Riesling RDF Reserve der Familie 2021

Karsten Peter: Riesling RDF Reserve der Familie 2021

Zum Winzer

97–100
100
2
Riesling 100%
5
weiß, trocken
12,0% Vol.
Trinkreife: 2026–2046
Verpackt in: 6er
9
mineralisch
3
Lobenberg: 97–100/100
6
Deutschland, Pfalz
7
Allergene: Sulfite, Abfüllerinformation
lobenberg

Heiner Lobenberg über:
Riesling RDF Reserve der Familie 2021

97–100
/100

Lobenberg: RdF steht für Karsten Peters Reserve du Famille, also das Privatfass des Hauses. Natürlich das Allerbeste, der Topstoff, das was der Winzer eigentlich gerne für sich behalten würde. Aber ein Glück teilt Karsten Peter ein paar Flaschen von diesem Kracher mit uns. Bestes Fass aus seiner Heimat Dürkheim, von kühlen, waldnahen Reben. Die Trauben für den Wein stammen aus einer einzigen Parzelle in Bad Dürkheim. Kühl und enorm Kalkintensiv, alte Reben an denen nur noch kleinen intensive Trauben wachsen. Gerade einmal 600 Flaschen gibt es aus dem 2021er Jahrgang. Ganz kurze Maischestandzeiten, teils auch Ganztraubendirektpressung. Ungeklärt ins gebrauchte Fass, dann spontan vergoren. Dickwandige Fässer und kleine Edelstahltanks, also ein betont reduktiver Ausbau. Keinerlei Schönung, kein Schnickschnack. Komplett durchgegoren auf unter 2 Gramm Restzucker. Sehr geradlinig und klar im Ausbau, so ist der Winzer und so ist auch der Wein. Die erste Nase: Wo sind wir denn hier?! Ist das Pfalz oder vielleicht doch von der Nahe? So unendlich viel Flint und Feuerstein steckt hier drin. So ein Mineralhammer dürfte ziemlich einzigartig sein in Dürkheim, wie gesagt fast schieferig oder allenfalls vulkanisch anmutend in der kristallinen Schießpulvernase. Regen auf staubigen Pflastersteinen, Limettensaft, Ingwerschärfe. Die Nase lässt wirklich nicht viel Frucht durchkommen, bleibt komplett in der steinigen Puristik. Der Mund kracht, und er kracht ordentlich. Die Augen ziehen sich zusammen, so viel Salz kommt da angerauscht. Zerstoßene Muschelschale, roter und grüner Apfel, Zitrusschalen, wieder viel feuersteiniger Grip im berauschenden Finale. Alle Regler nach rechts und ab in die Geröllhalde. Ich verstehe, warum Karsten dieses ultramineralische Fass so liebt, er ist ja auch Nahewinzer… grandios! 97-100/100

Jahrgangsbericht

Mit den letzten Jahrgängen im Hinterkopf antizipierten die Winzer wie gewohnt einen eher trocken-warmen Witterungsverlauf. Doch 2021 machte recht schnell klar: nicht mit mir! Austrieb und Blüte waren bereits von ungewöhnlich nordisch-rauem Wetter begleitet und im Vergleich zu den Vorjahren »relativ spät« – im langjährigen Mittel also quasi normal. Die meisten deutschen Weinberge blieben von Frost verschont. Die recht harsche Witterung sorgte jedoch nahezu überall für Ertragseinbußen durch die windige, verregnete und dadurch unregelmäßige Blütephase. Der darauffolgende Sommer brachte zunächst keineswegs die Wende. Dramatisch konzentrierte Sommerniederschläge setzten der vorherigen Trilogie der heiß-trockenen Jahre ein jähes Ende und machten den Pflanzenschutz 2021 zu einer Sisyphusarbeit. Die Topwinzer haben 2021 Marathondistanzen in den Weinbergen abgeleistet, um der Situation Herr zu werden. Durch den zusätzlich hohen Personaleinsatz ist es in der Produktion für viele eines der teuersten Jahre aller Zeiten. Ein Glück, dass der Riesling als adaptierte Nord-Rebe stoisch in Wind und Wetter steht wie ein Islandpferd. Denn im Grunde wurde im Herbst immer klarer: Wenn man im Sommer richtig Gas gegeben hat, konnte das noch ein unglaublich starker Jahrgang werden – und so kam es dann auch. Nach diesem echten Cool-Climate-Sommer, der bis Ende August anhielt, retteten der September und ein Goldener Oktober den Weinjahrgang dann fast im Alleingang. Ein stabiles Hoch über Mittel- und Osteuropa sorgt für dieses seit Jahrhunderten bekannte Phänomen. Die Sonnenscheindauer ist gegen Oktober mit noch immer über 10 Stunden sehr hoch, dafür ist die Tag-Nacht-Amplitude schon viel ausgeprägter als noch im August. Da die Nächte länger werden, kann die Luft in Bodennähe stärker auskühlen. Das sorgt für eine langsame Ausreifung bei langer Hangzeit am Stock und trotzdem stabil bleibenden Säuren. Gerade der Riesling liebt das besonders, aber auch die Burgundersorten brillieren mit kühler Frische. Denn 2021 ist ein so spannendes, krachendes und zugleich kristallines Weißwein-Jahr, wie wir es lange nicht mehr hatten. Wer keine Angst vor berauschender Frische hat und sich gerne von hoher Spannung aus der Kurve tragen lässt, der wird mit 2021 seine größte Freude haben. Alle anderen sollten sich besser an die gar nicht so unähnlich gebauten, aber etwas freundlicheren 2020er halten.

Mein Winzer

Karsten Peter

Karsten Peter ist ein Wandler zwischen den Welten, sein steter Begleiter ist dabei der Riesling – aber eben nicht nur! Als Mastermind hinter den Weinen von Gut Hermannsberg hat er den Kultbetrieb wieder zu alter Größe geführt, nun startet er zusätzlich auf seinem Familienweingut in der Pfalz durch.