von Winning: Riesling Ozyetra 2023

von Winning: Riesling Ozyetra 2023

Limitiert

Zum Winzer

Riesling 100%
weiß, trocken
13,0% Vol.
Trinkreife: 2026–2056
exotisch & aromatisch
mineralisch
Lobenberg: 100/100
Deutschland, Pfalz
Allergene: Sulfite,
lobenberg

Heiner Lobenberg über:
Riesling Ozyetra 2023

100
/100

Der Wein ist nach dem berühmten Osietra Kaviar benannt. Das ist eine Fass Selektion aus dem Pechstein, nur eine begrenzte Menge der besten Fässer, also extrem limitierter Stoff. Das Gegenstück zum MarMar, nur eben aus dem Pechstein und nicht aus dem Ungeheuer. Nachdem es 2022 keinen Ozyetra gab, da alle Fässer in das reguläre GG wanderten, haben wir hier nun endlich wieder einen – und was für einen! Die Nase ist schon Burgund pur. Kein Meursault, nein, das Puligny. Und zwar ganz hohes Niveau. Vielleicht ist es sogar Chevalier-Montrachet blind, aber wir wollen uns ja mal nicht aus dem Fenster lehnen. Rauchigkeit, zarte Frucht, unglaublich viel Stein und eine schon in der Nase salzige Anmutung zeichnen den 23er aus. Feuerstein, Kreide, ein bisschen vom Holz geküsst. Geröstete Mandel und gegrillte Zitrone. Wow, ist das fein. Sobald der Wein auf die Zunge trifft, fängt man beinahe an zu schwitzen. So hoch ist die Pikanz in diesem Wein! Irre, wie zupackend dieser Stoff ist. Total brillant und auf den Punkt geschliffen mit einer irren Tiefe. Nochmal mehr Schub und Druck als im Pechstein und mehr Eleganz als im Kirchenstück. Wie geht das? Das ist Wahnsinn. So dunkel, herb und griffig im Kern, dazu aber dieser glockenklare, intensive Fruchtschmelz, milde Amalfizitrone, schmelzender Pfirsich, der das ganze wieder verführerisch und erotisch macht, trotz dieser extremen Mineralausprägung. Dann feine Hefe und auch Salz im Nachhall. Alles ist perfekt verwoben und dennoch hat es dieses aufregende, geheimnisvoll rauchige Spiel des Pechstein-Terroirs. Na bitte – ganz, ganz groß.

Jahrgangsbericht

Der Winter 2022 auf 2023 brachte endlich, wovon wir in den letzten Jahren oft zu wenig hatten: Niederschlag. Dank Regen satt, waren die Wasserreserven nach dem viel zu trockenen 2022 endlich wieder gut gefüllt, was den Reben einen vitalen Start ins Frühjahr eröffnete. Nahezu keine Frostschäden und paradiesisches Wetter begleiteten eine tolle Austriebs- und Blütezeit, die die Winzerherzen höherschlagen ließ. Es folgte, woran wir uns – mit Ausnahme von 2021 – bereits gewöhnt haben: ein heißer und (zu) trockener Sommer. An den kargsten Standorten gab es wie im Vorjahr etwas Trockenstress. Die älteren Reben kamen aber aufgrund der satten Winterniederschläge glimpflich und sehr gesund durch den provençalischen Frühsommer. Nichtsdestotrotz hätte 2023 eine mittlere Katastrophe werden können, wenn die Trockenheit bis zur Lese so durchgepowert hätte, doch ausgerechnet der sonnenverwöhnte August brachte die Kehrtwende auf den Hacken, denn es war der regenreichste August seit langem. Ab Anfang/Mitte September – gerade recht zur Lesezeit – machte das Wetter vielerorts erneut eine Kehrtwende und schwenkte zurück zu sonnig-warmen, trockenen Verhältnissen. Die bereits kühleren Nächte ermöglichten eine hocharomatische Ausreifung, die 2023 diese gewaltige Fruchtstärke und kühle Brillanz beschert hat. Tatsächlich sahen die Trauben mancherorts aus wie von einem anderen Stern: goldgelb, hochreif und voll praller Energie und Saft. Ob 2023 wirklich DAS Jahr der Jahre ist, steht natürlich noch in den Sternen, aber die Vorzeichen sind mehr als grandios… es ist aus mehreren Gründen der faszinierendste Jahrgang der letzten Jahre. Kein Jahr zuvor war in der Vegetationsperiode so »sonnig« UND so »nass« zugleich. Also doch kein reines (Wein-)Wunder, dass 2023 diese wundervolle geschmackliche Mischung zwischen den aromatisch-dichten 2018ern und 2019ern, sowie den rassig-kühlen 2012ern und 2013ern ist. Warme, satte Agrumenfrucht ohne Ende, von Grapefruit bis Quitte ist alles dabei – und darunterliegend immer wieder dieser mitreißende Speichelturbo. Die Weine haben mehr Dichte als in 2020, eine höhere Reife als in 2021 und mehr Geschmeidigkeit als in 2022 – deshalb gefällt mir der Jahrgang beim Riesling in der Breite bisher auch besser als seine Vorgänger. 2023 kann sowohl 2021er Riesling-Freaks als auch Fans des runderen 2018 abholen. Die Einzigartigkeit der 2023er Rieslinge liegt im Akkord aus beeindruckender Dichte, die selten schwer wirkt, glasklarem Terroircharakter und einem Trinkfluss für die Götter. Die höhere Wasserverfügbarkeit der Reben hat vielen Weinen einen schwer in Worte zu fassenden »Fluss« verliehen. Die Besten sind so reich und geschmeidig, dennoch nie fett oder überwältigend, immer freudvoll und saftig. Vor allem im direkten Vergleich mit dem phenolisch-festeren und etwas kargeren Vorjahr 2022, ist das ein Quantensprung in Richtung früher Trinkbarkeit und Gourmetfaktor. Ich kann mir gut vorstellen, dass 2023 sogar bei den großen Weinen für eine längere Zeit offen und zugänglich bleibt. Das gibt dem Jahr potenziell ein riesiges Trinkfenster, denn dank tiefer pH-Werte und großer Balance ist das allemal auch ein Jahrgang für den Keller. In der Spitze sind die 2023er buddhistische Rieslinge. Keines der letzten drei Jahre hatte ein so stimmiges Gesamtbild aus expressiver Frucht, samtig-dichter Textur und perfekt reifen Säuren. 2023 fließt einfach – Hedonismus pur!

Mein Winzer

von Winning

Unter der Federführung von Stephan Attmann ist von Winning in den letzten Jahren im Eiltempo an der Spitze angekommen! Von Winning ist dabei keine Neugründung, sondern der Rückbezug auf eine glorreiche Vergangenheit, entstanden aus der Masse des Weinguts Dr. Deinhard.

Riesling Ozyetra 2023