Lazzarito – diese Traumlage aus Serralunga und mein absoluter Liebling bei Vietti, weil ich Serralunga auch für eine der zwei spannendsten Gemeinden überhaupt halte. Von hier kommen nicht nur Piras Weine, sondern auch der Gajas Sperss – aus der Nachbarlage des Lazzarito – oder Giacomo Conternos Francia und Monfortino. Die Böden sind hier klassisch von weißem Lehm durchzogen. Die Nase dieses Lazzarito ist voller mythischer, verträumter, duftiger Kräuter-Noten. Mittleres, leuchtendes Rubinrot. Die Nase ist geheimnisvoll. Rote, saftige Kirschen stehen im Vordergrund. Pfirsich, rote Pflaumen und Johannisbeeren kommen hinzu, dann kommt eine verführerisch sanfte, feine Würze, die erforscht werden will, auch gelbe und rote Blüten schweben herbei. Im Mund ist der Wein ultra mineralisch geladen, beinahe salzig. Er läuft geradeaus, und zwar in Lichtgeschwindigkeit. Ich probiere ihn nach dem verführerischen Rocche di Castiglione und hatte mich für die intensive Serralunga-Tanninpower gewappnet, aber die Tannine sind hier puderzucker-fein und filigran. Schlank und dennoch voller Eleganz mit der perfekten Harmonie aus saftiger Frucht und diesem ultra feinen Tannin. Duftig, aromatisch, tänzelnd. Hier haben wir einen Vosne-Romanée im Mund. Wahnsinn, mir läuft das Wasser im Mund zusammen. Trotz der Feinheit ist da Power und Druck ohne Ende angesagt, dieser Wein kombiniert Finesse und Muskelkraft wie kaum ein anderer. Aufgrund seiner saftigen, eleganten Struktur ist er einer der früher trinkreifen Weine bei Vietti 2020. 97-98/100