Rothlauf ist eine der Toplagen von May. Der Weinberg ist über 50 Jahre alt und stehen auf Muschelkalk. Ertrag um die 25 Hektoliter auf dem Hektar, also sehr gering. Die Beeren sind großer als im Himmelspfad, weil es schon etwas mehr Schub vom Boden gibt. Auch die Stöcke sind gewaltig, haben sogar Jancis Robinson schon zutiefst beeindruckt bei ihrem Besuch bei Mays. Rudolf hat den Weinberg in 2009 übernommen. Die Weinbergsarbeit geschieht bei May nach Bioland-Zertifizierung. Der Ausbau zu 70 Prozent in Stückfässern aus heimischer Spessart-Eiche mit langem Hefelager, der Rest liegt im Betonei. Die Nase zeigt etwas mehr pikante Frucht als die des steinigen Himmelspfad, Bergamotte und Mandarine, auch Orangenöl und etwas Thymian. Der Rothlauf hat diese famose innere Dichte, diese Ruhe, mit der er ganz geschmeidig dahingleitet. Aufregend bleibt er aber, denn die Säurespur ist noch pikanter und salziger als im Himmelspfad. Auch in diesem superheißen Sommer ist der Wein schlank, fein und elegant, zeigt keinerlei Wucht oder Üppigkeit. Im Nachhall kommen auch immer mehr dunkle Beeren, Cassis, Blaubeere, weißer Pfirsich. Dieser dunkle Touch gibt ihm schon eine gewisse Dramatik. Ausgewogen, lang und fast zart in seinem ruhigen Fluss. Wer Silvaner liebt, sollte stets ein paar gereifte Jahrgänge Rothlauf im Keller haben, denn das ist einer der größten Silvaner Deutschlands. 96-98/100