Maustal ist ein Amphitheater an den Mainhängen südlich von Sulzfeld. Süd-südöstliche Ausrichtung, also Morgensonne, aber keine Abendhitze, wie im Burgund. Dazu karger Muschelkalkboden und alte Reben. Dazu karger Muschelkalkboden, nach einem halben Meter Erdauflage kommt direkt der Kalksteinfels. 35 bis 40 Jahre alte Reben. Zertifiziert biologische Weinbergsarbeit. Kurze Maischestandzeit von ein paar Stunden, dann spontane Vergärung und Ausbau auf der vollen Hefe im traditionellen Doppelstückfass aus heimischer Spessart-Eiche. Die Böden auf denen der Riesling im Maustal steht sind noch etwas karger als beim Silvaner und das zeigt sich in der Nase durch die noch größere Feinheit. Der Silvaner hat mehr Struktur, kommt schiebender, der Riesling liebt ja die sehr kargen, steinigen Böden auf denen einige andere Rebsorten verweifeln würden. Da bekommt er dann auch überhaupt keine Härte oder trinkflussstoppende Phenolik. Nicht dass er keinen phenolischen Grip hätte, aber eben einen total feinen, der von dieser präzisen und lebhaften Säure flankiert wird. Dadurch baut sich diese enorme Salzigkeit und die feste Struktur am Gaumen auf, diese mineralische Tiefe und Strahlkraft aus dem Muschelkalk. Schlanke, zitrische Frucht, Limettenzesten und reife, süße Zitrone, grüner Tee und Quittenschalen. Keinerlei Exotik, bleibt europäisch und leise in der Frucht. Philipp Luckert erinnert 2022 am ehesten an 2016, obwohl es aus einem total konträren Klima kommt. Aber 2022 hat diese Präzision und den Geradeauslauf, der überhaupt nicht in die Breite zieht, sondern nur in die Länge geht. Das ist überraschend, aber die schönste Überraschung des Jahrgangs. 96-98+/100