Riesling Pettenthal Kabinett  Große Lage (Versteigerungswein) 2021

Schätzel: Riesling Pettenthal Kabinett Große Lage (Versteigerungswein) 2021

Zum Winzer

98–100
100
2
Riesling 100%
5
weiß, süss
8,0% Vol.
Trinkreife: 2029–2057
Verpackt in: 3er
9
frische Säure
voll & rund
leicht süss
3
Lobenberg: 98–100/100
Suckling: 98/100
6
Deutschland, Rheinhessen
7
Allergene: Sulfite, Abfüllerinformation
lobenberg

Heiner Lobenberg über:
Riesling Pettenthal Kabinett Große Lage (Versteigerungswein) 2021

98–100
/100

Lobenberg: Dass ein Rheinhesse mit dem Kabinett eines Saarwinzers mithalten kann, ist für sich genommen schon eine Überraschung. Aber Kai Schätzels Pettenthal Versteigerungskabinett ist im Grunde immer der noch etwas extremere Bruder zu Lauers Kabinett Nummer 5. Das Pettenthal gibt es nur in der Magnum. Lauer auch als Eintel. Das Pettenthal ist auch als Kabinett in Kai Schätzels extrem Variante irgendwie noch immer erhaben. Das Kabinett ist bei Kai Schätzel ja eigentlich ein Lebensgefühl, hier hängt ganz viel Herzblut für ihn dran. Entsprechend nimmt er für dieses Pettenthal auch nur Der Wein stammt aus dem nordöstlich ausgerichteten Schulterstück im Pettenthal, das ist der kühlste Part dieses warmen Weinberges. Unendlich lang und ausgewogen bei all der Frische und der rasiermesserscharfen Spannung, die er ausstrahlt. Schon immer noch mit reduktiver Spannung in der Nase, aber der krasse Stinker ist nicht mehr so dominant wie in früheren Jahren. Kai ist angekommen in seiner Idee von Stabilität ohne extreme Reduktion. Aber ganz fein ist es noch wahrnehmbar, eher als flintige Bodenkomponente. Jod, Eisen, staubige Geröllhalde, total clean, glockenklar, keine Botrytisnoten oder Ähnliches. Nur Zitrusroulette und heller Feuerstein, fast Kreide. Auch der Mund ist nicht mehr so scharf und hart wie früher, es kommt zarter, geschmeidiger, dennoch auf intensiver Mineralität laufend. Einfach genial balanciert, obwohl es so extrem schlank ist in der Silhouette. Besser geht Kabinett aus Rheinhessen eigentlich kaum. Sogar ich, der ich im Grunde nur trockene Weine liebe, werde bei diesem Kabinett immer schwach, denn es trinkt sich einfach astronomisch gut. 98-100/100

Jahrgangsbericht

Mit den letzten Jahrgängen im Hinterkopf antizipierten die Winzer wie gewohnt einen eher trocken-warmen Witterungsverlauf. Doch 2021 machte recht schnell klar: nicht mit mir! Austrieb und Blüte waren bereits von ungewöhnlich nordisch-rauem Wetter begleitet und im Vergleich zu den Vorjahren »relativ spät« – im langjährigen Mittel also quasi normal. Die meisten deutschen Weinberge blieben von Frost verschont. Die recht harsche Witterung sorgte jedoch nahezu überall für Ertragseinbußen durch die windige, verregnete und dadurch unregelmäßige Blütephase. Der darauffolgende Sommer brachte zunächst keineswegs die Wende. Dramatisch konzentrierte Sommerniederschläge setzten der vorherigen Trilogie der heiß-trockenen Jahre ein jähes Ende und machten den Pflanzenschutz 2021 zu einer Sisyphusarbeit. Die Topwinzer haben 2021 Marathondistanzen in den Weinbergen abgeleistet, um der Situation Herr zu werden. Durch den zusätzlich hohen Personaleinsatz ist es in der Produktion für viele eines der teuersten Jahre aller Zeiten. Ein Glück, dass der Riesling als adaptierte Nord-Rebe stoisch in Wind und Wetter steht wie ein Islandpferd. Denn im Grunde wurde im Herbst immer klarer: Wenn man im Sommer richtig Gas gegeben hat, konnte das noch ein unglaublich starker Jahrgang werden – und so kam es dann auch. Nach diesem echten Cool-Climate-Sommer, der bis Ende August anhielt, retteten der September und ein Goldener Oktober den Weinjahrgang dann fast im Alleingang. Ein stabiles Hoch über Mittel- und Osteuropa sorgt für dieses seit Jahrhunderten bekannte Phänomen. Die Sonnenscheindauer ist gegen Oktober mit noch immer über 10 Stunden sehr hoch, dafür ist die Tag-Nacht-Amplitude schon viel ausgeprägter als noch im August. Da die Nächte länger werden, kann die Luft in Bodennähe stärker auskühlen. Das sorgt für eine langsame Ausreifung bei langer Hangzeit am Stock und trotzdem stabil bleibenden Säuren. Gerade der Riesling liebt das besonders, aber auch die Burgundersorten brillieren mit kühler Frische. Denn 2021 ist ein so spannendes, krachendes und zugleich kristallines Weißwein-Jahr, wie wir es lange nicht mehr hatten. Wer keine Angst vor berauschender Frische hat und sich gerne von hoher Spannung aus der Kurve tragen lässt, der wird mit 2021 seine größte Freude haben. Alle anderen sollten sich besser an die gar nicht so unähnlich gebauten, aber etwas freundlicheren 2020er halten.

98
/100

Suckling über: Riesling Pettenthal Kabinett Große Lage (Versteigerungswein)

-- Suckling: A sensational Kabinett that marries the lightness of the category with astonishing concentration and a wild flintiness that sets this masterpiece alight. Barely off-dry at the finish where the wet stone minerality builds to an almost overwhelming climax. From the northeast-facing corner of the Pettenthal GG site. Only bottled in magnums and limited production. From biodynamically grown grapes. Drink or hold. 98/100

Mein Winzer

Schätzel

Kai Schätzel zählt aktuell sicher zur Liga der interessantesten Winzer Rheinhessens. Seit einigen Jahren beobachte ich nun die Weine. Dabei kristallisiert sich mit jedem Jahrgang nach einer experimentellen Anfangszeit ein klarer Stil heraus. Kai Schätzel hat mittlerweile seinen eigenen Stil gefunden...