Lobenberg: Seit 2016 wird alles biologisch bewirtschaftet, seit 2019 ist May offiziell Naturland zertifiziert. Die Bewirtschaftung ist schon seit vielen Jahren Bio. Die Weinreben sind über 50 Jahre, Südsüdost-Exposition. Die Gärung findet im offenen Holzgärständer statt. Der anschließende Ausbau erfolgt in einem neuen Doppelstückfass aus Spessarteiche von 400-jährigen Bäumen, die Rudolf May mit dem Fassbauer Aßmann und einem Förster der Gemeinde selbst aussuchen konnte. Das Holz ist enorm dicht und feinporig. Der Wein bleibt bis zum ersten Umzug auf der Vollhefe in diesem Fass und verbleibt danach weiter auf der Feinhefe im gebrauchten Holzfass. Diese Holzbegleitung bekommt dem Schäfer ganz besonders, denn ein großer Silvaner kann so erhaben sein wie ein großer Chenin Blanc von der Loire. In 2022 haben Mays sehr früh gelesen, waren schon Mitte September durch mit allem, also vor dem großen Regen. Das Hauptziel war die Erhaltung der Frische. Der extrem trockene und heiße Sommer hat die Trauben sehr schnell zur Reife getrieben. Eine sehr schöne Fruchtausprägung, weißer Pfirsich, grüne Quitte, weiße Blüten, Kalkstaub. Man merkt direkt, dass dieser Silvaner nicht mit berstender Frucht überzeugen will. Er bleibt steinig-kräutrig, Zitronenmelisse, Bergwiesenheu, auch Feuerstein. Der Silvaner tritt hier in den Hintergrund, es geht um Lagen- und Bodenausdruck. Und Silvaner kann das, genau wie Riesling, hat aber eben eine völlig andere Art. Silvaner ist häufig unterschätzt, obwohl er eben genau das abbilden kann, was sonst keine weiße Rebsorte in Deutschland abbilden kann, das was die großen Chenins von der Loire so perfekt können. Das ist genau die Lücke, die in Deutschland klaffen würde, wenn wir keinen Silvaner hätten. Das ist ein großer Wein, ein eleganter Wein, ein sehr eigenständiger Wein. 94-96/100