Chateauneuf du Pape Vieilles Vignes 2021

Michel Tardieu - Chateauneuf du Pape

Chateauneuf du Pape Vieilles Vignes 2021

voluminös & kräftig
pikant & würzig
97–98+
100
2
Grenache 80%, Mourvedre 15%, Syrah 5%
5
rot
14,5% Vol.
Trinkreife: 2029–2059
Verpackt in: 12er
3
Lobenberg: 97–98+/100
6
Frankreich, Rhone, Chateauneuf du Pape
7
Allergene: Sulfite, Abfüllerinformation
lobenberg

Heiner Lobenberg über:
Chateauneuf du Pape Vieilles Vignes 2021

97–98+
/100

Lobenberg: Wie immer hat der Vieilles Vignes bei Tardieu – anders als die Cuvée Spéciale – durchaus einen guten Schwung schwarze Frucht in der Nase. Hohe Intensität aus schwarzen Kirschen, schwarze Heilerde, ziemlich voluminös im reichen, aber butterweichen Tannin, das einfach nur schick daherkommt. Der Mundeintritt ist ganz erstaunlich – mit fällt zunächst nur ein: lecker – oh wie schön! Konzentrierte schwarze Kirsche, kein Holz spürbar, aber Kraft. Reichlich Tannin, aber butterweich und verspielt. Hohe blumige Veilchen-Rosenintensität, dann kommt Brombeere. Die Syrah macht sich ein bisschen bemerkbar, auch mit einem Hauch Cassis. Ziemlich viel Power, aber niemals rustikal, sondern immer dem Jahrgang treu bleibend in dieser grandiosen Verspieltheit – trotz dieses Drucks darunter. Dem Wein sollte man sicherlich fünf Jahre, vielleicht sogar zehn Jahre Zeit geben, damit er diese geniale Balance voll ausspielen kann, damit die Kraft voll eingebunden ist. Anders als die Cuvée Spéciale, die einfach ein rotfruchtiger Extremist ist in seiner Art, steht dieser Vieilles Vignes für superbe Harmonie, für Delikatesse. Was für eine Freude, was für ein schicker Châteauneuf-du-Pape! 97-98+/100 *** Der Châteauneuf Vieilles Vignes besteht im Gegensatz zum Châteauneuf Cuvée Spéciale aus 80 Prozent Grenache, 15 Prozent Mourvèdre und fünf Prozent Syrah. Die Grenache ist 80 bis 100 Jahre alt, die Mourvèdre 60 bis 80 Jahre und die Syrah 50 Jahre. Die Reben stehen in anderen Plots, zwar auch in La Crau, aber daneben auch an sechs anderen Orten in Châteauneuf-du-Pape. Der Wein hat 14,5 Volumenprozent Alkohol. Während beim Cuvée Spéciale gar nicht entrappt wird, gehen beim Vieilles Vignes nur 50 Prozent Ganztrauben in die spontane Fermentation im Betonfuder. Danach erfolgt der Ausbau für 12 Monate in Barriques mit Zweit- und Drittbelegung. Anschließend wird der Wein für weitere 12 Monate in große Doppelstückfässern von Stockinger gelegt. Die Weine werden nicht geschönt und nicht filtriert, bevor sie in die Burgunderflaschen gefüllt werden. Seit dem Jahrgang 2020 mit der teuersten Korkvariante von DIAM ausgestattet, die neben Naturkork 100 Prozent natürliche Materialien wie Rizinusöl und Bienenwachs enthält. Tardieu erlaubt sich die Freiheit, zwei völlige verschiedene Typen Châteauneuf-du-Pape zu erzeugen. Das war von Anfang an so. Spätestens seit sie die Chance hatten, die Parzellen für die Cuvée Spéciale in La Crau von ehemaligen berühmten Erzeugern zu pachten. Denn das ist der einzige Weinberg, für den sie selbst verantwortlich sind und auch selbst bearbeiten. Hier im Châteauneuf Vieilles Vignes kaufen sie immer von den gleichen Erzeugern zu.

Jahrgangsbericht

Der Jahrgang 2021 stellt an der Rhône zweifellos einen Einschnitt in der Reihe der heißen, trockenen, mediterranen Jahrgänge dar, wie wir sie spätestens seit 2015 durchweg erlebt haben. 2021 erinnert viele Winzer im Rhônetal gar an die »guten alten Zeiten« vor 20, 30 Jahren – späte Lese, hohe Säurewerte und eine Phenolik wie es sie zuletzt in den 90ern gab. Ein Jahrgang der großen Emotionen, ein ständiges auf und ab der Gefühle: Die extreme Frostepisode vom 7. bis 9. April mit Temperaturen von teilweise fast -10°C betraf fast alle französischen Weinbaugebiete. Teilweise sorgte der Frost für einen kompletten Ernteausfall. Drei Wochen lang regte sich gar nichts in den Weinbergen des Rhônetals. Wie durch ein Wunder trieben viele Reben doch noch aus, aber nicht ohne Folgen: Die eiskalten Nächte brachten die Natur aus dem Gleichgewicht, der Wiederaustrieb verlief geradezu anarchisch, die Arbeit im Weinberg war extrem anspruchsvoll und verlangte den Winzerinnen und Winzern alles ab. Die wohltuenden Regenfälle während des gesamten Vegetationszyklus, die gemäßigten Temperaturen im Sommer und der goldene Herbst sorgten für ein großes Durchatmen. Am Ende wird 2021 nicht nur als Jahrgang der plötzlichen Wiedergeburt der Klassik, der Feinheit und Eleganz in Erinnerung bleiben, sondern auch wegen des immensen Aufwands – nur, wer 2021 alles gegeben hat, wurde am Ende mit ultrafeinen Weinen belohnt, wie wir sie seit Jahren nicht mehr im Glas hatten. An der südlichen Rhône ist 2021 ein Jahr der puren Trinkfreude. Alles ist sofort da, offen und so unglaublich fein. Die Alkoholgrade liegen rund 1,5 Prozent unter denen der vergangenen Jahrgänge. Sowohl die Weißen als auch die Roten sind hervorragend balanciert und bestechen mit guten Säurewerten und hoher Frische. Die Weine sind hocharomatisch, die Frucht ist schmeichelhaft und fast schon spielerisch-abgehoben. Eine Grenache voll auf der Pinot-Spur – wann gab es das zuletzt?! Die nördliche Rhône bringt 2021 einen Stil, den dort viele für nicht mehr möglich hielten: Extrem fein und verspielt, fast schon schwebend und mit einer genialen Frische ausgestattet. Ein Jahr für große Weißweine mit strahlender Aromatik und hervorragender Lagerfähigkeit, ein Jahr für herrlich klassische, stilvolle, delikate Rotweine mit betörend ätherischen Noten von Pfeffer und Veilchen und ultrafeiner, aber aufregender Tanninstruktur. All in all ist 2021 an der Rhône ein Jahr für Finessetrinker, für Liebhaber der Feinheit, der Frische und der Eleganz. Lange hat man sich nach solchen klassischen Jahren gesehnt. Aber klassisch mit einem genialen Twist, denn am Ende vereint 2021 mit seiner schlanken, hochfeinen Art und der genialen Duftigkeit und Aromatik das Beste von damals und heute. »Zurück in die Zukunft!« – das beschreibt diesen aufregenden Rhône-Jahrgang wohl letztlich am besten.

Mein Winzer

Michel Tardieu – Chateauneuf du Pape

Michel Tardieu ist inzwischen legendär und einer der besten Weinmacher Frankreichs. Robert Parker u. v. a. überhäuften ihn zu Recht mit Superlativen. Sehr oft arbeitet er an der Rhone und in anderen Regionen mit seinem Freund Philippe Cambie zusammen.