Trockenperiode. Vom Frost wurden vor allem jene Winzer verschont, die Reben in Hochlagen bewirtschaften. Durch die Trockenheit und Wärme stand im Herbst eine deutlich frühere Lese an als normalerweise, teils vier Wochen früher. Das schöne war, dass Anfang September in den Nächten eine große Kühle herrschte. Wir haben also auf der einen Seite einen warmen, reichen, fruchtbetonten Jahrgang wie 2011 oder 2015. Und gleichzeitig haben wir Frische und Kühle durch den kühlen Herbst und somit auch eine hohe Eleganz, mit seidigen Tanninen. Deshalb ist 2017 ist nicht wirklich vergleichbar, weder mit 2011, das die Kühle nicht hatte, und auch nicht mit 2003 oder 2015. Die klimatischen Bedingungen haben 2017 auch dazu geführt, dass sich in Barolo die verschiedenen Höhenlagen etwas annäherten. Der Jahrgang, mit seiner Frische, Finesse und fruchtstarken Aromatik, dominiert in diesem Jahr 2017 deutlich mehr als in Jahren wie 2016 oder später 2019 und 2020. In Rocche di Castiglione gab es keinen Frost, anders als in Garblet Sue, einer anderen Lage von Brovia, die letztlich gar nicht erzeugt wurde. Hier in Rocche, das sehr hoch liegt in Castiglione Falletto, gab es keinerlei Frost. Die Lagen von Brovia liegen direkt unterhalb des Weinguts Vietti. Rocche steht immer im Wettstreit mit Villero. Zwei der allerbesten Lagen von Castiglione Falletto. Beide Lagen liegen auf sehr alten Gesteinsformationen. Rocche liegt auf rund Metern Höhe und ist nach Südosten exponiert, es ist also eine eher kühlere Lage. Der Boden ist relativ stark von Sand geprägt. Es gibt zwar auch Lehm und Kalkstein, aber Sand macht hier über 60 Prozent aus. Dementsprechend sensitiv reagiert Rocche auf klimatische Eigenarten von Jahrgängen. An diesem Wein kann man den Charakter des Jahrgangs perfekt ablesen. Rocche 2017 wurde – wie alle Weinberge – von der langen Trockenheit geprägt. Die Ente lief schon in der zweiten Septemberhälfte, also gut zwei Wochen vor einem normalen Jahrgang. Verglichen mit 2020 waren es drei Wochen früher. Die Nase ist stark von Marzipan geprägt und zeigt deutlich schwarze Frucht. Schwarze Kirsche und Holunder. Eine hochintensive Aromatik, wie bei allen Weinen in 2017. Fast schwärzliche Zwetschgen. Auch der Mund ist mehr von schwarzer Frucht geprägt. Ein bisschen Cassis, Lorbeer und Brombeere – erstaunlicherweise Brombeere. Das Ganze mit hoher Intensität, ein wenig Holzkohle, obwohl hier alles im großen Fass ausgebaut wird. Die Tannine sind weich und seidig, trotzdem hat der Wein eine hohe Intensität. Man merkt ganz deutlich in einem Jahrgang wie 2017 bei einem so sensitiven Boden wie jenem von Rocche, dass man näher dran ist an Castiglione, näher an den alten Böden. Die Weine in La Morra und Barolo waren deutlich femininer. Hier haben wir schon richtig viel Grip, trotzdem bleibt es ein aromatischer, früh zugänglicher Jahrgang, mit einem frischen, seidigen Finale. Kein so großer Jahrgang wie 2016, aber ein hedonistischer Jahrgang. Sehr, sieben Jahre warten, dann wird Rocche schon ziemlich gut dastehen. 96/100

Der Ca’Mia (die Lage heißt Brea, Unterlage Ca Mia) wächst auf 350 Metern in Süd-Ost-Ausrichtung. In Serralunga und in direkter Nachbarschaft der Lage Cerretta, Lehm auf Kalkstein. Serralunga, die Heimat berühmter Weine wie der Barolo Sperss von Gaja, Vietti Lazzarito und Conternos Monfortino. Auch Pira hat hier seine Weinberge. Serralunga steht für große Kraft und zugleich pikante Finesse, die Topgemeinde aller Barolo. Und Serralunga steht für immense Komplexität, die Kraft-Frucht-Kombination ist überwältigend. Die Reben wurden Mitte der 50er Jahre angepflanzt, ca. ein Hektar. Geerntet wird von Hand im Oktober. Nach 15–20 Tagen Fermentation im rohen Beton bei gleichbleibender Temperatur (der Presswein wird verkauft und nie mitverwendet) reift der Wein zwei Jahre in Französischer Eiche in mittelgroßen Fässern von 30 Hektolitern. Danach wird der Wein ohne Filtration auf die Flasche gezogen. Bei der Veredelung wird penibel auf eine konstante Temperatur und die richtige Luftfeuchtigkeit geachtet; geschützt vor Sonneneinstrahlung und Kunstlicht. Das Ergebnis ist ein sehr komplexer und lang gereifter Wein aus einem großen Weinberg von Serralunga d’Alba. Das ist eine Monopol-Lage von Brovia in Serralunga, aber nur die ganz alten Reben gehen in diesen Cru. Der überwiegende Rest geht in den generischen Barolo des Hauses. Anders als bei Villero mit einem Terroir aus weißem Lehm, oder bei Rocche, wo es eine Mischung aus Lehm und Sand gibt, ist hier bei Ca Mia eine absolute Majorität von Kalkstein. 2017 war gekennzeichnet von einer großen Frostperiode im Frühjahr und von einem warmen Sommer mit langer Trockenperiode. Vom Frost wurden vor allem jene Winzer verschont, die Reben in Hochlagen bewirtschaften. Durch die Trockenheit und Wärme stand im Herbst eine deutlich frühere Lese an als normalerweise, teils vier Wochen früher. Das schöne war, dass Anfang September in den Nächten eine große Kühle herrschte. Wir haben also auf der einen Seite einen warmen, reichen, fruchtbetonten Jahrgang wie 2011 oder 2015. Und gleichzeitig haben wir Frische und Kühle durch den kühlen Herbst und somit auch eine hohe Eleganz, mit seidigen Tanninen. Deshalb ist 2017 ist nicht wirklich vergleichbar, weder mit 2011, das die Kühle nicht hatte, und auch nicht mit 2003 oder 2015. Die klimatischen Bedingungen haben 2017 auch dazu geführt, dass sich in Barolo die verschiedenen Höhenlagen etwas annäherten. Der Jahrgang, mit seiner Frische, Finesse und fruchtstarken Aromatik, dominiert in diesem Jahr 2017 deutlich mehr als in Jahren wie 2016 oder später 2019 und 2020. Der Brea liegt in Serralunga. Mitten im Weinberg liegt ein Haus, in dem die Familie Brovia in der Sommerzeit lebt. Es ist der Weinberg mit dem größten Kalksteinanteil bei den Brovias. Dazu kommen ein bisschen weißer Lehm und Sand. Der Ca’Mia wird immer am Schluss probiert, weil die Weine aus Serralunga deutlich maskuliner sind als die Weine aus Castiglione. Die Nase ist etwas würziger, spiciger und fleischiger. Aber insgesamt ist die Frucht hochelegant. Der Wein hat den größten Charmefaktor – trotz seiner maskulinen Ausprägung. Hochkonzentrierte Himbeere und Erdbeere, konzentrierte Kirsche und auch ein bisschen Cranberry dahinter. Sehr viel Kalkstein, Salz und Würze, ein bisschen Orangenzesten. Im Mund fast explosiv in seiner hohen Intensität. Die Zunge rollt sich, die Augen werden schmal. Das ist sicherlich der Wein des Jahres von Alex. So eine hohe Intensität. Der Charmefaktor ist gewaltig, trotzdem hat der Wein unendlich viel Tannine, die total poliert sind. Länge, Schliff und Frische, grandiose Aromatik! Das ist 2016, aber mit mehr Finesse, Feinheit und Charme. Hedonistisch. Was für ein leckerer und gleichzeitig großer Wein. Mit diesem Ca´Mia sind wir auf der Höhe eines Le Vigne von Sandrone. Ich bin sehr begeistert, grandioser Stoff! 97–99/100

Elio Altare

Abends dann DIE Powerfrau des Piemont, ein Wirbelwind, ein Energiebündel und eine begeisternd sprühende Erzählerin. Silvia Altare, Elios Winzertochter. Sie ist so sehr mit Leib und Seele dabei, ist sich für keine Arbeit zu schade, Feierabend ist nur wenn die Augen nachts zu sind. Aber, und das erstaunt wenn man dieses Energiebündel kennengelernt hat, sie ist auch folgsame Tochter. Elio Altare war der Erfinder der Moderne in der Langhe, kurze Fermentation, Ausbau im neuen Barrique. Silvia würde gern einen Teil auf zumindest 500 Liter Tonneaus à la Sandrone wechseln, Papa will nicht. Das ist Befehl! Der langjährige japanische Kellermeister Tess läuft auch voll auf Elios Spuren. Dieses Rezept funktioniert im Grunde besser in Gemeinden mit höherer Säure und mehr mineralischem Druck, oder in säurebeladenen kühlen Hochlagen. Elios und Silvias Lagen befinden sich aber überwiegend in Annunziata, einer mittelhohen (250 Meter ü. N.) Lage unterhalb La Morras. Und da ist die für neues Holz zur Balance so wichtige hohe Säure in manchen Jahren wie 2009, 2011 und 2015 schon mal etwas tief, die Weine aus dem Arborina-Hang können schon mal etwas weich gespült und zu gefällig werden. Das gibt sich aber zum Glück, wenn man sie zehn Jahre wegsperrt, dann kommen sie als Kakao-Schoko-Kaffe-Bomben wieder zurück.

Anders bei der Lage Cerretta aus Serralunga, da ist mehr Säure und Mineralität zur Holz-Balance. Auch der Haus-Barolo kommt zu einem großen Teil aus Serralunga, das passt gut zum neuen Holz. Einzigartig ist der Uno per Uno, eine per Hand durchgeführte Entrappung reifer Trauben, das ist eine Sisyphusarbeit aber letztlich Perfektion. Puristisch rein und schön. Der Cannubi, eine winzige Parzelle der Traumlage aus der Gemeine Barolo schlechthin, spielt auch in dieser fruchtstarken Oberliga. Insgesamt gefällt Altare mir aber ob seines hohen Neu-Barrique-Anteils in klassischen und kühlen und frischen Jahren am besten. 2016 war wie 2010 Weltklasse, 2008 und 2012 waren fast so gut wie 2017, der als warmer und trockener Jahrgang verblüffend fruchtstark und frisch ist. Die Opulenz der frischen, reichen Frucht frisst das Holz, das passt sehr gut.

Alle Altare Weine

Elio Altare
Silvia Altare mit Familie

Verkostungsnotizen Elio Altare

Hier gibt es eine große Neuerung. Altare hat die Village Lage La Morra verloren (die Crus sind sein Eigentum), denn die Pacht ist ausgelaufen und ein Konkurrent hat unglaubliche Beträge dafür gezahlt. Deshalb besteht dieser einfache Barolo nur noch aus Altares Lagen in Serralunga, Castiglione Falletto und der Gemeinde Barolo. Das ist zumindest ein stilistischer Wechsel, was aber durch den eher weichen, vom Barrique-Ausbau beförderten Stil von Altare kein Nachteil sein muss, ganz im Gegenteil. 2017 war gekennzeichnet von einer großen Frostperiode im Frühjahr und von einem warmen Sommer mit langer Trockenperiode. Vom Frost wurden vor allem jene Winzer verschont, die Reben in Hochlagen bewirtschaften. Durch die Trockenheit und Wärme stand im Herbst eine deutlich frühere Lese an als normalerweise, teils vier Wochen früher. Das schöne war, dass Anfang September in den Nächten eine große Kühle herrschte. Wir haben also auf der einen Seite einen warmen, reichen, fruchtbetonten Jahrgang wie 2011 oder 2015. Und gleichzeitig haben wir Frische und Kühle durch den kühlen Herbst und somit auch eine hohe Eleganz, mit seidigen Tanninen. Deshalb ist 2017 ist nicht wirklich vergleichbar, weder mit 2011, das die Kühle nicht hatte, und auch nicht mit 2003 oder 2015. Die klimatischen Bedingungen haben 2017 auch dazu geführt, dass sich in Barolo die verschiedenen Höhenlagen etwas annäherten. Der Jahrgang, mit seiner Frische, Finesse und fruchtstarken Aromatik, dominiert in diesem Jahr 2017 deutlich mehr als in Jahren wie 2016 oder später 2019 und 2020. Der Barolo von Elio Altare zeigt sich extrem aromatisch, reich und voll. Satte rote Frucht, Süße. Die Aromatik des Jahres 2017. Deutlicher Touch von Erdbeeren und Himbeeren. So einladend und süß! Ein rauchiger Mund, Rauch über Erdbeere und Himbeere. Etwas süße Kirsche darunter. Im Hintergrund etwas Holunder. Die Tannine sind seidig und fein. Es fehlt ein bisschen Größe, ein bisschen die Generosität, die ich gerade vorher bei Sandrone hatte. Ein guter, sehr delikater, leckerer Barolo, ohne richtige Größe. Schick, aber nicht groß. 93/100

Der Arborina von Altare liegt neben dem Arborina von Corino, hat aber noch deutlichere Südexposition, ist also noch wärmer, noch reicher. 2017 war gekennzeichnet von einer großen Frostperiode im Frühjahr und von einem warmen Sommer mit langer Trockenperiode. Vom Frost wurden vor allem jene Winzer verschont, die Reben in Hochlagen bewirtschaften. Durch die Trockenheit und Wärme stand im Herbst eine deutlich frühere Lese an als normalerweise, teils vier Wochen früher. Das schöne war, dass Anfang September in den Nächten eine große Kühle herrschte. Wir haben also auf der einen Seite einen warmen, reichen, fruchtbetonten Jahrgang wie 2011 oder 2015. Und gleichzeitig haben wir Frische und Kühle durch den kühlen Herbst und somit auch eine hohe Eleganz, mit seidigen Tanninen. Deshalb ist 2017 ist nicht wirklich vergleichbar, weder mit 2011, das die Kühle nicht hatte, und auch nicht mit 2003 oder 2015. Die klimatischen Bedingungen haben 2017 auch dazu geführt, dass sich in Barolo die verschiedenen Höhenlagen etwas annäherten. Der Jahrgang, mit seiner Frische, Finesse und fruchtstarken Aromatik, dominiert in diesem Jahr 2017 deutlich mehr als in Jahren wie 2016 oder später 2019 und 2020. Die Lage Arborina liegt bei Altare direkt rund um das Weingut. Also das Herz und der Kern von Annunziata, diesem kleinen Dorf zwischen La Morra und Barolo. Aromatisch, intensiv und rauchig zeit er sich in der Nase. Sehr feine Frucht. Süße Kirsche, überhaupt süße Frucht. Einladend und charmant. Der Mund ist unglaublich lecker. Verglichen mit dem Basis-Barolo haben wir viel mehr Süße. Weiche Erdbeersüße, intensiv. Darunter süße rote Kirsche und Himbeere. Wunderbar verwoben. Ein extrem hedonistischer Wein mit butterweichen Tanninen. Insgesamt einfach ein großes Leckerli. Zwar ohne richtige Größe, also anders als 2016. Dafür früh zugänglich und geschmackvoll. Eine Ode an die Freude. Zum Reinspringen schön! 95–96/100

Cannubi ist sicherlich die berühmteste und vielleicht auch die interessanteste Lage des gesamten Piemonts der weicheren Gemeinden Barolo, La Morra und Novello. Cannubi ist das Herz der Gemeinde Barolo. Fast 100 % weißer Lehm und doch nicht so maskulin wie die Weine aus Serralunga und Castiglione, sondern weicher, burgundischer, mehr zu den Weinen aus Monforte tendierend. Eigentlich ist Cannubi die burgundische, eher rotfruchtige Idealform. Elio Altare konnte seine Pacht des viertel Hektar in Cannubi noch bis 2024 verlängern. Alte Reben in bester Lage. Es gibt nur noch zwei Parzellen, die hier die Privatleuten gehören, der Rest ist in Weingutsbesitz, das Spiel der Verpachtungen nähert sich dem Ende. Die Pacht ist so unverschämt hoch, dass der Weinpreis noch nicht einmal ganz die Kosten deckt, aber der Prestigegewinn und der Ansporn Cannubi zu bewirtschaften wiegt für Altare schwerer als der finanzielle Aspekt. Die Lage ist auch von Sandrone, Scavino und anderen Topwinzern bekannt und gehört sicher zum besten, was die feinere Seite des Barolo-Tals zu bieten hat. Dazu zählen La Morra, Novello und Barolo selbst, dem entgegen stehen die maskulineren Castiglione und Serralunga, Monforte ist das Bindeglied. Cannubi gilt unter Insidern in diesem Bereich der Langhe als der absolute König, weil die rote Frucht, die Finesse und die Harmonie hier einfach unschlagbar sind. 2017 war gekennzeichnet von einer großen Frostperiode im Frühjahr und von einem warmen Sommer mit langer Trockenperiode. Vom Frost wurden vor allem jene Winzer verschont, die Reben in Hochlagen bewirtschaften. Durch die Trockenheit und Wärme stand im Herbst eine deutlich frühere Lese an als normalerweise, teils vier Wochen früher. Das schöne war, dass Anfang September in den Nächten eine große Kühle herrschte. Wir haben also auf der einen Seite einen warmen, reichen, fruchtbetonten Jahrgang wie 2011 oder 2015. Und gleichzeitig haben wir Frische und Kühle durch den kühlen Herbst und somit auch eine hohe Eleganz, mit seidigen Tanninen. Deshalb ist 2017 ist nicht wirklich vergleichbar, weder mit 2011, das die Kühle nicht hatte, und auch nicht mit 2003 oder 2015. Die klimatischen Bedingungen haben 2017 auch dazu geführt, dass sich in Barolo die verschiedenen Höhenlagen etwas annäherten. Der Jahrgang, mit seiner Frische, Finesse und fruchtstarken Aromatik, dominiert in diesem Jahr 2017 deutlich mehr als in Jahren wie 2016 oder später 2019 und 2020. Cannubi ist der strukturierteste der drei Barolo, die ich gerade probiere. Deutlich weniger ausufernd und süß als der Arborina. Aber er lieg ja auch in Barolo, also tiefer. Sehr fokussiert, sehr mittig, gut strukturiert und trotzdem sehr fein. Geradliniger Mund, links und rechts saubere Definition. Präsentes Tannin, Kalkstein und weißer Lehm, sehr salzig. Aromatisch, aber eher strukturiert als sich im Aromatischen zu verlieren. Wunderbarer Geradeauslauf. Der Wein braucht einige Jahre Zeit, ist deutlich erwachsener als der Arborina, deutlich strukturierter. Schick, wie alle 2017 und auch so aromatisch, aber eben von der Tanninstruktur und von der Bauart deutlich fokussierter. Langer Nachhall mit Salzgestein und feinem, aber intensivem Tannin. 96+/100

Der Unterschied zu anderen Barolo Altares ist, dass dieser Wein per Hand entrappt wird, und somit keinerlei Reste der grünen Stiele enthält. Bei viel Musik, Wein und guter Laune wird hier von Silvia, Elio, dem Kellermeister Tess, vielen Freunden und dem Team jede Beere mit der Hand abgezupft. Viel sauberer als jede Entrappungs-Maschine, eben uno per uno. Eine Methode, die fast unbezahlbar ist, und die im Zuge moderner Technik, wie im Weingut Giacomo Conterno, vielleicht schon fast so gut maschinell erledigt werden kann? Aber zusätzlich wird natürlich noch einmal jede einzelne Beere in die Hand genommen, alles Unperfekte geht in den Ausschuss. Und das kann dann keine Entrappungs-Maschine leisten, vielleicht aber die bei höchstpreisigen Bordeaux zum Einsatz kommende, ultra- teure optische Laser-Sortiermaschine oder die neue Zuckerwassermessung auf Chateau Ausone? Erstmalig enthält dieser Wein nicht nur Trauben aus La Morra, sondern um mehr Power reinzubekommen, auch aus Castiglione und Serralunga. Das bringt mehr Druck in diesen ansonsten durch die Bereitung schon superweichen Wein. 2017 war gekennzeichnet von einer großen Frostperiode im Frühjahr und von einem warmen Sommer mit langer Trockenperiode. Vom Frost wurden vor allem jene Winzer verschont, die Reben in Hochlagen bewirtschaften. Durch die Trockenheit und Wärme stand im Herbst eine deutlich frühere Lese an als normalerweise, teils vier Wochen früher. Das schöne war, dass Anfang September in den Nächten eine große Kühle herrschte. Wir haben also auf der einen Seite einen warmen, reichen, fruchtbetonten Jahrgang wie 2011 oder 2015. Und gleichzeitig haben wir Frische und Kühle durch den kühlen Herbst und somit auch eine hohe Eleganz, mit seidigen Tanninen. Deshalb ist 2017 ist nicht wirklich vergleichbar, weder mit 2011, das die Kühle nicht hatte, und auch nicht mit 2003 oder 2015. Die klimatischen Bedingungen haben 2017 auch dazu geführt, dass sich in Barolo die verschiedenen Höhenlagen etwas annäherten. Der Jahrgang, mit seiner Frische, Finesse und fruchtstarken Aromatik, dominiert in diesem Jahr 2017 deutlich mehr als in Jahren wie 2016 oder später 2019 und 2020. Der Uno per Uno ist eine Kuriosität, weil es eine Handentrappung der verschiedenen Beeren aus Cannubi, Arborina und anderen Lagen ist. Das Team zupft nur die perfekten Beeren per Hand von den Trauben ab. Der Wein stammt aus nur vier Barriques. In offenen, stehenden Barriques werden die unverletzten Beeren aus der händischen Entrappung auch vergoren und dann nach einiger Zeit mit dem Stößel runtergedrückt und angequetscht. Der Wein hat eine wunderbare Nase mit einer hohen Aromatik. Aber nicht so süß, ausufernd und marmeladig wie der Arborina, sondern ein extremer Geradeauslauf. Wunderbar, wie aus einem Block voll roter Frucht. Erdbeere, Himbeere und Kirsche. Ganz fein, aber ganz fokussiert und definiert. Das Tannin ist in der Nase deutlich weicher als im sehr strukturierten Cannubi. Sehr viel Grip im Mund. Druck neben viel roter Frucht. Die Tannine sind butterweich. Im Grunde ist das ein Kompromiss aus Cannubi und Arborina. Wir haben etwas mehr Tannin als im Arborina, aber wir sind deutlich weicher und aromatischer als im Cannubi. Ein wunderbarer Wein. Eigentlich eine ziemliche Perfektion und Ausdruck des Jahrgangs 2017, mit dieser Kühle hintenraus, mit der Frische, und gleichzeitig mit diesem seidigen Tannin und der hohen Aromatik. Für mich in 2017 der beste Barolo der vier von Altare. 97–98/100

Der La Villa besteht zu 60 % aus Barbera aus den Lagen von Larigi und zu 40 % aus Nebbiolo aus der Lage Arborina. Natürlich ist auch dieser Wein im kleinen Holz ausgebaut. Zum Teil neu. Im Grunde ist dieser La Villa eine Larigi Version mit der Zugabe des Nebbiolos von Arborina. D.h. mit einem Plus von burgundischen Eleganz aus dem Nebbilo. Auch hier, wie zuvor im Larigi, blaue und schwarze Frucht, sehr viel Kirsche. Aber hier auch eine feine Würze darüber. Aus der Nebbiolo kommend diese unglaubliche Feinheit, diese Zartheit. Im Mund viel Power, Kraft, aber vielleicht noch mehr Säure als im Larigi. Wir sind hier etwas komplexer, etwas multipler in der Persönlichkeit als der super sauber gezeichnete Larigi. Diese Vermählung von Nebbilo und Barbera macht aus dem Wein auf der einen Seite mehr, auf der anderen Seite wird er aber weniger eindeutig. Und dabei hat es eine unglaubliche Eleganz und Länge. Ich finde ihn im Grunde einen Kompromiss, den man hier bei Altare vielleicht nicht ganz so braucht, denn der Larigi ist so klar, auch der reine Nebbiolo Arborina ist so klar in der Eindeutigkeit der Frucht, beide in ihrer gewollten Einseitigkeit von 100 % Rebsorte. Aber was ich attestiere, ist, dass der La Villa extrem fein und elegant ist. 96–97/100

Dieser 100 % Barbera, der früher mal eine lange Zeit ein kultiges Alleinstellungsmerkmal als bester Barbera im Piemont hatte (inzwischen aber von durchaus vielen erreicht und auch manchmal übertroffen wurde) besticht mit einer unglaublichen Feinheit und Finesse. Wir haben hier die satte Frucht von der Barbera. Blaubeere neben üppiger Schwarzkirsche. Auch rote Kirsche und Schlehe. Unglaublich feines Holz daneben. Der Ausbau im Barrique ist bei dieser sehr schönen Säure überhaupt nicht dominant. Geschliffen, poliert, tänzelnd, unendlich fein. Der Duft ist ein Gedicht, und Barbera in dieser Feinheit kann dann schon mal zu einem hocheleganten Wein werden, anstelle der üblichen Frucht-Wucht-Brumme. Auch der Mund ist unglaublich zart. Das ist ein Gedicht für einen Barbera. Wir haben viel rote Frucht. Ein bisschen Sauerkirsche, rote Kirsche, auch ein bisschen Johannisbeere mit diesem hohen Säurelevel. Das Ganze mit dieser extrem feinen, verspielten Frucht. Extrem lang, elegant, mit schöner salziger Spur am Ende. Aber nie fett werdend. Das ist ein Barbera-Format, wie es das nur relativ selten gibt. Ein großer Wein! 99–100/100

Das ist natürlich ein Fake-Name, ein Fantasiename. Dieser Wein hieß bisher Langhe Rosso Arborina. 100 % Nebbiolo aus der Barolo-Lage Arborina, Ausbau im Barrique und zwei Jahre vor dem Barolo auf dem Markt. Die Regulatorien in der Langhe haben sich geändert. Man darf die Einzellage des Barolos nicht mehr dazu benutzen um einen Langhe Rosso in anderer Art zu erzeugen. Also hat Silvia Altare zu dem Trick gegriffen, das »Gia« davor zu setzten, was soviel bedeutet wie »schon«. Und dieser Zusammenzug der beiden Namensbestandteile gibt dann eben diesen Fantasienamen, der wiederum erlaubt ist. Tricky, aber eben auch irgendwie blödsinnig, aber so sind eben die neuen Spielregeln. Also nochmal: 100 % Lage Arborina, reinsortiger Nebbiolo. Der Unterschied zum Barolo ist, dass der Giarborina nur 18 Monate im komplett 100 % Barrique ausgebaut wird. Für den Barolo gibt es eine längere Fassreife-Vorschrift. Wir haben hier eine reiche und dabei frische, superelegante Nebbiolo Nase mit frischem Holz unterlegt. Aber wir haben nichts Fettes, nur unendliche Feinheit in Kirsche, leichter Blaubeere, etwas schwarzer Frucht, aber auch Mango und Orangenzesten. Unheimlich aromatisch und dicht. Enorm kraftvoller Angang im Mund, aber trotzdem so unendlich fein. Schwarze, blaue, rote Frucht. Sehr lang, nichts Fettes. Nur unendlich komplex, lang und geschliffen. Wenn wir im La Villa diesen noch etwas faulen Kompromiss aus Barbera und Nebbiolo hatten, sind wir hier eindeutig in der Nebbiolo Rebsorte. Wir sind auf dem gleichen Level wie der Larigi. Nur eben in anderer Struktur, in burgundischer Nebbiolo Struktur. Ein nicht endend wollender Nachhall in dieser süßen und trotzdem feinen, eleganten Frucht und trotzdem satter Tanninlevel und hohe, seidig anmutende Komplexität. Auf jeden Fall großes Kino. 99–100/100

Corino

Die Corino, Freunde der Altares, kommen ebenfalls aus Annunziata La Morra. Sie verfügen mit dem Giachini über eine immer frische, säurebeladene, fruchtstark kühle Lage. Deshalb können sie auch unbesorgt Elios Weg ins neue Holz mitgehen. Vollblutwinzer und für ihre Qualität zusammen mit Luigi Pira und Trediberri das allerbeste Preis-Qualitäts-Verhältnis. Der extrem charmante Einstiegs-Barbera und der Basis-Barolo sind mit Luigi Pira und Trediberri das preislich Beste was das Piemont aufwarten kann. Drei Zauber-Winzer mit drei verschiedenen Stilistiken, einfach gut. Was Pira in der Tradition ist, das schafft Corino in der Moderne, Trediberri genau in der Mitte, dreimal atemberaubend günstig.

Alle Corino Weine

Verkostungsnotizen Corino

2017 war gekennzeichnet von einer großen Frostperiode im Frühjahr und von einem warmen Sommer mit langer Trockenperiode. Vom Frost wurden vor allem jene Winzer verschont, die Reben in Hochlagen bewirtschaften. Durch die Trockenheit und Wärme stand im Herbst eine deutlich frühere Lese an als normalerweise, teils vier Wochen früher. Das schöne war, dass Anfang September in den Nächten eine große Kühle herrschte. Wir haben also auf der einen Seite einen warmen, reichen, fruchtbetonten Jahrgang wie 2011 oder 2015. Und gleichzeitig haben wir Frische und Kühle durch den kühlen Herbst und somit auch eine hohe Eleganz, mit seidigen Tanninen. Deshalb ist 2017 ist nicht wirklich vergleichbar, weder mit 2011, das die Kühle nicht hatte, und auch nicht mit 2003 oder 2015. Die klimatischen Bedingungen haben 2017 auch dazu geführt, dass sich in Barolo die verschiedenen Höhenlagen etwas annäherten. Der Jahrgang, mit seiner Frische, Finesse und fruchtstarken Aromatik, dominiert in diesem Jahr 2017 deutlich mehr als in Jahren wie 2016 oder später 2019 und 2020. Corino ist Freund und Nachbar von Elio und Silvia Altare. Die Weinberge stehen überwiegend hier im Gebiet von La Morra-Annunziata. Also überwiegend femininer und weicher ausgerichtet. 2017 ist duftig und fein. Erdbeere, Himbeere und schwarze Kirsche. Leicht jamy. Im Mund ein toller Grip, erstaunlich für den Basis-Barolo. Toll strukturiert, immenser Geradeauslauf. Feines Marzipan neben schwarzer und roter Frucht. Feine Süße, schick und trotzdem frisch und kühl hintenraus. Seidiges Tannin und trotzdem viel Grip. Ziemlich ideale Kombination aus der Süße, der Frische und dem hedonistischen Zugang. Das ist ein toller, leckerer Barolo, mit allem was ein Barolo braucht. Aber auch mit allem was der Hedonist wünscht, um diesen köstlichen Wein mit so viel Freude früh trinken zu können. 94/100

Giachini ist eine Lage, die direkt neben der Toplage Rocche liegt. Also warme Südexposition. Eine Traumlage, die die Corinos schon ewig bewirtschaften, aber leider nie kaufen konnten. Uralte Reben, ein Traumbestand im Besitz der Kirche. Aber Langfristpacht geht ja eben auch. In weichen warmen Jahren ist Giachini das Flagship von Corino, obwohl er ja auch Arborina hat. Aber sein weicherer, charmanterer und schwarzfruchtig samtiger Arborina kann für mich in normalen, warmen Jahren qualitativ nicht an seinen strukturierteren, rotfruchtigen Giachini heran. In dieser Lage Giachini tummelt sich sonst nur Grasso, Revello und eben Corino. Deshalb wird diese Lage mangels Verbreitung nie so berühmt wie die gleichwertige Nachbarlage Rocche und wie sie es qualitativ eigentlich verdient hätte. Es ist immer wieder lustig, dass ich bei Corino Giachini als zweiten Wein bekomme, noch vor den anderen beiden Toplagen wie Arborina. 2017 war gekennzeichnet von einer großen Frostperiode im Frühjahr und von einem warmen Sommer mit langer Trockenperiode. Vom Frost wurden vor allem jene Winzer verschont, die Reben in Hochlagen bewirtschaften. Durch die Trockenheit und Wärme stand im Herbst eine deutlich frühere Lese an als normalerweise, teils vier Wochen früher. Das schöne war, dass Anfang September in den Nächten eine große Kühle herrschte. Wir haben also auf der einen Seite einen warmen, reichen, fruchtbetonten Jahrgang wie 2011 oder 2015. Und gleichzeitig haben wir Frische und Kühle durch den kühlen Herbst und somit auch eine hohe Eleganz, mit seidigen Tanninen. Deshalb ist 2017 ist nicht wirklich vergleichbar, weder mit 2011, das die Kühle nicht hatte, und auch nicht mit 2003 oder 2015. Die klimatischen Bedingungen haben 2017 auch dazu geführt, dass sich in Barolo die verschiedenen Höhenlagen etwas annäherten. Der Jahrgang, mit seiner Frische, Finesse und fruchtstarken Aromatik, dominiert in diesem Jahr 2017 deutlich mehr als in Jahren wie 2016 oder später 2019 und 2020. Giachini bekomme ich hier immer vor Arborina, was erstaunlich ist, weil Giachini ganz klar mehr Power hat als Arborina. Sicherlich einer der Powerweine von Annunziata schlechthin. Gleichzeitig hat Giachini zwar massive und runde, aber ob seiner Exposition und Wärme einfach auch superseidige und zugängliche Tannine. Nicht die trockenen Tannine vom Arborina, sondern einfach saftig und reich. Aber eben ein Powerwein mit viel von allem. Schon in der Nase reiche, satte rote Kirsche, Zwetschge und Waldhimbeere. Ganz viel Volumen zeigend. Leichte Zwetschgenmarmelade darunter. Und dann ein Mud zum Reinspringen. 2016 war der größere Giachini, aber 2017 ist klar der leckerere. So eine dramatische Aromatik! Reichlich rote Frucht, Druck, Volumen und Power. Und so lecker … Alles wird eingenommen und von allem ist reichlich da. Immense aromatische Intensität. Der Wein steht für Minuten, nicht ob seiner Tanninstruktur, sondern ob seiner intensiven Aromatik. Immer wieder rollen Erdbeere, Himbeere, Schlehe und sogar ein bisschen Cranberry hoch. Etwas Sanddorn und sandige Tannine. Ein wunderbarer Wein, Hedonismus pur und lecker ohne Ende. Sicherlich muss man hier nicht ewig warten. Ich denke, dass dieser Wein in fünf, sechs Jahren perfekt sein wird. Aber ob seines geschmackvollen Auftritts hat der Wein auch Größe. Eines der Leckerlis des Jahrgangs für mich. Einfach nur ein Traum im Hedonismus! 96–97/100

Das ist eigentlich die Hauptlage von Elio Altare, dem besten Freund und Berater Corinos. 2017 war gekennzeichnet von einer großen Frostperiode im Frühjahr und von einem warmen Sommer mit langer Trockenperiode. Vom Frost wurden vor allem jene Winzer verschont, die Reben in Hochlagen bewirtschaften. Durch die Trockenheit und Wärme stand im Herbst eine deutlich frühere Lese an als normalerweise, teils vier Wochen früher. Das schöne war, dass Anfang September in den Nächten eine große Kühle herrschte. Wir haben also auf der einen Seite einen warmen, reichen, fruchtbetonten Jahrgang wie 2011 oder 2015. Und gleichzeitig haben wir Frische und Kühle durch den kühlen Herbst und somit auch eine hohe Eleganz, mit seidigen Tanninen. Deshalb ist 2017 ist nicht wirklich vergleichbar, weder mit 2011, das die Kühle nicht hatte, und auch nicht mit 2003 oder 2015. Die klimatischen Bedingungen haben 2017 auch dazu geführt, dass sich in Barolo die verschiedenen Höhenlagen etwas annäherten. Der Jahrgang, mit seiner Frische, Finesse und fruchtstarken Aromatik, dominiert in diesem Jahr 2017 deutlich mehr als in Jahren wie 2016 oder später 2019 und 2020. Arborina ist das Herz von Annunziata, zwischen La Morra und Barolo gelegen. Der 2017er hat ein bisschen Cassis und schwarzen Kirschlikör. Intensiv Holunder dazu. Auch ein bisschen Unterholz, Lavendel und Garrigue-Würze. Sattes Tannin, ein ganz klein bisschen trocken, aber viel schwarze Frucht dazu. Üppige Süße, lang und intensiv. Voll, aber nicht ganz so voll und hedonistisch wie der Giachini aus gleichem Hause. Hohe Intensität, der Wein steht für Minuten. Grandioses Finale, aber etwas trocken hintenraus. Wie ich schon sagte, nicht ganz diese hedonistische Extraklasse wie Giachini. 95–96/100

100 Prozent aus der Lage Giachini. 50 Prozent neues Barrique, ansonsten ist die Machart die gleiche. Ausschließlich die Trauben der ältesten Reben aus Giachini, 70 Jahre alt, gehen in den Wein. Nach zwei Jahren Fassreife bleibt der Wein weitere zwei Jahre auf der Flasche, bevor er auf den Markt kommt. Der 2015er kommt also jetzt im Winter 2020. Giachini ist selbstverständlich auch der Kern des Mundes, also ganz reich, dicht und üppig. Viel rote Frucht, satte rote Kirsche und konzentrierte Himbeere. Aber durch das Alter der Reben und das konzentrierte Holz wird alles intensiver und druckvoller, aber auch ein klein wenig gemachter. Das neue Holz ist deutlich spürbar. Etwas trockener Mund dadurch. Die alten Reben geben auch unglaublich viel Druck, der Wein schiebt gewaltig. Von Haus aus ist Giachini unglaublich vollmundig, aber in der Riserva aus den alten Reben kommt so unglaublich viel Schub. Trotzdem ist er butterweich. Die Tannine im Giachini sind ob der Südexposition immer supergeschliffen, superfein. Ein Kraftbolzen ohne jede Härte, einfach nur mit viel Wucht und Intensität. Die Giachini Riserva habe ich davor nie genommen, weil es in den Jahren 2013 und 2014 für mich nicht optimal war. Aber 2015 und in den Folgejahren ist das ein echtes Thema. Fast ein großer Wein. 97+/100

Voerzio

Dienstag 20. Oktober 9 Uhr morgens bei Roberto Voerzio. Der langjährige Wegbegleiter Cesare Bussolo, weit mehr als die rechte Hand von Roberto, probiert wie jedes Mal mit mir. Er weiß jedes Detail des Jahrgangs, der Weinberge, des Kellers genau wie der Großmeister, er ist ja bei allem dabei. So ist das in einem winzigen Weingut. Die Weinberge liegen überwiegend in den höchsten Lagen der Langhe, La Serra über Cerequio und Brunate nebst Torriglione. 10 Tausend Stöcke je Hektar, nur fünf kleine Trauben werden belassen, die dann noch mit der Schere halbiert. Im Ergebnis bedeutet das 300–400 Gramm je Stock, 20–30 Hektoliter je Hektar. Das gilt für Nebbiolo und auch Barbera. Ob des geringen Ertrags und der biologischen Weinbergsarbeit geht die Reife viel schneller als bei den Nachbarn, die Ernte erfolgt oft schon Ende August, wie mir seine Nachbarn (Vietti im Cerequio) bestätigten. Hochkonzentrierte Beeren mit zugleich hoher Säure und weit vor jeden Wetterproblemen des Herbstes. Kurze warme Fermentation und Ausbau im gebrauchten Barrique, Tonneau, Halbstück und Stückfass.

Bei Voerzio: Nachgeschenkt von Cesare Bussolo

Die Weine sind extrem konzentriert und zugleich das Feinste und Frischeste, was es an Nebbiolo in der Langhe gibt. Ich habe keinerlei bessere Weine auf dieser Reise probiert, der dann zum Schluss gezeigte Barolo 2016 Torriglione aus der Magnum und der Barbera Pozzo Annunziata 2016 waren mit das Beste, was ich je aus diesen Rebsorten verkostet habe. Der Barbera ist außerhalb jeden Vergleichs! Und zum Beweis der Langlebigkeit bringt Roberto dann jedes Jahr den 10 Anni Fossati Case Nere auf den Markt, jetzt gerade 2010. Gerade am Beginn der perfekten Trinkreife. Die ansonsten probierten 2017er Barolo standen qualitativ so unglaublich weit über allem was das insgesamt gut ausgefallene La Morra in diesem Jahr präsentierte. Der hier getriebene Aufwand ist ob der daraus resultierenden Qualität letztlich jeden Cent der hohen Preise wert.

Alle Voerzio Weine

Verkostungsnotizen Voerzio 2017

Der Barolo La Morra ist ganz neu bei Voerzio, ein preisliches Zugeständnis an den Markt. Er stammt zu zwei Dritteln aus den Grand Cru Lagen La Serra, Fossati und Case Nere. Der Rest kommt aus der Spitzenparzelle Boiolo in La Morras bester Lage zwischen Rocche dell’Annunziata und Brunate gelegen. Da gibt es nur 2.500 Stöcke pro Hektar bei einem Kilo Trauben Ertrag pro Stock. Extrem reduziert also, aber mehr als die 300 Gramm pro Stock in den Top-Lagen. Hier ansonsten mit gleichem akribischem An- und Ausbau wie alle Barolo Top-Crus bei Voerzio. Der Wein soll sortimentstechnisch und preislich die Lücke schließen zwischen dem Langhe Nebbiolo und den Barolo Einzellagen, und Kunden einen Ausblick auf das Potenzial der Spitzenweine geben, bei gleichem kompromisslosen Qualitätsstreben für diesen Wein. Trotz extremen Arbeitsaufwands und minimalsten Erträgen versucht Roberto hier einen Wein zu erzeugen, der vielleicht für Endverbraucher unter 100 Euro liegen kann. Das ist – auch wegen der Zugabe von Grand Cru Material – ein wirklich ernsthafter Versuch, einen etwas bezahlbareren Wein auf annähernd seinem Grand Cru Niveau zu erzeugen. Im Winter 2015/2016 hat er die fünf Hektar Boiolo dazu gepachtet, sehr strukturierter weißer Lehmboden, alles auch bisher in biologischer Bewirtschaftung natürlich. 2017 war gekennzeichnet von einer großen Frostperiode im Frühjahr und von einem warmen Sommer mit langer Trockenperiode. Vom Frost wurden vor allem jene Winzer verschont, die Reben in Hochlagen bewirtschaften. Durch die Trockenheit und Wärme stand im Herbst eine deutlich frühere Lese an als normalerweise, teils vier Wochen früher. Das schöne war, dass Anfang September in den Nächten eine große Kühle herrschte. Wir haben also auf der einen Seite einen warmen, reichen, fruchtbetonten Jahrgang wie 2011 oder 2015. Und gleichzeitig haben wir Frische und Kühle durch den kühlen Herbst und somit auch eine hohe Eleganz, mit seidigen Tanninen. Deshalb ist 2017 ist nicht wirklich vergleichbar, weder mit 2011, das die Kühle nicht hatte, und auch nicht mit 2003 oder 2015. Die klimatischen Bedingungen haben 2017 auch dazu geführt, dass sich in Barolo die verschiedenen Höhenlagen etwas annäherten. Der Jahrgang, mit seiner Frische, Finesse und fruchtstarken Aromatik, dominiert in diesem Jahr 2017 deutlich mehr als in Jahren wie 2016 oder später 2019 und 2020. Roberto Voerzio arbeitet biodynamisch, aber ohne Zertifizierung. Im Weinberg gibt es winzige Erträge von klar unter 20 Hektolitern pro Hektar, häufig sogar 15 oder gar 10 Hektoliter. Es sind extrem stammnahe, winzig kleine Träubchen. Die Reben stehen in extremer Dichtpflanzung von 10.000 und mehr Stöcken pro Hektar. Der Ertrag pro Pflanze liegt damit zwischen 300 und 500 Gramm. Normalerweise reduziert Roberto die Weinstöcke auf fünf Trauben pro Rebe. Zusätzlich werden die Trauben mittig halbiert, sodass nur die Schultern und der mittlere Teil in den Wein kommen. In warmen Jahren reduziert Roberto sogar auf vier Trauben pro Stock, der durchschnittliche Ertrag liegt dann bei circa 400 Gramm pro Pflanze. 2017 war das erste Jahr, in dem Roberto aufgrund der niedrigen Erträge und der biologischen Arbeit bereits im August mit der Lese begonnen hat. Am 31. August wurde Brunate gelesen, am 7. September war die gesamte Lese abgeschlossen. Der Comune La Morra ist ein Wein, den es erst seit dem Jahrgang 2016 gibt. Er wird zu 20 Prozent aus den Trauben eines speziellen Weinbergs in Boiolo gemacht, zu 80 Prozent aus den Crus Cerequio, La Serra, Fossati und Rocche. Der Ertrag liegt hier etwas höher als bei den Einzellagen-Weinen, mit 500 bis 1000 Gramm pro Stock ist er aber immer noch sehr gering. Der Alkoholgehalt liegt bei circa 14 Volumenprozent. Robertos Weine sind – wie alle 2017er – hocharomatisch, weil es ein warmes Jahr war, aber kein heißes, gekochtes Jahr. Dazu hatten wir kühle Nächte. All in all ein hocharomatisches Jahr mit einer schönen Frische im Finale. Sehr zugänglich, sehr früh extrem charmant. Die Nase des Comune La Morra hat reiche, süße, rote Kirsche und reiche, süße Zwetschge. Aber nicht fett, ganz fein. Nur eben extrem aromatisch und duftig. Ein hoher Charmefaktor, schon in der Nase hedonistisch. Der Mund ist sehr frisch und schlank, voller Finesse. Die Tannine sind seidigst, anders kann ich es gar nicht sagen. Der Wein hat einen Fokus auf ein bisschen roter Johannisbeere und Sauerkirsche. Es ist aber fein, lang und sehr mineralisch. Salzig, Kalkstein-Assoziationen. Der Wein steht für zwei Minuten in seiner unendlichen Feinheit und Seidigkeit. Was für ein schicker Wein! Was im Finale überrascht, ist die unglaubliche Frische und Säure, zusammen mit dem unglaublichen Charme des Jahrgangs und der Aromatik. Ich denke, dass das nach fünf Jahren Hedonismus pur sein wird. Der 2016er war sehr gut, der 2017er scheint fast noch besser gelungen. Für einen Comune La Morra ist das einfach großes Kino. Was für eine unbeschreibliche Schönheit, was für ein Leckerli! 96–97/100

Cerequio liegt direkt neben, bzw. leicht versetzt unterhalb von Brunate, kurz hinter dem Ortsausgang von La Morra Richtung Barolo. Etwas wärmer hier. Wie alle Lagen von Voerzio hat auch dieser Weinberg nur gut einen Hektar Größe. Die Exposition ist Südost. Der Weinberg liegt durchschnittlich auf ungefähr 300 Meter Höhe, extrem hoch, aber hier ist es schon deutlich wärmer als in La Serra, was in kühlen Jahren ein klares Plus ist, in warmen Jahren ein Nachteil. Jede Pflanze, also jeder Weinstock, bringt bei Roberto Voerzio nur knapp 300 Gramm Beeren aus maximal fünf winzigen Trauben. Nur die Stocknahen fünf Trauben werden belassen und einige Zeit vor der Lese wird die untere Hälfte (mit der höheren Säure) der Traube vorsichtig weggeschnitten. Wahrscheinlich ist Voerzio der extremste Winzer der Welt. Bei so extremer und qualitativ auch gewünschter Ertragsreduktion ist es dauerhaft jedoch wichtig die Stockdichte auf 10 Tausend je Hektar zu erhöhen. Das erfolgt laufend, aber das wird auch noch Aufgabe der Folgegeneration bleiben. Natürlich erfolgt hier die Arbeit biologisch-organisch (auf Robertos Wunsch nicht zertifiziert, das Ansehen der italienischen Zertifikate ist wegen diverser Undurchsichtigkeiten arg ramponiert), vom Weinberg bis zum Keller, nur Spontanvergärung, Nebbiolo-Ausbau nur in gebrauchtem, burgundischem, sehr dichtporigen Holz, minimal getoastet, also nur Zweit- und Drittbelegung, damit traditionelle Ausprägung der Weine, Holz ist nicht spürbar. Bei so geringen Erträgen und biodynamischer Weinbergsarbeit ist die Traubenreife deutlich schneller als bei Standardbetrieben, i. d. R. gibt es hier drei Wochen Vorsprung, man erntet vor allen Kollegen oder erreicht in anders verlaufenden Jahren die höhere Reife und Komplexität. Auch liegt bei Voerzio trotz der hohen inneren Reife die Säure immer höher, Voerzios Weine sind immer reif und extrem frisch zugleich. Cerequio hat zwar ein ähnliches Terroir wie Brunate, trotzdem ist Cerequio wegen seiner höheren Wärme im Mikroklima meistens etwas kraftvoller und dichter. Cerequio ist immer sehr besonders. Es ist eine Lage, die polarisiert. Mal finde ich es überragend, mal finde ich es auf ganz hohem Niveau einen der schwächeren Crus. 2017 war gekennzeichnet von einer großen Frostperiode im Frühjahr und von einem warmen Sommer mit langer Trockenperiode. Vom Frost wurden vor allem jene Winzer verschont, die Reben in Hochlagen bewirtschaften. Durch die Trockenheit und Wärme stand im Herbst eine deutlich frühere Lese an als normalerweise, teils vier Wochen früher. Das schöne war, dass Anfang September in den Nächten eine große Kühle herrschte. Wir haben also auf der einen Seite einen warmen, reichen, fruchtbetonten Jahrgang wie 2011 oder 2015. Und gleichzeitig haben wir Frische und Kühle durch den kühlen Herbst und somit auch eine hohe Eleganz, mit seidigen Tanninen. Deshalb ist 2017 ist nicht wirklich vergleichbar, weder mit 2011, das die Kühle nicht hatte, und auch nicht mit 2003 oder 2015. Die klimatischen Bedingungen haben 2017 auch dazu geführt, dass sich in Barolo die verschiedenen Höhenlagen etwas annäherten. Der Jahrgang, mit seiner Frische, Finesse und fruchtstarken Aromatik, dominiert in diesem Jahr 2017 deutlich mehr als in Jahren wie 2016 oder später 2019 und 2020. Roberto Voerzio arbeitet biodynamisch, aber ohne Zertifizierung. Im Weinberg gibt es winzige Erträge von klar unter 20 Hektolitern pro Hektar, häufig sogar 15 oder gar 10 Hektoliter. Es sind extrem stammnahe, winzig kleine Träubchen. Die Reben stehen in extremer Dichtpflanzung von 10.000 und mehr Stöcken pro Hektar. Der Ertrag pro Pflanze liegt damit zwischen 300 und 500 Gramm. Normalerweise reduziert Roberto die Weinstöcke auf fünf Trauben pro Rebe. Zusätzlich werden die Trauben mittig halbiert, sodass nur die Schultern und der mittlere Teil in den Wein kommen. In warmen Jahren reduziert Roberto sogar auf vier Trauben pro Stock, der durchschnittliche Ertrag liegt dann bei circa 400 Gramm pro Pflanze. 2017 war das erste Jahr, in dem Roberto aufgrund der niedrigen Erträge und der biologischen Arbeit bereits im August mit der Lese begonnen hat. Am 31. August wurde Brunate gelesen, am 7. September war die gesamte Lese abgeschlossen. Die hohe Konzentration durch den geringen Ertrag pro Stock, bringt später eine hohe Zugänglichkeit. Alle Elemente sind etwas massiver. Der Comune La Morra ist ganz klar der Wein aus 2017, der in den nächsten fünf Jahren trinkbar wird. Cerequio und die anderen brauchen ein wenig länger. Schon in der Nase ist die hohe Konzentration spürbar. Die Weine werden nicht fett, sondern nur dicht. Der Cerequio zeigt satte Kirschfrucht, mit viel Zwetschge und Stein. Aber trotzdem mit der für 2017 typischen Aromatik eines warmen Jahres. Cerequio hat 2017 die Umwandlung hin zu einer hohen Pflanzdichte abgeschlossen. Alle alten Teile der Weinberge sind inzwischen überführt in Dichtpflanzung. Das bedeutet, dass es einen Teil jüngere Reben gibt, insgesamt nun aber weit über 10.000 Stöcke pro Hektar. Die Jugendlichkeit und der geringe Ertrag sind in diesem Cerequio 2017 ziemlich deutlich spürbar. Das macht einen Teil seines unendlichen Charmes aus. Im Mund ist das schon ein ziemlicher Blockbuster. Aber kein Blockbuster in fett, sondern unendlich fein, wie das bei Voerzio üblich ist. Verglichen mit 2016 hat 2017 nicht so diese massiven Tannine. Die Tannine sind in 2017 auch witterungsbeding deutlich weicher, zarter und geschliffener. Der Wein zieht sich über Minuten und rollt mit seiner wunderbaren Frische immer wieder hoch. Die Säure ist perfekt erhalten, wenn man an die frühe Lese Ende August und Anfang September denkt. Alles ist da, alles ist fein. Dieser Cerequio ist Burgund pur, ist eine Art Chambolle-Musigny, mit ein bisschen mehr Säure und mehr Frische. Genial in der Länge und in der Verspieltheit. Diese Kombination aus Zwetschgen und Kirschen, mit einem feinen Hauch roter Johannisbeere darunter – Hedonismus. Alles einnehmend, Charme und trotzdem geniale Mineralität, Frische, Salz und Säure. 97–100/100

Brunate liegt direkt neben, bzw. leicht versetzt unterhalb von La Serra, oberhalb von Cerequio, kurz hinter dem Ortsausgang von La Morra Richtung Barolo. Wie alle Lagen von Voerzio hat auch dieser Weinberg nur gut einen Hektar. Die Exposition ist Ost/Südost. Der Weinberg liegt durchschnittlich auf ungefähr 380 Meter Höhe. Brunate gilt Kennern zusammen mit Cannubi historisch als einer der zwei besten Cru von allen Barolo-Lagen der Langhe. Jede Pflanze, also jeder Weinstock, bringt bei Roberto Voerzio deutlich unter 300 Gramm Beeren aus maximal fünf winzigen Trauben. Nur die stocknahen fünf Trauben werden belassen und einige Zeit vor der Lese wird die untere Hälfte (mit der höheren Säure) der Traube vorsichtig weggeschnitten. Wahrscheinlich der extremste Winzer der Welt. Bei so extremer und qualitativ auch gewünschter Ertragsreduktion ist es dauerhaft jedoch wichtig, die Stockdichte auf Zehntausend je Hektar zu erhöhen. Das erfolgt laufend, aber das wird auch noch Aufgabe der Folgegeneration bleiben. Natürlich erfolgt hier die Arbeit biologisch-organisch (auf Robertos Wunsch nicht zertifiziert, das Ansehen der italienischen Zertifikate ist wegen diverser Undurchsichtigkeiten arg ramponiert), vom Weinberg bis zum Keller. Nur Spontanvergärung, Nebbiolo-Ausbau nur in gebrauchtem, burgundischem, sehr dichtporigem Holz, minimal getoastet, also nur Zweit- und Drittbelegung, damit traditionelle Ausprägung der Weine, Holz ist nicht spürbar. Bei so geringen Erträgen und biodynamischer Weinbergsarbeit ist die Traubenreife deutlich schneller als bei Standardbetrieben, i. d. R. gibt es hier drei Wochen Vorsprung, man erntet vor allen Kollegen oder erreicht in anders verlaufenden Jahren die höhere Reife und Komplexität. Auch liegt bei Voerzio trotz der hohen inneren Reife die Säure immer höher, Voerzios Weine sind immer reif und extrem frisch zugleich. Brunate ist leider immer die kleinste Menge. Nicht nur bei Voerzio, sondern auch bei allen anderen, die das Glück haben ein Stück Brunate zu besitzen oder gepachtet zu haben. Brunate zeichnet sich dadurch aus, dass es eben den wahren Kompromiss, die wahre Harmonie darstellt von dem kühlen Weinberg La Serra und dem warmen Cerequio. Eine absolute Kultlage, die von vielen für die größte Lage des Ortes gehalten wird. Auch wenn ich persönlich glaube, dass Voerzio mit La Serra, der noch feineren, höchsten Lage, häufig noch einen draufsetzt. 2017 war gekennzeichnet von einer großen Frostperiode im Frühjahr und von einem warmen Sommer mit langer Trockenperiode. Vom Frost wurden vor allem jene Winzer verschont, die Reben in Hochlagen bewirtschaften. Durch die Trockenheit und Wärme stand im Herbst eine deutlich frühere Lese an als normalerweise, teils vier Wochen früher. Das schöne war, dass Anfang September in den Nächten eine große Kühle herrschte. Wir haben also auf der einen Seite einen warmen, reichen, fruchtbetonten Jahrgang wie 2011 oder 2015. Und gleichzeitig haben wir Frische und Kühle durch den kühlen Herbst und somit auch eine hohe Eleganz, mit seidigen Tanninen. Deshalb ist 2017 ist nicht wirklich vergleichbar, weder mit 2011, das die Kühle nicht hatte, und auch nicht mit 2003 oder 2015. Die klimatischen Bedingungen haben 2017 auch dazu geführt, dass sich in Barolo die verschiedenen Höhenlagen etwas annäherten. Der Jahrgang, mit seiner Frische, Finesse und fruchtstarken Aromatik, dominiert in diesem Jahr 2017 deutlich mehr als in Jahren wie 2016 oder später 2019 und 2020. Roberto Voerzio arbeitet biodynamisch, aber ohne Zertifizierung. Im Weinberg gibt es winzige Erträge von klar unter 20 Hektolitern pro Hektar, häufig sogar 15 oder gar 10 Hektoliter. Es sind extrem stammnahe, winzig kleine Träubchen. Die Reben stehen in extremer Dichtpflanzung von 10.000 und mehr Stöcken pro Hektar. Der Ertrag pro Pflanze liegt damit zwischen 300 und 500 Gramm. Normalerweise reduziert Roberto die Weinstöcke auf fünf Trauben pro Rebe. Zusätzlich werden die Trauben mittig halbiert, sodass nur die Schultern und der mittlere Teil in den Wein kommen. In warmen Jahren reduziert Roberto sogar auf vier Trauben pro Stock, der durchschnittliche Ertrag liegt dann bei circa 400 Gramm pro Pflanze. 2017 war das erste Jahr, in dem Roberto aufgrund der niedrigen Erträge und der biologischen Arbeit bereits im August mit der Lese begonnen hat. Am 31. August wurde Brunate gelesen, am 7. September war die gesamte Lese abgeschlossen. Brunate zeigt deutlich mehr Intensität in der Frucht als Cerequio. Er ist etwas weniger Chambolle-burgundisch, sondern fokussierter und etwas mehr Vosne-Romanée. 2017 bei Voerzio ist pures Burgund. So unendlich fein und delikat. Aromatisch in einer Duftigkeit, wie man sie selten hat. Dieser Jahrgang 2017 ist wirklich verzückend in seiner Typizität. Die Wärme macht die Weine so aromatisch, gleichzeitig kommt Frische aus den kühlen Nächten. 2017 ist Hedonismus pur. Nicht wie 2016, wo man 10, 20, 30 Jahre warten muss. Da machen viele Verbraucher den Fehler, auf die falschen Jahrgänge zu setzen. Um die nächsten 20 Jahre Freude zu haben, muss man 2017 kaufen, nicht 2016. Kalkstein, Salz und Kreide neben schöner süßer Kirsche und süßer Sauerkirsche. Unglaublich schick! Der Mund zeigt neben der Feinheit auch Kraft. Und der Vergleich Chambolle versus Vosne-Romanée ist eindeutig richtig. Wir haben mehr Vosne-Romanée, mehr die deutlich massivere rote Frucht. Deutlich mehr Salz, Kreide und Kalkstein. Und deutlich konzentrierter in roter Kirsche, Sauerkirsche und roter Johannisbeere. Das Finale endet nach Minuten und es bleiben ein wenig Hagebutte, Sanddorn und konzentrierte Sauerkirsche, mit Salz und Stein. Aber delikat und mit seidigen Tanninen allemal. 98–99/100

La Serra ist die kühlste höchste Lage in La Morra, und damit die höchste Lage von Voerzio und in der Langhe überhaupt, in mehr als 420 Metern Höhe direkt am Ortsausgang Richtung Barolo. Südost-Exposition. Inzwischen schon auf 8.000 Stöcke je Hektar aufgestockt. Entsprechend der Höhe und der Sonnenexposition ist der La Serra der feinste, verspielteste, der zarteste Wein von Voerzio. Er wird ob seiner Zartheit oft unterschätzt, ist jedoch in warmen, runden Jahren ob seiner verspielten Feinheit und hohen Säure oft der beste Wein Voerzios, zumindest aus meiner Sicht, und auch aus der Sicht des Winzers. Jede Pflanze, also jeder Weinstock, bringt bei Roberto Voerzio nur unter 300 Gramm Beeren aus maximal fünf winzigen Trauben. Nur die stocknahen fünf Trauben werden belassen, und einige Zeit vor der Lese wird die untere Hälfte (der unreifere, grünere Teil) der Traube vorsichtig weggeschnitten. Wahrscheinlich ist Voerzio der extremste Winzer der Welt. Bei so extremer und qualitativ auch gewünschter Ertragsreduktion von ca. 300 Gramm je Rebe ist es dauerhaft jedoch wichtig, die Stockdichte auf Zehntausend je Hektar zu erhöhen. Sonst ist das kommerziell sinnlos. Die Aufstockung erfolgt laufend, aber das wird auch noch Aufgabe der Folgegeneration bleiben. Natürlich erfolgt hier die Arbeit biologisch-organisch (nicht zertifiziert, das Ansehen der italienischen Zertifikate ist wegen diverser Undurchsichtigkeiten arg ramponiert), vom Weinberg bis zum Keller. Nur Spontanvergärung, Nebbiolo-Ausbau nur in gebrauchtem, burgundischem, sehr dichtporigem Holz, minimal getoastet, nur Zweit- und Drittbelegung, damit traditionelle Ausprägung der Weine, Holz ist nicht spürbar. Bei so extrem geringen Erträgen und biodynamischer Weinbergsarbeit ist die Traubenreife deutlich schneller als bei Standardbetrieben, i. d. R. gibt es hier drei Wochen Vorsprung, man erntet weit vor allen Kollegen und erreicht in anders verlaufenden Jahren die höhere Reife und Komplexität. Häufig ist La Serra, die noch oberhalb von Brunate und Cerequio liegt, für mich der größte Wein bei Voerzio. Auch wenn bei internationalen Verkostern oft die Wärme und Reichhaltigkeit der anderen Lagen mehr ins Gewicht fällt. Wenn es um Finesse geht ist La Serra nicht zu schlagen. 2017 war gekennzeichnet von einer großen Frostperiode im Frühjahr und von einem warmen Sommer mit langer Trockenperiode. Vom Frost wurden vor allem jene Winzer verschont, die Reben in Hochlagen bewirtschaften. Durch die Trockenheit und Wärme stand im Herbst eine deutlich frühere Lese an als normalerweise, teils vier Wochen früher. Das schöne war, dass Anfang September in den Nächten eine große Kühle herrschte. Wir haben also auf der einen Seite einen warmen, reichen, fruchtbetonten Jahrgang wie 2011 oder 2015. Und gleichzeitig haben wir Frische und Kühle durch den kühlen Herbst und somit auch eine hohe Eleganz, mit seidigen Tanninen. Deshalb ist 2017 ist nicht wirklich vergleichbar, weder mit 2011, das die Kühle nicht hatte, und auch nicht mit 2003 oder 2015. Die klimatischen Bedingungen haben 2017 auch dazu geführt, dass sich in Barolo die verschiedenen Höhenlagen etwas annäherten. Der Jahrgang, mit seiner Frische, Finesse und fruchtstarken Aromatik, dominiert in diesem Jahr 2017 deutlich mehr als in Jahren wie 2016 oder später 2019 und 2020. Roberto Voerzio arbeitet biodynamisch, aber ohne Zertifizierung. Im Weinberg gibt es winzige Erträge von klar unter 20 Hektolitern pro Hektar, häufig sogar 15 oder gar 10 Hektoliter. Es sind extrem stammnahe, winzig kleine Träubchen. Die Reben stehen in extremer Dichtpflanzung von 10.000 und mehr Stöcken pro Hektar. Der Ertrag pro Pflanze liegt damit zwischen 300 und 500 Gramm. Normalerweise reduziert Roberto die Weinstöcke auf fünf Trauben pro Rebe. Zusätzlich werden die Trauben mittig halbiert, sodass nur die Schultern und der mittlere Teil in den Wein kommen. In warmen Jahren reduziert Roberto sogar auf vier Trauben pro Stock, der durchschnittliche Ertrag liegt dann bei circa 400 Gramm pro Pflanze. 2017 war das erste Jahr, in dem Roberto aufgrund der niedrigen Erträge und der biologischen Arbeit bereits im August mit der Lese begonnen hat. Am 31. August wurde Brunate gelesen, am 7. September war die gesamte Lese abgeschlossen. La Serra ist der höchstgelegene Weinberg von Voerzio auf 400 Metern in La Morra, oberhalb von Cerequio und Brunate. Die Nase zeigt Marzipan mit roter Kirsche und Kalkstein. Ein bisschen Hagebutte darunter. Ganz fein und spielerisch, hocharomatisch und charmant. Dabei zartbleibend. Der Mund ist der frischeste von alles Crus. Die Höhe macht sich bemerkbar, die Augen ziehen sich zusammen. Unglaubliche Frische, ein Finale mit einer grandiosen Säure. Der Charme wird überdeckt von dieser wahnsinnigen Frische. Konzentrierte, säurebeladene Himbeere im Finale, unglaublich verspielt. Dieser La Serra braucht länger, es ist im Grunde eine Gevrey-Chambertin-Version, aber feiner, zarter und schlanker. Ich weiß nicht, ob ich La Serra noch über den Cerequio setzen soll, aber wir sind bei beiden in einer spielerischen Leichtigkeit – die unendliche Leichtigkeit des Seins. Der Wein hört gar nicht wieder auf. Beide, Cerequio und La Serra, sind Weine, die sich anbieten, allein getrunken zu werden. Gar nicht als Essensbegleiter, weil sie so unendlich duftig, fein und frisch sind. Nur Träumen ist angesagt. Großer Stoff! 99–100/100

Rocche Annunziata ist die tiefgelegenste Lage von Voerzio. Liegt da, wo Altare seine Weinberge hat, die quasi andere Hangseite des Arborina. Das nächste kleine Tal in Amphitheaterform. Deutlich wärmer, und trotzdem in dieser Ecke einer der elegantesten Weinberge überhaupt. Aber nicht mehr ganz typisch für La Morra mit dieser ansonsten so extremen Feinheit. Hier bekommen wir mehr Wärme, mehr Reichhaltigkeit. 2017 war gekennzeichnet von einer großen Frostperiode im Frühjahr und von einem warmen Sommer mit langer Trockenperiode. Vom Frost wurden vor allem jene Winzer verschont, die Reben in Hochlagen bewirtschaften. Durch die Trockenheit und Wärme stand im Herbst eine deutlich frühere Lese an als normalerweise, teils vier Wochen früher. Das schöne war, dass Anfang September in den Nächten eine große Kühle herrschte. Wir haben also auf der einen Seite einen warmen, reichen, fruchtbetonten Jahrgang wie 2011 oder 2015. Und gleichzeitig haben wir Frische und Kühle durch den kühlen Herbst und somit auch eine hohe Eleganz, mit seidigen Tanninen. Deshalb ist 2017 ist nicht wirklich vergleichbar, weder mit 2011, das die Kühle nicht hatte, und auch nicht mit 2003 oder 2015. Die klimatischen Bedingungen haben 2017 auch dazu geführt, dass sich in Barolo die verschiedenen Höhenlagen etwas annäherten. Der Jahrgang, mit seiner Frische, Finesse und fruchtstarken Aromatik, dominiert in diesem Jahr 2017 deutlich mehr als in Jahren wie 2016 oder später 2019 und 2020. Roberto Voerzio arbeitet biodynamisch, aber ohne Zertifizierung. Im Weinberg gibt es winzige Erträge von klar unter 20 Hektolitern pro Hektar, häufig sogar 15 oder gar 10 Hektoliter. Es sind extrem stammnahe, winzig kleine Träubchen. Die Reben stehen in extremer Dichtpflanzung von 10.000 und mehr Stöcken pro Hektar. Der Ertrag pro Pflanze liegt damit zwischen 300 und 500 Gramm. Normalerweise reduziert Roberto die Weinstöcke auf fünf Trauben pro Rebe. Zusätzlich werden die Trauben mittig halbiert, sodass nur die Schultern und der mittlere Teil in den Wein kommen. In warmen Jahren reduziert Roberto sogar auf vier Trauben pro Stock, der durchschnittliche Ertrag liegt dann bei circa 400 Gramm pro Pflanze. 2017 war das erste Jahr, in dem Roberto aufgrund der niedrigen Erträge und der biologischen Arbeit bereits im August mit der Lese begonnen hat. Am 31. August wurde Brunate gelesen, am 7. September war die gesamte Lese abgeschlossen. Der Rocche dell’ Annunziata liegt nur auf rund 200 Metern Höhe. Hier liegt auch das Weingut Altare, hier liegt Arborina und eben auch der Rocche dell’ Annunziata. Sandige Böden gibt es hier, fein, aber warm. Schon die Nase und die Farbe zeigen deutlich die Herkunft. Der Wein ist etwas weniger farbig und einen Hauch brauner als die Hochlagen in La Morra. Die Nase ist sehr duftig, voluminös, aber nicht fett. Sehr fein und trotzdem reich. Ein sehr geschmackvoller, intensiver Mund. Säure und Wärme halten sich die Waage, balanciert und harmonisch. Aber wenn man ehrlich ist, dann ist Rocche dell’ Annunziata nicht die typische Lage, für die Roberto Voerzio steht. Diese sind eindeutig – für mich jedenfalls – La Serra, Cerequio und Brunate. 95–96/100

Fossati ist eine Lage, die noch oberhalb von Cerequio aber unterhalb von La Serra, also ungefähr auf der Höhe von Brunate liegt. Also eine Cool Climate Lage, die mit den kühlsten und finessenreichsten Weinen von Voerzio wetteifert. Der gleiche Ansatz hier wie überall mit 10.000 Stöcken auf dem Hektar bei 300 Gramm Traubenertrag pro Stock. Fossati spielt in der allerersten Reihe, und doch ist die Nase etwas wärmer, reicher und üppiger als La Serra, nur vielleicht nicht ganz so süß wie Brunate. 2017 war gekennzeichnet von einer großen Frostperiode im Frühjahr und von einem warmen Sommer mit langer Trockenperiode. Vom Frost wurden vor allem jene Winzer verschont, die Reben in Hochlagen bewirtschaften. Durch die Trockenheit und Wärme stand im Herbst eine deutlich frühere Lese an als normalerweise, teils vier Wochen früher. Das schöne war, dass Anfang September in den Nächten eine große Kühle herrschte. Wir haben also auf der einen Seite einen warmen, reichen, fruchtbetonten Jahrgang wie 2011 oder 2015. Und gleichzeitig haben wir Frische und Kühle durch den kühlen Herbst und somit auch eine hohe Eleganz, mit seidigen Tanninen. Deshalb ist 2017 ist nicht wirklich vergleichbar, weder mit 2011, das die Kühle nicht hatte, und auch nicht mit 2003 oder 2015. Die klimatischen Bedingungen haben 2017 auch dazu geführt, dass sich in Barolo die verschiedenen Höhenlagen etwas annäherten. Der Jahrgang, mit seiner Frische, Finesse und fruchtstarken Aromatik, dominiert in diesem Jahr 2017 deutlich mehr als in Jahren wie 2016 oder später 2019 und 2020. Roberto Voerzio arbeitet biodynamisch, aber ohne Zertifizierung. Im Weinberg gibt es winzige Erträge von klar unter 20 Hektolitern pro Hektar, häufig sogar 15 oder gar 10 Hektoliter. Es sind extrem stammnahe, winzig kleine Träubchen. Die Reben stehen in extremer Dichtpflanzung von 10.000 und mehr Stöcken pro Hektar. Der Ertrag pro Pflanze liegt damit zwischen 300 und 500 Gramm. Normalerweise reduziert Roberto die Weinstöcke auf fünf Trauben pro Rebe. Zusätzlich werden die Trauben mittig halbiert, sodass nur die Schultern und der mittlere Teil in den Wein kommen. In warmen Jahren reduziert Roberto sogar auf vier Trauben pro Stock, der durchschnittliche Ertrag liegt dann bei circa 400 Gramm pro Pflanze. 2017 war das erste Jahr, in dem Roberto aufgrund der niedrigen Erträge und der biologischen Arbeit bereits im August mit der Lese begonnen hat. Am 31. August wurde Brunate gelesen, am 7. September war die gesamte Lese abgeschlossen. Die Lage Fossati liegt unterhalb von La Serra, auf der gleichen Höhe wie Brunate. Von oben betrachtet ein wenig links von Brunate. Das sind die drei höchsten Lagen von Voerzio. Etwas tiefer liegen Case Nere und Cerequio. Im 2017er Fossati sind noch 20 Prozent Trauben von ganz alten Reben und 80 Prozent Trauben von Neupflanzungen in hoher Dichte von über 10.000 Stöcken pro Hektar. Die Neupflanzungen fanden erst in den letzten fünf Jahren statt. Der 2017er hat eine sehr feine Nase. Gut verwoben, hohe Harmonie zeigend. Dies ist mehr Barolo als Burgund, aber sehr feiner Barolo. Marzipan, stark auf Sauerkirsche und süßer roter Kirsche laufend. Eine geniale Frische im Mund, mit großer Harmonie. Man merkt die Jugendlichkeit. Die Augen ziehen sich zusammen ob der großen Frische, grandiose Säure und Länge. Im Grunde hat das eine gewisse Ähnlichkeit mit Brunate, in der Rotfruchtigkeit und in der Ausrichtung nach Vosne-Romanée. Aber etwas schlanker bleibend, Brunate ist der konzentriertere Wein, Fossati ist der feinere, schickere, elegantere und verspieltere Wein. Beides hedonistische Ausnahmetalente. 96–97/100

Ältere Jahrgänge Voerzio

Dieser eine Hektar Weinberg liegt direkt am Rand von La Morra, unmittelbar neben La Serra. Zum Teil neu bestockt, Dichtpflanzung von 9.000 Stöcken je Hektar, zum Teil sind es noch uralte Reben. Auf über 400 Meter Höhe gelegen. Riserva bedeutet bei Voerzio lange Flaschenlagerung. Der Wein hat den gleichen Prozess im Holz durchlaufen wie alle Baroli, wird jedoch erst nach zehn Jahren auf den Markt gebracht. Die Idee dahinter ist, den Konsumenten zu zeigen, wie ein richtiger Barolo von Voerzio in Perfektion schmeckt, denn die meisten Konsumenten warten die Zeit mit ihrem Wein nicht ab. Die Nase ähnelt dann auf Grund der Lage auch sehr stark dem ultrafeinen Finessewein La Serra, extrem zart tänzelnd, perfekt geschliffen. Es liegt an der Flaschenreife, der Wein zeigt sich schon in sehr schöner Süße, reife süße Kirschen, reife aber nicht überreife Zwetschge, in milder Form Hagebutte dazu, etwas Mango, die Farbe rot bis ziegelrot. Hochgradig duftend, extrem Pinot Noir aus dem Burgund, ein feiner Musigny. Im Mund Lakritze, Süßholz, feinste Gewürznoten, Nelke, Rosenblätter, Veilchen, extrem fein, Orangenschalen, feinste, reife Pflaume, sehr dicht und gleichzeitig unendlich fein, perfektes Säurespiel. Die Säure und das mineralische Salz tragen dann auch unglaublich lange nach, zwei minütiger Nachhall, immer wieder hoch steigend. Ziemliche Perfektion und doch fast zu jung. Im Mund auch balsamische Noten, der Wein erinnert stark an die großen Riserva-Jahrgänge von Bruno Giacosa, die ja auch unendlich halten. So wird dieser Wein auch für Jahrzehnte auf diesem hohen Level verharren, er ist ja immer noch ein Baby. 100/100

Der Wein wird immer zwei Jahre später auf den Markt gebracht. 2016 kommt also Anfang 2021 auf den Markt und wird nur in Magnums gefüllt. Torriglione liegt in Annunziata, es ist ein Weinberg in der Nähe von Rocche dell’ Annunziata, nur eine kleine Straße liegt dazwischen. Dichtpflanzung und winzige Erträge, in 2016 gab es nur fünf kleine Träubchen pro Stock mit insgesamt nur 500 Gramm. 2016 was das Jahr schlechthin bisher in Barolo. Aber nur unter dem Gesichtspunkt der Langlebigkeit – auf 2016 muss man verdammt lange warten. Für mich sind 2017 und 2015 eindeutig interessanter in den nächsten 20 Jahren. 2016 ist fast für ein ewiges Leben bestimmt. Trotzdem ist die Nase des Torriglione natürlich berauschend in seiner Dichte. Und Dichte ist das richtige Wort. Es ist nicht fett, sondern nur dicht. Kirsche und Zwetschge, superkonzentriert und kompakt. Nicht so duftig wie 2017, nicht so offen, sondern einfach nur konzentriert. Im Mund ist der Wein ein Ereignis, aber wie schon in der Nase verschlossen. Total dicht, total kompakt. Die Augen ziehen sich zusammen. Wir haben Frische, Frucht und seidiges Tannin, alles davon in Massen. Alles reichlich, aber niemals fett. Wir bleiben burgundisch und fein. Nur von allem sehr, sehr viel. Das Ganze mit der Lage von nur 200 Höhenmetern, also mit deutlich wärmeren Temperaturen als in den Hochlagen von Voerzio wie La Serra, Cerequio und Brunate. Das ist ein ultrafeiner Superpower-Wein. Ein Ereignis in Dichte, nicht in Fett. Grandios! 100+/100

Ein Weinberg, den Roberto schon vor über 30 Jahren in Dichtpflanzung angelegt hat. Weit über 10.000 Stöcke pro Hektar und lediglich rund 400 Gramm Ertrag an extrem kleinen, stocknahen Träubchen pro Pflanze. Der Weinberg ist komplett nach Osten exponiert. Das Ziel von Roberto war es hier, Barbera mit einer Konzentration zu erzeugen, ohne dass er fett wird. Der 2016er kommt erst 2021 auf den Markt und wird nur in Magnum gefüllt. Dieser Wein ist von allen Barbera der Welt DAS Barbera-Ereignis schlechthin, weil wir eine massive Konzentration haben, die aber nicht üppig oder fett wird. Es ist wie bei den Barolo von Voerzio, die auch unendlich fein sind. Wir haben eine Konzentration von Mineralität und Frucht. Satte Sauerkirsche, dunkle Früchte und ein bisschen Holunder. Reich, üppig, aber gar nicht fett, sondern im Grunde ein bisschen wie ein Bonnes Mares aus dem Burgund. Also Lagen aus Morey-Saint-Denis, die in Richtung Schwarzfruchtigkeit tendieren. So ist dieser Pozzo Annunziata. Von allem haben wir hier verdammt viel. Und das im größten Jahr der bisherigen Geschichte des Piemonts. Wer immer Vorurteile gegen Barbera hat, der Barbera hinten anstellt im Vergleich zu Barolo, muss diesen Wein einmal getrunken haben, weil er auf der einen Seite unendlich fein ist und auf der anderen Seite unendlich konzentriert. Er hat überhaupt nicht das typische Barbera-Verhalten, sondern das, was Barbera eigentlich haben sollte: diese unendlich Feinheit der Sauerkirsche. Holunder und etwas Blaubeere, etwas Crème de Cassis dahinter. Aber gar nichts Fettes, gar nichts Ordinäres, sondern nur unendlich lang, für Minuten anhaltend in Mineralität, Feinheit und seidigen Tanninen. Das ist für Jahrzehnte lagerfähig. Es gibt Barbera mit 100 Punkten, hier ist das Beispiel. Archetypisch. Besser geht es nicht! 100/100

Ratti

Danach ging es zu Renato Ratti. Das Weingut liegt spektakulär in der unteren Ausgangskurve von Annunziata La Morra, direkt unterhalb unseres Lieblingsrestaurant Osteria Veglio. Wer dort zu viel zecht muss bei der Abfahrt aufpassen in der 180 Grad Kurve nicht aus Versehen im Hof der Rattis zu landen. Renato Ratti war einer der frühen und immer noch traditionellen Barolista, seine Lagen liegen sämtlich in La Morra und Annunziata La Morra. Der amtierende Sohn Pietro schwört auch auf diesen lokalen Bezug. Das Weingut wurde vom erzwungenermaßen blutjungen Direktor Pietro Ratti (der Vater starb völlig unerwartet als der Sohn gerade 20 war) total neu gebaut, hypermodern, viel Platz. Pietros erste und nicht autorisierte Amtshandlung als quasi Husarenstück, der Abriss erfolgte als die Mutter gerade im Urlaub war.

Kommerziell gab es aber auch durch den Vater Renato eine hervorragende Basis. Marcenasco ist der überragende Basis-Barolo, die eher säurebetonte, maskuline Lage Conca und das Sahne-Schoko-Teil Rocche del Annunziata bieten trotz Lokalbezugs zwei wunderbare Gegensätze. Ich bin 25 Jahre durch diese berühmte Kurve unter Annunziata gefahren, den Blick immer fest in den Hof der Rattis, aber erst mit dem Jahr 2016 war es dann soweit. Und 2017 bestätigt bei der Verkostung die Großartigkeit der Weine. Am Ende der langen Verkostung und Besichtigung endeten wir 100 Meter straßenaufwärts in der Osteria Veglio. Besser hätte der Vormittag nicht laufen können.

Alle Ratti Weine

Verkostungsnotiz Ratti

2017 war gekennzeichnet von einer großen Frostperiode im Frühjahr und von einem warmen Sommer mit langer Trockenperiode. Vom Frost wurden vor allem jene Winzer verschont, die Reben in Hochlagen bewirtschaften. Durch die Trockenheit und Wärme stand im Herbst eine deutlich frühere Lese an als normalerweise, teils vier Wochen früher. Das schöne war, dass Anfang September in den Nächten eine große Kühle herrschte. Wir haben also auf der einen Seite einen warmen, reichen, fruchtbetonten Jahrgang wie 2011 oder 2015. Und gleichzeitig haben wir Frische und Kühle durch den kühlen Herbst und somit auch eine hohe Eleganz, mit seidigen Tanninen. Deshalb ist 2017 ist nicht wirklich vergleichbar, weder mit 2011, das die Kühle nicht hatte, und auch nicht mit 2003 oder 2015. Die klimatischen Bedingungen haben 2017 auch dazu geführt, dass sich in Barolo die verschiedenen Höhenlagen etwas annäherten. Der Jahrgang, mit seiner Frische, Finesse und fruchtstarken Aromatik, dominiert in diesem Jahr 2017 deutlich mehr als in Jahren wie 2016 oder später 2019 und 2020. Ratti hat ausschließlich eigene Barolo-Lagen, ausschließlich in La Morra. Die Basis, Marcenasco, ist das alte Wort für Annunziata. Es ist also der Village-Wein. Die vielleicht beste Lage von Ratti ist Conca, die direkt unterhalb des Weinguts an der Südkante von Annunziata liegt. Etwas größer als ein halber Hektar, hier entstehen sehr maskuline und ausdrucksstarke Weine im Stile eine Cerequio. Die dritte große Einzellage ist Rocche dell´ Annunziata, bekannt für hohe Eleganz und Tiefe. Alle Barolo werden klassisch im Stahl über einen Zeitraum von rund 30 Tagen vergoren. Nach der heißen Fermentation werden die Schalen runtergedrückt. Der Ausbau erfolgt komplett in 1200 Liter und 2400 Liter Fässern aus slawonischer Eiche. Also eine ganz klassische Barolo-Machart. Der Marcenasco macht die größte Menge aus, es gibt fast 80.000 Flaschen von diesem Barolo. So fein wie 2017 eben ist: delikat, aromatisch, sanft und reich. Hier in der Lage sind wir bei etwas über 200 Metern, die Weine werden reich, weich und aromatisch. Der Wein verbleibt über zwei Jahre ihm Holz, bevor er in die Flasche kommt. Sehr feiner, seidiger Mund, elegante Tannine. Ein schicker Barolo mit einer feinen Rotfruchtigkeit. Sanft, etwas Marzipan und Sauerkirsche. Hedonistisch und lecker, ohne zu extrovertiert zu sein. Einfach ein schöner, aromatischer, eleganter Barolo. 93+/100

2017 war gekennzeichnet von einer großen Frostperiode im Frühjahr und von einem warmen Sommer mit langer Trockenperiode. Vom Frost wurden vor allem jene Winzer verschont, die Reben in Hochlagen bewirtschaften. Durch die Trockenheit und Wärme stand im Herbst eine deutlich frühere Lese an als normalerweise, teils vier Wochen früher. Das schöne war, dass Anfang September in den Nächten eine große Kühle herrschte. Wir haben also auf der einen Seite einen warmen, reichen, fruchtbetonten Jahrgang wie 2011 oder 2015. Und gleichzeitig haben wir Frische und Kühle durch den kühlen Herbst und somit auch eine hohe Eleganz, mit seidigen Tanninen. Deshalb ist 2017 ist nicht wirklich vergleichbar, weder mit 2011, das die Kühle nicht hatte, und auch nicht mit 2003 oder 2015. Die klimatischen Bedingungen haben 2017 auch dazu geführt, dass sich in Barolo die verschiedenen Höhenlagen etwas annäherten. Der Jahrgang, mit seiner Frische, Finesse und fruchtstarken Aromatik, dominiert in diesem Jahr 2017 deutlich mehr als in Jahren wie 2016 oder später 2019 und 2020. Ratti hat ausschließlich eigene Barolo-Lagen, ausschließlich in La Morra. Die Basis, Marcenasco, ist das alte Wort für Annunziata. Es ist also der Village-Wein. Die vielleicht beste Lage von Ratti ist Conca, die direkt unterhalb des Weinguts an der Südkante von Annunziata liegt. Etwas größer als ein halber Hektar, hier entstehen sehr maskuline und ausdrucksstarke Weine im Stile eine Cerequio. Die dritte große Einzellage ist Rocche dell’ Annunziata, bekannt für hohe Eleganz und Tiefe. Alle Barolo werden klassisch im Stahl über einen Zeitraum von rund 30 Tagen vergoren. Nach der heißen Fermentation werden die Schalen runtergedrückt. Der Ausbau erfolgt komplett in 1200 Liter und 2400 Liter Fässern aus slawonischer Eiche. Also eine ganz klassische Barolo-Machart. Im Herzen von Annunziata liegt der Rocche. Zusammen mit Arborina ist das sicherlich die berühmteste Lage des Orts. Sie liegt auf rund 200 Metern Höhe. Die Weine wurden sehr früh, Ende September, gelesen. Verglichen mit dem Biodynamiker Roberto Voerzio, der zudem mit sehr geringen Erträgen arbeitet, jedoch fast vier Wochen später. Die Nase des Rocche ist weich, üppig und intensiv. Tolle Aromatik. Viel femininer als der Conca. Auch süße Rosenblätter. Im Finale mit viel Kraft und trotzdem auch mit enormer Eleganz. Rattis Barolo sind wirklich sehr elegant, sehr schick und fein. Und deutlich eleganter als die der Nachbarn Altare und Corino. Hier bei Ratti ist die Eleganz sicherlich die Zielsetzung. Schick, fein und zart, seidige Tannine, lecker. Ein toller Speisebegleiter. Dieser Rocche ist auf jeden Fall eine ganz zarte, feine Versuchung. Er hat nicht diese Power des Conca, sondern ist einfach noch eleganter, noch schicker, und bleibt dabei trotzdem intensiv und aromatisch. Eine Ode an die Freude! 95–96/100

2017 war gekennzeichnet von einer großen Frostperiode im Frühjahr und von einem warmen Sommer mit langer Trockenperiode. Vom Frost wurden vor allem jene Winzer verschont, die Reben in Hochlagen bewirtschaften. Durch die Trockenheit und Wärme stand im Herbst eine deutlich frühere Lese an als normalerweise, teils vier Wochen früher. Das schöne war, dass Anfang September in den Nächten eine große Kühle herrschte. Wir haben also auf der einen Seite einen warmen, reichen, fruchtbetonten Jahrgang wie 2011 oder 2015. Und gleichzeitig haben wir Frische und Kühle durch den kühlen Herbst und somit auch eine hohe Eleganz, mit seidigen Tanninen. Deshalb ist 2017 ist nicht wirklich vergleichbar, weder mit 2011, das die Kühle nicht hatte, und auch nicht mit 2003 oder 2015. Die klimatischen Bedingungen haben 2017 auch dazu geführt, dass sich in Barolo die verschiedenen Höhenlagen etwas annäherten. Der Jahrgang, mit seiner Frische, Finesse und fruchtstarken Aromatik, dominiert in diesem Jahr 2017 deutlich mehr als in Jahren wie 2016 oder später 2019 und 2020. Ratti hat ausschließlich eigene Barolo-Lagen, ausschließlich in La Morra. Die Basis, Marcenasco, ist das alte Wort für Annunziata. Es ist also der Village-Wein. Die vielleicht beste Lage von Ratti ist Conca, die direkt unterhalb des Weinguts an der Südkante von Annunziata liegt. Etwas größer als ein halber Hektar, hier entstehen sehr maskuline und ausdrucksstarke Weine im Stile eine Cerequio. Die dritte große Einzellage ist Rocche dell’ Annunziata, bekannt für hohe Eleganz und Tiefe. Alle Barolo werden klassisch im Stahl über einen Zeitraum von rund 30 Tagen vergoren. Nach der heißen Fermentation werden die Schalen runtergedrückt. Der Ausbau erfolgt komplett in 1200 Liter und 2400 Liter Fässern aus slawonischer Eiche. Also eine ganz klassische Barolo-Machart. Es gibt nur 3.000 Flaschen aus der 0,7 Hektar großen Lage Conca, die direkt unterhalb des Weinguts liegt. Blauer Lehm, sehr ausdrucksstarke und maskuline Weine, ein bisschen mit Cerequio vergleichbar. Der Wein hat eine intensive, hocharomatische Nase. Helle Lakritze, etwas Veilchen, Kalkstein-Andeutung und feines Salz. Hohe Intensität und Frische, rote Frucht. Der Gerbstoff ist schon in der Nase elegant und schick. Aber eben aromatisch – das warme Jahr 2017 eben. Der Mund ist ein Traum. Diese hohe Intensität und Aromatik ist wirklich immens. Viel rote Frucht, Sauerkirsche und Schlehe. Cranberry, aber auch Erdbeere und viel Himbeere, dahinter Marzipan, Lakritze und Veilchen. Hell bleibend, aber intensiv. Das Tannin ist reichlich, aber total seidig. Nichts Rustikales daran, sondern hochelegant, gleichzeitig ein maskuliner Touch. Sicherlich zehn Jahre eher zugänglich als der zuvor probierte 2016er. Ich finde 2017 ist für einen Menschen, der in nächsten 20 Jahren diesen Wein trinken möchte, deutlich vorzuziehen. Ein Traum von einem Barolo, ohne die allergrößten des Fachs erreichen zu können. Schick allemal! 95–97/100

Giacosa

Am frühen Nachmittag ging es weiter nach Neive zu Bruno (heute Tochter Bruna) Giacosa. Jedes Jahr denke ich verblüfft wieder darüber nach, was für eine unglaubliche Ansammlung von Weltklasse Barolo und Barbaresco wir im Programm haben. Ich habe ein wunderbares Burgunder-Portfolio, aber unser Piemont, die Langhe, ist unschlagbar. Und Giacosa ist sowas wie der Rousseau der Langhe. Oder sowas wie Vina Tondonia aus der Rioja. Traditionell bis zum Abwinken, und doch jedes Jahr wieder in der allerersten Reihe. Falletto oder Rocche, Asili oder Rabaja. Egal ob Barolo oder Barbaresco, ob weißes Etikett oder gar Riserva mit »red label«, immer ist der Wein im Jahrgangsvergleich mit in der ersten Reihe.

Dazu einer der besten Arneis und wunderbare Nebbiolo aus Valmaggiore, Dolcetto und Barbera aus Falletto. Der gerade erst vor zwei Jahren gestorbene Vater Bruno, einer der Mitbegründer, oder gar der Begründer des Rufs der Langhe, hat es als Händler, Abfüller und Winzer aufgebaut, die schon lange mitarbeitende Tochter führt die Legende gemeinsam mit dem Kellermeister Dante fort. Die Probe war jedenfalls wie auf einem anderen Stern, ein Ausflug in längst vergessen geglaubte Zeiten. Die Einzigen, die in dieser traditionellen Art der Ultra-Finesse mithalten können, sind Luca Roagna aus Castiglione Falletto und Giuseppe Mascarello aus Monchiero.

Alle Giacosa Weine

Verkostungsnotizen Giacosa

Dieser Falletto hat nichts mit Castiglione Falletto gemein, sondern ist nach den Hängen des Weingutes in Serralunga benannt. Das Weingut von Giacosa liegt hier, alles Eigenbesitz. Diesen Wein gibt es als Falletto (di Serralunga) oder auch manchmal als Rocche di Falletto. Aber das sind eben Serralunga Weine. In den letzten Jahren und für die nächsten Jahre ist dies wohl der absolute Brennpunkt von Barolo. Die besten Erzeuger von Giacomo Conterno, Altare, Vietti bis hin zu Gaja sind alle in Serralunga unterwegs, weil das Terroir so einzigartig ist. Und weil Serralunga diesen Spagat schafft aus der maskulinen Seite von Castiglione Falletto und der Weichheit, der Eleganz aus Monforte. Der Falletto besteht komplett aus eigenen Reben. Der Gesamtweinberg von Giacosa im Falletto umfasst 13 Hektar, davon ist ein Teil im Rocche. 2017 war gekennzeichnet von einer großen Frostperiode im Frühjahr und von einem warmen Sommer mit langer Trockenperiode. Vom Frost wurden vor allem jene Winzer verschont, die Reben in Hochlagen bewirtschaften. Durch die Trockenheit und Wärme stand im Herbst eine deutlich frühere Lese an als normalerweise, teils vier Wochen früher. Das schöne war, dass Anfang September in den Nächten eine große Kühle herrschte. Wir haben also auf der einen Seite einen warmen, reichen, fruchtbetonten Jahrgang wie 2011 oder 2015. Und gleichzeitig haben wir Frische und Kühle durch den kühlen Herbst und somit auch eine hohe Eleganz, mit seidigen Tanninen. Deshalb ist 2017 ist nicht wirklich vergleichbar, weder mit 2011, das die Kühle nicht hatte, und auch nicht mit 2003 oder 2015. Die klimatischen Bedingungen haben 2017 auch dazu geführt, dass sich in Barolo die verschiedenen Höhenlagen etwas annäherten. Der Jahrgang, mit seiner Frische, Finesse und fruchtstarken Aromatik, dominiert in diesem Jahr 2017 deutlich mehr als in Jahren wie 2016 oder später 2019 und 2020. Giacosa Falletto 2017 zeigt sich in der Nase für 2017 – trotz der hohen Aromatik – erstaunlich strukturiert. Extrem geradeaus, wie ein Legobaukasten. Klare Definition – was ist oben, was ist unten, was ist an der Seite. Enormer Geradeauslauf. Und was ich schon im Barbaresco Rabaja bemerkte, ist auch im Barolo Falletto der Fall: die Tannine sind extrem ausgeprägt. Nicht bäuerlich, sondern fein, aber massiv vorhanden. Ich hatte auf meiner Reise noch keinen Erzeuger vor Giacosa, bei dem die 2017er Tanninstruktur so ausgeprägt ist. Der Geradeauslauf ist immens, trotzdem haben wir die 2017er Aromatik, die so verspielt ist. Dazu die Fruchtintensität. Dieser Barolo braucht einige Jahre Zeit, das ist schon mal sicher. Nach zehn Jahren wird er aber über seine aromatische Feinheit und seine verspielte Duftigkeit ein wunderschöner Wein werden. Fast noch etwas feiner und seidiger in der Tanninstruktur als der Barbaresco Rabaja, den ich zuvor probiert habe. Auf jeden Fall eine Schönheit, da gibt es kein Vertun. 97–98/100

Diese Riserva ist im An- und Ausbau wie immer genau gleich wie das weiße Label. Nur hat das rote Label zusätzlich 30 Monate Flaschenlager. In der ganzen Machart sind das weiße und das rote Label aus Rocche gleich, nur die Zeit die der Wein bekommt macht den Unterschied. Das heißt lange Maischegärung und Malo im Stahltank und dann circa dreijähriger Ausbau im großen Holzfass wie immer bei Giacosa. Es kommt immer wieder vor, dass Giacosa diese Red Labels, die ja auch deutlich teurer sind, in Jahren macht von denen man es überhaupt nicht erwartet hätte. 2014 ist auch so ein Fall. Aber da ist er ja mit Roagna und auch einigen anderen, die Feinheit und Finesse schätzen nicht alleine, für die war es ein überragendes Jahr. Und so wertet Giacosa zu meinem Erstaunen und dem vieler anderer, tatsächlich höher als 2015. Vielleicht ist ihm 2015 einfach zu lieb, zu warm, zu charmant. Dieser 2014 kommt als Riserva entsprechend geradliniger rüber als der zuvor probierte 2015er Le Rocche mit weißem Etikett. Er hat nicht ganz so charmante, überbordende Frucht. Aber die gleiche Fruchtart, kann ja auch nicht anders sein. Auch hier sind wir bei Himbeere, Erdbeere, Johannisbeere, aber noch mehr feine Kirsche darunter. Der Wein ist etwas schwebender, etwas weniger wuchtig in der Süße. Der Wein ist noch feiner, hat noch mehr Schliff, ist noch verspielter. Er ist nicht so erotisch, weniger rund und süß. Er ist länger, feiner, eleganter, verspielter. Das Tannin ist nochmal etwas zarter. Ich finde ihn anders, aber nicht zwingend viel besser, deshalb bewerte ich ihn nicht höher als 2015. Aber viel höher kann man ja auch nicht kommen, wenn man Barolo in dieser Klasse liebt, wenn man dieses Chambolle-artige liebt, wie es Giacosa wie kaum ein anderer verkörpert und auf die Flasche bringt. Das ist Hochgenuss in raffinierter Feinheit. 98–100/100

Vom Rabaja gibt es bei Giacosa nur 0,6 Hektar, aber alles Eigenbesitz. Die Lage sitzt mit Südwest-Exposition etwas 250 Meter über N. N. Das ist sicher die berühmteste Lage neben Asili in Barbaresco. Überwiegend Lehm mit Kalkstein, in der Regel etwas massiver werdend als der feinere Asili. Die Reben sind im Durchschnitt 20 Jahre alt und stehen mit 4.000 Stöcken pro Hektar. Rund 20 Monate im großen Holzfass ausgebaut wie bei Giacosa üblich und dann nochmal weitere 17 Monate Flaschenreife im Weingut bevor der Wein ausgeliefert wird. 2017 war gekennzeichnet von einer großen Frostperiode im Frühjahr und von einem warmen Sommer mit langer Trockenperiode. Vom Frost wurden vor allem jene Winzer verschont, die Reben in Hochlagen bewirtschaften. Durch die Trockenheit und Wärme stand im Herbst eine deutlich frühere Lese an als normalerweise, teils vier Wochen früher. Das schöne war, dass Anfang September in den Nächten eine große Kühle herrschte. Wir haben also auf der einen Seite einen warmen, reichen, fruchtbetonten Jahrgang wie 2011 oder 2015. Und gleichzeitig haben wir Frische und Kühle durch den kühlen Herbst und somit auch eine hohe Eleganz, mit seidigen Tanninen. Deshalb ist 2017 ist nicht wirklich vergleichbar, weder mit 2011, das die Kühle nicht hatte, und auch nicht mit 2003 oder 2015. Die klimatischen Bedingungen haben 2017 auch dazu geführt, dass sich in Barolo die verschiedenen Höhenlagen etwas annäherten. Der Jahrgang, mit seiner Frische, Finesse und fruchtstarken Aromatik, dominiert in diesem Jahr 2017 deutlich mehr als in Jahren wie 2016 oder später 2019 und 2020. Giacosa macht den Rabaja fast nie als Riserva, sondern immer als normalen Barbaresco. 2016 war ein Long-Distance-Wein. 2017 ist vielleicht nicht ganz so ätherisch-abgehoben wie Asili, aber ähnlich fein und schick. Extrem feine Nase. Helle Lakritze, ein bisschen helle Veilchen, Kirschen dazu. Sehr aromatisch. Wie 2017 so ist, eben ganz fein und sehr duftig. Im Mund merkt man dann den Unterschied. War der Asili noch komplett auf der Leichtigkeit, auf der Verspieltheit laufend, so ist der Rabaja doch deutlich maskuliner. Viel Grip, jetzt auch dunkle Lakritze, schwarze holländische Lakritze und auch schwarze Früchte. Dazu Holunder, ein bisschen Brombeere, Cassis und Schwarzkirsche. Viel Kraft, erstaunlicherweise von der Tanninstruktur eher an 2016 als an 2017 erinnernd. Große Länge mit viel Schub hintenraus – erstaunlich für 2017. Dazu aber die hohe Aromatik, die Feinheit. Die Tannine sind nicht bäuerlich, sondern fein, nur eben massiv. Ziemlich viel Druck. 97–98/100

Der Weinberg ist 2,5 Hektar groß, die Exposition ist Süd, Südwest. Alles liegt auf 250 Höhenmetern. Das Terroir ist überwiegend Kalkstein mit weißem Lehm und einem Teil Sand dazu. Dies macht auch die Feinheit des Weines aus. Die Reben sind ungefähr 20 Jahre alt. Gut 4000 Stöcke pro Hektar. Der Wein wird im Stahl fermentiert. Die malolaktische Vergärung erfolgt ebenfalls dort. Danach geht der Wein für 18 Monate in große, französische Eiche. Asili, 2017 normal erzeugt, ist 2016 eine Riserva. 2016 ist eines der größten Jahre in der Geschichte des Piemonts und eine Riserva von Giacosa so ziemlich der Gipfel des Erreichbaren. Die Riserva ist nach zwei probierten 2017ern, Falletto und Rabaja, natürlich ein Weg zurück in die Long-Distance-Tanninstruktur. Der Wein ist unglaublich verschlossen und schon in der Nase strukturiert. Natürlich zeigt er Lakritze und Veilchen, rote und schwarze Frucht. Aber er zeigt auch Salz, Gestein, Terroir. Die Aromatik ist etwas verhalten, es ist eben 2016. Der Wein braucht viele, viele Jahre. Im Mund zeigt sich der Wein total dicht, hat Tannine bis zum Abwinken, aber total seidige Tannine, nur unendlich viel. Alles wird belegt, die Augen ziehen sich zusammen, die Zunge rollt sich. Was für ein Monster in Intensität, in Tannin, aber auch gleichzeitig in Feinheit. Der Wein steht für Minuten. Noch drei Minuten später rollt er immer wieder hoch. Bitte diesen Wein 20 Jahre in den Keller legen. Das ist was für die Ewigkeit und sicherlich einer der größten Barbaresco, die ich in meinem Leben probiert habe. Immer wieder neue Eindrücke. Hochkomplex und von Frucht über Tannin, Terroir Salz und Säure ist alles da und alles ist reichlich. Trotzdem ist der Wein überhaupt nicht fett. Er ist unendlich fein, nur dramatisch intensiv und verschlossen. Einer meiner größten bisher probierten Weine im Piemont. Ein Riese! 100+/100

Produttori del Barbaresco

Den Tag beschießen wir in Barbaresco, bei den Produttori del Barbaresco, mitten im Ort, an der höchsten Stelle gelegen. Es gibt weltweit nur ganz wenige Genossenschaften, die so beständig in der Weltspitze unterwegs sind. Es sind auch gar nicht so unendlich viele Genossen, die sich letztlich die hervorragenden kommerziellen Ergebnisse teilen müssen.

Aldo Vacca, der gewählte Boss, hält den Laden hervorragend zusammen. Bei jeder Lese wird jeder nur nach der Qualität der eingelieferten Trauben entlohnt. Neun der besten Einzellagen des Barbaresco zählen dazu, wenn möglich separat abgefüllt. Man muss sich viele Jahre anstellen um in den Bezug dieser Weine zu kommen. Erst 2014/2015 war ich nach langer Wartezeit dabei. Der Basis-Barbaresco hat bei seiner hervorragenden Qualität zumindest preislich keinerlei Konkurrenz, auch die Lagen sind unendlich fein und individuell und auch die sind ziemlich günstig. Finden ist hier die Kunst, nicht das Bezahlen …

Alle Produttori Weine

Verkostungsnotizen Produttori

2017 war gekennzeichnet von einer großen Frostperiode im Frühjahr und von einem warmen Sommer mit langer Trockenperiode. Vom Frost wurden vor allem jene Winzer verschont, die Reben in Hochlagen bewirtschaften. Durch die Trockenheit und Wärme stand im Herbst eine deutlich frühere Lese an als normalerweise, teils vier Wochen früher. Das schöne war, dass Anfang September in den Nächten eine große Kühle herrschte. Wir haben also auf der einen Seite einen warmen, reichen, fruchtbetonten Jahrgang wie 2011 oder 2015. Und gleichzeitig haben wir Frische und Kühle durch den kühlen Herbst und somit auch eine hohe Eleganz, mit seidigen Tanninen. Deshalb ist 2017 ist nicht wirklich vergleichbar, weder mit 2011, das die Kühle nicht hatte, und auch nicht mit 2003 oder 2015. Die klimatischen Bedingungen haben 2017 auch dazu geführt, dass sich in Barolo die verschiedenen Höhenlagen etwas annäherten. Der Jahrgang, mit seiner Frische, Finesse und fruchtstarken Aromatik, dominiert in diesem Jahr 2017 deutlich mehr als in Jahren wie 2016 oder später 2019 und 2020. Der Barbaresco der Produttori ist generell einer der duftigsten überhaupt. Aber 2017 ist einfach die Krönung der Jahre, die ich probiert habe. 2017 ist so duftig, so aromatisch, so unendlich fein und verspielt. Ganz helle Lakritze neben satter Erdbeere, noch viel mehr Himbeere. Ein ganz kleiner Hauch süße rote Kirsche darunter, weich und delikat. Schon die Nase ist lecker, zum Reinspringen. Der Mund ist unglaublich delikat. Grandiose Frische – das ist eben 2017. Hohe Reife, hohe Aromatik, intensiv und lang. Ganz feines Salz, ganz feine helle Lakritze, helle Veilchen dazu. Der Wein steht für zwei Minuten und kommt mit einer genialen Säure wieder hoch. So fein, so verspielt! Das ist einfach kein großer Wein zum Niederknien, aber dieser Barbaresco ist die wahrscheinlich schönste Form eines Nebbiolo d’Alba, die man sich vorstellen kann. Und im Preis-Leistungs-Verhältnis einfach nur noch schick. Ich bin ganz begeistert, was für eine Schönheit, was für eine Delikatesse! 94–95/100

2016 Barbaresco Muncagota Riserva

Muncagota liegt auf der Spitze eines Hügels, von Barbaresco Richtung Neive gehend. Es ist die höchste Lage überhaupt in Barbaresco, an die 400 Meter. Komplett kühl und windig, nach Osten exponiert. Die Böden bestehen aus weißem Lehm. Ein Extrem! Die Nase ist fast leicht, aber aromatisch. Mehr rote als schwarze Frucht, nur ein kleiner Hauch Lakritze und Veilchen. Sehr ätherisch. Fast rasiermesserscharfer Mund. Die Frische ist überwältigend, die Säure ist grandios. Der Wein hallt mit seiner großen Frische und Feinheit lange nach. Er hat nicht ganz diese spielerische Leichtigkeit wie der Rio Sordo, er hat mehr Kraft, was am weißen Lehm liegt. Aber er ist trotzdem tänzelnd und hat eben diese Säure der Morgensonne. Ihm fehlt die Wucht des Montefico, oder positiv ausgedrückt: er hat nicht diese Belastung, sondern das Spielerische, zusammen mit der Kraft aus dem weißen Lehm. 94–95+/100

Die Lage Rio Sordo liegt im Süden des Barbaresco-Gebiets, Richtung Treiso. Es ist eine überwiegend sandige, nach Süden exponierte Lage, mit ein bisschen Lehm-Einsprengseln. Ein Tal, das direkt vom Fluss Tanaro hochläuft, hat großen Einfluss. Insgesamt ist Rio Sordo eher eine leichtere, verspieltere Lage innerhalb der Crus von Barbaresco. Nur zwei Winzer liefern die Trauben für den Wein ab. 2016 ist das Jahr der Jahre bisher im Piemont. Aber ist ein Jahr für die Ewigkeit, ein Jahr, um darauf zu warten. Für mich persönlich ist 2017 in Barbaresco für die nächsten 10, 15 Jahre eindeutig das spannendere Jahr. Es ist aromatischer, feiner, seidiger. Aber 2016 ist natürlich extrem klassisch. Die Nase des 2016er Rio Sordo ist sehr verschlossen, wie ein Baukasten. Links, rechts, oben, unten – ganz sauber definiert. Lakritze, rote, schwarze Frucht, ganz sauber geschnitten, wie aus einem Block. Im Mund dann deutlich feiner rüberkommend. Das Tannin ist zwar sehr präsent, total seidig, nichts Bäuerliches, aber eben präsent. Für Minuten stehend, immer wieder hochrollend mit grandioser Frische, mit Tanninen und Terroir, vom Sandigen kommend, also ganz fein. Extrem verspielter Barbaresco, der aber mindestens fünf, besser zehn Jahre Zeit braucht, um zu seiner großen Stärke zu finden. Und das wird ganz sicher eine totale Verspieltheit sein. Ein wunderschöner Riserva. Kein Riese, aber einfach nur schön – wenn man ihm zehn Jahre Zeit gibt. 95–96/100

Montefico liegt zwar näher am Fluss Tanaro als die zuvor probierte Lage Rio Sordo, aber es liegt ein 200 Meter hoher Berg zwischen dem Weinberg und dem Fluss. Das heißt, es gibt eine totale Abschottung gegen den Tanaro und damit keine Einflüsse des kühlen, feuchten Flusses. Montefico ist eine sehr kleine Lage, sehr kompakt und komplett nach Süden exponiert. Es gibt nur fünf Hektar, die Reben stehen auf weißem Lehm. Insgesamt liefern nur drei Erzeuger die Trauben ab. Der Montefico ist das Gegenstück zum Rio Sordo, der so extrem fein, leicht und filigran ist. Montefico ist aufgrund seiner Lage, der Böden und der Hitze das komplette Gegenteil. Das ist die Power schlechthin. Und das in größten Jahr der Geschichte von Barbaresco. Die Nase ist verschlossen, aber intensiv. Es schiebt nicht mit komplexen Noten, sondern einfach mit satter, reicher, warmer Frucht. Mit viel Gerbstoff und Terroir, satter Lakritze, schwarzer Frucht, Holunder, Brombeere, Cassis und schwarzer Kirsche. Ganz viel Druck, aber nicht sehr differenziert, dafür ist er zu dicht. Im Mund ein Ereignis, ein Ereignis der dritten Art, weil es einfach so ein genialer Schub ist, der über die Zunge läuft. Massen von Salz, Massen von Gestein, Massen von ultrageschliffenem, aber sehr präsentem Tannin. Ich hatte kurz vorher den Barbaresco Rabaja von Giacosa, damit kann dieser Produttori locker mithalten. So eine brachiale Intensität, trotzdem ist der Wein das Gegenteil von rustikal. Es ist eine unglaubliche Feinheit, mit unglaublich Schub gleichermaßen. Bitte 10, 15 Jahre Zeit geben, vielleicht sogar 20. Das ist ein genialer Barbaresco mit langem Leben. 97–100/100

Pio Cesare

Mittwoch 21.10.2020 morgens um 9 Uhr nach Alba, Weingut Pio Cesare. Die Familie Pio betreibt dieses, mitten in Alba gelegene Weingut, seit Generationen. Ein historisches Gebäude und ein noch viel historischer Keller. Mit unglaublichen Wein-Schätzen der Jahrhunderte. Auch die Weinbereitung und Vergärung geschieht mehr als traditionell. Wir wären nicht erstaunt gewesen, noch einen echten Römer anzutreffen. Wir trafen aber lieber Papa und Tochter Pio. Ich kenne die Weine schon so lange, aber ich arbeite erst drei Jahre mit ihnen. Nach diesem Besuch bereue ich ähnlich wie bei Ratti und Cavalotto mein langes Zögern. Große Weine aus Barolo und Barbaresco, grandiose Lagen, Frische und Eleganz.

Diese drei Traditionalisten machen so ungeheuer saftige, intensive und geschliffene Weine. Traditionell im großen Fass vergoren und ausgebaut. Aber alle drei sind erfahrene Könige im Weinberg. Und Sympathie trinkt natürlich auch mit, drei Betriebe, die ich nicht mehr missen möchte. Es ist schon auch verblüffend für mich, dass ich in jungen Jahren überall, in Spanien, Piemont, Burgund, Bordeaux, die Modernisten bevorzugt habe. Und je älter ich werde, desto mehr schätze ich die unglaubliche Bekömmlichkeit und seidige Trinkigkeit, den Hedonismus der traditionellen Betriebe, zumindest der Weltklasse in der Tradition.

Alle Pio Cesare Weine

Alte Schätze

Verkostungsnotizen Pio Cesare

2017 war gekennzeichnet von einer großen Frostperiode im Frühjahr und von einem warmen Sommer mit langer Trockenperiode. Vom Frost wurden vor allem jene Winzer verschont, die Reben in Hochlagen bewirtschaften. Durch die Trockenheit und Wärme stand im Herbst eine deutlich frühere Lese an als normalerweise, teils vier Wochen früher. Das schöne war, dass Anfang September in den Nächten eine große Kühle herrschte. Wir haben also auf der einen Seite einen warmen, reichen, fruchtbetonten Jahrgang wie 2011 oder 2015. Und gleichzeitig haben wir Frische und Kühle durch den kühlen Herbst und somit auch eine hohe Eleganz, mit seidigen Tanninen. Deshalb ist 2017 ist nicht wirklich vergleichbar, weder mit 2011, das die Kühle nicht hatte, und auch nicht mit 2003 oder 2015. Die klimatischen Bedingungen haben 2017 auch dazu geführt, dass sich in Barolo die verschiedenen Höhenlagen etwas annäherten. Der Jahrgang, mit seiner Frische, Finesse und fruchtstarken Aromatik, dominiert in diesem Jahr 2017 deutlich mehr als in Jahren wie 2016 oder später 2019 und 2020. Pio Cesare war einer der ersten Chardonnay-Pioniere im Piemont. Die Reben stehen in Barbaresco und wurden 1991 gepflanzt. Zunächst 1,5 Hektar, inzwischen sind es 3,5 Hektar. Von Anfang an war dieser Wein als Single-Vineyard Chardonnay konzipiert. 2000 wurde dann auch ein bisschen Chardonnay in Serralunga gepflanzt, der hier auch dazugegeben wird. Der 2017 enthält damit drei viertel Barbaresco und ein viertel Serralunga. Die Entwicklung des Chardonnays wurde mit Hilfe der Freunde vom Weingut Robert Mondavi eingeleitet. Diesen Einfluss spürt man auch deutlich. Anders als bei Aldo Conterno oder Gaja haben wir hier einen relativ starken Holzeinfluss. Die Fermentation wird im Stahl gestartet, nach einem Tag wird der Most in Barriques überführt. Der Wein ist zunächst komplett im gebrauchten Holz fermentiert und ausgebaut. Nach neun Monaten kommt der Wein in andere Barriques, ein Drittel neu, ein Drittel Zweitbelegung, ein Drittel Drittbelegung. Danach bleibt der Wein weitere 10 Monate bis ein Jahr auf der Flasche, bis er auf den Markt kommt. Deutliche Holznote in der Nase. Schon ein US-Touch. Sehr weich, eher USA als Burgund. Hohe Intensität. Vanille, reife Quitte, reife Williams Birne. Dann kommt ein bisschen weißer Pfirsich. Trotz des Holzeinflusses ein sehr schöner und charmanter Wein. Es werden nur 10.000 Flaschen produziert. Im Mund hat der Wein deutlich mehr Grip als in der Nase. Schöne Länge, Mineralität zeigend. Das Barbaresco-Terroir kommt durch, feine Salzspur. Sicherlich für fast zwei Minuten stehend. Guter Nachhall. Ein moderner Chardonnay, aber trotzdem mit persönlichem Kick. Gefällt mir sehr gut, ohne, dass er ganz groß ist. 94/100

Der Barbera d’Alba von Pio Cesare ist ein Blend aus elf verschiedenen Plots in Barolo, Barbaresco und der allgemeinen Langhe. Der Wein wird im Stahl vergoren und dann zu einem Großteil im 3.000 Liter Holzfass und zu einem kleinen Teil im Barrique ausgebaut. Ein sehr feiner Barbera, erstaunlich wenig Schoko. Auch für 2018 nicht so extrem wuchtig und üppig. Feine rote und schwarze Frucht. Gute Balance und viel Finesse, sehr schöne Säure und Frische. Mittlere Länge. Ein sehr feiner, hedonistischer, leckerer Barbera, ohne Größe, aber für einen gehobenen Alltagswein allemal sehr schick. Im Nachhall deutlich Sauerkirsche und insgesamt rote Früchte. Etwas Waldhimbeere kommt durch. Sehr schicker Wein, sehr gut zu trinken und überhaupt nicht rustikal, sondern ein feiner, geschliffener Barbera. 92+/100

Der Il Bricco wächst auf der höchsten, windigsten und kühlsten Lage in Barbaresco überhaupt. Die Lage befindet sich bei Treiso, also nicht am Ort Barbareso. Der Wein strahlt eine Abgehobenheit sondergleichen aus. Ein bisschen elfenhaft. Feine Marzipannoten, helle Lakritze, ganz feine schwarze Kirsche. Ein bisschen Schlehe dahinter, aber unendlich fein und verspielt. Im Mund eine geniale Länge und Frische. Die Augen ziehen sich zusammen. Der Wein hat alles was ein großer Barbaresco braucht. Und er hat im Gegensatz zu Barolo eine unendliche Feinheit. Leicht sandige Tannine, für Minuten stehend und immer wieder hochrollend. Ein bisschen Hagebutte, Schlehe, Marzipan und Lakitze darunter. Erstaunlich viel Kraft, immer mehr aufbauend. Es ist schon ein großer Schritt vom normalen Barbaresco zu diesem Il Bricco. Das gehört zu den großen Weinen in 2016 und er kann locker mit den großen Lagen-Barbaresco Riserva von Produttori mithalten. Ich bin sehr begeistert! Ein extrem schöner Stoff. 97–98/100

Dieser Barolo ist ein Blend aus fünf verschiedenen Crus. Ravera aus Novello, Gustava aus Grinzane Cavour, Ornato aus Serralunga, Mosconi aus Monforte und Roncaglie aus La Morra. Im Hause Pio Cesare hat man von Alters her auf den Blend-Barolo geschworen, wie das auch immer noch Bartolo Mascarello und andere machen. Es handelt sich hier um den Barolo 2016. Und 2016 ist nicht nur bei Pio gelungen, sondern bei allen Winzern. Aber dieser Pio Cesare ist ausgesprochen harmonisch. Ein extrem schöner Blend. Alles passt zueinander. Dichte, reiche Frucht, ohne Fett, eher fein. Dichter, reicher Mund und gleichzeitig schlank in der seidigen Tanninstruktur. Geniale Länge, Säure und Frische. Rote Frucht hintenraus. Ein sehr schicker, schlanker, harmonischer, balancierter Barolo, aber eindeutig aus der ersten Reihe. Serralunga scheint mehr zu dominieren, das heißt, wir haben hier auch durchaus einen maskulinen Touch. Aber insgesamt ist die Balance das Überragende bei diesem sehr ausgeprägten Wein, der für zwei Minuten steht und hintenraus mit einer Kalkstein-Salzspur kommt. Der Wein hat Druck, Länge und eine fast rasiermesserscharfe Mineralität. Vor allen Dingen aber eine große Harmonie. Das ist Barolo in seiner feinsten Art. Der Wein muss zehn Jahre warten, aber er ist auf jeden Fall extrem schick und archetypisch für die Appellation. Ich bin sehr angetan! 95+/100

Ornato ist eine Lage in Serralunga. Sie liegt in 380 Metern Höhe und hat die Form eines Amphitheaters. Die Reben sind nach Süden, Südwesten und auch ein bisschen nach Südosten exponiert. Hauptsächlich Kalksteinböden mit ein bisschen Kreide und weißem Lehm. Auch ein ganz kleines bisschen Sand. Ganz klassisch Serralunga eben. Serralunga hat 2016 in der gesamten Länge eigentlich den Vogel abgeschossen, noch vor Castiglione Falletto. Diese uralten Terroirs sind ziemlich perfekt. 2016 ist wie alle 2016er sehr verschlossen wie ein Baukasten mit Legosteinen. Links, rechts, oben, unten – alles ist sauber definiert. Satte, reiche rote Frucht, mit Marzipan und Lakritze. Aber nichts Ausuferndes, sondern einfach ein extremer Geradeauslauf. Im Mund zeigt der Wein eine geniale Frische und immense, extrem seidige Tanninmassen. Serralunga lässt wirklich grüßen. Über Gajas Sperss, Luigi Pira und Giacomo Conterno – es ist so klar, dass die besten Erzeuger in dieser Gemeinde zu Hause sind. Der Ornato hat sowohl eine überragende Harmonie als auch eine hohe Intensität und eine seidige Tanninstruktur. Das Ganze ist mit viel roter Frucht unterlegt. Es ist kein Barolo zum Niederknien, es ist einfach nur ziemlich perfekt in der harmonischen Ausrichtung. Und das in einem ganz großen Jahr. Sehr schicker Stoff! 97–98/100

Dieser Mosconi kommt aus Monforte. Ist ein Nachbarberg vom Ginestra. Es gibt nur ganz wenige Mosconi-Erzeuger. Neben Pio Cesare hauptsächlich Conterno Fantino. Es ist eine Lage, die in den letzten Jahren auch dem Ginestra ein wenig den Rang angelaufen hat aufgrund der noch größeren Frische und Eleganz. Der Wein hat eine superstrukturierte Nase. Sehr viel rote Frucht, aber nicht ausufernd. Sehr verhalten, aber sehr klar und definiert. Ich bin final nicht sicher, ob der Ornato aus Serralunga oder der Mosconi aus Monforte der stärkere Wein ist. Vielleicht der Ornato. Aber dieser Mosconi ist auch extrem gelungen, weil er so grandios balanciert ist mit dieser wunderbaren rotfruchtigen Frische und Länge. Es fehlt vielleicht der letzte Dampf aus Serralunga, um ihn gleichwertig zu machen, aber es ist allemal ein großer Barolo für ein langes Leben. 97–98/100

Cavallotto

Um 11.30 Uhr gleich hinterher dann Cavalotto. Im Aufstieg nach Castiglione Falletto gelegen. Bricco Boschis. Eine einzige große Einzellage, ein 20 Hektar-Monopol in der Klasse der nahen Lage Villero. Weißer Lehm, etwas Kalkstein und sandige Böden, typisch Castiglione. Der hochsympathische und weltoffene Alfio Cavallotto ist der Primus inter pares innerhalb der drei Geschwister, die das Weingut von den Eltern in ungezählter Generation übernommen haben. Handarbeit und winzige Erträge je Stock, die Grundlage großer Weine. Weil alles in einem großen Weinberg um das Gutshaus herum liegt, fällt die Arbeit etwas einfacher. Im Keller läuft alles traditionell. Hier wird ganz traditionell im Ausbau nur mit großen Holz-Fässern gearbeitet und bis zur späten Füllung lange ausgebaut. Ein archetypischer Barolo-Stil, wie ihn auch die Mascarellos, Vietti, Giacosa oder Brovia pflegen.

Cavallotto
Alfio

Nach der alkoholischen Vergärung weitere 4 Wochen auf den Schalen verbleibend, der Tresterhut wird dazu mittels einer Holzscheibe ganz nach unten gedrückt, das gibt weichere Tannine. Hier wird ausschließlich in großen Fässern bis zu 10.000 Litern aus slawonischer Eiche ausgebaut. Alles komplett zu 100 % entrappt und im Stahl spontanvergoren. Dadurch und durch den reinen Ausbau im großen Holz haben die Weine von Cavallotto immer einen Hauch mehr flüchtige Säure als wenn Reinzuchthefen verwendet werden würden. Der Wein stammt vollständig aus der direkt am Haus liegenden, südwestlich ausgerichteten Lage Bricco Boschis. Von diesem Lagen-Barolo werden rund 30.000 Flaschen gefüllt, dennoch ist er heiß begehrt und immer ausverkauft. Aus dieser Lage werden auch zwei kleinere Einzellagen separat vinifiziert, Lagen mit unterschiedlicher Schwerpunktsetzung des Terroirs und länger im Fass bleibend. Also Riserva, Cru Vignolo und Cru Santo Steffano – erst drei Jahre nach dem Bricco Boschis auf den Markt kommend. Ob man das vorzieht, muss jeder für sich selbst entscheiden, mehr an der Frucht des Bricco, oder die sehr kraftvollen Riservas, diese sind zugleich etwas oxidativer und dabei auch wahnsinnig raffiniert, das geht zumindest in Richtung »red label« bei Giacosa.

Alle Cavallotto Weine

Verkostungsnotiz Cavallotto

Vignolo ist eine etwas tiefer gelegene Lage auf dem Weg hoch Richtung Castiglione Falletto, auf der rechten Straßenseite. Der Weinberg liegt auf gut 200 Metern Höhe. Wir haben hier überwiegend Kalkstein mit ein bisschen Sand. Die Stöcke sind gut 50 Jahre alt. Beide Riserva bei Cavallotto liegen fünf Jahre unbewegt und unberührt im Holz. Die 2015er, die ich jetzt probiere, sind auch eine Woche vor der Füllung. Wie bei Cavallotto üblich, haben wir auch hier eine leichte Volatilität in der Nase, das gibt sich aber später. Der Mund ist noch feiner als Bricco Boschis. Wunderschöne Frische und Säure. 2015 ist nicht ganz so tänzelnd wie 2017, sondern etwas runder. Sehr angenehm, sehr harmonisch und eine tolle Balance zeigend. Ein sehr schicker, ausgewogener Barolo, aber nicht ganz die Größe wie der San Giuseppe oder der Bricco Boschis. 95–96+/100

2017 war gekennzeichnet von einer großen Frostperiode im Frühjahr und von einem warmen Sommer mit langer Trockenperiode. Vom Frost wurden vor allem jene Winzer verschont, die Reben in Hochlagen bewirtschaften. Durch die Trockenheit und Wärme stand im Herbst eine deutlich frühere Lese an als normalerweise, teils vier Wochen früher. Das schöne war, dass Anfang September in den Nächten eine große Kühle herrschte. Wir haben also auf der einen Seite einen warmen, reichen, fruchtbetonten Jahrgang wie 2011 oder 2015. Und gleichzeitig haben wir Frische und Kühle durch den kühlen Herbst und somit auch eine hohe Eleganz, mit seidigen Tanninen. Deshalb ist 2017 ist nicht wirklich vergleichbar, weder mit 2011, das die Kühle nicht hatte, und auch nicht mit 2003 oder 2015. Die klimatischen Bedingungen haben 2017 auch dazu geführt, dass sich in Barolo die verschiedenen Höhenlagen etwas annäherten. Der Jahrgang, mit seiner Frische, Finesse und fruchtstarken Aromatik, dominiert in diesem Jahr 2017 deutlich mehr als in Jahren wie 2016 oder später 2019 und 2020. Der direkt um das Weingut gelegene »Bricco Boschis« ist das Flaggschiff von Cavallotto in Castiglione Falletto. Es ist eine uralte historische Lage und seit Gründung des Weinguts im Jahr 1928 im Familienbesitz. Bricco Boschis steht fast ausschließlich auf weißem Lehm, teilweise mit Mineraleinsprengseln, also weißgelber und weißgrauer Lehm. Die klassische und beste Barolo-Terroirausprägung hier. Die Lage befindet sich ziemlich in der Mitte des gesamten Barologebietes auf 335 Metern Höhe und ist nach Südwesten und Südosten exponiert. Ab und zu ist der Lehm durchzogen von sandigen Anteilen, was auch für ein bisschen Feinheit sorgt, sonst wäre der Wein wahrscheinlich zu maskulin. Wie immer hier bei Cavallotto haben die Weine hier einen ganz leichten Hauch Volatilität. Der Ausbau im großen Slawonischen Eichenfass ist dafür verantwortlich. Im Laufe des Alterungsprozesses ist das völlig normal. Der Wein wird Anfang November 2020 abgefüllt, wir verkosten den Wein also am Ende der Ausbauzeit. 2017 ist sehr aromatisch, sehr duftig und fein. Der Mund ist sehr klar, rein und sauber. Bricco Boschis wurde zwischen Ende September und Anfang Oktober geerntet, also zum Beispiel vier Wochen später als die Weine von Roberto Voerzio. Aber eigentlich im normalen Bereich bei den Traditionalisten. Wir haben also die kühlen Nächte des Septembers, die dem Wein eine unglaubliche Frische verleihen. Wunderschöne rote, zarte Frucht. Zarte Sauerkirsche mit ein bisschen roter Johannisbeere. Nur minimal süße Kirsche, leichte helle Lakritze dahinter und Veilchen. Aber alles im eleganten, seidigen Bereich. Auch die Tannine sind spielerisch, nicht hart, bäuerlich oder rustikal. 2017 ist ein extrem feines und aromatisches Jahr, mit so zugänglichen Tanninen. Dieser Barolo wird viele Jahre, vielleicht ein Jahrzehnt, früher trinkbar sein als der 2016er Jahrgang. Und trotzdem ist es ganz ohne Zweifel ein großer Barolo. Mehr noch: es ist ein wunderschöner, klassischer Barolo, mit viel Wärme, Eleganz, großer Frische und Seidigkeit. Ein archetypischer Barolo aus dem Modellbaukasten. Sehr schöner Wein! 96–97/100

San Giuseppe ist ein Teil aus der Großlage Bricco Boschis. Es ist der älteste Teil mit den ältesten Reben. Es gibt nur ungefähr 8.000 Flaschen von diesem Wein, der fünf Jahre im großen Holz aus slawonischer Eiche ausgebaut wird. Die Reben sind mehr als 50 Jahre alt. Der San Giuseppe ist im Grunde eine Auskopplung aus dem Bricco Boschis mit längerem Ausbau. Der Wein befindet sich jetzt im Oktober 2020 kurz vor der Füllung. Nach den fünf Jahren im Holz zeigt er sich leicht volatil, was hier bei Cavallotto die typische Eigenschaft ist. Das gibt sich, die Weine werden extrem langlebig und stabil. Eine sehr schöne rote Frucht, helle Lakritze, sehr fein in der Nase. Wunderbare Harmonie im Mund, total balanciert, frische rote Frucht, etwas Marzipan, Veilchen und andere Blumigkeiten. Sehr schick, extrem hedonistisch, schon jetzt, nach fünf Jahren, ziemlich auf den Punkt treffend. Genau so soll Barolo sein, genau so kann Barolo sein. Diese Auskopplung aus dem Bricco Boschis gefällt mir extrem gut. Auch wenn ich mir vorstellen kann, dass 2016 und 2017 noch interessanter sind. Der 2015er ist fast zu harmonisch, aber letztlich ist das genau was man anstrebt. Es ist ein Modell-Barolo, wie er sonst nur bei Bartolo Mascarello existiert. Alles passt und das Ganze hat einen Hang zu Größe ob seiner großen Harmonie. 97–98+/100

Cogno

Zum Mittag sind wir eingeladen bei Elvio Cogno in Novello. Eigentlich ein historisch in La Morra gelegenes Weingut, aber ein Zwist unter den zwei Besitzern ließ Elvio mit seiner Tochter Elena und ihrem Ehemann Valter Fissore umziehen nach Novello. Novello liegt zwischen La Morra und Monforte, oberhalb von Barolo. Zum Glück besitzen die Cognos (oder heute Fissores, das Weingut läuft aber weiter unter Elvio Cogno) den größten Teil (schon fast Monopolcharakter) der besten Lage Novellos. Ravera. Eine Lage, deren Charakter eher Monforte denn La Morra ändert, stilistisch in Ausdruckskraft und Finesse fast Bussia ähnelnd. Der Ravera der Cognos wie auch Viettis Ravera wurde mehrfach mit 97 bis 100 Punkten ausgezeichnet. Bei Cogno bin ich mir nach dieser hier durchgeführten Probe noch nicht einmal sicher, ob der von Parker mit 97+ ausgezeichnete 2016er wirklich besser ist als der fruchtstarke Blockbuster 2017.

Hinzu kommt als Besonderheit, immer zwei Jahre später, eine lange im Fass und Flasche ausgebaute Riserva Elena. Nur knapp ein Hektar groß ist diese Parzelle innerhalb der Lage Ravera, bepflanzt mit dem extrem schwachwüchsigen Nebbiolo Klon »Nebbiolo Rose«. So eine Art Modell wie der Vite Talin bei Sandrone (Voerzio schafft diese nur 20 Hektoliter pro Hektar allerdings auch ohne Spezialklon, einfach durch brutale Ertragsreduktion und grüne Lese). Der 2017er Riserva Elena ist für mich wie 2016 glatt 100, der etwas üppigere, wärmere 2015er noch 98–99. Wow!

Aber das ist noch nicht alles hier! Es gibt einen Weißwein aus der autochthonen Rebsorte Nascetta, noch nie probiert, noch nie gehört. Besser noch als Arneis, würziger, mineralischer. Ein Ereignis, ein Musskauf für mich. Und einen Barbera aus wurzelechten, uralten Reben. Auf Sand gepflanzt, das mag die Reblaus nicht. Dieser Wein gehört in die erste Reihe aller Barbera, nicht fett sondern würzig, kraftvoll und elegant, sooo puristisch. Gut dass Jens Priewe, einer der besten Weinjournalisten Deutschlands und tiefer Italienkenner, dieses Weingut so angepriesen hat, sonst wäre ich hier nicht gelandet, und das wäre bei den Qualitäten jammerschade.

Das Finale bildet der 2019er Nebbiolo des Hauses, Montegrilli, auch aus der Lage Ravera. Das ist nicht üppiges Valmaggiore sondern reinstes, schlankes Burgund aus Hochlagen. Ein roter Auxey Duresses oder Monthelie. Famos, verspielt, aromatisch, saufrisch, lang, mineralisch. Feinste Ausprägung, in einer Reihe mit den famosen 2019er Nebbiolos von Conterno-Fantino, Elio Grasso und Trediberri, und sicher der zarteste und feinste dieser vier Traumweine. Und ganz anders als die eher üppig großen, eher dicken Nebbiolos aus Valmaggiore (jenseits des Flusses Tanaro), die wahren Burgunder! Beseelt zogen wir nach Stunden von dannen. Was für tolle Weine, was für tolle Menschen!

Alle Cogno Weine

Verkostungsnotizen Cogno

Anas-Cëtta ist eine autochthone Rebsorte aus dem Piemont, eigentlich gibt es sie nur noch in Novello. Nur wenige Erzeuger machen Wein daraus. Das ist eine gerade wieder aufkommende Sorte, wie auch Timorasso und andere. Im Piemont gibt es einfach unglaublich viele vergessene Schätze. Der Wein hat ein bisschen eine Aromatik wie ein Arneis, aber er hat eine etwas höhere Mineralik. Hier in diesem Wein ist sie ganz fantastisch. Mehr Mineralität sogar als Timorasso. Ich würde sagen, das ist eine gehobenste Version eines Arneis, mit mehr Mineralität, Salz und etwas Schärfe. Grandioser Ausdruck! Der Wein ist in der Lage Ravera gepflanzt, trägt aber keine Lagenbezeichnung. Es gibt nur ungefähr 10.000 Flaschen davon. Der Wein vergärt zu 100 Prozent spontan, es wird keine Malo durchgeführt. 30 Prozent des Weins wird im großen Holz ausgebaut. Das ist eine wahnsinnige tolle Entdeckung, ähnlich genial wie vor Jahren, als ich Timorasso für mich entdeckte. Dieser Anas-Cëtta ist eine wahnsinnige Bereicherung für das Italienische Weißwein-Portfolio. Zum Mittagessen trinken wir einen gereiften 2011er. Das ist einfach ein genialer, schicker Wein. Er steht auf der Zunge und läuft als Salzspur runter, mit Limettenfrische an der Seite. Quitte, Birne, leichte Apfelnote auf der Zunge. Wirklich ein Gedicht! 93–94/100

Wir haben hier acht Jahre alten Reben in Südexposition. Sie stehen in Novello auf sandigen Böden. Nicht in der Lage Ravera, aber wir haben hier schon sehr tiefe Erträge. Eine extrem duftige und feine Nase. Schon hier dieses Burgundische. Ein generöser Bourgogne Pinot Noir. Blumig, Veilchen, aber auch helle Blüten bis hin zu Jasmin. Feine rote Kirsche, etwas Sauerkirsche, aber insgesamt eher schwebend. Eher ein ätherischer, elfenhafter, feiner und zarten Wein, mit extrem eleganten Tanninen und einer wunderschönen Frische hintenraus. Der Wein wird ungefähr zu 80 Prozent entrappt, der Rest geht als Ganztrauben in die Fermentation. Vergoren wird im Stahltank, auch die Malo und der ungefähr acht Monate lange Ausbau finden im Stahl statt. Eine wirkliche Schönheit. Ich glaube nicht, dass ich viel schönere Nebbiolos im Programm habe, weil er so unglaublich burgundisch, feinschwebend und elegant ist. Blumigkeit, Rotfruchtigkeit und am Ende diese schicke Finesse. Einfach eine bezaubernde Schönheit. 93–94/100

Der Weinberg steht auf der absoluten Spitze von La Morra. Es sind nur 3.000 Quadratmeter. Der Vater Cogno hat die Reben auch schon so übernommen. Sie sind 150 Jahre alt und wurden nie gepfropft. Die Nase hat überhaupt nichts mit Barbera und Piemont zu tun. Eigentlich habe ich erst gedacht es ist Syrah und Carignan mit ein bisschen Grenache aus dem Priorat. Unglaublich dicht, reich und profund. Eine Nase wie vom Schiefer, deshalb die Assoziation zum Priorat. Tief, schwarz und reich, aber nicht fett, sondern trotzdem elegant und schlank bleibend. Der Mund ist ein Ereignis, die Augen ziehen sich zusammen. Grandiose Frische, aber auch hier unglaublich profund und tief. Trotzdem fein, schick und elegant. Der Wein steht für Minuten. Wunderbare Frische, auch Sauerkirsche, schwarze Beeren, etwas Cassis darunter. Viel Terroir-Touch. Und noch einmal: ich glaube nicht, dass jemand auf Barbera aus La Morra kommen würde, aber der Wein ist definitiv ein Ereignis und innerhalb der Barbera eine totale Bereicherung. Ich liebe diesen Wein! 96–97/100

2017 war gekennzeichnet von einer großen Frostperiode im Frühjahr und von einem warmen Sommer mit langer Trockenperiode. Vom Frost wurden vor allem jene Winzer verschont, die Reben in Hochlagen bewirtschaften. Durch die Trockenheit und Wärme stand im Herbst eine deutlich frühere Lese an als normalerweise, teils vier Wochen früher. Das schöne war, dass Anfang September in den Nächten eine große Kühle herrschte. Wir haben also auf der einen Seite einen warmen, reichen, fruchtbetonten Jahrgang wie 2011 oder 2015. Und gleichzeitig haben wir Frische und Kühle durch den kühlen Herbst und somit auch eine hohe Eleganz, mit seidigen Tanninen. Deshalb ist 2017 ist nicht wirklich vergleichbar, weder mit 2011, das die Kühle nicht hatte, und auch nicht mit 2003 oder 2015. Die klimatischen Bedingungen haben 2017 auch dazu geführt, dass sich in Barolo die verschiedenen Höhenlagen etwas annäherten. Der Jahrgang, mit seiner Frische, Finesse und fruchtstarken Aromatik, dominiert in diesem Jahr 2017 deutlich mehr als in Jahren wie 2016 oder später 2019 und 2020. Das Weingut Cogno verfügt über circa 12 Hektar Rebfläche. Ravera ist der größte Einzelbesitz. Historisch war das Weingut in La Morra angesiedelt. Die jetzige Besitzerin, Nadia Cogno, ist mit ihrem Mann Valter Fissore und ihrem Vater umgezogen nach Novello, weil die frühere Verbindung mit einem Partner, Marcarini, zerbrochen war. Die Cognos hatten schon diese Weinberge und haben dann in Novello ein Haus gekauft und renoviert. Bei Cogno ist die Weinbereitung sehr traditionell. Das heißt, wir haben ungefähr 60 Prozent entrappte Beeren und 40 Prozent ganze, nicht angequetschte Trauben in der Gärung. Das Ganze wird für zehn Tage im Stahl vergoren und bei ungefähr 40 Gramm Restzucker wird der klassische Barolo-Hut heruntergedrückt. Nicht mehr wie früher mit Holz, sondern mit einem Netz. Der ganze Trester verbleibt ungefähr 30 bis 40 Zentimeter unter der Flüssigkeitslinie, dort wird die Fermentation weitere sieben Wochen fortgesetzt. Das ist die ganz historische Barolo-Herstellung, wie sie eben auch bei Bartolo Mascarello, Giuseppe Mascarello und anderen Traditionalisten gemacht wird, weil ganz am Ende die Tannine zwar reichlich sind, aber sie werden extrem fein und damit die Weine auf lange Sicht finessenreicher – auch wenn sie etwas länger brauchen, um zugänglich zu werden. Eine Methode, wie sie nur noch bei den Traditionalisten in Barolo und Barbaresco fortgeführt wird. Der Ausbau der Weine erfolgt dann für über zwei Jahre im slawonischen Holzfass. Ravera 2017 besticht durch seine große Duftigkeit. Alle 2017er sind duftig, weil wir ein warmes, trockenes Jahr hatten, aber dann die frischen, kühlen Nächte im September. Das Ganze gibt eine wahnsinnige Balance von reicher Aromatik, von Wärme und gleichzeitig von Frische. Hochduftig, hocharomatisch. Auf den 2016er Ravera muss man deutlich länger warten, auch wenn der 2017er Ravera schon auch ein strammes Tanningerüst zeigt. Aber die Tannine sind reif und weich. Die Frucht ist reif, der Wein ist aromatisch in Nase und Mund, dicht und lang. Große Harmonie ausstrahlend. Ich entscheide mich aus dem Haus ausschließlich für den Ravera und seine Spielarten, weil der in größerer Menge hergestellte Cascina Nuova nicht an den Ravera heranreichen kann. Dieser Ravera von Cogno gehört auf jeden Fall in die allererste Reihe von Barolo – ich bin sehr angetan! Er hat nicht ganz die Langlebigkeit und Größe von 2016, aber er ist nicht sehr weit entfernt davon. Schicker Stoff! 97/100

Das Weingut Cogno verfügt über circa 12 Hektar Rebfläche. Ravera ist der größte Einzelbesitz. Historisch war das Weingut in La Morra angesiedelt. Die jetzige Besitzerin, Nadia Cogno, ist mit ihrem Mann Valter Fissore und ihrem Vater umgezogen nach Novello, weil die frühere Verbindung mit einem Partner, Marcarini, zerbrochen war. Die Cognos hatten schon diese Weinberge und haben dann in Novello ein Haus gekauft und renoviert. Bei Cogno ist die Weinbereitung sehr traditionell. Das heißt, wir haben ungefähr 60 Prozent entrappte Beeren und 40 Prozent ganze, nicht angequetschte Trauben in der Gärung. Das Ganze wird für zehn Tage im Stahl vergoren und bei ungefähr 40 Gramm Restzucker wird der klassische Barolo-Hut heruntergedrückt. Nicht mehr wie früher mit Holz, sondern mit einem Netz. Der ganze Trester verbleibt ungefähr 30 bis 40 Zentimeter unter der Flüssigkeitslinie, dort wird die Fermentation weitere sieben Wochen fortgesetzt. Das ist die ganz historische Barolo-Herstellung, wie sie eben auch bei Bartolo Mascarello, Giuseppe Mascarello und anderen Traditionalisten gemacht wird, weil ganz am Ende die Tannine zwar reichlich sind, aber sie werden extrem fein und damit die Weine auf lange Sicht finessenreicher – auch wenn sie etwas länger brauchen, um zugänglich zu werden. Eine Methode, wie sie nur noch bei den Traditionalisten in Barolo und Barbaresco fortgeführt wird. Der Ausbau der Weine erfolgt dann für über zwei Jahre im slawonischen Holzfass. Es ist lustig, den 2016er Ravera nach dem 2017er zu trinken. Der 2017er ist für mich, der ich inzwischen über 60 Jahre alt bin, wahrscheinlich das sinnvollere Investment, weil er schon in zehn Jahren anfangen wird, mit seiner totalen Finesse richtig Freude zu machen. 2017 hat eine höhere Aromatik und eine größere Feinheit. Aber 2016 ist ganz sicher der größere Wein. Es ist ein Riese, aber ein Riese in Finesse. Die Nase ist berauschend, aber nicht so hocharomatisch wie 2017, sondern mit mehr Struktur, geradliniger und sauberer definiert. Im Mund ist das der totale Geradeauslauf. Der Wein lässt überhaupt keine Fragezeichen zu. Er ist so extrem fein und finessenreich, trotzdem hat er eine wahnsinnige Struktur. Rasiermesserscharfe, superfeine Tannine, Salz, Länge, immer geradeaus, immer weiter. Es gibt kaum feinere Weine in Barolo, das ist berauschend und schick. Aber 12 bis 15 Jahre warten ist definitiv angesagt. Das ist allerfeinstes Burgund, etwas ganz Gehobenes aus Chambolle-Musigny, ein Premier Cru Amoureuses. Unendlich schön! Ich bin froh, nach vielen Jahren des Überlegens mit Cogno angefangen zu haben. Was für atemberaubende Weine aus Novello, hier aus dieser Lage.  97–99/100

Das Weingut Cogno verfügt über circa 12 Hektar Rebfläche. Historisch war das Weingut in La Morra angesiedelt. Die jetzige Besitzerin, Nadia Cogno, ist mit ihrem Mann Valter Fissore und ihrem Vater nach Novello umgezogen, weil die frühere Verbindung mit einem Partner, Marcarini, zerbrochen war. Die Cognos haben dann in Novello ein Haus gekauft und renoviert. Hier verfolgt man die ganz traditionelle Barolo-Machart, mit langer Mazeration der Maische und einem Ausbau in großen Fässern aus slawonischer Eiche. Ein Teil der Trauben wird vor der Gärung entrappt, der Rest geht als Ganztrauben in die Fermentation. Das Ganze wird für rund zehn Tage im Stahl vergoren, bei ungefähr 40 Gramm Restzucker wird der klassische Barolo-Hut heruntergedrückt. Nicht mehr wie früher mit Holz, sondern mit einem Netz. Der ganze Trester verbleibt ungefähr 30 bis 40 Zentimeter unter der Flüssigkeitslinie, dort wird die Fermentation weitere sieben Wochen fortgesetzt. Das ist die ganz historische Barolo-Herstellung, wie sie eben auch bei Bartolo Mascarello, Giuseppe Mascarello und anderen Traditionalisten gemacht wird, weil ganz am Ende die Tannine zwar reichlich sind, aber sie werden extrem fein und damit die Weine auf lange Sicht finessenreicher – auch wenn sie etwas länger brauchen, um zugänglich zu werden. Eine Methode, wie sie nur noch bei den Traditionalisten in Barolo und Barbaresco fortgeführt wird. Der Vigna Elena stammt aus einem kleinen, ein Hektar großen Plot, der mit einem speziellen Nebbiolo-Klon bestockt ist. Es ist der Nebbiolo-Klon Rosé (hat aber nichts mit der Weinart Rosé zu tun). Sehr kleine Erträge, es gibt jährlich nur 3.000 Flaschen von diesem Vigna Elena. Er bleibt drei Jahre im Holz und drei Jahre auf der Flasche. Der 2015er wird also erst 2021 auf den Markt kommen. 2015 kommt der Feinheit vielleicht nicht so sehr entgegen wie 2016 und noch mehr 2017. Aber wir haben hier eine ganz hervorragende Balance. Die Wärme aus 2015 mit der extremen Feinheit dieses Klons und dem geringen Ertrag. Das ergibt eine spielerische Leichtigkeit der Extraklasse. Eine bezaubernde Schönheit! Der Wein ist nicht trinkreif, aber trotzdem so einnehmend und er zeigt so viel Charme in seiner unendlichen Feinheit. Im Vergleich zu den Chambolle-artigen 2016 und 2017 ist 2015 sicherlich eher etwas reicher und wärmer. Eher ein Gevrey-Chambertin als ein Chambolle-Musigny. Aber großes Kino allemal! Rote Frucht, fein, lang und verspielt. Auch innerhalb der 2015er gehört dieser Wein von Cogno in die allererste Reihe. 98–99/100

Bevor es zu Roagna geht (hoffentlich ist er da, Luca bestätigt oder beantwortet niemals Emails) sammeln wir trauriger Weise (Covid in der Familie) bei Trediberri und Luigi Pira die 2017er Muster ein, ebenso bei Vajra bzw. ihrem zweiten, für mich noch spannenderen Weingut Baudana unterhalb von Serralunga.

Trediberri

In La Morra Annunziata, bei Trediberri, ein Shootingstar der letzten Jahre, holen wir wegen einer Covid-Erkrankung bei Nicola die Muster am Gartentor ab. Nicola Oberto und seine Frau Steffania sind erst wenige Jahre zurück aus London. Die große Welt als Investmentbanker und Top-Juristin war auf Dauer nicht der sinnstiftende Lebensinhalt. Sie kauften mit dem Vater zusammen einen Weinberg in Berri (deshalb der Name Tre di Berri), der Familienweinberg in Annunziata floss auch mit ein. Zwei grandiose und ganz unterschiedliche Lagen, Berri viel kühler, frischer und eleganter (Sand und Kalkstein in Hochlage, cool climate), Rocche Annunziata warm und reich und seidig. 2017 zeigt sich fruchtig und sehr zart und fein. Sehr zugänglich und überaus geschmackvoll. Dazu geniale und unglaublich günstige Barbera, Nebbiolo und ein großer Dolcetto aus Dogliani.

Alle Trediberri Weine

Verkostungsnotiz Trediberri

2019 Dolcetto Dogliani Bricco Mollea 60 Anni

In Dogliani gibt es nicht zwangsläufig besseres Terroir als in der Langhe. Aber die Dolcetto wächst in Dogliani auf den besten Böden mit Südexposition. Deswegen gibt es eine solche Dolcetto Qualität eben nur aus Dogliani. Das muss man wissen. Das Terroir ist nicht besser, aber in der Langhe steht in vergleichbar guten Lagen immer Nebbiolo. Die Reben dieses Weinbergs wurden in den 1950er Jahren gepflanzt und gehen jetzt langsam auf die 70 zu. Ein beachtliches Alter! Die Nase kommt mit unglaublich viel aromatischer Wucht, eine Art süße Sauerkirsche, leichter Himbeertouch darunter, ein bisschen Blaubeere, unglaubliche Frische ausstrahlend. Aber vor allen Dingen hohe Intensität an roter Frucht, fast wuchtig. Wow, und dann dieser Mundeintritt! Der Wein wurde um den 20. September 2019 herum geerntet. Die Mazerationszeit betrug anschließend etwa drei Wochen. Ich probiere den Wein Ende Oktober, die Malo ist gerade fertig. Er wird nach einigen Monaten im Betontank schon etwa im April oder Mai 2020 auf den Markt kommt. Der ganze Mundraum wird eingenommen von dieser fast explosiven Frucht, so hohe Aromatik und so warm, so reichhaltig. Das gibt es eben nur aus Südexposition. Und trotzdem ist der Wein nicht fett. Er hat nur 13 % vol., ist aber komplett durchgegoren. Der Wein wird dominiert von dieser enormen Intensität aus Sauerkirsche, süßer Kirsche, Cranberry, Schwarzkirsche, etwas Blaubeere. Hochintensive Frucht gepaart mit fantastischer Säure und wunderbarer Üppigkeit. Nein, das ist kein großer Wein, das schafft Dolcetto nicht. Aber das ist ein fast unheimlicher Spaßmacher, und innerhalb der Dolcetto-Klasse liegt dieser vollständig im Beton ausgebaute Wein sicherlich in der ersten Reihe. Eine Ode an die Trinkfreude. 92–93/100

90 % der Trauben dieses Bioweins kommen von Torriglione in La Morra. Also eine der Traumlagen, aus der auch Roberto Voerzio einige seiner Weine keltert. Der Weinberg wurde Anfang der 80ger Jahre gepflanzt. Dies ist der einzige Wein von Trediberri, der als Full Bunch in die Vergärung geht und zu Beginn mit den Füßen getreten wird, und dann mit Stielen und Stängeln spontan fermentiert wird. Eine Nacht Standzeit nach dem Anquetschen mit den Füßen, dann Fermentation im Beton. Der Wein wird auch danach komplett im Beton gelassen, sieht nie Holz. Der Wein hat um die 3,5 PH-Wert und eine Säure über 7, mit einem Alkohol von 14 %, der aber nicht zu spüren ist. Die Rappen sind unheimlich hilfreich, weil sie einen ganz leichten Hauch Frische und auch einen kleinen grünen Touch in diesem ansonsten vielleicht zu reichen Wein bewahren. Das Ergebnis ist ein extrem puristischer Barbera mit Schwarzkirsche und Schlehe, und so viel Sauerkirsche, wie man es sich nur vorstellen kann. Sehr intensiv, sehr lang, nichts geschminkt. Die Rappen tun ihr Übriges um die Frische zu erhalten und um dem Ganzen einen leichte Krautwürzigkeit zu geben. Das ist ein faszinierender Barbera, der aber in seiner massiven Fruchtigkeit überwältigend ist. Der ganze Mund wird überflutet. Es knallt richtig. Aber, wie gesagt, ungeschminkt. Einfach nur lang, intensiv. Sauerkirschig bis zum Ende. Ein leichter Hauch Blaubeere kommt darunter. Und durch die Rappen bekommt der Wein so etwas wie eine Super Finesse wie von der Rebsorte Freisa. Der Wein ist ganz anders als der super stylische, feine Nebbiolo des Hauses, aber er ist genauso puristisch und lang. 93+/100

Organisch biologisch wie alles bei Trediberri. Die Trauben kommen aus den Lagen Berri und Capalot. Und im Langhe Nebbiolo sind auch ein bisschen Trauben von einem organisch arbeitenden Freund und Winzer in Alta Langhe. Entrappt. Der Wein kommt während der spontanen Fermentation in Betontank und wird danach auch nur in Zement ausgebaut. Trotzdem hat er einen Charakter, als sei er im großen Holzfass gewesen. Er hat eine aromatisch wahnsinnig reiche Fülle und einen extrem schlanken Körper dazu. Rote Kirsche. So fein und zart. Auch dies ist ein Burgunder voller Finesse mit dieser süßen, roten Kirsche. Der Wein ist so unglaublich verträumt. Das ist keiner von vielen Nebbiolos, die mit mehr Wucht und Holz als Weine aus Barolo daherkommen. Kein Valmaggiore-Stil. Nein, das ist eine superzarte Versuchung. Fast ein Burgunder aus Hochlage, und das ist er ja letztendlich auch, denn ein Großteil kommt von der Lage Berri in über 400 Metern Höhe auf Kalk- und Kreideböden. Zart, lang, total verspielt. Der PH-Wert ist nur 3,4, das heißt der Wein hat höhere Säure und Frische. Frischer als der Barolo aus Berri. Ich habe lange keinen Nebbiolo mehr in dieser Zartheit, in dieser extremen erotischen Verzückung erlebt. Ich bin total begeistert. 93–94/100

2017 war gekennzeichnet von einer großen Frostperiode im Frühjahr und von einem warmen Sommer mit langer Trockenperiode. Vom Frost wurden vor allem jene Winzer verschont, die Reben in Hochlagen bewirtschaften. Durch die Trockenheit und Wärme stand im Herbst eine deutlich frühere Lese an als normalerweise, teils vier Wochen früher. Das schöne war, dass Anfang September in den Nächten eine große Kühle herrschte. Wir haben also auf der einen Seite einen warmen, reichen, fruchtbetonten Jahrgang wie 2011 oder 2015. Und gleichzeitig haben wir Frische und Kühle durch den kühlen Herbst und somit auch eine hohe Eleganz, mit seidigen Tanninen. Deshalb ist 2017 ist nicht wirklich vergleichbar, weder mit 2011, das die Kühle nicht hatte, und auch nicht mit 2003 oder 2015. Die klimatischen Bedingungen haben 2017 auch dazu geführt, dass sich in Barolo die verschiedenen Höhenlagen etwas annäherten. Der Jahrgang, mit seiner Frische, Finesse und fruchtstarken Aromatik, dominiert in diesem Jahr 2017 deutlich mehr als in Jahren wie 2016 oder später 2019 und 2020. Der Barolo von Trediberri besteht aus 100 Prozent Nebbiolo. Es sind relativ junge Reben, die 2006 auf Kreide- und Kalksteinböden in der Lage Berri gepflanzt wurden. Ein extremes Finesse-Terroir, eigentlich für Pinot Noir gemacht. Hochgelegen zwischen 350 und 420 Metern. Bis zu 8.000 Pflanzen pro Hektar stehen hier. Verschiedene Klone, dabei ein großer Anteil an Sélection Massale aus dem eigenen, alten Weinberg im Rocche dell’ Annunziata. Der Ertrag liegt bei unter 40 Hektolitern pro Hektar. Im Keller werden die Trauben zu 100 Prozent entrappt und dann nicht angequetscht, sondern als ganze Beeren in die Gärung gegeben. Leidglich durch die Peristaltikpumpe, die hier anstelle einer normalen Pumpe eigesetzt wird, werden die Beeren ein klein wenig angequetscht. Wir haben also schon einen ganz kleinen Anteil Saft. Bei den unverletzten Beeren vergärt der Saft innerhalb der Beeren, was einen sehr fruchtbetonten Wein ergibt. Also eine Macération Carbonique, bis anschließend die normale alkoholische Fermentation beginnt. Vor der Vergärung läuft für eine Nacht eine Kaltmazeration bei 15 bis 16 Grad. Dann kommt der spontane Beginn der Fermentation. Ein Teil wird mit ein paar Litern der bereits laufenden Barbera-Gärung beimpft. Die Gärung läuft dann zwei bis drei Wochen und findet komplett im Beton statt. Danach gibt es eine weitere Woche Mazeration auf den Schalen. Dann wird soft abgepresst und der Wein geht komplett in großes Holz von 2500 bis 5000 Litern. Die Malo findet unverzüglich in diesen Holzfässern statt. Insgesamt verbleibt der Wein dann 22 bis 24 Monate im Holz, danach geht es in Stahl- und Betontanks. Die große Lehrmeistern und gute Freundin des Weinguts ist Maria Theresa Mascarello vom Weingut Bartolo Mascarello. Dieser Barolo ist biologisch zertifiziert. Der Weinberg Beri hat für Jahrzehnte brachgelegen. Bio pur, ungedüngt und nie behandelt. Nicola konnte zusammen mit seinem Vater und einem weiteren Investor (das sind die tre des Weinbergs Berri aus dem Namen TrediBerri) diesen Weinberg Mitte der 2000er kaufen und ihn dann komplett neu bestockt. Das Terroir ist nicht übermäßig alt, aber diese Helligkeit der Kreideböden macht die große Eleganz, die Fruchtigkeit und die salzige Mineralität aus. Wie ich schon sagte, eigentlich ideales Pinot-Noir-Terroir. 2016 war eigentlich ein wenig untypisch für so einen Pinot-Noir-artigen, leichten und feinen Finesse-Barolo. 2017 kommt dem grundsätzlich mehr entgegen. Erdbeere ist vorne, gefolgt von Himbeere und hellroter Kirsche. Ganz helles Marzipan und ein floraler Touch von weißen Blüten, ein ganz kleinen Hauch Veilchen darunter. Der Mund zeigt eine geniale Frische. 2017er-Säure, so fein, tänzelnd, seidig und poliert. Das Ganze ist sehr verspielt. Der Wein hat nicht den Bums wie 2016, aber er hat die Aromatik und Feinheit, die so sehr zu 2017 passt. Im Grunde ist das ein Barolo, der wie ein leichter Barbaresco daherkommt. Eine Art Chambolle-Musigny aus La Morra. Das ist das Gegenteil eines fetten, maskulinen Barolo. Das ist feminin, leicht, verspielt, mit wunderbarer Frische. Eine Ode an die Freude, ohne den Anspruch zu haben, groß zu sein. Hedonistisch, einfach nur lecker, voller Spiel. Manch einem Barolo-Liebhaber vielleicht zu leicht. Und manch intensiver Nebbiolo aus Valmaggiore kommt mit mehr Kraft daher, das ist sicher. Aber das ist doch nicht die Absicht. Dieser Barolo ist einfach nur schön, feminin und voll raffiniertem Spiel, bei feiner Aromatik. Einfach nur eine Ode an die Freude. Ein Spaßmacher und ein extrem süffiger Wein. Die zweite Flasche kommt rasch danach. 94/100

Der Bio-Barolo aus dem alten Familienweinberg. Früher an Ratti verpachtet. PH-Wert 3,6, Säure 5,5 Gramm. Der Großteil der Reben in Rocche wurden 1961 gepflanzt. Das heißt 60 Jahre alte Reben. Ein kleiner Teil wurde etwas später, 1989 gepflanzt. Ein Amphitheater mit Südost bis Südwest Lage d. h. der Weinberg läuft komplett durch eine Südexposition hindurch. 1,5 Hektar. Direkt neben Roberto Voerzio. Diese Weinberge waren früher verpachtet an Ratti und sind seit Jahren wieder zurück im Weingut Trediberri, das ja erst 2010 gegründet wurde. Auch dieser Wein ist zu 100 % entrappt. Eine Nacht Kaltmazeration ohne anquetschen. Vergoren im Beton-Tank. Dann zweiwöchige Nachmazeration auf den Schalen. Überführung über eine Peristaltikpumpe in 2.500 Liter Holzfässer, für 24 Monate auf der Hefe belassen. 2017 war gekennzeichnet von einer großen Frostperiode im Frühjahr und von einem warmen Sommer mit langer Trockenperiode. Vom Frost wurden vor allem jene Winzer verschont, die Reben in Hochlagen bewirtschaften. Durch die Trockenheit und Wärme stand im Herbst eine deutlich frühere Lese an als normalerweise, teils vier Wochen früher. Das schöne war, dass Anfang September in den Nächten eine große Kühle herrschte. Wir haben also auf der einen Seite einen warmen, reichen, fruchtbetonten Jahrgang wie 2011 oder 2015. Und gleichzeitig haben wir Frische und Kühle durch den kühlen Herbst und somit auch eine hohe Eleganz, mit seidigen Tanninen. Deshalb ist 2017 ist nicht wirklich vergleichbar, weder mit 2011, das die Kühle nicht hatte, und auch nicht mit 2003 oder 2015. Die klimatischen Bedingungen haben 2017 auch dazu geführt, dass sich in Barolo die verschiedenen Höhenlagen etwas annäherten. Der Jahrgang, mit seiner Frische, Finesse und fruchtstarken Aromatik, dominiert in diesem Jahr 2017 deutlich mehr als in Jahren wie 2016 oder später 2019 und 2020. Der Rocche dell’ Annunziata ist der Ursprungs-Weinberg des Weinguts Trediberri und liegt auf der anderen Straßenseite der Arborina-Weinberge. In Annunziata hat auch Roberto Voerzio Weinberge. Es sind alte Reben mit geringem Ertrag. Gut 200 Höhenmeter, ein warmes, reiches Klima. Und jetzt kommt 2017 mit dieser hohen Aromatik in diesem warmen, üppigen und reichen Jahr, das durch die kühlen Herbstnächte eine so schöne Frische bewahren konnte. Die alten Reben aus dieser tieferen Lage kommen deutlich wärmer, mit mehr Aromatik, Volumen und Rundheit rüber als der Trediberri mit seiner höheren Lage auf Kalkstein und Kreide. Erdbeere und Himbeere in der Nase, recht voluminös, aber trotzdem fein und verspielt. Hocharomatisch, aber gar nicht fett. Auch hier tänzelnd. In der Nase ein klein wenig wie ein deutscher Pinot Noir von der Mosel. Molitor. Auch im Mund diese Leichtigkeit, diese Freude des Genusses. Eine Delikatesse. Die Tannine sind sehr fein. Der Wein ist nicht so Chambolle-haft wie der Trediberri Barolo, er hat etwas mehr Grip, Salz und Struktur im Mund. Aber insgesamt – wie viele Weine aus La Morra 2017 – harmonisch, delikat, frisch und verspielt. Nicht der Druck aus 2016, sondern die aromatische Seidigkeit und Finesse, mit diesen ultrazarten Tanninen. Etwas mehr Grip, etwas mehr Tiefe und Würzigkeit. Mehr schwarze Kirsche unter der Erdbeere und Himbeere im Mund. Also klar der erwachsenere Wein verglichen mit dem Trediberri. Aber nicht zwingend der schönere Wein, weil der Trediberri Barolo so unglaublich tänzelt. Feinheit ist auch im Rocche dell’ Annunziata vorhanden, aber eben auch ein bisschen Kraft und mehr Würze. 95/100

Luigi Pira

Danach nach Serralunga zu Luigi Pira, auch da Covid-Verdacht. Auch da Weine an der Tür einladen. Pira, mein Evergreen, die besten Lagen des Piemont liegen meines Erachtens in Serralunga. Von Vietti zu Altare zu Giacomo Conterno, Gaja und Pira tummelt sich hier best oft he best, maskulin, ewig haltbar. Und Pira ist dafür fast unverschämt günstig. Ein genialer Barolo Serralunga, dazu wunderbare Einzellagen im gleichen Hang. Ein grenzgenialer und saubilliger Dolcetto, intensive Barbera und Nebbiolo.

Pira ist für mich vor Trediberri und Corino, die zum Glück alle drei sehr unterschiedliche Stilistiken aufweisen, mein Preis-Leistungsweltmeister im Piemont. 2017 zeigt berauschend intensive, druckvolle Frucht, ganz typisch Serralunga. Eine druckvollere Version von 2015 und 2012, 3–4 Jahre eher zugänglich als der klassische 2016. Aromatischer Hedonismus.

Alle Pira Weine

Pira
Gianpaolo Pira

Verkostungsnotizen Pira

Sehr harmonisch, weich und intensiv fruchtig in der Nase, schöne Kirsche und Marzipan. Im Mund Schokolade und Beerenfrüchte, tolle frische Kirsche und etwas frische Zwetschge, charmant und lecker. Feiner, seidiger, sehr ansprechender Wein, nicht zu schwer, idealer Begleiter zu Antipasti und Pasta, besser als jeder Chianti! 90/100

Bei Luigi Pira wird immer komplett entrappt. Keine Kaltmazeration, normale Vergärung für zweieinhalb Wochen, danach vier bis sechs Wochen natürlich abgesetzt im großen Stahltank, danach geht der Wein für drei Jahre in 2.500 Liter große gebrauchte Holzfässer, also wenig Holzkontakt, nie neues Holz. Dann noch ein langes Flaschenlager für mindestens ein weiteres Jahr. Die klassische und traditionelle Barolo-Rezeptur, so extrem sonst wohl nur noch bei Bartolo und bei Giacomo Mascarello ausgeführt. Die mittlere Lage des Ortes Serralunga ist Luigi Piras Heimat und Aushängeschild. Die Böden sind stark eisengeprägt und bringen kraftvolle Weine hervor. Anders als alle anderen Erzeuger füllt Gianpaolo Pira seine Weine erst ein gutes halbes Jahr später als üblich. Das heißt, die Füllung geschieht hier erst im Januar des dritten Folgejahres auf die Ernte. Das bedeutet, dass die Weine deutlich mehr als drei Jahre im Fass geblieben sind, und das gibt einen Extrakick in Harmonie, Trinkigkeit und Balance. Direkt unterhalb des Weingutes wachsen seine Reben, das sind die allerbesten Lagen von Serralunga. Das ist schon eine verrückte Situation, auf der einen Seite liegen die Weinberge von Gaja, auf der anderen Seite am Ortsausgang die Weinberge von Giacomo Conterno, und der Mitte, im Filet-Stück, liegen die Weinberge von Luigi Pira. 2017 war gekennzeichnet von einer großen Frostperiode im Frühjahr und von einem warmen Sommer mit langer Trockenperiode. Vom Frost wurden vor allem jene Winzer verschont, die Reben in Hochlagen bewirtschaften. Durch die Trockenheit und Wärme stand im Herbst eine deutlich frühere Lese an als normalerweise, teils vier Wochen früher. Das schöne war, dass Anfang September in den Nächten eine große Kühle herrschte. Wir haben also auf der einen Seite einen warmen, reichen, fruchtbetonten Jahrgang wie 2011 oder 2015. Und gleichzeitig haben wir Frische und Kühle durch den kühlen Herbst und somit auch eine hohe Eleganz, mit seidigen Tanninen. Deshalb ist 2017 ist nicht wirklich vergleichbar, weder mit 2011, das die Kühle nicht hatte, und auch nicht mit 2003 oder 2015. Die klimatischen Bedingungen haben 2017 auch dazu geführt, dass sich in Barolo die verschiedenen Höhenlagen etwas annäherten. Der Jahrgang, mit seiner Frische, Finesse und fruchtstarken Aromatik, dominiert in diesem Jahr 2017 deutlich mehr als in Jahren wie 2016 oder später 2019 und 2020. Der Jahrgang 2017 ist wahrscheinlich der offenste, köstlichste, hedonistischste Jahrgang, den ich je bei Luigi Pira probiert habe. Wo gibt’s das in Serralunga? Erdbeere, Himbeere, ganz fein verwoben. Ein bisschen wie rote Grütze mit Vanillesoße. Süß und extrem charmant. Warme Himbeer-Erdbeersuppe mit Rhabarber, so riecht das. Wie lecker! Im Mund gesellt sich noch frische Zwetschge dazu und süße rote Erdbeere. Helle Lakritze, feines Kalkstein, kleine Kalkspur. Etwas mehr Struktur als in der Nase. Das Hedonistische bleibt aber. Jetzt kommt Serralunga mit dem weißen Lehm. Also auch durchaus eine gewisse Tanninschärfe, aber ultrafeine Tannine. Die hocharomatische Eigenschaft von 2017 dominiert ganz klar den Wein. Er ist lecker, leckerer noch als 2014. Und dabei ein bisschen frisch hintenraus. Wenn 2016 noch nicht mal richtig trinkreif ist, sollte 2017 schon zwei, drei Jahre in der Genussphase sein. Das ist die Rundheit und der Charme von 2015 mit ein bisschen mehr Frische. Eine Turboversion des 2012er Jahrgangs. Was für ein hoher Genussfaktor – superb! In Verbindung mit dem Preis ist das wohl der genialste Barolo, den ich in diesem Jahrgang habe. Das könnte man vielleicht generell für Pira sagen. Dieser Barolo Serralunga ist im Preis-Leistungsbereich das Beste meines gesamten Portfolios. 94+/100

2017 war gekennzeichnet von einer großen Frostperiode im Frühjahr und von einem warmen Sommer mit langer Trockenperiode. Vom Frost wurden vor allem jene Winzer verschont, die Reben in Hochlagen bewirtschaften. Durch die Trockenheit und Wärme stand im Herbst eine deutlich frühere Lese an als normalerweise, teils vier Wochen früher. Das schöne war, dass Anfang September in den Nächten eine große Kühle herrschte. Wir haben also auf der einen Seite einen warmen, reichen, fruchtbetonten Jahrgang wie 2011 oder 2015. Und gleichzeitig haben wir Frische und Kühle durch den kühlen Herbst und somit auch eine hohe Eleganz, mit seidigen Tanninen. Deshalb ist 2017 ist nicht wirklich vergleichbar, weder mit 2011, das die Kühle nicht hatte, und auch nicht mit 2003 oder 2015. Die klimatischen Bedingungen haben 2017 auch dazu geführt, dass sich in Barolo die verschiedenen Höhenlagen etwas annäherten. Der Jahrgang, mit seiner Frische, Finesse und fruchtstarken Aromatik, dominiert in diesem Jahr 2017 deutlich mehr als in Jahren wie 2016 oder später 2019 und 2020. Der Margheria kommt aus dem Herzen von Serralunga. Er hat immer die meiste Ähnlichkeit mit dem Ortswein aus Serralunga, aber er hat einen Turbolader in Sachen Finesse, Feinheit und Duftigkeit. Auch immer etwas mehr Struktur dazu. Zur Soße aus Erdbeere, Himbeere und Rhabarber mit Vanille kommt hier noch ein guter Touch strukturierter weißer Lehm. Der Wein braucht klar drei bis vier Jahre länger als der Serralunga, bis er trinkreif ist. Dann hat er sogar die noch feineren Tannine, die im Moment noch ein wenig für Verschlossenheit sorgen. Aber das ist ultrafein und seidig, schick und stylisch. Ein Wein, der intensiv ist und gleichzeitig überhaupt nie schmerzt, sondern einfach nur glatt, lang, intensiv und sexy ist. Das ist die feine Version des Serralunga. Und fein ist hier nur positiv gemeint. Das Ganze mit der hohen Aromatik und der Frische aus 2017. Das hat nicht ganz die Struktur von 2016, aber im Grunde ist dieser Margheria genauso schön, wenn nicht schöner als der 2016er. Das ist so köstlich zu trinken! 96–97+/100

Vajra | Baudana

Final probieren wir die drei Barolo vom Weingut Baudana, dem zu Vajra gehörende Kleinod unterhalb Serralungas. Das ist typisch Serralunga, maskulin von weißem Lehm. Aus den Lagen Baudana und Cerretto. Und ein Basisbarolo aus beiden Lagen. Ungemein saftig, grandiose rote Frucht, voller Feinheit. Blumig, fruchtig und tanninreich zugleich, Power mit Finesse, Serralunga at it’s best. Grandioser Stoff aus einer der, meines Erachtens, tollsten Gemeinden der Langhe. Und mit dem für mich interessanteren Weingut Baudana verfügt die Familie Vajra über zwei sehr unterschiedliche Stilistiken. Weich und feminin und fast modern in Barolo, dem Hauptsitz, und archetypisch und maskulin in Serralunga. Eine in jeder Hinsicht hochspannende Familie.

Alle Vajra-Baudana Weine

Verkostungsnotizen Baudana

Baudana liegt am Fuß von Serralunga, die besten Barolo-Terroirs der Langhe überhaupt. Direkt hintereinander verkostet ist 2017 auf der einen Seite etwas weniger klassisch, abe die reife Fruchtintensität kommuniziert mit einer verblüffenden Frische. Scxhwarzkirsche, Zwetschgke, Lakritz, Bleisttift, Veilchen und Cassis, extrem geradeaus. Erde, Eisen, Blut, typisch für Serralunga. Hochintensiv und archetypisch, etrwas offener als 2016, deshalb schon in 5 Jahren mit großer Freude zu trinke. 94–95+/100

Dieser Barolo Baudana aus der Gemeine Baudana zeigt sowohl die maskulin, mineralischen Strukturen der Lage Cerretta, zugelich aber deutlich mehr runde und rote Frucht. Der WEin hat nicht nur Größe sondern auch Charme, rote süße Kirsche, reife Pflaumen, helle Lakritze, Veilchen, fast den rotfruchtigen Grenache-Charme eines großen Chateauneuf du Papes wiederspiegelnd. Feinstes, seidiges Tannin. Das passt perfekt in so ein fruchtstarkes und offenes Jahr wie 2017. Einfach nur schön. 97/100

Cerretta ist eine vergleichbar riesengroße Lage in Serralunga. Sie zieht sich von Serralunga ganz runter bis Villero und weist von weißem Lehm über Kalkstein, rotem Lehm und Ton und Sand die verschiedensten Ausprägungen auf. Von Giacomo Conterno zu Altare zu Baudana, hier tummelt sich die erste Reihe der Langhe. Sehr sehr Serralunga, extrem mineralischer Ausdruck, geradeaus und maskulin. Schwarze Frucht, satte Veilchen, etwas Lavendel, Lakritze, Balsamiko, Graphit und Asche in der intensiven Nase. Orangenzeste neben Waldhimbeere und ein Hauch Exotik dabei. Ein Blockbuster mit viel Frucht und Frische, als 2017er viel schicker und offener als 2016. Ein Powerwein und doch auch multikomplex und fein. Fast ganz großer Stoff und sicher in der ersten Reihe des Jahrgangs. 96–98/100

Roagna

Nach dem Einsammeln der Weine bei den von Covid betroffenen Winzern, fahren wir zu Luca Roagna. Das Weingut liegt zu 100 % inmitten einer der besten Lagen in Castiglione Falletto, ganz oben. Ein großer, aber total im Weinberg versteckter Keller. Platz ist der Schlüssel zur Qualität sagen alle großen Winzer, Vorbild sicher Aldo und Giacomo Conterno. Hier bei Roagna kann Luca sich austoben. In Barolo gibt es neben Commune del Barolo und Ravera (Novello) nur Pira, als Normalversion und als Alte Reben aus den über 70 Jahre alten Reben. In Barbaresco haben die Roagnas eine Vielzahl an Lagen, kleinste Plots uralter Reben. Luca ist wie auch sein Vater ein glühender Verfechter der ganz späten Lese, das Gegenteil von Roberto Voerzio, ca. 6–8 Wochen später. Oft nach den ersten großen Herbstregen. Aber mit radikaler Auslese und kleinsten Erträgen, aus dem Weinberg holen die Roagnas nur was total reif und total gesund ist.

Final ist dann Ertrag ähnlich Voerzio auf unter 500 Gramm je Stock und unter 30 Hektoliter pro Hektar, der Ansatz und die Philosophie ist aber eine ganz andere. Auch die Stilistik ist völlig anders. Roagna erinnert fast immer an die Riservas von Giacosa. Luca bringt seine Weine nach längerem Fassausbau und mehr Flaschenreife immer erst zwei Jahre nach allen anderen auf den Markt. Auch da wie das »red label« von Giacosa. Zu Recht kosten seine Top-Weine aber auch ähnlich viel, das ist ganz großes Kino hier. Und Luca erzeugt einen genialen Timorasso, der allerdings 4–5 Jahre Zeit braucht. Er hat das beim Meister der Rebsorte, Walter Massa gelernt, qualitativ aber hat er ihn längst überholt. Weltklasse. In allem was Luca macht, extrem und perfekt, selbst sein Rosso und sein Solea Weißwein. Roagna ist unter vielen Kultweingütern eine der vier Ikonen der Langhe (Roagna, Giacosa, Gaja, Giacomo Conterno).

Alle Roagna Weine

Roagna
Im Austausch mit Luca Roagna

Verkostungsnotizen Roagna

Ein echtes Unikat. Roagna vinifiziert kleine Mengen eines Chardonnay-Blends mit 20 % weißgekeltertem Nebbiolo. Das ergibt einen extrem eigenständigen, sehr markanten Weißwein. Er ist auch so klar Italien zuzuordnen. Denn er ist knochentrocken und spielt ein wenig mit der dezenten Bitternote, die vielen Weißweinen Italiens eigen ist und so gut zur Küche mit Artischocken und Zitronen passt. In der Nase hat man Kräuter, den leichten Holzeinsatz wie bei einem guten weißen Burgunder, der zarte Rauchnoten abgibt und allerlei Zitrusfrüchte nebst ein wenig Boskoop. Der Duft ist das faszinierendste am Wein! Am Gaumen schwebt der Wein dann richtig. Er ist kraftvoll aber nicht schwer. Die Aromen gehen in Richtung Ananas, etwas Nussiges auch Golden Delicious. Großartiger Weißwein mit Reifepotenzial. Er kann nur von der Reife profitieren. 94–95/100

Luca Roagna ist unfreiwillig an diesen Weinberg gekommen. Sein Cousin, Besitzer des kleinen Weingutes und dieser Weinberge, verstarb unerwartet durch einen Unfall. Die Familie bat ihn diese uralten Reben doch weiter zu vinifizieren und so kam er in den Besitz dieses Weinberges mit Timorasso. Zum Glück ist Luca sehr gut befreundet mit dem Großmeister dieser Rebsorte, Walter Massa. Mit seiner Hilfe erzeugt er nun seit Jahren einen grenzgenialen Timorasso aus uralten Reben, der sogar den besten Stoff seines Mentors Massa übertrifft. In seiner ausgeprägten Phenoligkeit zeigt dieser Wein nach längerer Maischestandzeit so viel Kraft und Feinheit. Der Timorasso changiert von Quitte zu Melone, Zitronengras, Orange. Viel gelbe Frucht. Wenn man nichts gesagt bekäme würde man das niemals im Piemont verorten sondern wahrscheinlich für einen großen Wein von der Loire halten. Der Wein ist so eigenwillig und eigenständig. Für mich ist nur die Timorasso, wenn sie denn in dieser extremen Ausprägung wie bei Massa und Roagna rüberkommt, Weltklasse im Weißwein der autochtonen Rebsorten des Piemonts. Natürlich gibt es hier große Chardonnays, das ist ja aber international. Aber ob Gavi, Arneis oder ähnliches, nichts autochtones kann an diese Klasse des Timorasso heran. Das ist superber und individueller Stoff. 97+/100

Pira ist eine Einzellage in Castiglione Falletto. Das Weingut hat die Lage 1989 erworben und zugleich das Weingut hier neu errichtet, Umzug von Barbaresco. Rebalter 35 bis 50 Jahre. Ausbau klassisch in neutralem Holz. Das ist alles andere als ein einfacher Barolo. Er verbrachte rund fünf Jahre im Holz. Die Lage Pira hat eine Südost-Exposition und hat sehr klassische Böden von blauem, grauem, weißem Lehm und ein bisschen Sand. Aus den etwas jüngeren Reben unter 50 Jahren entsteht der Barolo Pira, die älteren gehen in den Pira VV. Die Wein sind spontan vergoren und zu 100 % entrappt. Der Alkoholgehalt in 2015 liegt bei bescheidenen 14 Volumenprozent. Im Durchschnitt wurden fünf bis zehn Prozent Ganztrauben mitvergoren, um Frische zu bewahren und den Alkohol tief zu halten. Pira ist die Lage direkt um das Haus. Eine der herausragenden Lagen von Castiglione Falletto. Die Dominante ist aber sicherlich der Jahrgang mit dieser hohen Reife, der Dropsigkeit, der wunderschönen roten Frucht. Dazu dieser kleine Anteil – bis zu 10 Prozent – unentrappter Trauben. Das gibt Frische und einen kleinen grünen Touch an der Seite. Wunderbare Länge und Dichte, hohe Aromatik. Im Mund obsiegt die Balance über den Druck. Ein unglaublich feiner, hedonistischer, leckerer Barolo. Alles stimmt, trotzdem hat er Länge, die Tannine sind extrem seidig. Das ist eben 2015. Ähnlich wie 2017 hat der Wein eine wahnsinnige Aromatik und Seidigkeit, die ihresgleichen sucht. Dazu die Wärme und Rundheit des Jahrgangs. Das ist hochgradig lecker und gleichzeitig ein Barolo von großer Klasse! 96–97/100

Von den 50 bis 80 Jahre alten Reben in der Monopol-Lage Pira. Der Alkoholgehalt in 2015 liegt bei bescheidenen 14 Volumenprozent. Im Durchschnitt wurden fünf bis zehn Prozent Ganztrauben mitvergoren, um Frische zu bewahren und den Alkohol tief zu halten. Der Unterschied des Pira Vecchie Viti zum normalen Barolo ist schon immens. Die Verschlossenheit im Vecchie Viti zeigt einen ganz anderen Wein. Wie ein Baukasten mit Legosteinen. Rechts, links, oben, unten – sauber definiert und druckvoll schiebend. Natürlich in 2015 etwas dropsig, natürlich die Himbeere und Erdbeere des warmen Jahrgangs. Aber unglaublich viel Schub schon in der Nase. Reich, leichte Rappigkeit im Hintergrund, das macht ihn Frisch. Im Mund eine Explosion, ein Kracher. So ein Kraftbolzen und trotzdem so unendlich fein. Der Wein hat einen sensationellen Schub aus roter Frucht, aber auch aus Rappen. Alles zusammen kommt mit Eukalyptus, reichlich Minze und dunkler Lakritze. Immer wieder hochrollend mit viel Salz und grandioser Frische. Was für ein Knaller! Der kann auch locker mit den Red Labels von Giacosa mithalten. Ein Barolo der Extraklasse. Groß! 98–100/100

Der Alkoholgehalt in 2015 liegt bei bescheidenen 14 Volumenprozent. Im Durchschnitt wurden fünf bis zehn Prozent Ganztrauben mitvergoren, um Frische zu bewahren und den Alkohol tief zu halten. Faset und Gallina sind zwei langfristig gepachtete Weinberge. Es gibt zwar keinen Unterschied in der Arbeitsweise von Luca, aber er macht aus den zwei angemieteten Lagen niemals einen Vecchie Vite, trotz der alten Reben. Gallina ist klar aromatischer und intensiver. Die Reben sind nach Südwesten exponiert und stehen auf sandigeren Böden. Man merkt das sofort. Die Nase ist reicher, der Wein ist überquellend. Reiche Himbeere und Erdbeere, dazu ein bisschen diese Rappigkeit. Das gibt eine unglaubliche Pikanz. Feine Lakritze dahinter. Schicke Süße, schon die Nase ist zum Reinspringen. Auch im Mund Himbeere und Erdbeere, dazu ein bisschen rote Johannisbeere, süße rote Kirsche und Sauerkirsche. Tolle Länge zeigend. Dazu eine grandiose Mineralität. Der Wein hat definitiv mehr Intensität als der Faset. Er ist der größere Wein. 96+/100

Asili ist eine historische Einzellage in Barbaresco. 1961 erwarb Giovanni Roagna die Lage. Ausbau im großen Holz über fünf Jahre. Ein extrem limitierter Wein, von dem es alljährlich nur gut tausend Flaschen gibt. Denn hier gehen nur die ältesten Reben ein. Zu 100 % aus eigenem Lagenbesitz. Der Alkoholgehalt in 2015 liegt bei bescheidenen 14 Volumenprozent. Im Durchschnitt wurden fünf bis zehn Prozent Ganztrauben mitvergoren, um Frische zu bewahren und den Alkohol tief zu halten. Der Asili besteht aus Reben, die an die 90 Jahre alt sind. Diese alten Reben merkt man in der Nase, gleichzeitig auch den hohen Rappenanteil, der hier bestimmt bei zehn Prozent liegt. Wow, was für ein Druck, was für eine unglaubliche Frische und was für eine wunderschöne Mischung aus reifer roter Frucht und grünem Touch! Im Hintergrund leicht vegetabil. Das ist Burgund, das ist Dujac. Im Mund wahnsinnig Länge ausstrahlend. In der Art könnte es auch ein Red Label von Giacosa sein, weil er so unglaublich lang und intensiv in seiner Fruchtigkeit und Reife daherkommt. Dazu kommt diese Rappigkeit. Die Kombination ist wirklich ein Traum! In zehn Jahren wird das einer der großen Barbaresco sein, zumindest des Jahres 2015. Und dabei ist 2015 sicherlich keines der schwächeren Jahre in Barbaresco. Großes Potenzial! 97–98+/100

Der Alkoholgehalt in 2015 liegt bei bescheidenen 14 Volumenprozent. Im Durchschnitt wurden fünf bis zehn Prozent Ganztrauben mitvergoren, um Frische zu bewahren und den Alkohol tief zu halten. Paje gehört zu 100 Prozent der Familie Roagna. Der Weinberg ist nach Südwesten exponiert und liegt auf 280 Metern Höhe. Wir haben hier zu 100 Prozent ein Kalkstein-Terroir. Logischerweise hat der Wein aufgrund des Terroirs eindeutig die strukturierteste Nase der bisher probierten Barbaresco. Links und rechts total sauber definiert, gleichzeitig eine hohe Aromatik. 2015 war ein sehr warmes Jahr. Reiche Noten von Erdbeere und Himbeere. Dicht, lang, fast drückend und exotisch. Ein bisschen erinnert er an reifen Grenache oder an überreifen Pinot Noir in dieser satten Erdbeer-Himbeerigkeit. Feine Lakritze und eine ganz hohe Blumigkeit, viel Veilchen, aber auch Rosenblätter. Eine schicke Süße ausstrahlend. Im Mund weiß man sofort: hier muss man zehn Jahren warten. Der Wein hat eine total seidige, aber hochintensive Tanninstruktur. Eine Schärfe im Tannin. Unglaublicher Geradeauslauf, rasiermesserscharf, Tannin und Salz. Dazu diese überquellende Frucht aus Erdbeere und Himbeere, diese Feinheit. Die Assoziation zu superreifem Grenache von Château Rayas liegt auf der Hand. Das könnte durchaus als ein Rayas Châteauneuf-du-Pape durchgehen. Das ist schon eine sehr lustige Verbindung. Ein Wein mit Größe und Länge. 97/100

Das sind die ältesten Reben der Einzellage Pajé. Nur mindestens 50-jährige Reben werden hier verwendet. Der Alkoholgehalt in 2015 liegt bei bescheidenen 14 Volumenprozent. Im Durchschnitt wurden fünf bis zehn Prozent Ganztrauben mitvergoren, um Frische zu bewahren und den Alkohol tief zu halten. Paje ist deutlich mehr vom Fluss Tanaro geprägt, von Kühle und Feuchtigkeit, als Montefico. Die Nase ist feiner, der ganze Wein ist feiner. Es ist weniger heiß, weniger drückend in der schwülstigen Erdbeer-Himbeerfrucht. Viel klarer definiert. Ein extrem delikater Wein und eigentlich das Gegenstück zum Montefico. Was für ein grandios feiner Wein, was für eine unglaubliche Finesse! Schick, fein, seidige Tannine. Die Frucht ist nicht so dominant. Hochgradig elegant, schick und lang. Eine delikate Schönheit sondergleichen. Großer Stoff, so soll es sein! Einer der Top-Barbaresco in meinem Leben. 98–100/100

Das ist der teuerste Barbaresco, den es überhaupt gibt. Aus 90 bis 100 Jahre alten Reben auf massivem Sandstein und Lehm, hier gibt es keinen Sand. Dieser Wein ist ein Ereignis! Wenn man diesen Wein nicht mindestens einmal probiert hat, dann weiß man nicht wozu großer Barbaresco fähig sein kann. Klar, es gibt die Riserva von Giacosa, aber die ist nicht ganz so definiert. Und dann Gajas Sori-Lagen, fast etwas grob dagegen. Das hier ist das Äquivalent zu einem La Tâche aus dem Burgund. Der Wein hat so einen immensen Zug, und trotzdem sind die Tannine so seidig wie man sie sich seidiger kaum vorstellen kann, ein unfassbarer Schliff. Das Ganze auf Mineralität von Salz, Kreide, Kalk und weißem Lehm laufend. Extrem feine Würze und Frische, Druck und Intensität bis zum Abwinken. Der gesamte Mundraum wird eingenommen. Ein Wein, den man beim Verkosten nicht ausspucken kann. Wow, was für ein Ereignis! Die Augen sind immer noch zusammengezogen selbst lange nach dem Schlucken während ich das hier spreche. Diesen Wein bitte zehn Jahre oder am besten noch viel länger irgendwo wegsperren. Ich glaube nicht, dass es im Piemont noch viele andere Weine auf diesem Level gibt. Das ist auf dem Niveau eines Monfortino von Conterno, Granbussia von Aldo oder anderen Top-Barolo dieser Klasse. Hier muss Barbaresco sich hinter nichts auf der Welt verstecken. Das gehört vielleicht zu den besten zehn Weinen der Welt überhaupt. Ich bin fast benommen von diesem Eindruck der kaum fassbaren Feinheit bei gleichzeitiger enormer Intensität. 100+/100

Vietti

Wir bleiben im Ort Castiglione Falletto, sogar auf der gleichen Höhe, keine 500 Meter und etwas nach oben zur Burg. Da liegt das historische Weingut Vietti. Dieses Weingut war das erste, dass Einzellagen im Barolo separat ausgebaut und gefüllt hat. Rocche aus Castiglione, Lazzarito aus Serralunga, Brunate aus La Morra und Ravera aus Novello. Und aus der im Anstieg zu Castiglione Falletto gelegenen Lage Villero entsteht der immer drei Jahre später auf den Markt kommende, rarste und teuerste Wein des Hauses. Immer nur das Beste! Dazu der Barolo Castiglione, alle Crus, deren separater Ausbau nicht lohnt, also eine Ansammlung unterschiedlicher Toplagen. Hier ist die Vinifikation eine jahrgangsabhängige Mischung aus Ganztraubenvergärung und Entrappung, Ausbau in großen Fässern als auch im Barrique und Tonneau. Eine Einteilung als Traditionalist (was sie hier ganz klar auch sind) und Modernist ist Vietti egal.

Der Mann hinter dem Wein: Luca Currado

Vietti ist darüber hinaus auch das erste Weingut, dass den aus Roero stammenden Arneis Weißwein abfüllte. Und immer noch werden die Weine von der Familie verantwortet. Luca Currado, der Sohn von Signora Vietti und Alfredo Currado, ist für Weinberge und Keller und Weinbereitung verantwortlich. Er ist auch der Geschäftsführer des vor einigen Jahren aus finanziellen Gründen an einen privaten amerikanischen Investor (der langjährige Generalimporteur) verkauften Weinguts, ihm zur Seite steht der Verkaufsleiter Urs Vetter, der erst jüngst vom Weingut Lageder zu Vietti gestoßen ist. Sicher ist, dass Vietti weiter in der allerersten Reihe der Qualität steht.

Alle Vietti Weine

Urs Vetter
Urs Vetter

Verkostungsnotizen Vietti

Die Familie Vietti gilt als Pionier in Sachen Arneis. War sie es doch, die als erste Rebsortenreine Arneis abfüllte und damit die wohl individuellste Weißweintraube Italiens groß machte. Glänzendes, zartes Goldgelb mit grünen Reflexen. Feine Bitterstoffe in der Nase, Zester von Orange und Zitrone, zarte Ananas, feine, leicht bittere Melone, darunter Golden Delicious Apfel und feine Birne, sehr duftig frisch und rassig. Im Mund ähnliche Struktur, frische Säure von Zitronenschale, rassige grüne und gelbe Birne, Zitronengras, leichte Bitterstoffe, nicht zu süße Ananas und ein Hauch exotische Passionsfrucht, aber alles schlank gehalten mit guter Harmonie und Frische, sehr interessanter, verspielter, eigenständiger Arneis. Toller Nachhall mit weißem Weinbergpfirsich und schlanker Aprikose. Dieser Wein zeigt deutlich was für eine große Berechtigung und Stellenwert die Arneis im Spiel der Weißweine Italiens hat. Ein wunderschöner Wein, einige Jahre nicht so gut probiert. Ein sehr schöner, crisper, animierender Wein. 91–92/100

Der Langhe Nebbiolo Perbacco ist ein deklassifizierter Barolo – bestes Traubenmaterial aus den Weinbergen der Familie Vietti wurde hier vinifiziert. Wunderbar aromatische Nase, eine pure Kirschorgie, Herzkirsche, Schwarzkirsche, unterlegt mit einer Prise Pfeffer, Lorbeer und einem verspielten, floralen Touch. Die Frucht ist strahlend klar und saftig. Struktur, Muskeln und Reife zeigen deutlich an, dass man hier Barolo-Material im Glas hat, aber die Feinheit und verspielte Fruchtpower sind einfach genial hier. Selbst die größten Barolo-Fans werden glücklich mit diesem Wein sein, weil er aromatisch und strukturell wie ein Barolo ist, aber etwas zugänglicher in der Struktur. Herrliche Extraktsüße und kerniges Tannin, der Wein ist die Quintessenz von Nebbiolo auf enorm hohem Niveau für diesen Preisbereich. Wunderbar! 93/100

Der Barbera »La Crena« ist der am längsten im Fass verweilende Barbera im Hause Vietti. Auch wenn der Barbera d’Alba »Scarrone« Vigna Vecchia für mich häufig der mindestens gleichwertige, manchmal sogar größere Wein ist, bekommt nur der vom Winzer höher eingeschätzte »La Crena« fast genauso lange Fass- und Flaschenlagerung wie die Top-Barolo. Das bedeutet, dass der 2016 erst im Jahre 2019 auf den Markt kommt und 2016 eben erst 2019. Anders als die Barolo wird dieser Barbera eine kurze Zeit der Malo auch im kleinen, neuen Barrique ausgebaut, und kommt erst dann ins große gebrauchte Holzfass. La Crena besteht aus uralten Reben. Ein Großteil wurde Anfang der 30er Jahre gepflanzt. 3,5 Hektar. Für Asti erstaunlich schlank. Die spontane alkoholische Vergärung erfolgte noch im Stahl. Nach der Malo im Barrique geht es ins große, gebrauchte Holzfass für satte 18 Monate. Der Wein zeigt dementsprechend nicht die in Asti so häufig übliche Überholzung. Unendlich fein mit viel schwarzer Kirsch, mit Brombeere. Das Holz ist extrem fein im Hintergrund bleibend, es dominiert nicht. Die Schwarzkirsche ist die komplette Dominante. Ein bisschen Lakritze dahinter, aber nicht fett. Alles sehr fein schiebend. Brombeere und Cassis in einer sehr feinen Version. Die Nase ist reich, cremig und dicht. Trotzdem bleibt das Ganze fein. Auch der Mund ist ein tänzelndes Potpourri von schwarzer Kirsche mit Lakritze, süßer Maulbeere. Überhaupt nicht fett werdend, sondern total balanciert von salziger, intensiver Länge. Tolle Mineralität. Wenn Barbera d’Asti immer so fein bleiben könnte, so tänzelnd bleiben könnte, dann ist er nicht nur grandios und riesig, sondern er ist vor allem trinkig. Dieser hier hat einen sensationellen, saftigen Trinkfluss. Auch ein Hauch Blaubeere kommt dazu. Ja, so soll es sein. Er muss sich dem Partner Barbera d’Alba Scarrone VV beugen, weil Alba einfach noch feiner ist als Asti. Aber das ist schon oberste Reihe in Barbera. 97–98+/100

Das ist seit vielen, vielen Jahren zusammen mit Voerzios Pozzo der vielleicht größte Barbera des Piemont überhaupt. Mit die ältesten Reben überhaupt im Piemont. Dieser Weinberg wurde vor dem ersten Weltkrieg angelegt, wir reden also über 100-jährige Reben mit entsprechend geringen Erträgen. Der Weinberg liegt in Castiglione direkt vor dem Weingut in abfallender Steillage. Die Nase zeigt Schwarzkirsche in süßer Form. Erst langsam kommt süße rote Kirsche und Sauerkirsche dazu. Auch ein Hauch Blaubeere. Sehr intensiv, sehr dicht, aber nie süß, überhaupt nicht marmeladig. Samtig, reichhaltig, dicht, aber zugleich voller Feinheit. Der Mund noch seidiger und vor allem in der Säure sehr viel intensiver. Grandiose Dichte, unendliche Länge mit hoher Säure zeigend. Sehr lebendig, sehr frisch. Unglaublicher Wein. In der hohen Säure und in der Struktur ein wenig an einen Clos de la Roche aus dem Burgund erinnernd. Nur fetter und schokoladiger. Die Frische und die intensive Kirschfrucht verhallen erst nach Minuten. Der Wein bleibt lange, lange haften. Wer diese hohe Intensität der Barbera liebt ist hier auf jeden Fall an der allerersten Adresse. Und zusammen mit Voerzio feinerem Pozzo für mich an der Spitze des gesamten Spektrums der Rebsorte Barbera. Noch vor Altares Larigi. Alba liegt für mich ob seiner größeren Eleganz und Klarheit und Frische klar vor Asti. 98–99/100

2017 war gekennzeichnet von einer großen Frostperiode im Frühjahr und von einem warmen Sommer mit langer Trockenperiode. Vom Frost wurden vor allem jene Winzer verschont, die Reben in Hochlagen bewirtschaften. Durch die Trockenheit und Wärme stand im Herbst eine deutlich frühere Lese an als normalerweise, teils vier Wochen früher. Das schöne war, dass Anfang September in den Nächten eine große Kühle herrschte. Wir haben also auf der einen Seite einen warmen, reichen, fruchtbetonten Jahrgang wie 2011 oder 2015. Und gleichzeitig haben wir Frische und Kühle durch den kühlen Herbst und somit auch eine hohe Eleganz, mit seidigen Tanninen. Deshalb ist 2017 ist nicht wirklich vergleichbar, weder mit 2011, das die Kühle nicht hatte, und auch nicht mit 2003 oder 2015. Die klimatischen Bedingungen haben 2017 auch dazu geführt, dass sich in Barolo die verschiedenen Höhenlagen etwas annäherten. Der Jahrgang, mit seiner Frische, Finesse und fruchtstarken Aromatik, dominiert in diesem Jahr 2017 deutlich mehr als in Jahren wie 2016 oder später 2019 und 2020. In den Castiglione fließen alle Crus ein, die zu klein sind, um separat vinifiziert zu werden. Vietti ist sicher das Gut mit den meisten Parzellen und Einzellagen und man könnte die heute bestehenden 5 Einzellagenweine problemlos auf 10 oder mehr ausweiten. Aber irgendwann würde es unübersichtlich werden, deshalb gehen alle anderen, von Ausmaß kleineren Crus, in den Castiglione. Auch der heute berühmte Ravera war bis vor ein paar Jahren noch Bestandteil des Castiglione. Deshalb muss man diesen Castiglione ganz besonders hervorheben. Es ist ein Wein auf potenziellem Top-Punkte-Niveau, der aber fast zu einem Schnäppchenpreis auf den Markt kommt. Die Nase des 2017er Castiglione ist so sehr 2017, wie man es fast besser nicht ausdrücken kann. Wir haben die Wärme, die Hitze und die Trockenheit des Jahrgangs. Dazu kommt die Kühle der Nächte des Herbstes. Alles in einem Wein. 2017 ist klar spannender als 2015 und 2014, weniger harsch als 2013 und etwas schicker und eleganter als 2012 und 2011. Im Grunde ist er nach den beiden Über-Jahrgängen 2016 und 2010 – für mich zumindest – der drittbeste Jahrgang des Jahrzehnts. Ganz feine rote Frucht, elegant. Sehr schick und sehr charmant aus dem Glas aufsteigend. Aber die Feinheit obsiegt. Im Mund viel rote Kirsche und Sauerkirsche, aber auch viel Erdbeere und Himbeere. Sehr fein, sehr schöne Säure hintenraus, verspielt und tänzerisch. Ein ausgesprochen hedonistischer, leckerer Jahrgang, mit einer hohen aromatischen Wärme. Gleichzeitig mit einer fast raffinierten Seidigkeit im Tannin. Nichts Bäuerliches, sondern nur hochelegant und mit einem dicken Lecker-Gen im Finale. Schöne Salz-Kreidespur. Nicht die Größe von 2016, ganz sicher nicht. Aber im Genussfaktor sicherlich mit das Beste, was es hier in diesem Jahrzehnt gab. 95/100

2017 war gekennzeichnet von einer großen Frostperiode im Frühjahr und von einem warmen Sommer mit langer Trockenperiode. Vom Frost wurden vor allem jene Winzer verschont, die Reben in Hochlagen bewirtschaften. Durch die Trockenheit und Wärme stand im Herbst eine deutlich frühere Lese an als normalerweise, teils vier Wochen früher. Das schöne war, dass Anfang September in den Nächten eine große Kühle herrschte. Wir haben also auf der einen Seite einen warmen, reichen, fruchtbetonten Jahrgang wie 2011 oder 2015. Und gleichzeitig haben wir Frische und Kühle durch den kühlen Herbst und somit auch eine hohe Eleganz, mit seidigen Tanninen. Deshalb ist 2017 ist nicht wirklich vergleichbar, weder mit 2011, das die Kühle nicht hatte, und auch nicht mit 2003 oder 2015. Die klimatischen Bedingungen haben 2017 auch dazu geführt, dass sich in Barolo die verschiedenen Höhenlagen etwas annäherten. Der Jahrgang, mit seiner Frische, Finesse und fruchtstarken Aromatik, dominiert in diesem Jahr 2017 deutlich mehr als in Jahren wie 2016 oder später 2019 und 2020. Rocche aus Castiglione ist eine der maskulinsten Lagen und zusammen mit Lazzarito die maskuline Seite der Barolo von Vietti. 2017 mit der Frische und der Aromatik ist eigentlich wie ein Baukasten. Links, rechts, oben, unten sauber definiert, alles ist klar. In der Nase zeigt er eine tolle Struktur und eine super Definition. Der Mund ist dann erstaunlich fein. Ich hätte bei Rocche härtere Tannine erwartet, wie das in 2016 war. Aber 2017 sind die Tannine total seidig. Auch der Mund ist aromatisch und fein. Fast schick, tänzelnd, mit schöner Kirschfrucht. Eher burgundisch als in der Vergangenheit. Eine große Freude, ihn zu trinken. Und trotzdem wird er Jahre halten. Sehr schicker, sehr feiner, sehr eleganter Rocche. Das gefällt mir! 97+/100

2017 war gekennzeichnet von einer großen Frostperiode im Frühjahr und von einem warmen Sommer mit langer Trockenperiode. Vom Frost wurden vor allem jene Winzer verschont, die Reben in Hochlagen bewirtschaften. Durch die Trockenheit und Wärme stand im Herbst eine deutlich frühere Lese an als normalerweise, teils vier Wochen früher. Das schöne war, dass Anfang September in den Nächten eine große Kühle herrschte. Wir haben also auf der einen Seite einen warmen, reichen, fruchtbetonten Jahrgang wie 2011 oder 2015. Und gleichzeitig haben wir Frische und Kühle durch den kühlen Herbst und somit auch eine hohe Eleganz, mit seidigen Tanninen. Deshalb ist 2017 ist nicht wirklich vergleichbar, weder mit 2011, das die Kühle nicht hatte, und auch nicht mit 2003 oder 2015. Die klimatischen Bedingungen haben 2017 auch dazu geführt, dass sich in Barolo die verschiedenen Höhenlagen etwas annäherten. Der Jahrgang, mit seiner Frische, Finesse und fruchtstarken Aromatik, dominiert in diesem Jahr 2017 deutlich mehr als in Jahren wie 2016 oder später 2019 und 2020. Ravera ist die beste Lage in Novello, eine Gemeinde, die auf halber Höhe zwischen Barolo und Monforte liegt. 350 Meter hoch, Kalksteinböden. Eine Traumlage und in den letzten Jahren der Wärme immer besser geworden. Heute gehört sie sicherlich zu den besten Lagen des Barolo-Gebiets überhaupt. Eine lustige Begebenheit, weil wir gerade am selben Tag auch bei Cogno Ravera probiert haben, wo er deutlich eleganter interpretiert wird. Vietti hat beides, die Eleganz und die Kraft. Im Grunde ist er etwas komplexer als Cognos Ravera, dafür etwas weniger auf der Finessenseite. Das kann man so oder so sehen. Dieser Wein ist auf jeden Fall wunderbar strukturiert und voll auf der roten Frucht. Aber nicht so marmeladig wie vielleicht 2015 war, sondern hocharomatisch und trotzdem strukturiert. Anders als der sehr burgundische Brunate ist der Ravera ganz klar Piemont, ganz klar Barolo. Er hat eine deutlich intensivere Tanninstruktur, darin eine leichte Härte, Länge und Power. Noch etwas verschlossen und nicht ganz ausbalanciert. Der Wein braucht Zeit. Er hat Potenzial zu Größe, ist aber noch klar hinter Brunate im Moment. 96–97/100

2017 war gekennzeichnet von einer großen Frostperiode im Frühjahr und von einem warmen Sommer mit langer Trockenperiode. Vom Frost wurden vor allem jene Winzer verschont, die Reben in Hochlagen bewirtschaften. Durch die Trockenheit und Wärme stand im Herbst eine deutlich frühere Lese an als normalerweise, teils vier Wochen früher. Das schöne war, dass Anfang September in den Nächten eine große Kühle herrschte. Wir haben also auf der einen Seite einen warmen, reichen, fruchtbetonten Jahrgang wie 2011 oder 2015. Und gleichzeitig haben wir Frische und Kühle durch den kühlen Herbst und somit auch eine hohe Eleganz, mit seidigen Tanninen. Deshalb ist 2017 ist nicht wirklich vergleichbar, weder mit 2011, das die Kühle nicht hatte, und auch nicht mit 2003 oder 2015. Die klimatischen Bedingungen haben 2017 auch dazu geführt, dass sich in Barolo die verschiedenen Höhenlagen etwas annäherten. Der Jahrgang, mit seiner Frische, Finesse und fruchtstarken Aromatik, dominiert in diesem Jahr 2017 deutlich mehr als in Jahren wie 2016 oder später 2019 und 2020. Lazzarito ist eine der tollsten Lagen in Serralunga. Castiglione Falletto und Serralunga sind sicherlich die beiden interessantesten Appellationen zu Zeit, wobei Serralunga langsam die Überhand gewinnt. Alle großen Erzeuger, von Giacomo Conterno über Gaja, Luigi Pira und Vietti, tummeln sich hier. Dieser Wein zeigt sich am perfektesten, am harmonischsten von allen vier Lagen bei Vietti. Brunate kann mithalten, weil er einfach so burgundisch ist, aber die Nase des Lazzarito ist einfach eine Wucht, weil sie alles hat. Sie hat die 2017er Reife und gleichzeitig die Feinheit und Frische. Im Mund eine große Länge und – typisch für Serralunga – leicht sandige Tannine, aber fein. Rote Frucht, viel Struktur dazu. Sehr Barolo. Eine leichte Affinität zu Grenache. Etwas mehr Power als der Castiglione, im Grunde ist er das Gegenstück zum Brunate. Diese beiden Weine sind schon ziemlich überragend, aber insgesamt ist das eine ganz hervorragende Serie von 2017ern. 2017 entpuppt sich sowieso als ein Jahrgang, der nach 2016 und 2010 der wahrscheinlich drittbeste der bisherigen Geschichte sein wird. Extrem schick, das macht richtig Freude! 97–98/100

2017 war gekennzeichnet von einer großen Frostperiode im Frühjahr und von einem warmen Sommer mit langer Trockenperiode. Vom Frost wurden vor allem jene Winzer verschont, die Reben in Hochlagen bewirtschaften. Durch die Trockenheit und Wärme stand im Herbst eine deutlich frühere Lese an als normalerweise, teils vier Wochen früher. Das schöne war, dass Anfang September in den Nächten eine große Kühle herrschte. Wir haben also auf der einen Seite einen warmen, reichen, fruchtbetonten Jahrgang wie 2011 oder 2015. Und gleichzeitig haben wir Frische und Kühle durch den kühlen Herbst und somit auch eine hohe Eleganz, mit seidigen Tanninen. Deshalb ist 2017 ist nicht wirklich vergleichbar, weder mit 2011, das die Kühle nicht hatte, und auch nicht mit 2003 oder 2015. Die klimatischen Bedingungen haben 2017 auch dazu geführt, dass sich in Barolo die verschiedenen Höhenlagen etwas annäherten. Der Jahrgang, mit seiner Frische, Finesse und fruchtstarken Aromatik, dominiert in diesem Jahr 2017 deutlich mehr als in Jahren wie 2016 oder später 2019 und 2020. Brunate ist eine der besten Hochlagen in la Morra, zusammen mit La Serra, Cerequio und Fossatti. Viele halten Brunate für die Nummer 1. Ich persönlich glaube, dass La Serra und Cerequio in den warmen Jahren noch leicht an Brunate vorbeigezogen sind, aber es ist auf jeden Fall in La Morra mit das Beste, das man bekommen kann und damit in der ersten Reihe von Barolo überhaupt. Aber man muss dazusagen, dass La Morra natürlich die Heimat der feminineren und eleganteren Barolo ist. Power und Maskulinität gibt es in Serralunga und Castiglione. Der Vietti Brunate 2017 hat eine reiche, dichte Schwarzkirsch-Nase. Im Grunde wie ein relativ fetter Gevrey-Chambertin riechend. Burgund pur. Hochintensiv aromatisch. Auch im Mund haben wird dieses Burgundische. Viel schwarze Kirsche, dann kommen etwas rote Kirsche und Sauerkirsche. Hintenraus viel Salz und Kalkstein. Grandiose Intensität und gleichzeitig hohe Frische. Ich bin extrem positiv überrascht von diesem Brunate. Immenser, mehrminütiger Nachhall. Aber wie ich schon eingangs sagte: das ist reinstes Burgund. Ein Chambertin, oder zumindest ein Gevrey-Chambertin Cazetiers. Aber eher schon Chambertin in seiner Reichhaltigkeit, in seiner Dichte und Kirschigkeit. Blind hätte ich ihn wirklich eher im Burgund verortet. Ein wunderschöner Wein, schick, lang und intensiv. 97–98+/100

Die beste Lage Viettis, wird nur in ganz großen Jahren separat vinifiziert, der einzige Barolo, der vor dem mehrjährigen Ausbau im großen 2,5 Hektoliter Holzfass auch eine etwas längere Zeit im kleinen Holz verbracht hat. Der Villero macht nach dem Ausbau noch 2 weitere Jahre Flaschenreife durch bis er auf den Markt kommt, also immer 2–3 Jahre nach den anderen Weinen des Jahres. Vielleicht die beste Lage Castigliones in Sachen Komplexität, bei Kraft siegt Rocche. Ansonsten wird diese vor dem Haus steil abfallende Lage Castigliones in den Barolo Castiglione subsummiert. Ein Potpourri aus schwarzen und roten Früchten mit einer unglaublichen Mineralität. Aber nichts erschlägt, nichts ist zu fett. Das Ganze bleibt fein. Der Mund ist total verspielt und man ahnt diese unglaublich feinen, geschliffenen Tanninmassen dahinter. Veilchen und Rosenblätter neben etwas verbranntem Gummi, schwarze Erde und dunkle belgische Praline. Ganz leicht kommt Hagebutte und gelbe Frucht dahinter hoch, Mango, ein Hauch Aprikose. Drückend, etwas verbrannte Brombeere, total verspielt und gleichzeitig total dicht. Die Faust im Samthandschuh. Seidig, komplex, filigran. Alle Sinne berührend. Ich mag diese Vielschichtigkeit, diese Weine zum Träumen, diese langsamen Weine, die man entdecken und entblättern muss. 100/100

Leider gecancelt

Donnerstag 22. Oktober. Unfreiwillig unser letzter Tag. Wir wollten Freitag und Samstag noch Tibaldi, Valfaccenda, Montagnola und Walter Massa besuchen. Die spannendsten Weißweine des Piemont, Timorasso vom Großmeister und Arneis mal ganz anders. Leider gecancelt, Deutschland verkündet eine Pflichtquarantäne für alle Heimkehrer ab Samstag, wir mussten Freitag zurück.

Die Region Roero liegt nordwestlich von Alba, der hier heimische Arneis ist einer der berühmtesten Weißweine des Piemonts. Sehr versammelte Nase, schöner Schmelz schon im Duft, weißer Pfirsich, Nashibirne, weiße Blüten und geschälte Mandeln, ein kleiner Touch Marzipan ohne Süße dazu. Der Mundeintritt ist dicht und fruchtbetont, reife Quitte sorgt für einen leicht herben Fruchteindruck, Zitronenabrieb, hintenraus kommt noch etwas Orangenschale dazu. Die typische Bitternote kommt im Finish nur ganz dezent zum Tragen, da sie von der voluminösen Frucht nahezu überflügelt wird. Die Kombination aus ganz leichtem Gerbstoff und satter Fruchtdichte verleihen dem Arneis ein griffiges Mundgefühl und machen unweigerlich Lust auf einen Teller Pasta mit Garnelen. Ein schicker Arneis. 92+/100

Handlese Mitte Oktober in kleine 20 Kilogramm Behälter. Sowohl die sanfte Remontage, also das Überpumpen des Mostes sowie die Vergärung passieren temperatur­­kontrolliert. Viel angetrocknete Kirsche samt Kernen, herzhaft und leicht herb-kräuterig, Thymian, etwas Teer, Marzipansüße und viel Cranberry hintenraus. Letztere ist auch die Dominante im Mund, herb­saftige Johanisbeere und süße und saure Kirsche kommen hinzu, getrocknetes Basilikum, alles wird umspielt von prägnanten, aber sehr samtigen Tanninen. Die feine Säurspur verleiht dem Nebbiolo Auftrieb und Trinkfreude und lässt ihn aromatisch und beschwingt wirken. Der Wein hat einen femininen, zarten Charakter, was durchaus daran liegen kann, dass er durch die sanfte Hand zweier Schwestern vinifiziert wird. 93+/100

Leuchtendes, intensives Gelb im Glas. Die Nase ist geprägt von reifer Frucht, Quitte und Birne, aber auch Apfelschale. Dahinter haben wir Anklänge vom weißem Pfeffer und Brotkruste und frisch gezupften Gartenkräutern. Die Verbindung von Primär- und Sekundäraromen kommt wohl von der Vinifizierung. Die Trauben von den jungen Reben werden direkt gepresst und in Stahl vergoren, die Trauben älterer Rebbstände werden entrappt, dann angepresst und anschließen mehrere Tage auf der Maische belassen. Dann gären sie in altem Holz. Sehr vollmundig, die Phenolik ist spürbar, aber der Wein ist dabei immer saftig und hochmineralisch. In der Aromatik leicht erdig und kräutrig, aber durchaus frisch und beschwingt. Ein enorm spannender Roero, sehr originell, sehr unique. Ich wußte nicht, dass es Weltklasse aus Arneis gibt, hier wird es klar! Der Freak möge aber bitte beachten, dass der Wein einige Jahre Flaschenlager braucht. 93–95/100

Valfaccenda produziert nicht nur einen der besten Roero Arneis, sondern auch einen Nebbiolo aus der wohl bekanntesten Lage Roeros. Ton- und Sandboden, also eher auf der eleganten Seite. Biodynamischer Anbau. Hier steht eine Selektion Massale, in 1947 und 1967 gepflanzt. 9.000 Stock pro Hektar, also Dichtpflanzung. Die Riserva wird schon im Weinberg selektioniert. Es werden dafür nur die besten Stöcke ausgewählt, der Rest geht in den normalen Roero Rosso. Vergärung im offenen Holz für 30 Tage, dann Ausbau für ein Jahr im großen Holz. Abfüllung ungeschönt und ohne Filtration. Anschließend weitere 1,5 Jahre Flaschenreifung im Weingut vor Release. Wunderbar aromatische Nase, direkt offen, hier merkt man den sehr geringen Schwefeleinsatz. Schwarzkirsche, Graphit, Maulbeere und Tabak, konzentriert und reich, aber gleichzeitig so verspielt, viel Veilchen, Rosenblätter, Weihrauch. Der Mund ist saftig und elegant, eher mittelgewichtig, sehr schön balanciert und harmonisch. 2016 ist einfach so ein schickes Jahr. Die Säure ist fein, das Tannin seidig-reif, alles passt, alles ist schick. Ein sehr schöner, geradliniger, eleganter und delikater Ausdruck von Nebbiolo. Wird sicher auch hervorragend reifen, trotz geringem Schwefel. Toller Wein. 93–94/100

Donatella liest die Timorasso-Trauben in kleinen 15-Kilogramm-Kisten, baut den leicht auf der Schale eingemaischten Wein über zwölf Monate im Stahltank aus, und belässt ihn auf der lange auf der Vollhefe. Timorasso kennt leider kaum jemand. Dabei ist die Cascina Montagnola zusammen mit Walter Massa eine italienische Legende. Zu Recht. Denn die Timorasso der beiden Erzeuger zählen, wenn man ihnen etwas Reifezeit gibt, zu den besten Weißweinen Italiens. Ich habe hier etwas gelbe Pflaume, oder auch nicht ganz reife Mirabelle, dann nussige Noten wie Haselnuss oder grüne Walnuss und dazu etwas Heu. Aber im Prinzip ist der Wein sehr zart und verschlossen. Am Gaumen definiert er sich über Mineralität. Welch ein knochentrockener, erdiger und kräftiger Weißwein. Erinnert an eine Mischung aus Silvaner und Chardonnay ohne Holz, und vielleicht noch ein Weißwein aus dem Collio wegen der leichten, immer tragenden Bitternote. Das interessante ist, wie die Säure hier den höheren Alkoholgehalt abfedert und ihn zwar kräftig macht, aber nicht platt erscheinen lässt. Das ist ein großer Weißwein aus Italien, der leider völlig zu Unrecht kaum über die eigenen Regionsgrenzen hinaus Anerkennung erfährt. 94–95/100

Die Barbera-Trauben stammen alle aus einem Weinberg mit 60-jährigen Reben. Das ist Barbera in Reinform. Ausbau für 15 Monate im Barrique, weitere 12 Monate Reifung auf der Flasche. Ein schöner, sehr kühlfruchtiger Barbera. Die Nase zeigt Tabak, Lakritz und frische Pflaume. Dann auch etwas Lavendel und viel schwarze Kirsche mit einem Touch Brombeere und Blaubeere. Am Gaumen geht es knackig zu. Eine schöne Säure. Das will kein überkonzentrierter Barbera sein, der viele Jahre reifen soll, sondern ein waschechter, kirschkerniger und immer zugänglicher Barbera mit sehr krautwürziger Frische. Wunderschön trinkig! 93+/100

Derthona ist Walter Massas Einstiegs-Timorasso. Aber was ist schon Einstieg bei der Klasse?! Der Godfather of Timorasso, Walter Massa, ist eine lebende Legende dieser autochthonen Rebsorte. Alle Winzer im Piemont kennen ihn. Man muss nur den Namen erwähnen, schon gibt es anerkennende Gesichter voller Hochachtung. Es gibt keinen anderen Winzer, der sich so dieser weißen Rebsorte verschrieben hat. Derthona stammt aus diversen Parzellen um Monleale in der DOC Colli Tortonesi. Wir haben hier Lehm und Kalk. Vergoren im Stahltank und zwischen 48 und 60 Stunden Schalenkontakt mit Batonnage. Der Wein wurde ebenfalls im Stahltank und etwas Zementtanks ausgebaut. Man riecht hier etwas Mandeln und grüner Apfel, auch weiße Blüten. Am Gaumen merkt man den Schalenkontakt, er packt zu, hat feine Gerbstoffe. Das prädestiniert ihn zum Essensbegleiter. Auch schwingt neben viel Apfel eine leichte Bitternote mit, wie die weißen Stellen der Zitronenschale. Dann kommt einfach nur Meersalz und etwas grüne Haselnuss, vielleicht auch ein Hauch Mandarine. Das macht schon jetzt viel Freude, kann aber problemlos viele, viele Jahre reifen und erlangt dann eine noch komplexere Ebene. 93+/100

Der Godfather of Timorasso, Walter Massa, ist eine lebende Legende dieser autochthonen Rebsorte. Alle Winzer im Piemont kennen ihn. Man muss nur den Namen erwähnen, schon gibt es anerkennende Gesichter voller Hochachtung. Es gibt keinen anderen Winzer, der sich so dieser weißen Rebsorte verschrieben hat. Montecitorio ist ein 1,6 Hektar Cru mit Ostausrichtung. Eine kühle Lage, das schätzt Walter Massa so sehr. Die Böden bestehen aus Kalk und Mergel. Spontanvergärung im Stahltank nach 60-stündigem Schalenkontakt. Ausbau im Stahl und Zementtank. Wie schön Timorasso sein kann, wenn er auch nur ein bisschen angereift ist, zeigt dieser Wein. Man hat hier erstmals neben weißen Blüten und schüchternem grünen Apfel auch eine weitere Ebene. Ein bisschen Tonka-Bohne und geklärte Butter. Am Gaumen ist der Wein einfach salzig. Hinzu kommt eine Note, wie bei Fino Sherry. Aber diese Salzigkeit ist einfach enorm. Etwas Toffee, dann Ingwer. Der Wein ist schon kräftig. Auch das ist mehr ein Essensbegleiter. Er hat eine prägnante Säure, die für uns Rieslingtrinker aus Deutschland aber doch eher im Hintergrund mitschwingt. Aber mit Chardonnay ist das auch nicht vergleichbar. Ein ganz großer Weißwein aus Italien. Und wenn das nochmals fünf Jahre mehr Reife hat, zählt er zu den größten Weißweinen, die es gibt. 96–98/100

Croatina ist eine autochthone Rebsorte. Manche kennen sie auch als Bonarda. Diese rote Rebsorte wird meist jung getrunken. Zu Unrecht, denn sie kann was! Wenige Winzer widmen sich ihr im Detail. Bei Walter Massa wird daraus ein seriöser Rotwein mit Reifepotenzial. Er baut ihn erst reduktiv, und dann anschließend einige Monate in großen Botti aus, um die Mikrooxidation zu erlangen. Die Trauben stammen aus Parzellen um Monleale. Das riecht sehr würzig und dunkelfruchtig. Auch eine Spur balsamischer Noten kommt hinzu. Man denkt erst an Barolo, hat aber mehr rote Frucht. Am Gaumen schwebt der Wein. Erst im Ausklang packt das Tannin zu. Dann aber richtig. Man hat Sauerkirsche, auch Amarena auf dunklem Kakao. Die Frucht ist reif, aber es ist genug Säure vorhanden, um den Wein zu balancieren. Ein Kraftpaket, aber trotzdem sehr geradlinig in der Aromatik. Muss unbedingt reifen! 93–94+/100

Freisa im Glas! Das ist eine höchst eigenständige, autochthone Rebsorte. Die Italiener und Ortsansässigen lieben die etwas sprudelige Freisa so sehr, dass nur wenig in den Export kommt. Ich habe noch einen Freisa von Bartolo Mascarello. Dort musste ich kämpfen um überhaupt ganz wenige Flaschen für Deutschland zu bekommen. Wenn man diesen Wein erst mal im Glas hat, weiß man auch warum. Das ist ein höchst trinkiger Wein. Rosenblätter, Milchschokolade und Sauerkirsche. Am Gaumen weiches Tannin, feine Säure und ein schlanker Körper. Schmeckt am besten ganz leicht gekühlt. Freisa war einst höher angesehen als Nebbiolo. Doch Ausbaumethoden und Geduld brachten neue Erkenntnisse. Der Ausbau ist völlig verrückt. Kein Stahltank, kein Holz. Nein, Walter Massa baut das in Élevage: 54-Liter-Glasbehältern aus. 93–94/100

Elio Grasso

Also Donnerstagsmorgens nach Monforte, zu Elio Grasso. Hier unterhalb Richtung Santo Stefano gelegen spielt sich alles um den Ginestra- und Mosconi-Weinberg ab. Zusammen mit Bussia sind das die drei besten Lagen Monfortes. Weißer Lehm, Kalkstein, etwas Sand. Hohe Eleganz und rotfruchtig elegante Weine. Eher Ravera aus Novello ähnelnd als den maskulineren Weinen aus Serralunga, der Nachbargemeinde. Aber strukturierter und fester als die Charmeure aus Barolo und La Morra. Ginestra und Mosconi liegen auf zwei benachbarten Hügelketten, die Stilistik ist sehr eigenwillig und mit einer auch von Bussia deutlich unterscheidbaren Ausprägung. Mehr schwarze Frucht, maskuliner, ein Maul voll Wein. Es gibt einige Topwinzer mit Mosconi und Ginestra, aber Elio Grasso, der direkt im Weinberg mit seinem in den Berg getriebenen Keller liegt, ist für mich hier klar der Primus inter Pares, auch wenn Conterno-Fantino mit seiner modernen Ausprägung ihm sehr auf den Versen ist.

Neben zwei traditionellen Barolo Ginestra Casa Mate und Ginestra Gavarini Chiniera (entrappt, nur große Fässer mit langer, traditioneller Nachmazeration auf den Schalen) gibt es auch noch den zwei Jahre später und im Barrique ausgebauten Rüncot, immer Kult und oft mit 100 Punkten bewertet. Gianluca Grasso, der begleitet von seiner Frau Francesca und Assistent Roberto schon viele Jahre seinen als älterer Herr und guter Geist herumwandelnden Vater Elio und Ehefrau Marina an der Spitze abgelöst hat, macht auch einen famosen Chardonnay und einen ultrafeinen Nebbiolo, der mit Cognos und Conterno-Fantinos Nebbiolo auf den Spuren allerfeinster Hochlagen Pinot Noirs wandelt. Die aromatische Verwandtschaft der Nebbiolo mit der Pinot Noir liegt auf der Hand, in der Nase und im Mund, aber nur die feinen Nebbiolo, nicht die Barolo, kitzeln die wahre Finesse von cool climate Pinot Noir hervor.

Alle Grasso Weine

Im Keller und im Wein – beeindruckende Tiefe

Verkostungsnotizen Elio Grasso

Aus der höchten Lage von Grasso auf dem Ginestra-Teil, Ostausrichting, die kühlste Lage die hier vorhanden ist. 1985 gepflanzte Reben. Fermentiert im Barrique, Ausbau und Teile der Fermentation in Stahl und Holz. Der Wein ist aber kaum vom Holz beeinflusst. Ein kleiner Hauch in der Nase. Wunderschöner Apfel, Quitte, Aprikose, minimale Ananas, weißer Pfirsich, aber Apfel dominiert. Charmant, nicht zu fett, sehr Chardonnay. Der Mund ist für einen Chardonnay fein, sehr aromatisch. Leicht grünfruchtige Elemente. Grüne Birne, ein Hauch Zitronengras, grüner Apfel, grüne Melone. Das Ganze bei großer Länge. Kreide, Kalkstein, im Hintergrund eine leichte Salzspur. Große Harmonie. Ein Wein, der für diesen Preis seinesgleichen sucht in der Langhe. Ganz hervorragender Chardonnay. Ich bin aus dem Stand begeistert, erst recht, als ich den bei dieser Qualität lustig tiefen Preis höre. 94+/100

2019, ein Jahr das durch Europa fegt mit dieser sensationellen Frische der kalten Nächte im Herbst und der Wärme des Sommers. 2019 ist im Grunde eine Turboversion des wunderbaren Jahrgangs 2017, weil einfach noch mehr Frische vorhanden ist, bei gleich hoher Reife. Speziell die Einstiegsweine, die Langhe Nebbiolo, profitieren enorm von dieser sensationellen Aromatik und Duftigkeit, von der Frische und Feinheit. Der Wein zeigt eine berauschende Blumigkeit. Wunderschöne Veilchen, aber auch weiße Blüten und ein bisschen Rosenblätter. Duftig, darunter rote Frucht und ein bisschen Salz. Die Trauben werden zu 100 Prozent entrappt, es sind die jungen Nebbiolo-Reben, die später in den Barolo gehen werden. Zu 100 Prozent spontan im Stahl vergoren und ausgebaut. Das ist Burgund vom Feinsten. Rote Kirsche, Sauerkirsche, ein bisschen Schlehe darunter. Hohe aromatische Intensität in roter Frucht und eine geniale Frische und Säure hintenraus. Auf einer Wellenlänge in der Qualität mit dem wunderbaren Langhe Nebbiolo von Cogno. Überhaupt ist 2019 DAS Jahr für Langhe Nebbiolo und Nebbiolo d’Alba. 93–94/100

2017 war gekennzeichnet von einer großen Frostperiode im Frühjahr und von einem warmen Sommer mit langer Trockenperiode. Vom Frost wurden vor allem jene Winzer verschont, die Reben in Hochlagen bewirtschaften. Durch die Trockenheit und Wärme stand im Herbst eine deutlich frühere Lese an als normalerweise, teils vier Wochen früher. Das schöne war, dass Anfang September in den Nächten eine große Kühle herrschte. Wir haben also auf der einen Seite einen warmen, reichen, fruchtbetonten Jahrgang wie 2011 oder 2015. Und gleichzeitig haben wir Frische und Kühle durch den kühlen Herbst und somit auch eine hohe Eleganz, mit seidigen Tanninen. Deshalb ist 2017 ist nicht wirklich vergleichbar, weder mit 2011, das die Kühle nicht hatte, und auch nicht mit 2003 oder 2015. Die klimatischen Bedingungen haben 2017 auch dazu geführt, dass sich in Barolo die verschiedenen Höhenlagen etwas annäherten. Der Jahrgang, mit seiner Frische, Finesse und fruchtstarken Aromatik, dominiert in diesem Jahr 2017 deutlich mehr als in Jahren wie 2016 oder später 2019 und 2020. Bei Grasso wird je nach Jahrgang mal komplett entrappt, mal nicht. 2017 wurde komplett entrappt, aber im Laufe des Jahres wurden die Triebe und Blätter nicht stark geschnitten, um eine höhere Beschattung und Fotosynthese durch die jüngeren Blätter zu haben. Wichtig war auch die Beschattung, weil 2017 so sonnenintensiv war. Die Lese fand relativ spät statt, bis in die dritte Oktoberwoche hinein. Man wollte einfach die volle phenolische Reife haben. Gleichzeitig wurde durch die kalten Nächte die Frische gut erhalten. Im Keller wird bei Elio Grasso das ganz klassische, traditionelle Herstellverfahren für Barolo angewendet. Die entrappen Beeren gehen in die Fermentation, nach der ersten heißen Phase wird der Maischehut circa 30 bis 40 Zentimeter unter die Flüssigkeitslinie gedrückt. Der Wein verbleibt anschließend für sieben bis acht Wochen auf dem Schalen, um die Weine finessenreicher zu machen. Ginestra ist der nominell etwas größere Wein im Hause Grasso. Es ist ein südexponierter Hang, der rund 100 Meter tiefer liegt als der Gavarini. Die Böden bestehen zu 100 Prozent aus weißem Lehm. Wir haben also eine völlig andere Drainage als im Gavarini Chiniera, das Wasser sickert bei starken Regenfällen nur langsam ab. Zudem sind die Reben deutlich älter, 70 Jahre und mehr, auch die Nebbiolo-Klone unterscheiden sich. Das ergibt völlig unterschiedliche Charakteristiken und Weine beim selben Erzeuger. Die Nase des Ginestra Casa Maté ist tiefer, würziger und intensiver. Dem Jahrgang entsprechend auch hier mit einer extrem hohen Aromatik. Aber mit ziemlich viel Wucht und Volumen kommend. Satte, tiefe Lavendel-Veilchen-Nase. Süße Rosenblätter, keine hellen Blüten. Relativ viel Wucht, aber total weich, dennoch schiebend. Holunder mit süßer Kirsche und Schwarzkirsche. Recht wuchtig und trotzdem total weich, opulent und verspielt. Im Mund viel Grip zeigend. Starke Mineralität, Salz. Hier, da der Wein vom weißen Lehm kommt, mit einer deutlichen anderen Mineralik als im Gavarini. Der Wein ist erwachsener, maskuliner, er schiebt mehr. Ich finde ihn nicht besser als den Gavarini, er ist einfach nur anders. Er ist profunder, voluminöser, reicher. Der Gavarini entspricht aber dem Jahrgang 2017 in einer Schönheit, die an Perfektion grenzt. Im Ginestra haben wir mehr Schub und wir müssen auch ein bisschen länger warten. Beides große Weine, beide sehr anders. 97–98/100

2017 war gekennzeichnet von einer großen Frostperiode im Frühjahr und von einem warmen Sommer mit langer Trockenperiode. Vom Frost wurden vor allem jene Winzer verschont, die Reben in Hochlagen bewirtschaften. Durch die Trockenheit und Wärme stand im Herbst eine deutlich frühere Lese an als normalerweise, teils vier Wochen früher. Das schöne war, dass Anfang September in den Nächten eine große Kühle herrschte. Wir haben also auf der einen Seite einen warmen, reichen, fruchtbetonten Jahrgang wie 2011 oder 2015. Und gleichzeitig haben wir Frische und Kühle durch den kühlen Herbst und somit auch eine hohe Eleganz, mit seidigen Tanninen. Deshalb ist 2017 ist nicht wirklich vergleichbar, weder mit 2011, das die Kühle nicht hatte, und auch nicht mit 2003 oder 2015. Die klimatischen Bedingungen haben 2017 auch dazu geführt, dass sich in Barolo die verschiedenen Höhenlagen etwas annäherten. Der Jahrgang, mit seiner Frische, Finesse und fruchtstarken Aromatik, dominiert in diesem Jahr 2017 deutlich mehr als in Jahren wie 2016 oder später 2019 und 2020. Bei Grasso wird je nach Jahrgang mal komplett entrappt, mal nicht. 2017 wurde komplett entrappt, aber im Laufe des Jahres wurden die Triebe und Blätter nicht stark geschnitten, um eine höhere Beschattung und Fotosynthese durch die jüngeren Blätter zu haben. Wichtig war auch die Beschattung, weil 2017 so sonnenintensiv war. Die Lese fand relativ spät statt, bis in die dritte Oktoberwoche hinein. Man wollte einfach die volle phenolische Reife haben. Gleichzeitig wurde durch die kalten Nächte die Frische gut erhalten. 2017 ist so ein seriöses Jahr, der Winzer Gianluca Grasso bestätigt das nochmal eindrucksvoll. Das drittbeste Jahr in diesem Jahrzehnt, nach 2016 und 2010. Im Keller wird bei Elio Grasso das ganz klassische, traditionelle Herstellverfahren für Barolo angewendet. Die entrappen Beeren gehen in die Fermentation, nach der ersten heißen Phase wird der Maischehut circa 30 bis 40 Zentimeter unter die Flüssigkeitslinie gedrückt. Der Wein verbleibt anschließend für sieben bis acht Wochen auf dem Schalen, um die Weine finessenreicher zu machen. Der Gavarini Chiniera liegt als Amphitheater direkt um das Haus herum in rund 400 Metern Höhe. Die Reben sind nach Süden, Südwesten und Südosten exponiert, sie stehen auf Kalkstein- und Sandböden. Wenn es regnet, dann findet das Wasser sehr schnell den Weg in den Boden. Also eine völlig andere Drainage als im Ginestra. Außerdem sind die Reben im Gavarini deutlich jünger. Die Nase ist hocharomatisch, fast extrem in der Aromatik. Wir haben die reife Frucht wie in 2015, aber wir haben auch eine unglaubliche Spannung darin und eine wunderbare Frische hintenraus. Diese Kombination ist relativ selten. Auf 2016 und 2010 muss man ewig warten. Große Jahre. Aber das Mittelding aus der reifen Frucht, der Frische und der Mineralität ist 2017. An 2017 kann man in fünf, sechs Jahren vorsichtig herangehen, trotzdem überdauert er 20 Jahre ohne Probleme. Berauschend blumig, Veilchen und Rosenblätter in der Nase. Süße rote Kirsche und etwas, das für das Jahr sehr bezeichnend ist: etwas Erdbeere und Himbeere, deutliche Waldhimbeere. Ganz schicker Mund, mit sehr hoher Mineralität. Salz und Kalkstein. Wow, die Augen werden schmal ob dieser Frische! Gleichzeitig ist die Aromatik da. Etwas saure Himbeere neben Erdbeere und Sauerkirsche. Auch ein bisschen Schlehe kommt, ein bisschen rote Johannisbeere, aber in süßer Form. Wunderbare Länge, die Harmonie ist da. Nein, es ist kein großer Wein zum Niederknien wie 2016 oder 2010, aber es ist einfach eine Schönheit, eine Perfektion in Barolo für die nächsten 20 Jahre. Etwas Besseres kann man im Grunde nicht haben, um diese Weine zu genießen. 97–98/100

Conterno Fantino

Auf dem höchsten Punkt Monfortes gelegen, direkt auf der Bergspitze mit atemberaubenden Panorama und perfektem Blick auf des berühmte Weindorf und alle Weinberge, das Weingut Conterno-Fantino. Aus dem Zusammenschluss zweier Familien vor Generationen entstanden. Fabio Conterno ist der Winemaker und Weinbergsmanager der aktuellen Generation, Geschwister und Cousinen arbeiten in anderen Bereichen des Weinguts. Schon Fabios Vater stellte als Freund von Elio Altare und in dessen Gefolge um auf die Moderne. Zusammen mit Altare, Corino, Clerico und Scavino sind die Conterno-Fantinos DIE Modernisten der Langhe, womit sowohl der Einsatz von Roto-Fermentern und kurze Vergärung (kenne Nachmazeration auf den Schalen) gemeint ist, aber auch der anschließende langjährige Ausbau in kleinen französischen Barriques, dabei ein erheblicher Neuholzanteil. Die Modernista, die auch und gerade als Exporthilfe in die USA entstanden (die Familie de Grazia initiierte und steuerte in der Zeit diesen Urknall des Exports und dazu die Art der Weine), konnten zweifelsohne nachweisen, dass der Nebbiolo wesentlich eher zugänglich und trinkbar wird, wenn er wie große Burgunder behandelt wird. In den USA wollte man nicht 10 und 15 Jahre auf den Genuss von Barolo warten müssen.

Fabio Conterno

Dieser Vorteil der Moderne wird in sehr warmen Jahren dann aber manchmal konterkariert durch einen allzu weichen Auftritt, denn Neuholz braucht zur balancierten Kompensation hohe Säure. Dann muss man wegen niedriger Säure doch lange warten, bis die Power und dichte Wucht sich nach zehn Jahren wieder einstellt, denn diese »weichgespülten« Weine kommen doch wieder. Die berühmtesten Lagen des Weinguts sind Sori Ginestra und Mosconi, beider Lagen gehören mit Bussia sicherlich in die allererste Reihe der besten Lagen aller Barolo. Monforte spielt mit Novello in diesem Reigen die herausragende Rolle als Bindeglied zwischen den maskulinen Klassikern aus Serralunga und Castiglione Falletto, also von den ältesten Terroirs der Lange, und den weitaus feminineren Weinen der jüngeren Terroirs aus Barolo und Monforte.

Alle Fantino Weine

Verkostungsnotizen Conterno Fantino

Das Weingut Conterno Fantino liegt in Monforte d’Alba. Bereits seit vielen Jahren wird hier zertifiziert biologisch gearbeitet. Der Langhe Nebbiolo kommt aus jungen Reben der vier Top-Crus sowie aus zwei weiteren Nebbiolo-Lagen, unter anderem aus Bussia. Der Wein wird zu 100 Prozent entrappt, aber die Beeren werden nicht angequetscht. Komplett spontan (biologisch) im Stahl vergoren, danach die Malo und der Ausbau im gebrauchten Barrique. Der Wein bleibt acht, neun Monate im Holz und wird dann gefüllt. Dieser Nebbiolo ist in seiner Art als Barriqueausbau schon eine Einzigartigkeit. Er bekommt durch das Barrique Fülle und Opulenz, gleichzeitig hat er als 2019er eine wahnsinnige Frische. Rote Johannisbeere, Himbeere, ein bisschen Erdbeere, Sauerkirsche und Schlehe. Ganz fein, seidig und verspielt, extrem burgundisch in seiner Art. Eine feine, zarte, frische Version eines Chambolle-Musigny Village. Das ist ein grandioser Langhe Nebbiolo. Er steht aber nicht in direkter Konkurrenz zum Barolo. Es ist kein Barolo, es ist ein Stand Alone, ein Bourgogne Pinot Noir der Extraklasse. Auf keinen Fall ein Einstig in Barolo. Einfach ein Traum von Wein, wunderschön. Auf dem gleichen Level mit den Langhe Nebbiolo von Grasso und Cogno, aber anders in der Charakteristik. 93–94/100

2017 war gekennzeichnet von einer großen Frostperiode im Frühjahr und von einem warmen Sommer mit langer Trockenperiode. Vom Frost wurden vor allem jene Winzer verschont, die Reben in Hochlagen bewirtschaften. Durch die Trockenheit und Wärme stand im Herbst eine deutlich frühere Lese an als normalerweise, teils vier Wochen früher. Das schöne war, dass Anfang September in den Nächten eine große Kühle herrschte. Wir haben also auf der einen Seite einen warmen, reichen, fruchtbetonten Jahrgang wie 2011 oder 2015. Und gleichzeitig haben wir Frische und Kühle durch den kühlen Herbst und somit auch eine hohe Eleganz, mit seidigen Tanninen. Deshalb ist 2017 ist nicht wirklich vergleichbar, weder mit 2011, das die Kühle nicht hatte, und auch nicht mit 2003 oder 2015. Die klimatischen Bedingungen haben 2017 auch dazu geführt, dass sich in Barolo die verschiedenen Höhenlagen etwas annäherten. Der Jahrgang, mit seiner Frische, Finesse und fruchtstarken Aromatik, dominiert in diesem Jahr 2017 deutlich mehr als in Jahren wie 2016 oder später 2019 und 2020. Das Weingut Conterno Fantino liegt in Monforte d’Alba. Bereits seit vielen Jahren wird hier zertifiziert biologisch gearbeitet. Im Keller werden alle Weine komplett entrappt und spontan im Stahl vergoren, die Beeren werden nicht angequetscht. Rund zwei Wochen dauert die Gärung in den Rotofermentern, die hier verwendet werden. Die Häute platzen durch diesen Prozess von selbst auf. Nach zwei Wochen werden die Schalen rausgenommen und der Wein für eine Woche sedimentiert. Wenn er clean ist, geht er anschließend direkt ins Barrique. Ein Drittel Neuholz, zwei Drittel gebrauchtes Holz. Die Malo findet im Barrique statt. Fabio, der Weinmacher, schwört darauf, weil es die Farbe stabilisiert und durch die auftretende Mirko-Oxidation dem Wein reduktive Noten genommen werden. Die Farbstabilisation merkt man hier direkt, weil die Weine im Vergleich deutlich dunkler sind. Nach einem Jahr in den Barriques wird die Hälfte des Weins in größere Fässer umgezogen. Alle Barolo werden bei Conterno Fantino so erzeugt. Der Ginestra Vigna del Gris liegt in Monforte d’Alba auf einer Höhe zwischen 300 und 320 Metern. Die Reben stehen hier in Süd- und Südostexposition, die ältesten wurden 1978 gepflanzt. 2017, die intensive Farbe und das Barrique dazu – das ergibt eine Üppigkeit in diesem Wein, die schon ein wenig verblüfft. 2016 wurde das durch die große Frische und Säure weggepuffert, in 2017 kommt das Volumen voll durch. Das hat einen Charmefaktor sondergleichen. Im Mund kommt zu diesem reichen Volumen und zu der hohen Aromatik eine wunderbare Frische, Länge und Mineralik. Wir sind im Ginestra, wir sind im weißen Lehm. Das heißt wir kriegen Kraft und Mineralik. Tolle Länge zeigend. Ein Barolo, der mehr über seine Intensität und Wucht kommt als über die Finesse. 94–95/100

2017 war gekennzeichnet von einer großen Frostperiode im Frühjahr und von einem warmen Sommer mit langer Trockenperiode. Vom Frost wurden vor allem jene Winzer verschont, die Reben in Hochlagen bewirtschaften. Durch die Trockenheit und Wärme stand im Herbst eine deutlich frühere Lese an als normalerweise, teils vier Wochen früher. Das schöne war, dass Anfang September in den Nächten eine große Kühle herrschte. Wir haben also auf der einen Seite einen warmen, reichen, fruchtbetonten Jahrgang wie 2011 oder 2015. Und gleichzeitig haben wir Frische und Kühle durch den kühlen Herbst und somit auch eine hohe Eleganz, mit seidigen Tanninen. Deshalb ist 2017 ist nicht wirklich vergleichbar, weder mit 2011, das die Kühle nicht hatte, und auch nicht mit 2003 oder 2015. Die klimatischen Bedingungen haben 2017 auch dazu geführt, dass sich in Barolo die verschiedenen Höhenlagen etwas annäherten. Der Jahrgang, mit seiner Frische, Finesse und fruchtstarken Aromatik, dominiert in diesem Jahr 2017 deutlich mehr als in Jahren wie 2016 oder später 2019 und 2020. Das Weingut Conterno Fantino liegt in Monforte d’Alba. Bereits seit vielen Jahren wird hier zertifiziert biologisch gearbeitet. Im Keller werden alle Weine komplett entrappt und spontan im Stahl vergoren, die Beeren werden nicht angequetscht. Rund zwei Wochen dauert die Gärung in den Rotofermentern, die hier verwendet werden. Die Häute platzen durch diesen Prozess von selbst auf. Nach zwei Wochen werden die Schalen rausgenommen und der Wein für eine Woche sedimentiert. Wenn er clean ist, geht er anschließend direkt ins Barrique. Ein Drittel Neuholz, zwei Drittel gebrauchtes Holz. Die Malo findet im Barrique statt. Fabio, der Weinmacher, schwört darauf, weil es die Farbe stabilisiert und durch die auftretende Mirko-Oxidation dem Wein reduktive Noten genommen werden. Die Farbstabilisation merkt man hier direkt, weil die Weine im Vergleich deutlich dunkler sind. Nach einem Jahr in den Barriques wird die Hälfte des Weins in größere Fässer umgezogen. Alle Barolo werden bei Conterno Fantino so erzeugt. Der 2017er Vigna Pressenda ist erst der fünfte Jahrgang dieses Weines. Conterno Fantino hat neben den eigenen Weinbergen diesen Weinberg für eine längere Zeit von 30 Jahren gepachtet. Die ältesten Reben wurden hier 1969 gepflanzt. Der Vigna Pressenda ist eine Sublage im Cru Castelletto. 350 bis 370 Meter Höhe, die Reben sind nach Südosten exponiert. Die Nase des 2017er ist sehr blumig, aber sie hat auch exotische Noten von Lavendel. Dazu kommen Veilchen, ein leichter Holz-Touch darunter. Schönes Volumen zeigend. Sehr aromatisch, hohe Intensität im Mund, fein. Gute, frische Länge. Ein recht voluminöser Barolo mit sehr schöner Harmonie und reichem Körper. 95–96/100

2017 war gekennzeichnet von einer großen Frostperiode im Frühjahr und von einem warmen Sommer mit langer Trockenperiode. Vom Frost wurden vor allem jene Winzer verschont, die Reben in Hochlagen bewirtschaften. Durch die Trockenheit und Wärme stand im Herbst eine deutlich frühere Lese an als normalerweise, teils vier Wochen früher. Das schöne war, dass Anfang September in den Nächten eine große Kühle herrschte. Wir haben also auf der einen Seite einen warmen, reichen, fruchtbetonten Jahrgang wie 2011 oder 2015. Und gleichzeitig haben wir Frische und Kühle durch den kühlen Herbst und somit auch eine hohe Eleganz, mit seidigen Tanninen. Deshalb ist 2017 ist nicht wirklich vergleichbar, weder mit 2011, das die Kühle nicht hatte, und auch nicht mit 2003 oder 2015. Die klimatischen Bedingungen haben 2017 auch dazu geführt, dass sich in Barolo die verschiedenen Höhenlagen etwas annäherten. Der Jahrgang, mit seiner Frische, Finesse und fruchtstarken Aromatik, dominiert in diesem Jahr 2017 deutlich mehr als in Jahren wie 2016 oder später 2019 und 2020. Das Weingut Conterno Fantino liegt in Monforte d’Alba. Bereits seit vielen Jahren wird hier zertifiziert biologisch gearbeitet. Im Keller werden alle Weine komplett entrappt und spontan im Stahl vergoren, die Beeren werden nicht angequetscht. Rund zwei Wochen dauert die Gärung in den Rotofermentern, die hier verwendet werden. Die Häute platzen durch diesen Prozess von selbst auf. Nach zwei Wochen werden die Schalen rausgenommen und der Wein für eine Woche sedimentiert. Wenn er clean ist, geht er anschließend direkt ins Barrique. Ein Drittel Neuholz, zwei Drittel gebrauchtes Holz. Die Malo findet im Barrique statt. Fabio, der Weinmacher, schwört darauf, weil es die Farbe stabilisiert und durch die auftretende Mirko-Oxidation dem Wein reduktive Noten genommen werden. Die Farbstabilisation merkt man hier direkt, weil die Weine im Vergleich deutlich dunkler sind. Nach einem Jahr in den Barriques wird die Hälfte des Weins in größere Fässer umgezogen. Alle Barolo werden bei Conterno Fantino so erzeugt. Die Böden in der Lage Ginestra haben einen hohen Anteil an weißem Lehm. Bei diesem Wein sind wir in der Sublage Sori Ginestra auf einer Höhe zwischen 340 und 360 Metern. Die ältesten Reben wurden hier 1971 gepflanzt und sind nach Süden exponiert. Die Weine aus dieser Lage haben immer eine ähnliche Nase. Viel Menthol, viel Balsamico. Reich und hocharomatisch. Die Minze steht vorne, dahinter kommen Veilchen und Rosenblätter, aber die frische Minze ist die Dominante in diesem Wein, das macht ihn so schön. Ein wenig Eukalyptus, Holunder und dunkle schwarze Kirschen. Recht wuchtig. Das liegt aber natürlich auch am neuen Holz. Im Mund ist der Wein noch ein wenig verschlossen. Deutlich fokussierter und intensiver als der Vigna del Gris, eine andere Teil-Lage des Ginestra. Das Alter der Reben merkt man, hier kommt so viel Intensität. Und wir haben eindeutig die Ähnlichkeit zum zuvor probierten Ginestra von Elio Grasso. Der Unterschied liegt nur darin, dass bei Grasso der Wein im großen Holz gemacht wird, ganz klassisch und traditionell. Bei Conterno Fantino haben wir die Rotofermenter und die Barriques. Was aber beide eint, ist diese unglaubliche Wucht. 2017 ist ein feiner, aromatischer Jahrgang, aber es kommt auf jeden Fall durch diese Lage Ginestra viel Kraft, Volumen und Power dazu. Ginestra braucht ein wenig länger Zeit. Es ist ein ziemlicher Gigant von Barolo. Und das Jahr 2017, mit seiner hohen Aromatik und Frische, tut sein Übriges. Ich liebe diesen Wein! Ein wenig warten, ein wenig Geduld. Das ein großer Barolo, nach zehn Jahren wird er sich schon perfekt zeigen. 96–98/100

2017 war gekennzeichnet von einer großen Frostperiode im Frühjahr und von einem warmen Sommer mit langer Trockenperiode. Vom Frost wurden vor allem jene Winzer verschont, die Reben in Hochlagen bewirtschaften. Durch die Trockenheit und Wärme stand im Herbst eine deutlich frühere Lese an als normalerweise, teils vier Wochen früher. Das schöne war, dass Anfang September in den Nächten eine große Kühle herrschte. Wir haben also auf der einen Seite einen warmen, reichen, fruchtbetonten Jahrgang wie 2011 oder 2015. Und gleichzeitig haben wir Frische und Kühle durch den kühlen Herbst und somit auch eine hohe Eleganz, mit seidigen Tanninen. Deshalb ist 2017 ist nicht wirklich vergleichbar, weder mit 2011, das die Kühle nicht hatte, und auch nicht mit 2003 oder 2015. Die klimatischen Bedingungen haben 2017 auch dazu geführt, dass sich in Barolo die verschiedenen Höhenlagen etwas annäherten. Der Jahrgang, mit seiner Frische, Finesse und fruchtstarken Aromatik, dominiert in diesem Jahr 2017 deutlich mehr als in Jahren wie 2016 oder später 2019 und 2020. Das Weingut Conterno Fantino liegt in Monforte d’Alba. Bereits seit vielen Jahren wird hier zertifiziert biologisch gearbeitet. Im Keller werden alle Weine komplett entrappt und spontan im Stahl vergoren, die Beeren werden nicht angequetscht. Rund zwei Wochen dauert die Gärung in den Rotofermentern, die hier verwendet werden. Die Häute platzen durch diesen Prozess von selbst auf. Nach zwei Wochen werden die Schalen rausgenommen und der Wein für eine Woche sedimentiert. Wenn er clean ist, geht er anschließend direkt ins Barrique. Ein Drittel Neuholz, zwei Drittel gebrauchtes Holz. Die Malo findet im Barrique statt. Fabio, der Weinmacher, schwört darauf, weil es die Farbe stabilisiert und durch die auftretende Mirko-Oxidation dem Wein reduktive Noten genommen werden. Die Farbstabilisation merkt man hier direkt, weil die Weine im Vergleich deutlich dunkler sind. Nach einem Jahr in den Barriques wird die Hälfte des Weins in größere Fässer umgezogen. Alle Barolo werden bei Conterno Fantino so erzeugt. Mosconi ist eine Lage, die in den letzten zehn Jahren enorm aufgeholt hat und heute neben Ginestra die beste Lage der Hügelkette ist. Manchmal liegt sie sogar vorn. Mosconi teilten sich bis vor einigen Jahren nur wenige Erzeuger. Pio Cesare war einer davon, der andere große Inhaber war Conterno Fantino. In den letzten zehn Jahren sind einige dazugekommen, etwa Rocche die Manzoni, Clerico, Parusso und andere. Insgesamt sind es jetzt zehn Erzeuger – es hat sich eben rumgesprochen, dass diese Lage so grandios ist. In der Sublage Ped haben wir bis zu 60 Jahre alte Reben. Sie stehen auf 360 bis 380 Metern Höhe in Südexposition. Es ist nicht die tiefste, reichste Nase von allen, die haben wir wahrscheinlich bei Sori Ginestra. Aber im Mosconi kommt zur extrem würzigen Tiefe und zur Eukalyptus-Floralität einfach eine profunde Kraft von unten in Form von roter Frucht. Trotzdem bleibt der Wein auf irgendeine Art fein und verspielt. Er hat nur Druck von unten ohne Ende. Im Mund ist der Wein ein Ereignis. So viel Druck, so viel Länge, so viel profunder Schub. Alles auf roter Frucht laufend. Reiche Zwetschge, hochintensive Sauerkirsche und Schlehe. Darunter eine wunderschöne Holzspur des neuen Barriques. In zehn Jahren ist das alles integriert, dann ist es ein großer, reicher Burgunder. Es könnte ein Bonnes Mares sein von seiner Ausrichtung. Vielleicht der beste Barolo des Hauses. Und 2017 steht 2016 in nichts nach. Es ist nur eine andere Stilistik. Etwas aromatischer, etwas schicker in der Säure und etwas weniger massiv im Tannin. Die Eleganz ist größer – bei gleichem Volumen. Großer Stoff! Nach 2016 und 2010 sicherlich der drittbeste Jahrgang in diesem Jahrzehnt. Das ist eine Ode an die Freude. Ich liebe dieses druckvolle, aromatische Unikat. Mosconi steht für sich ganz allein. 97–99/100

Giuseppe Mascarello

Das vorletzte Weingut Giuseppe Mascarello in Monchiero, direkt am Tanaro-Fluss. Nur mit einer historischen Ausnamegenehmigung und Bestandsschutz darf das Weingut außerhalb der Langhe liegen. Die Weinberge liegen sämtlich in Monforte, Serralunga und Castiglione Falletto. Hier ist Tradition in jedem Atemzug. Und nur Familie, Mama, Papa auf dem Weg in die Rente, der Bruder macht traditionell die Weine, die hochsympathische Leiterin ist Elena, eine energiegeladene junge Frau mit dem Hobby Opernsängerin. Mit jedem Schluck der Probe kommt Historie. Aber grandiose Historie. Die Stilistik des Monprivato (ein Monopolweinberg in Castiglione) kann meiner Meinung nach nur mit den Riservas von Giacosa oder mit Roagna verglichen werden. Finesse pur, immer erst nach vier Jahren auf den Markt kommend. Ein kleiner und genau definierter Teil dieses Weinbergs ist der Ca d’Morissio, uralte Reben, nur in Ausnahmejahren separat vinifiziert. Einer der rarsten und teuersten Barolo der Langhe, in seiner überragenden Finesse aber jeden Cent wert.

Auch der Santo Stefano Barolo aus Monforte, von dem es nur wenig gibt, hat einen eindeutigen Chrakter, fester, etwas maskuliner, historisch in seiner Anmutung. Und nur hier gibt es Nebbiolo, Barbera und auch Dolcetto in einer längst vergessenen Art, erdig, fest, eigenwillig, langlebig. Beide Weingüter Mascarello (nicht verwandt) bilden mit Giacosa und Cavalotto die Speerspitze der Traditionalisten. Ich bin sehr froh mit Elena und dem Weingut Giuseppe Mascarello zu arbeiten, eine Bereicherung.

Alle G.Mascarello Weine

Verkostungsnotizen G. Mascarello

Dieser Dolcetto kommt aus Monforte, genauer gesagt aus Perno. Eigentlich der etwas einfachere Dolcetto als der aus Falletto stammende Mirasole, aber gleichzeitig ist er wuchtiger, reicher und intensiver. Ein Dolcetto mit einer ungewöhnlichen Textur in Nase und Mund, weil er so viel Wucht hat, so viel Struktur. Ziemlich viel schwarze Frucht, was untypisch ist für Dolcetto. Holunder, reiche schwarze Kirsche, ein bisschen Brombeere darunter. In der Nase käme ich nicht auf Dolcetto. Der Mund ist hocharomatisch. Der Wein ist extrem lecker. Die Frucht wird feiner, es nähert sich dem Dolcetto an, behält aber einen kleinen Touch Barbera, ein klein wenig dieser Üppigkeit, die für Dolcetto eher ungewöhnlich ist. Das sind die Böden in Perno. Für einen Dolcetto schon ein ziemlich wuchtiges Teil, trotzdem natürlich nicht fett. Es bleibt ein Spiel, es bleibt eine Blumigkeit. Aber hier in diesem Fall mit satter Zwetschge, schwarzer Kirsche, Holunder und einer gewissen Dichte. Ein tolles Gegenstück zum viel verspielteren Mirasole aus gleichem Haus. Gleicher Preisbereich, aber zwei völlig gegensätzliche Dolcetti, die beide ihre Berechtigung haben und beide in etwa auf dem gleichen Level entlanglaufen. 93+/100

Dieser Dolcetto wächst in Castiglione Falletto. Eigentlich haben wir hier den tieferen Grund, aber von beiden Dolcetto des Hauses Mascarello ist der Mirasole der deutlich komplexere, aber auch der deutlich finessenreichere, feinere und verspieltere. Wunderschöne rote Frucht, florale Noten, ganz spielerisch und leicht daherkommend. Wunderschöne Länge, auch hintenraus diese Blumigkeit. Ein langer, intensiver, komplexer Dolcetto aus diesem wunderschönen Jahr 2019. Der Wein hat Substanz, macht Freude und ist spielerisch-leicht. Trotzdem ist er kein vordergründig fruchtiger Dolcetto, sondern eher ein subtiler, hintergründiger Dolcetto. 94/100

Eine Rarität, nur noch von wenigen Winzern in ultrakleiner Stückzahl erzeugt, ein Urgewächs und Getränk der piemontesischen Bauern. Im Gegensatz zum verspielten, prickelnden Freisa von Bartolo Mascarello ist das hier ein ernsthafter Wein. Dicht, schwarzrot, extrem würzig, etwas rauh und kratzig, langes Finale mit Salz und Gesteinsmehl, Unterholz, ein wenig an Malbec aus Cahors erinnernd. Total entrappt vor der Vergärung, er fühlt sich in Mund und Nase jedoch wie eine Ganztraubengärung an. Sehr spannend, in seiner Würze ein Unikat mit genialem Preis-Leistungs-Verhältnis. Lebendige Säure, perfekt zur piemonteser Wurst. Sehr seriöser Stoff, langlebig. 92–93/100

Dieser Wein kommt aus Castiglione Falletto. Die Weinberge hier gaben früher den Barolo Bricco von Mascarello. Heute wird hier nur noch Langhe Nebbiolo erzeugt. Für diese Kategorie ist er ungewöhnlich substanzreich, tief und würzig. Jetzt als 2018 ist er noch sehr reduktiv, darunter viel Holunder, eine hohe Intensität und Komplexität. Der Mund ist deutlich feiner als die Nase andeutet. Dazu komplex, vielschichtig, blumig und reich. Der Wein hat kein neuen Holz gesehen, nur altes Holz. Hohe Intensität in roter Frucht, viel Zwetschge, darunter Veilchen. Eine helle Blumigkeit ausstrahlend. Also durchaus fein und tänzelnd, aber dennoch mit einem profunden Schub. Sehr schicke Ausdruckskraft eines Nebbiolo aus Castiglione Falletto. Unique in seiner Ausdrucksstärke, mit kaum etwas zu vergleichen. Kein Riese, aber ein extrem schöner Nebbiolo. 94+/100

2017 war gekennzeichnet von einer großen Frostperiode im Frühjahr und von einem warmen Sommer mit langer Trockenperiode. Vom Frost wurden vor allem jene Winzer verschont, die Reben in Hochlagen bewirtschaften. Durch die Trockenheit und Wärme stand im Herbst eine deutlich frühere Lese an als normalerweise, teils vier Wochen früher. Das schöne war, dass Anfang September in den Nächten eine große Kühle herrschte. Wir haben also auf der einen Seite einen warmen, reichen, fruchtbetonten Jahrgang wie 2011 oder 2015. Und gleichzeitig haben wir Frische und Kühle durch den kühlen Herbst und somit auch eine hohe Eleganz, mit seidigen Tanninen. Deshalb ist 2017 ist nicht wirklich vergleichbar, weder mit 2011, das die Kühle nicht hatte, und auch nicht mit 2003 oder 2015. Die klimatischen Bedingungen haben 2017 auch dazu geführt, dass sich in Barolo die verschiedenen Höhenlagen etwas annäherten. Der Jahrgang, mit seiner Frische, Finesse und fruchtstarken Aromatik, dominiert in diesem Jahr 2017 deutlich mehr als in Jahren wie 2016 oder später 2019 und 2020. Der Weinberg Scudetto steht in Perno in der Appellation Monforte. Es ist ein reicher, tiefer Barbera, ohne dabei fett zu sein. 2017 hat diese hohe Aromatik und dieses feine Spiel der frischen Nächte. Das macht einen feingliedrigen Barbera aus einem im Grunde sehr tiefen, üppigen, reichen Wein. Holunder und schwarze Frucht – das sind die Lehmböden von Perno. Reich und dicht, aber nicht fett. Ein totaler Schliff im Mund. Der Wein hat einen saftigen Zug und ist ganz fern der manchmal zu fetten, rustikalen und üppigen Art, die Barbera manchmal haben kann. Dies ist sehr fein, viel schwarze Kirsche, ein bisschen Blaubeere, Brombeere und Cassis. Dazu Holunder, ein wenig Lavendel und Veilchen. Ein feiner Barbera, ein schicker Barbera. Trotzdem profund und tief. 93–94+/100

2017 war gekennzeichnet von einer großen Frostperiode im Frühjahr und von einem warmen Sommer mit langer Trockenperiode. Vom Frost wurden vor allem jene Winzer verschont, die Reben in Hochlagen bewirtschaften. Durch die Trockenheit und Wärme stand im Herbst eine deutlich frühere Lese an als normalerweise, teils vier Wochen früher. Das schöne war, dass Anfang September in den Nächten eine große Kühle herrschte. Wir haben also auf der einen Seite einen warmen, reichen, fruchtbetonten Jahrgang wie 2011 oder 2015. Und gleichzeitig haben wir Frische und Kühle durch den kühlen Herbst und somit auch eine hohe Eleganz, mit seidigen Tanninen. Deshalb ist 2017 ist nicht wirklich vergleichbar, weder mit 2011, das die Kühle nicht hatte, und auch nicht mit 2003 oder 2015. Die klimatischen Bedingungen haben 2017 auch dazu geführt, dass sich in Barolo die verschiedenen Höhenlagen etwas annäherten. Der Jahrgang, mit seiner Frische, Finesse und fruchtstarken Aromatik, dominiert in diesem Jahr 2017 deutlich mehr als in Jahren wie 2016 oder später 2019 und 2020. Beide Barbera, der Scudetto und der Santo Stefano, kommen aus Region rund um Perno. Beides ähnliche Weine also, nur kommt der Santo Stefano aus der Einzellage, aus der sonst der Barolo kommt. Kaffee und Schokolade in der Nase. Frisch geröstete Kaffeebohnen – wunderbar! Darunter ein leichter Hauch von schwarzer Kirsche und Holunder. Sehr schwarzfruchtig, aber nicht fett, sondern unglaublich elegant. Das ist einfach eine unglaublich komplexe Nase, der Mund noch mehr. So reich und trotzdem balanciert. Das ist nicht die bäuerliche, schwarzfruchtige Blaubeer-Variante von Barbera. Das ist extrem elegant. 2017 ist der Santo Stefano so wunderbar balanciert. Ein grandioser Wein mit grandioser Länge und unendlicher Feinheit. Tief, reichhaltig, schwarzrotfruchtig und nie fett. So mag ich Barbera, weil er so elegant sein kann und trotzdem diese tiefe, reiche, komplexe Frucht zeigt. Vorzüglicher Wein, großer Wein! 95+/100

Der Wein wächst in Castiglione Falletto in einer 6,3 Hektar großen Monopollage. Seit 1990 in Alleinbesitz. Die Lage ist seit Jahrhunderten bekannt, wurde aber erstmals 1970 als Einzellage erwähnt und gelabelt. Zu 100 % Kalkstein und etwas Kreide, das Hammerterroir für Komplexität, Eleganz und Feinheit. In Edelstahl fermentierter Wein, langer Schalenkontakt, Ausbau in großen Holzfässern. Traditionell eben. Sowohl Monprivato als auch Santo Stefano blieben 36 Monate im Holzfass und bekommen anderthalb Jahre Flaschenreife vor dem Release. Bei Mascarello wird Barolo immer ein Jahr später probiert und auf den Markt gebracht. Langsame Weine voller Emotionalität, der Berater und Önologe ist der gleiche wie bei Giacomo Conterno. Obwohl das Weingut in Monchiero beheimatet ist liegt der Weinberg in Castiglione Falletto, direkt unter dem Bricco Boschis von Cavalotto. Allerdings etwas geschützter, etwas wärmer als jener. Wenn man mit dem Auto von Alba nach Castiglione Falletto hoch kommt gleich noch vor dem Ortsanfang rechts wieder runter in Richtung Brovia. Dieser Weinberg und dieser Ort, Castiglione Falletto, steht für kraftvolle, maskuline Weine. Der Monprivato ist ein Barolo der anderen Art. Es gibt nur noch wenige Erzeuger, die diese Art Barolo erzeugen. Dagegen ist selbst ein Giacosa ein Modernist. So reich, so dicht, aber nicht so tiefwürzig wie der Santo Stefano vom selben Erzeuger. Trotzdem dieses unglaublich Schiebende – fast dramatisch. Holunder mit schwarzer Lakritze und tiefe, dichte, reiche balsamische Würze. Unglaublicher Schub von unten raus. Archaisch – Blut, Eisen und Fleisch. Reiche, dichte, süße, schwarze Wucht. Und trotzdem überhaupt nicht fett. Das ist nichts Schwülstiges, das ist nur tief und reich. Im Mund kommt dann eine wahnsinnige Frische dazu, die Augen werden schmal, die Zunge rollt sich. Wir haben aber auch eine blumige Komplexität, die ihresgleichen sucht. So unglaublich schick, so unglaublich vielschichtig. Komplexität in einer anderen Art. Das geht noch weit an dem ebenfalls urwüchsigen Barolo von Cavallotto vorbei. Und es lässt sich einfach nicht vergleichen mit anderen Barolo-Erzeugern, denn keiner schreibt diesen alten Stil so fort wie Giuseppe Mascarello. Das ist wie aus dem letzten Jahrhundert, aber ganz großes Kino und ganz eigenständig. Eine Sensation und ewig haltbar. 100/100

Dies ist eine Riserva aus einem speziellen Plot mit sehr alten Reben im Monprivato. Er wird nur in gewissen Jahren gemacht, wenn diese extreme Komplexität und blumige Feinheit zum Tragen kommt. Das muss sich nicht unbedingt mit der allgemeinen Sichtweise decken. Es gibt also hier diesen 2012er, es gibt 2013 und 2014, aber es wird keinen 2015er geben. Also nicht unbedingt den landläufigen Erwartungen folgend. Der Cà d’Morisco bleibt vier Jahre Fass und dann weitere drei Jahre auf der Flasche, bevor er auf den Markt kommt. Eine völlig abgespacte Nase, weil sie so unglaublich fein und komplex ist. Am Anfang etwas reduktiv. Sehr blumig, sehr fein. Ein total floraler Mund. Blüten von diversen Frühlingsblumen, zusammen mit etwas Veilchen und Rose. Fein schwebend, der ganze Wein ist eine einzige Ode an die Freude. Eine unglaubliche Verspieltheit! Sowas Feines, Raffiniertes, Hintergründiges. Es ist überhaupt kein Barolo, der einen erschlägt. Wenn wir uns die Barolo des Hauses ansehen, dann ist der Santo Stefano – der schon groß ist – der profundeste und tiefste. Zum Monprivato wird es ultrafein und der Cà d’Morisco ist die zarteste Versuchung, eine unendlich filigrane Finesse, mit hintergründigem Duft. Hintenraus hat er aber eine wunderschönen Mineralität, Salzigkeit und Intensität. Aber alles bleibt fein, alles bleibt verspielt. Wer einen normalen Barolo erwartet, sollte sich diesen Wein nicht kaufen, zumal er sehr teuer ist. Er hat einfach das abgespacte eines gereiften Burgunders. Ein Chambertin Clos de Bèze aus dem Piemont. Damit kann man es noch am ehesten vergleichen. Grandioser Stoff! 100/100

Aldo Conterno

DAS Finale bei Aldo Conterno. Meine Lieblingsfamilie in der Langhe. Eigentlich Traditionalisten mit großen Holzfässern und Nachmazeration auf den Schalen. Aber die großen Fässer dürfen gern auch mal neu sein, die Oxidation wird befördert, stilistisch weicher und mit einer Prise Vanille vom neuen Holz. Barbera und Chardonnay liegen sogar im Barrique, der Chardonnay Bussiador wird sogar im neuen Barrique vergoren. Also auch hier wie bei Vietti und Grasso keine klare Einteilung in Tradition oder Moderne. Alles kommt aber von der Großlage Bussia rund ums Haus. Der vielleicht beste Chardonnay der Langhe von der kühlen Bergspitze, der den Jahrgang so perfekt ausdrückt und auch in warmen und trockenen Jahren Frische ausströmt, immer sehr burgundisch. Dazu ein schwarzfruchtig charmanter und ausdrucksstarker Barbera Conca Tre Pille, jeden Jahrgang perfekt abbildend. Dann die rotfruchtigen, femininen und zugleich maskulinen Barolo aus dem Kern von Bussia.

Der Ort Monforte und auch Novello sind genau der Kompromiss zwischen den Millionen von Jahren älteren Böden aus Serralunga und Castiglione, und den später entstandenen Bergketten von Barolo und La Morra. Mehr rote Frucht als Serralunga und Castiglione, duftiger, aromatischer, mehr Pinot Noir aus Beaune. Aber klar mehr Struktur als die Charmeure aus Cannubi, Rocche Annunziata, Brunate, Cerequio und La Serra, die eher Corton und Pommard, mit La Serra und Cerequio eher Volnay wiederspiegeln. Wer sich im Burgund auskennt weiß jedoch, dass die Volnays von Angerville nicht selten in der absoluten Spitze des roten Burgund stehen, so geschieht es eben auch mit Voerzios La Serra und Cerequio.

Hier bei Aldo Conterno sind wir im ausdrucksstärkeren und fruchtigeren Finesse-Teil der Cote de Nuits unterwegs. Chambolle Musigny und manchmal sogar das maskulinere Vosne Romanée stehen Pate. Der Bussia Barolo ist qualitativ das Gegenstück des maskulinen Castiglione von Vietti, zwei überragende Basis Barolo der Extraklasse. Der verspielte Colonnello aus einer kühleren Hochlage von Bussia ist eine Art Chambolle, der maskulinere Cicala eher Vosne Romanée, die Granbussia aus 2012, der immer erst nach acht Jahren rauskommende Topwein und eine lebende, rare Legende, ähnelt einen reifen Chambertin. Der Romirasco hat dagegen Ähnlichkeit mit dem Barolo Monfortino des Cousins Roberto Conterno vom Weingut Giacomo Conterno. Das mit diesen zwei Weingütern ist arg verwirrend.

2014 Barolo Monfortino (Giacomo Conterno)

Galloni: When it comes to comparisons of any kind, all bets are off with the 2014 Monfortino, a Barolo that enters the stratosphere of profound and utterly moving beauty. Seamless and elegant in the glass, with stunning aromatics and perfectly ripe tannins, the 2014 is simply breathtaking in its beauty. In 2014, Roberto Conterno waited to harvest this fruit very late. The result is a Barolo that offers the textural opulence of fruit picked at the end of the season with the aromatic depth and structure of a wine from a cool year. Most incredibly of all, the 2014 is a very tannic wine analytically, and yet the sensation is of a Barolo of softness and opulence. A rush of dark red/purplish berry fruit, blood orange, spice, tobacco and mint builds into the rapturous finish. Readers who can find the 2014 when it is released next year should not hesitate, as it will unquestionably go down as one of the greatest Monfortinos ever made. 100/100

Giacomo Conterno (von Aldo Conterno)

Zu Großvaters Zeiten war es nur EIN Weingut in Monforte mit zwei Brüdern. Alles Lage Bussia rund ums riesige Anwesen. Das Flaggschiff war der da wachsende beste Barolo der Langhe, der Monfortino. Die Brüder verkrachten und trennten sich und teilten auf. Bei Aldo Conterno blieben alle historischen Lagen in Bussia und das Anwesen, zu Giacomo gingen die Namensrechte des Monfortino (immer schon ein Phantasiename) und genug Geld, um damit echt grandiose Weinberge (Cascina Francia) in Serralunga zu kaufen. Ein zweites Weingut direkt hinter der Kirche von Monforte wurde angelegt. Der heutige Stil des Monfortino ist deutlich maskuliner als früher, extrem langlebig, zu Recht immer noch DIE Ikone der Langhe. Verwirrend bleicht die Namensgebung der jetzt führenden Kindergeneration. Das Weingut Giacomo Conterno wird von Roberto Conterno geführt, ein Wein-Nerd der Extraklasse, er könnte Burgunder sein. Das Weingut Aldo Conterno wird gemeinsam von den drei Brüdern Giacomo (kaufmännische Geschäftsführung), Franco (Vertrieb) und Stefano (Weinberg und Keller) geleitet.

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Verkostungsnotizen Aldo Conterno

Ich hatte große Bedenken was 2018 angeht, weil wir so unterschiedliche Stellungnahmen gehört haben. Bei Voerzio wurde gesagt, dass sie während der grünen Lese alles ausgedünnt haben bis auf vier kleine Trauben pro Stock, die dann sogar noch halbiert wurden. Am Ende ergab das Erträge von weit unter 20 Hektoliter. Ein großer Erfolg bei Voerzio, die den Jahrgang 2018 als sensationell einstufen. Andere haben gesagt, dass der Jahrgang verdünnt sei. Giacomo Conterno vom Weingut Aldo Conterno hat uns dann aufgeklärt und gesagt, dass es eine dramatische Übermenge im Weinberg gab, weit mehr als das Doppelte eines normalen Jahrgangs. Wer nicht gearbeitet und keine grüne Lese gemacht hat, hatte es letztlich tatsächlich schwer. Bei Aldo Conterno wurde radikal rausgeschnitten, mehr als 50 Prozent. Das Ergebnis ist dann hochkonzentriert, nicht fett, sondern fein. Auch für ihn ist 2018 einer der großen Jahrgänge. Das sehen wir schon in seinem Bussiador. Von diesem Wein macht er nur 7.000 Flaschen, obwohl 20.000 Flaschen kein Problem wären. Die Nase ist eindeutig Meursault. Ein Meursault Premier Cru mit einer wunderbaren Mineralik. So etwas wie Genevrières. So schick, Kreide und Kalkstein. Schon die Nase ist eine große Freude. Das Holz wird komplett von der Säure absorbiert. Wunderschöne Reife, weiße Weinbergspfirsiche zusammen mit Birne und einem Touch Weißburgunder. Von Kreide über weiße Schokolade und Jasmin – der Wein ist duftig-fein. Die Säure ist nicht präsenter als beim großen 2017er, aber sie ist eingebundener, die Harmonie ist größer. Das ist ein ultrafeiner burgundischer Wein, burgunischer als alles was ich hier zuvor probiert habe. Man kann das in jede Burgunderprobe stellen. Ich glaube jeder käme auf Meursault, weil Meursault ja die Reichhaltigkeit hat und trotzdem die Eleganz. Der Holzeinsatz ist wirklich sensationell, das passt. Dieser Bussiador hat alles was ein Traum-Chardonnay braucht, trotzdem erschlägt er nicht, trotzdem ist er nicht zu cremig, sondern einfach nur harmonisch. Chardonnay at its best! 97–98/100

Zarte rote Frucht, Kirsche mit Zwetschge und Himbeere, auch von Veilchen, Rosenblättern und Erdbeeren geküsst. Die Feinheit obsiegt über die Süße, enorm saftig und trinkig, eine Ode an die Freude. 92/100

Ich hatte große Bedenken was 2018 angeht, weil wir so unterschiedliche Stellungnahmen gehört haben. Bei Voerzio wurde gesagt, dass sie während der grünen Lese alles ausgedünnt haben bis auf vier kleine Trauben pro Stock, die dann sogar noch halbiert wurden. Am Ende ergab das Erträge von weit unter 20 Hektoliter. Ein großer Erfolg bei Voerzio, die den Jahrgang 2018 als sensationell einstufen. Andere haben gesagt, dass der Jahrgang verdünnt sei. Giacomo Conterno vom Weingut Aldo Conterno hat uns dann aufgeklärt und gesagt, dass es eine dramatische Übermenge im Weinberg gab, weit mehr als das Doppelte eines normalen Jahrgangs. Wer nicht gearbeitet und keine grüne Lese gemacht hat, hatte es letztlich tatsächlich schwer. Bei Aldo Conterno wurde radikal rausgeschnitten, mehr als 50 Prozent. Das Ergebnis ist dann hochkonzentriert, nicht fett, sondern fein. Auch für ihn ist 2018 einer der großen Jahrgänge. Bei diesem warmen, ausgewogenen Jahr würde man in Grunde eine fette Nase erwarten. Das ist nicht der Fall bei diesem Barbera. Wir haben eine reichhaltige Nase. Schwarze Frucht, schwarze Kirsche darunter, dunkle Lakritze, aber nichts Exotisch-Überquellendes, nichts Fettes. Eine wunderschöne Balance im Mund. Hier ist es schon eindeutig Barbera. Es ist kein Barbera der abgespacten Sorte, er ist schon mit beiden Füßen auf der Erde. Ein wunderschöner, feiner Nachhall. Rote Kirsche, Sauerkirsche, ein bisschen Schoko und Kaffee, dazu ein Hauch Blaubeere. Aber trotzdem fein bleibend. Sehr schöner saftiger Trinkfluss. Kein großer Wein, vielleicht auch nicht besser als der traumhafte 2017er – vielleicht sogar leicht dahinter. Aber eine große Harmonie und ein sehr schöner, schicker Wein. 93/100

Ich hatte große Bedenken was 2018 angeht, weil wir so unterschiedliche Stellungnahmen gehört haben. Bei Voerzio wurde gesagt, dass sie während der grünen Lese alles ausgedünnt haben bis auf vier kleine Trauben pro Stock, die dann sogar noch halbiert wurden. Am Ende ergab das Erträge von weit unter 20 Hektoliter. Ein großer Erfolg bei Voerzio, die den Jahrgang 2018 als sensationell einstufen. Andere haben gesagt, dass der Jahrgang verdünnt sei. Giacomo Conterno vom Weingut Aldo Conterno hat uns dann aufgeklärt und gesagt, dass es eine dramatische Übermenge im Weinberg gab, weit mehr als das Doppelte eines normalen Jahrgangs. Wer nicht gearbeitet und keine grüne Lese gemacht hat, hatte es letztlich tatsächlich schwer. Bei Aldo Conterno wurde radikal rausgeschnitten, mehr als 50 Prozent. Das Ergebnis ist dann hochkonzentriert, nicht fett, sondern fein. Auch für ihn ist 2018 einer der großen Jahrgänge. Der Favot hat eine unglaubliche Saftigkeit. Das zeichnet den Jahrgang bei Leuten aus, die reichlich reduziert haben. Diese immense Dichte an Frucht, als wenn jemand mit zwei Händen eine ganze Traube zerquetscht und sie aufplatzt! Eine Explosion aus Frucht. Nicht fett, aber saftig ohne Ende. So reich, so dicht – ein Nebbiolo, der den Anspruch erhebt, eine reichliche fruchtige Saftigkeit zu haben wie ein Barbera. Was für ein Knaller! Diese wahnsinnige Intensität setzt sich im Mund fort. Der Wein ist nicht fett, sondern einfach nur viel. Man glaubt kaum, dass das Nebbiolo ist. Wo ist die zarte Feinheit von 2017 oder gar die verspielte Frische von 2019? 2018 ist einfach reichlich, ein Nebbiolo wie ein Barbera, mit unglaublichem Ansturm. Aber überhaupt nicht langweilig, überhaupt nicht verdünnt, im Gegenteil. Es ist von allem viel. Das muss jeder für sich entscheiden, ob er diese Reichlichkeit möchte. Auf jeden Fall ist es ungewöhnlich für einen Nebbiolo. Nicht fett, sondern intensiv und satt in der Frucht. 94+/100

2017 war gekennzeichnet von einer großen Frostperiode im Frühjahr und von einem warmen Sommer mit langer Trockenperiode. Vom Frost wurden vor allem jene Winzer verschont, die Reben in Hochlagen bewirtschaften. Durch die Trockenheit und Wärme stand im Herbst eine deutlich frühere Lese an als normalerweise, teils vier Wochen früher. Das schöne war, dass Anfang September in den Nächten eine große Kühle herrschte. Wir haben also auf der einen Seite einen warmen, reichen, fruchtbetonten Jahrgang wie 2011 oder 2015. Und gleichzeitig haben wir Frische und Kühle durch den kühlen Herbst und somit auch eine hohe Eleganz, mit seidigen Tanninen. Deshalb ist 2017 ist nicht wirklich vergleichbar, weder mit 2011, das die Kühle nicht hatte, und auch nicht mit 2003 oder 2015. Die klimatischen Bedingungen haben 2017 auch dazu geführt, dass sich in Barolo die verschiedenen Höhenlagen etwas annäherten. Der Jahrgang, mit seiner Frische, Finesse und fruchtstarken Aromatik, dominiert in diesem Jahr 2017 deutlich mehr als in Jahren wie 2016 oder später 2019 und 2020. Der Barolo Bussia zeigt die ganze Schönheit des Jahrgangs, die Wärme und die Aromatik. Gleichzeitig die Frische der kühlen Herbstnächte. Der Wein wurde früh gelesen, bereits Mitte September. Die Erträge wurden stark reduziert. Ein Charmeur der ersten Reihe und deutlich differenzierter und komplexer als der warme Jahrgang 2015. Das reicht nicht an den Jahrgang 2016 heran, aber der braucht eben auch länger. 2017 ist so schön zugänglich und hat trotzdem einen Hang zu Größe. Marzipan und Veilchen, helle Lakritze, rote Kirsche, ein bisschen Hagebutte und ein Touch Sanddorn. Wunderbare Himbeer-Erdbeersüße. Im Mund Sauerkirsche mit Himbeere, feine sandige Tannine und eine schöne Salznote. Tolles Spiel und große Harmonie. Eine wunderbare Fruchtsüße in dieser komplex-harmonischen Komposition. Der Wein hat Länge und er hat alles, was ein schicker, feiner Barolo braucht. Eine Ode an die Freude! Schicker Bussia und bei weitem nicht der schlechteste des Jahrzehnts, sondern für mich einer der allerbesten! 94–95/100

2017 war gekennzeichnet von einer großen Frostperiode im Frühjahr und von einem warmen Sommer mit langer Trockenperiode. Vom Frost wurden vor allem jene Winzer verschont, die Reben in Hochlagen bewirtschaften. Durch die Trockenheit und Wärme stand im Herbst eine deutlich frühere Lese an als normalerweise, teils vier Wochen früher. Das schöne war, dass Anfang September in den Nächten eine große Kühle herrschte. Wir haben also auf der einen Seite einen warmen, reichen, fruchtbetonten Jahrgang wie 2011 oder 2015. Und gleichzeitig haben wir Frische und Kühle durch den kühlen Herbst und somit auch eine hohe Eleganz, mit seidigen Tanninen. Deshalb ist 2017 ist nicht wirklich vergleichbar, weder mit 2011, das die Kühle nicht hatte, und auch nicht mit 2003 oder 2015. Die klimatischen Bedingungen haben 2017 auch dazu geführt, dass sich in Barolo die verschiedenen Höhenlagen etwas annäherten. Der Jahrgang, mit seiner Frische, Finesse und fruchtstarken Aromatik, dominiert in diesem Jahr 2017 deutlich mehr als in Jahren wie 2016 oder später 2019 und 2020. Die Lage Cicala ist immer die deutlich maskulinere, verglichen mit dem auf gleichem Level befindlichen Colonnello. Langlebiger, intensiver, so natürlich auch hier in 2017. Mehr Mineralität und Druck unter der hohen Aromatik. Und 2017 ist verdammt aromatisch. Der Duft ist zum Reinspringen schön, genial! Was für ein Hedonismus, was für ein Leckerli! Ein unglaublich dichter Mund, hier kommt der Unterschied zum Colonnello deutlich mehr zum Tragen, das Tanningerüst ist wesentlich intensiver. Da ziehen sich die Augen zusammen. Die Tannine sind zwar seidig, aber sie sind reichlich vorhanden. Der Wein drückt und schiebt, aber er bleibt trotzdem sehr delikat, duftig und geschmackvoll. 2017 ist das Jahr für Genießer der nächsten 10 bis 20 Jahre, 2016 das Jahr der Langläufer. Wunderschöner Cicala! 96–97/100

Der Untergrund dieses Teils der Lage Bussia ist ein stark von Magnesium und Mangan durchzogener Lehm. Das ergibt deutlich feinere und unglaublich florale Eindrücke, genau deswegen erfolgt die separate Vinifikation. 2017 war gekennzeichnet von einer großen Frostperiode im Frühjahr und von einem warmen Sommer mit langer Trockenperiode. Vom Frost wurden vor allem jene Winzer verschont, die Reben in Hochlagen bewirtschaften. Durch die Trockenheit und Wärme stand im Herbst eine deutlich frühere Lese an als normalerweise, teils vier Wochen früher. Das schöne war, dass Anfang September in den Nächten eine große Kühle herrschte. Wir haben also auf der einen Seite einen warmen, reichen, fruchtbetonten Jahrgang wie 2011 oder 2015. Und gleichzeitig haben wir Frische und Kühle durch den kühlen Herbst und somit auch eine hohe Eleganz, mit seidigen Tanninen. Deshalb ist 2017 ist nicht wirklich vergleichbar, weder mit 2011, das die Kühle nicht hatte, und auch nicht mit 2003 oder 2015. Die klimatischen Bedingungen haben 2017 auch dazu geführt, dass sich in Barolo die verschiedenen Höhenlagen etwas annäherten. Der Jahrgang, mit seiner Frische, Finesse und fruchtstarken Aromatik, dominiert in diesem Jahr 2017 deutlich mehr als in Jahren wie 2016 oder später 2019 und 2020. Nach dem superhedonistischen und leckeren Bussia 2017 kommt jetzt mit dem Colonnello schon eine deutlich ernsthaftere Variante ins Glas. Die Nase erinnert mich mehr an 2016. Das ist hier nicht Himbeere oder Erdbeere, sondern volle Kirsche. Wir sind hier im Burgund. Profund, tief, Veilchen und Rosenblätter auf süßer Kirsche und etwas Schwarzkirsche. Reich und duftig, viel Zwetschge dazu. Das ist meine Lieblingslage bei Aldo Conterno, weil sie so feminin ist und so verspielt. Das gepaart mit diesem delikaten Jahrgang 2017, der diese wunderschöne Wärme und Trockenheit des Jahres auffängt. Gleichzeitig zeigt er die Frische hintenraus. Also überhaupt nichts Langweiliges, sondern das Gegenteil davon. Spannend und aufregend, aber nicht zum Niederknien, sondern hedonistisch. Dieser Wein wird in fünf, sechs, sieben Jahren schon perfekt zu trinken sein. Ein Traumjahr für alle Genießer, für alle WeinTRINKER und nicht für Weinanbeter. 97–98+/100

2017 war gekennzeichnet von einer großen Frostperiode im Frühjahr und von einem warmen Sommer mit langer Trockenperiode. Vom Frost wurden vor allem jene Winzer verschont, die Reben in Hochlagen bewirtschaften. Durch die Trockenheit und Wärme stand im Herbst eine deutlich frühere Lese an als normalerweise, teils vier Wochen früher. Das schöne war, dass Anfang September in den Nächten eine große Kühle herrschte. Wir haben also auf der einen Seite einen warmen, reichen, fruchtbetonten Jahrgang wie 2011 oder 2015. Und gleichzeitig haben wir Frische und Kühle durch den kühlen Herbst und somit auch eine hohe Eleganz, mit seidigen Tanninen. Deshalb ist 2017 ist nicht wirklich vergleichbar, weder mit 2011, das die Kühle nicht hatte, und auch nicht mit 2003 oder 2015. Die klimatischen Bedingungen haben 2017 auch dazu geführt, dass sich in Barolo die verschiedenen Höhenlagen etwas annäherten. Der Jahrgang, mit seiner Frische, Finesse und fruchtstarken Aromatik, dominiert in diesem Jahr 2017 deutlich mehr als in Jahren wie 2016 oder später 2019 und 2020. Romirasco ist die höchste und gleichzeitig kraftvollste Lage im Bussia. Niedrige Erträge. Wie alle 2017er ist das feinstes, duftiges Burgund. Romirasco ist etwas kraftvoller, etwas mehr Vosne-Romanée. Was für eine wunderschöne Intensität! Ein hedonistischer, leckerer Wein. Was für eine Nase, so schön! Allerdings ohne, dass man niederknien muss. Es fehlt der letzte Kick an Größe. Er zeigt sich recht offen. Im Mund hat der Wein die Power des Cicala, ohne dessen scharfe Tannine zu haben. Die Tannine sind durchaus zivilisierter. Irgendwo liegt dieser Romirasco zwischen Cicala und Colonnello. Drei Weine, die in die gleiche Richtung tendieren. Feine Zwetschge, rote Kirsche, extrem duftig und lecker. In 10, 15 Jahren ist das Hedonismus pur. Große Freude! So wie man heute mit großer Freude 2005 probieren kann, so wird man in 10, 15 Jahren 2017 genießen können. Es ist einfach so ein schöner offener, geschmackvoller und aromatischer Jahrgang. Ein Wein für große Freude am Genuss. 98+/100

2012, sagt Giacomo Conterno, ist einer der vergessenen Jahrgänge. Das stimmt und das stimmt auch nicht. Wer immer in ein Restaurant kommt und Barolo trinken möchte, die beginnen sich zu öffnen, kann sehr gut zu 2012 greifen. Denn der 2012er Jahrgang ist einfach sexy, weich, aromatisch und fein. 2012 ist irgendwie eine Art Vorgänger von 2017. Delikat und aromatisch, lecker und zugänglich. Und das in Kombination mit Granbussia, einem der größten Weine des Piemont überhaupt. 2011 wurde nicht erzeugt, 2014 und 2017 auch nicht. Der Wein quillt über in seiner Aromatik. So reich, so burgundisch. Dicht in Zwetschge, süßer Kirsche, roter Kirsche und ganz feiner weißer Schokolade. Dahinter ganz helle Lakritze. Ein unglaublicher Sexappeal, zum Reinplumpsen schön. Der Mund zeigt eine immense Dichte, die ich gar nicht erwartet hätte. So reich, aber kein Blockbuster, sondern nur reich und dicht. Gleichzeitig unglaublich fein, verspielt und tänzelnd. Diese wunderschöne Fülle, gleichzeitig diese aromatische Komplexität mit der Feinheit und dem Verspielten. Was für ein Traumwein! Anders als auf den 2009er und 2010er Granbussia muss man auf diesen Wein höchstens noch fünf, sechs Jahre warten, dann wird das ein Gedicht sein. Ein Gedicht, das er jetzt schon ist. Was für eine unglaubliche Schönheit! Alles einnehmend in seiner komplexen Reichhaltigkeit. Köstlich! 98–100/100

Heiner Lobenberg

Heiner Lobenberg

Heiner ist der Gründer und Chef von Lobenbergs Gute Weine. Als Jäger und Sammler und Wein-Trüffelschwein ist sein Ziel, den Kunden die beste und interessanteste Weinauswahl in Deutschland zu bieten. In seinem Blog erzählt er interessante und schöne Geschichten von großartigen Weinen und Winzern.

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