Riesling Centgrafenberg Großes Gewächs 2021

Rudolf Fürst: Riesling Centgrafenberg Großes Gewächs 2021

Zum Winzer

96–98
100
2
Riesling 100%
5
weiß, trocken
12,0% Vol.
Trinkreife: 2025–2042
Verpackt in: 6er
9
mineralisch
leicht & frisch
3
Lobenberg: 96–98/100
Suckling: 95/100
6
Deutschland, Franken
7
Allergene: Sulfite, Abfüllerinformation
lobenberg

Heiner Lobenberg über:
Riesling Centgrafenberg Großes Gewächs 2021

96–98
/100

Lobenberg: Natürlich steht auch der Centgrafenberg im Bürgstadter Berg. Ist also umgeben von der Ersten Lage und die GG-Parzellen sind die Filets. Der Wein wächst komplett auf Buntsandstein mit Eisenanteil. Das macht die Würze dieser Weine aus. Genau wie die Erste Lage als Ganztraube sofort gequetscht mit den Füßen und abgepresst, keine Standzeiten. Vergärung erfolgt spontan. Ausbau in sehr alten Doppelstückfässern von 2400 Litern. Schon die Nase zeigt diese intensive Würze des roten Gesteins, erinnert an Jod und Kurkuma, Augustapfel und Pfirsich. Auch aus dem kühleren Jahr 2021 gibt der Sandstein eine schöne würzige, angenehme Wärme unter die Frucht. Kristallin und glockenklar, stahlig. Die Salzigkeit im Mund ist wahnsinnig, fast umami-artig, vibrierend, griffig. Diese 2021er Frische und Mineralität trägt einen fast aus der Kurve, ich kann mich nicht erinnern wann Rieslinge zuletzt gleichzeitig so komplex, frisch, schlank, straff und mineral rüberkamen als in diesem spätreifenden Jahr wie aus den 1990ern. Lese goldgelber Trauben bis annähernd an den November, das ist ganz famos, wenn die Trauben so gesund bleiben. Sehr pikant, sehr eigenwilliger Mund aus dieser sehr speziellen Lage. Es ist so stark von diesem roten Gestein geprägt, von dieser urwüchsigen Würze, ähnlich wie es manchmal an der Nahe oder am Roten Hang ist. Aber der Rote Hang hat mehr Power, mehr Öligkeit, hier sind wir feiner, ziselierter und schlanker, schon deutlicher näher an der Nahe im Stil. Vibration und Salz, dass es geradezu kracht im Mund. Das ist wirklich ein grandioser Stoff und ich bin jedes Mal wieder aufs Neue verblüfft, wie Fürst in weiß wie rot so sehr brillieren kann. Ein Betrieb, den nichts erschüttert, der jedes Jahr liefert, der jedem Jahrgang das beste abringt und seelenruhige und doch aufregende, fesselnde Weine erzeugt. Zeitlos gut und 2021 wird wohl fantastisch reifen. 96-98/100

Jahrgangsbericht

Mit den letzten Jahrgängen im Hinterkopf antizipierten die Winzer wie gewohnt einen eher trocken-warmen Witterungsverlauf. Doch 2021 machte recht schnell klar: nicht mit mir! Austrieb und Blüte waren bereits von ungewöhnlich nordisch-rauem Wetter begleitet und im Vergleich zu den Vorjahren »relativ spät« – im langjährigen Mittel also quasi normal. Die meisten deutschen Weinberge blieben von Frost verschont. Die recht harsche Witterung sorgte jedoch nahezu überall für Ertragseinbußen durch die windige, verregnete und dadurch unregelmäßige Blütephase. Der darauffolgende Sommer brachte zunächst keineswegs die Wende. Dramatisch konzentrierte Sommerniederschläge setzten der vorherigen Trilogie der heiß-trockenen Jahre ein jähes Ende und machten den Pflanzenschutz 2021 zu einer Sisyphusarbeit. Die Topwinzer haben 2021 Marathondistanzen in den Weinbergen abgeleistet, um der Situation Herr zu werden. Durch den zusätzlich hohen Personaleinsatz ist es in der Produktion für viele eines der teuersten Jahre aller Zeiten. Ein Glück, dass der Riesling als adaptierte Nord-Rebe stoisch in Wind und Wetter steht wie ein Islandpferd. Denn im Grunde wurde im Herbst immer klarer: Wenn man im Sommer richtig Gas gegeben hat, konnte das noch ein unglaublich starker Jahrgang werden – und so kam es dann auch. Nach diesem echten Cool-Climate-Sommer, der bis Ende August anhielt, retteten der September und ein Goldener Oktober den Weinjahrgang dann fast im Alleingang. Ein stabiles Hoch über Mittel- und Osteuropa sorgt für dieses seit Jahrhunderten bekannte Phänomen. Die Sonnenscheindauer ist gegen Oktober mit noch immer über 10 Stunden sehr hoch, dafür ist die Tag-Nacht-Amplitude schon viel ausgeprägter als noch im August. Da die Nächte länger werden, kann die Luft in Bodennähe stärker auskühlen. Das sorgt für eine langsame Ausreifung bei langer Hangzeit am Stock und trotzdem stabil bleibenden Säuren. Gerade der Riesling liebt das besonders, aber auch die Burgundersorten brillieren mit kühler Frische. Denn 2021 ist ein so spannendes, krachendes und zugleich kristallines Weißwein-Jahr, wie wir es lange nicht mehr hatten. Wer keine Angst vor berauschender Frische hat und sich gerne von hoher Spannung aus der Kurve tragen lässt, der wird mit 2021 seine größte Freude haben. Alle anderen sollten sich besser an die gar nicht so unähnlich gebauten, aber etwas freundlicheren 2020er halten.

95
/100

Suckling über: Riesling Centgrafenberg Großes Gewächs

-- Suckling: Enormously effusive aromas of spring meadow, spring blossom and white currant leap out of the glass at you. So sleek it’s only at the lower end of medium-bodied, but it’s also so vibrant and hyper-precise. I love the crystalline purity at the long diamond-bright finish. Drink or hold. 95/100

Mein Winzer

Rudolf Fürst

Franken ist Frankreich nicht nur phonetisch ganz nahe. Wer behauptet, dass exzellenter Pinot Noir, also Spätburgunder nur aus dem in Frankreich gelegenen Burgund stammt, hat mindestens die letzte Dekade verschlafen.