Saint Joseph Lieu-dit Paradis 2021

Ferraton Pere et Fils

Saint Joseph Lieu-dit Paradis 2021

fruchtbetont
pikant & würzig
saftig
96+
100
2
Serine 100%
5
rot
13,5% Vol.
Trinkreife: 2025–2047
Verpackt in: 6er
3
Lobenberg: 96+/100
6
Frankreich, Rhone, Nordrhone
7
Allergene: Sulfite, Abfüllerinformation
lobenberg

Heiner Lobenberg über:
Saint Joseph Lieu-dit Paradis 2021

96+
/100

Lobenberg: Saint-Joseph zeigt auf der einen Seite eine deutlich wärmere und süßere Nase als Crozes-Hermitage, gleichzeitig kommt dieser Paradies extrem tief rüber. Leichte Holznote unter intensiver, schiebender roter Frucht. Schlehe, etwas Blaubeere darunter, aber auch viel Grafit und helle Lakritze zeigend. Etwas Thymian daneben und Estragon, dazu eine leichte Veilchennote. Insgesamt sehr schick, sehr harmonisch rüberkommend. Der Mund setzt sich mit roter Frucht fort. Schlehe, rote süße Kirsche und Sauerkirsche, konzentrierte Himbeere und Erdbeere, nicht süß, sondern komplett trocken. Sehr fokussiert, die Rändern sind sehr sauber definiert. Die Tannine sind reichlich vorhanden, aber seidig. Der Wein tänzelt und schiebt mit dieser warmen, rotfruchtigen Süße hinterher. Das Ganze von Salz und Kreide verfolgt. 100 Prozent Granitböden geben in Saint-Joseph einen völlig anderen Wein als drüben in Crozes-Hermitage oder in Hermitage. Das macht Saint-Joseph so verlockend. Es ist immer die kleine Côte Rôtie. Und dieser Paradis ist wirklich ein Paradies, denn er ist so unglaublich lecker und köstlich. Alles passt! Ein kleiner Côte Rôtie mit hohem Charmefaktor – süffig, saftig und lang, trotzdem in erster Linie purer Hedonismus. 96+/100 *** Paradis ist eine Einzellage im Besitz der Familie Ferraton, nur einen halben Hektar groß. Sie besteht aus drei verschiedenen kleinen Plots. Wir haben hier zu 100 Prozent die alte Syrah-Form, sprich Petite Syrah oder auch Sérine. Dieser Saint-Joseph steht auf Granit, ein Teil auf Löss und ein weiterer Abschnitt auf Lehm. Die Reben sind zwischen 30 und 50 Jahre alt. Biodynamisch bewirtschaftet, wie alles bei Ferraton. Die Trauben werden vor der Gärung komplett entrappt. Diese erfolgt spontan im Beton. Danach wird ganz sanft abgepresst, überwiegend nur der Free Run Juice verwendet. Der Wein bleibt dann bis zum Frühjahr auf der Feinhefe. Dann wird abgezogen und ausgebaut im Tonneau und nicht mehr in Barriques. 2021 ist der Anteil Neuholz auf ein Drittel angewachsen, weil der Frische Jahrgang das Holz gut vertragen konnte. Der Paradis hat eine reine Ostexposition. Dadurch – und durch seine Böden – ähnelt er dem Kleinklima der Côte Rôtie. Er hat viel Power durch die ebenfalls vorhandenen Sedimentböden. Dementsprechend ist der Wein immer etwas schwarzfruchtiger, würziger und voluminöser als viele andere Saint-Joseph. Er bringt die Wärme der Sedimentböden und gleichzeitig die Kühle der Ostexposition und des Granitgesteins. Viele Insider wissen, dass Saint-Joseph die neue Côte-Rôtie ist, weil die Côte-Rôtie preislich schon so abgehoben ist.

Jahrgangsbericht

Der Jahrgang 2021 stellt an der Rhône zweifellos einen Einschnitt in der Reihe der heißen, trockenen, mediterranen Jahrgänge dar, wie wir sie spätestens seit 2015 durchweg erlebt haben. 2021 erinnert viele Winzer im Rhônetal gar an die »guten alten Zeiten« vor 20, 30 Jahren – späte Lese, hohe Säurewerte und eine Phenolik wie es sie zuletzt in den 90ern gab. Ein Jahrgang der großen Emotionen, ein ständiges auf und ab der Gefühle: Die extreme Frostepisode vom 7. bis 9. April mit Temperaturen von teilweise fast -10°C betraf fast alle französischen Weinbaugebiete. Teilweise sorgte der Frost für einen kompletten Ernteausfall. Drei Wochen lang regte sich gar nichts in den Weinbergen des Rhônetals. Wie durch ein Wunder trieben viele Reben doch noch aus, aber nicht ohne Folgen: Die eiskalten Nächte brachten die Natur aus dem Gleichgewicht, der Wiederaustrieb verlief geradezu anarchisch, die Arbeit im Weinberg war extrem anspruchsvoll und verlangte den Winzerinnen und Winzern alles ab. Die wohltuenden Regenfälle während des gesamten Vegetationszyklus, die gemäßigten Temperaturen im Sommer und der goldene Herbst sorgten für ein großes Durchatmen. Am Ende wird 2021 nicht nur als Jahrgang der plötzlichen Wiedergeburt der Klassik, der Feinheit und Eleganz in Erinnerung bleiben, sondern auch wegen des immensen Aufwands – nur, wer 2021 alles gegeben hat, wurde am Ende mit ultrafeinen Weinen belohnt, wie wir sie seit Jahren nicht mehr im Glas hatten. An der südlichen Rhône ist 2021 ein Jahr der puren Trinkfreude. Alles ist sofort da, offen und so unglaublich fein. Die Alkoholgrade liegen rund 1,5 Prozent unter denen der vergangenen Jahrgänge. Sowohl die Weißen als auch die Roten sind hervorragend balanciert und bestechen mit guten Säurewerten und hoher Frische. Die Weine sind hocharomatisch, die Frucht ist schmeichelhaft und fast schon spielerisch-abgehoben. Eine Grenache voll auf der Pinot-Spur – wann gab es das zuletzt?! Die nördliche Rhône bringt 2021 einen Stil, den dort viele für nicht mehr möglich hielten: Extrem fein und verspielt, fast schon schwebend und mit einer genialen Frische ausgestattet. Ein Jahr für große Weißweine mit strahlender Aromatik und hervorragender Lagerfähigkeit, ein Jahr für herrlich klassische, stilvolle, delikate Rotweine mit betörend ätherischen Noten von Pfeffer und Veilchen und ultrafeiner, aber aufregender Tanninstruktur. All in all ist 2021 an der Rhône ein Jahr für Finessetrinker, für Liebhaber der Feinheit, der Frische und der Eleganz. Lange hat man sich nach solchen klassischen Jahren gesehnt. Aber klassisch mit einem genialen Twist, denn am Ende vereint 2021 mit seiner schlanken, hochfeinen Art und der genialen Duftigkeit und Aromatik das Beste von damals und heute. »Zurück in die Zukunft!« – das beschreibt diesen aufregenden Rhône-Jahrgang wohl letztlich am besten.

Mein Winzer

Ferraton Père et Fils

Samuel Ferraton, Vertreter der vierten Generation im Weingut, gab 1998 dem Haus einen neuen Impuls durch eine finanzielle Partnerschaft mit dem Haus Chapoutier bei gleichzeitiger Wahrung der qualitativen Unabhängigkeit.