Chateauneuf du Pape Chateau de Beaucastel 2022

Perrin / Beaucastel: Chateauneuf du Pape Chateau de Beaucastel 2022

BIO

Zum Winzer

100
100
2
Cinsault, Counoise, Grenache, Mourvedre, Muscardin, Syrah, Terre Noir, Vaccarese
5
rot, trocken
14,0% Vol.
Trinkreife: 2028–2063
Verpackt in: 12er
9
voluminös & kräftig
pikant & würzig
3
Lobenberg: 100/100
Decanter: 96/100
Jeb Dunnuck: 94–96+/100
6
Frankreich, Rhone, Chateauneuf du Pape
7
Allergene: Sulfite, Abfüllerinformation
lobenberg

Heiner Lobenberg über:
Chateauneuf du Pape Chateau de Beaucastel 2022

100
/100

Lobenberg: Direkt zuvor habe ich den Coudoulet überschwänglich gelobt, verkostet und vertextet. Jetzt habe ich erwartet, dass es beim Châteauneuf noch reicher, noch voluminöser weitergeht. Aber im Gegenteil: Wir haben hier eine zarte Verspieltheit, Feinheit und Eleganz, die ihresgleichen sucht. Feine Nougatnase mit Orangenzesten und Sanddorn, darunter etwas Mango. Satte reife, schwarze Kirsche, dazu Maulbeere, Brombeere und Cassis, aber nicht fett, sondern nur hochintensiv, aromatisch und reichhaltig. In Summe schlanker als der Coudoulet, feiner, fokussierter und eleganter. Eine Traumnase in jedem Fall. Leichte Schwarzkirsch- und Kirschlikörnote im Nachgang, die Veilchen kommen immer wieder hoch. Rosenblätter – eine geniale Blumigkeit! Neben der generösen Fülle verblüfft der Jahrgang 2022 trotz der Trockenheit und Hitze mit einer sensationellen Frische aus der Mourvèdre. Der Wein ist so pikant, es vibriert alles! Er zeigt Schlehe über Grafit und Schwarzkirsche, dazu rote Johannisbeere. Die Frische ist überwältigend in Verbindung mit dieser generösen Reife und Fülle! Anders als gestern beim Clos des Papes merkt man hier den hohen Anteil an Mourvèdre. Bei Clos des Papes war die Mourvèdre überwiegend dem Frost zum Opfer gefallen, hier ist es ganz klar die Dominante. Nachdem ich letzte Woche in Jumilla die Mourvèdre-Weine von Casa Castillo probiert habe, bin ich voll auf dem Mourvèdre-Trip. Gerade in diesen heißen und trockenen Jahre ist das schon ziemlich genial, was diese Rebsorte bringt. Das ist sicherlich ein Teil der Zukunft der südlichen Rhône. Satte Schwarzkirsche, aber auch eine verblüffende, seidig-samtige Cremigkeit. So schick und so hedonistisch lecker und lang! Zum Reinspringen schön! Feine dunkle Himbeere kommt neben Sauerkirsche und schwarzer Erde durch. Der Wein steht für Minuten. 2022 hat seinen ganz eigenen Charakter in dieser wirklich verblüffenden und vollkommen unerwarteten Eleganz, in diesem schicken, saftig-seidigen Fluss, in dieser voluminösen und trotzdem frischen Ausprägung. Das hätte ich ehrlich gesagt hier an der Südrhône nicht vermutet. Klar ist, dass die Weine nochmals deutlich reifer sind als in den Jahren davor. Aber sie sind überhaupt nicht marmeladig, sondern komplett in Balance und Harmonie. Wir haben in den Jahren 2021 und 2022 zwei ganz große Weine mit völlig unterschiedlicher Ausprägung. Beide sind groß! 2022 löst sich im Nachhall in ein wollüstig-erotisches Wohlgefallen auf. Wie schon öfter erlebt in diesem Jahr: Kein Wein zum Niederknien, sondern eher anmutig und verträumt in dieser seidig-samtigen Eleganz. Ähnlich wie schon im Coudoulet endet das Finale in einer süßsauren und pikanten Orgie von Schlehe, roter Johannisbeere, hoher Reife, Grafit, heller scharfer Lakritze und Chili. Das ist mega-pikant! Ein Jahrgang, der die großen Eigenschaften der Jahre 19 bis 21 vereint. Er ist nicht besser als 2021, aber in seiner pikanten und fast frischeren Note wirklich verblüfft. Eine Überversion des 2019er für mich. Großes Kino! 100/100 *** Beaucastel hat mehrere Besonderheiten. Zuallererst ist es ein waschechter Biodynamiker. Aber das gibt es natürlich bei Vieille Julienne auch. Generell ist das im Châteauneuf allerdings noch eine richtige Ausnahme. Die nächste Besonderheit ist die Lage der Domaine. Sie liegt extrem im Wind, Mistral ohne Ende. Es gibt hier fast nie Probleme mit Fäulnis, deswegen ist die Biodynamie auch so einfach durchzuführen. Dazu kommt die große Schwerpunktsetzung auf die Rebsorte Mourvèdre. Wenn wo anders teilweise reiner Grenache läuft, ist Beaucastel schon noch auf einer Vielfalt aufgebaut. Zum Mourvèdre kommen Grenache, Syrah, Counoise, Cinsault, Terre Noir, Muscardin und Vaccarese. Alle Rebsorten werden hier separat vinifiziert, die Trauben werden zu 100 Prozent entrappt. Spontane Gärung in großen Fudern. Danach wird ganz sanft gepresst, der verbliebene Trester bleibt sogar feucht, wenn er in den Weinberg gefahren wird. Es wird also immer fast nur der erweitere Vorlaufsaft verwendet. Dieser Saft geht dann in ein weiteres Fuder, dort findet die Malo statt. In den Fudern bleibt der Wein für bis zu zwei Jahre. Die ganze Charge wird vor der Gärung ein bisschen gekühlt und circa fünf Tage vormazeriert. Früher wurde vor der Gärung mit heißem Dampf ein bisschen sterilisiert, was aber durch die extrem penible, saubere Arbeit, mit extremer Sortierung, nicht mehr nötig ist – im Gegenteil. Beaucastel ist ein einziger, zusammenhängender Weinberg, mit insgesamt 80 Hektar. Das Terroir ist überwiegend weißer Lehm und Kalkstein. Ein ähnliches Terroir wie in den besten Lagen des Barolo-Gebiets. Cannubi zum Beispiel. Ein einziger zusammenhängender Weinberg, mit homogenem Untergrund, ist also eine weitere Besonderheit von Beaucastel. Mourvèdre-Mistral-Terroir.

Jahrgangsbericht

Der Jahrgang 2022 ist ein multikomplexer, kontrastreicher, heterogener und ganz und gar ungewöhnlicher Jahrgang - offensichtliche Folgen des Klimawandels? Die Rhone hat in den letzten zwei Jahren somit zwei extreme, paradoxe und diametral entgegengesetzte Jahrgänge erlebt. 2021 war frostig, kühl und regenreich, klassisch aufregendes cool-climate. 2022 war dagegen viel zu trocken und extrem sonnig. Dieser schnelle Wechsel macht etwas ratlos und 2022 stellt sogar die Zukunft mancher Weinberge dauerhaft in Frage. Der schon jetzt zu einem der besten Jahrgänge des letzten Jahrzehnts erklärte Jahrgang 2022, den manche gar mit 1978 vergleichen, hält zwar im Norden wunderbare, ja grandiose Überraschungen bereit, aber im Süden durchaus auch einige herbe Enttäuschungen. Die Widerstandsfähigkeit der Reben angesichts der klimatischen Extremsituationen erstaunt dennoch! Die mehr oder weniger intensiven Regenfälle Mitte August und September retteten dann die Weinberge und Regionen, in denen der Punkt ohne Wiederkehr durch Wasserstress noch nicht erreicht war, manchmal aber war es zu spät. 2022 ist somit durch sehr starke Heterogenität zwischen und auch innerhalb der Appellationen gekennzeichnet, grandiose Schönheiten und vertrocknetes, unreifes Elend liegen oft nah beieinander, alles hing am seidenen Faden. Unsere Verkostungen bei den Erzeugern und unsere akribische Auswahl hat in diesem Jahrgang 2022 noch mehr Bedeutung als je zuvor.Südliche Rhone:Wider Erwarten sind die Weißen harmonisch, aromatisch und nicht fett und alkoholisch, es gibt viele großartige Erfolge. Erstaunlich und superb! Die Qualität der Roten ist deutlich heterogener. Unbalanciertheit, Disharmonie, spröde und harte Tannine und mangelnde phenolische Reife findet man in vielen jungen Reben. Nur sehr alte Reben mit minimalen Erträgen und tiefem Wurzelwerk bieten komplexe und anmutige, ja sogar ganz große Weine der historischen Extraklasse.Nördliche Rhone:Der kühlere Norden blieb von den meisten Leiden des Jahrgangs verschont. Die vollständige Reife wurde fast immer erreicht und die Alkoholgrade blieben moderat. Die Gaumen der gleichermaßen großartigen Weißen und Roten sind üppig, prall und dennoch straff. Weine mit Typizität und Stil, die Sommeliers und Restaurants gleichermaßen glücklich machen werden. Ein historisch großer Jahrgang!

96
/100

Decanter über: Chateauneuf du Pape Chateau de Beaucastel

-- Decanter: Dark and inky in colour this year. It’s fresh in its berry fruits, really quite powerful, with muscular tannins and driving acidity behind. A dense, dark and brooding vintage of Beaucastel. The aromatic precision however is extremely impressive: elderberry, sloe and blackberry. It’s solid and will age well. Do not drink this young, as it will likely disappoint if opened too early. Grenache and Cinsault fermented in cement, Syrah and Mourvèdre fermented in foudres. Syrah and Counoise are whole bunch fermented. 96/100

94–96+
/100

Jeb Dunnuck über: Chateauneuf du Pape Chateau de Beaucastel

-- Jeb Dunnuck: Tasted out of multiple barrels, the 2022 Châteauneuf Du Pape looks to be a ripe, sexy wine with gorgeous red and blue fruit as well as notes of graphite, smoked meat, and violets. Rich, full-bodied, and concentrated on the palate, it has rock-solid underlying tannins, beautiful mdi-palate depth, and a gorgeous finish. 94-96+/100

Mein Winzer

Famille Perrin

Beaucastel ist ganz sicher seit Jahrzehnten der Primus inter Pares in der südlichen Rhone und einer der wenigen Betriebe, der für den roten Chateauneuf noch alle 13 zugelassenen Traubensorten verwendet.

Chateauneuf du Pape Chateau de Beaucastel 2022