Saint Joseph Lieu-dit Paradis 2022

Ferraton Pere et Fils: Saint Joseph Lieu-dit Paradis 2022

Zum Winzer

95–96
100
2
Serine 100%
5
rot, trocken
13,5% Vol.
Trinkreife: 2026–2048
Verpackt in: 6er
9
fruchtbetont
pikant & würzig
saftig
3
Lobenberg: 95–96/100
6
Frankreich, Rhone, Nordrhone
7
Allergene: Sulfite, Abfüllerinformation
lobenberg

Heiner Lobenberg über:
Saint Joseph Lieu-dit Paradis 2022

95–96
/100

Lobenberg: Der erste Saint-Joseph nach der Verkostung der Crozes-Hermitages. Ich finde der große Sprung durch die leicht veränderte Vinifikation wird erst bei den Saint-Josephs so richtig deutlich. Wir gehen unglaublich fokussiert in einen Geradeauslauf, in pure rote Kirsche, Sauerkirsche und Weichselkirsche. Ein klein wenig rote Johannisbeere dahinter. Sehr puristisch, aber durchaus auch Charme zeigend. Dahinter eine feine Salbeinote. Nur das Riechen reicht! So ein wunderschöner Duft, trotzdem sehr versammelt. Im Mund zeigt sich die Schwefelreduktion auf Null noch deutlicher. Da ziehen sich die Augen zusammen, der Wein läuft so salzig-mineralisch geradeaus. Er endet irgendwo nach langer Zeit, haftet intensiv und strahlt trotzdem viel Charme aus. Extrem lecker und hedonistisch, trotzdem fokussiert. Die 20 Prozent Neuholz kommen kaum durch. Große Harmonie! Das Besondere an 2022 ist nicht ein riesiger Qualitätssprung zum wunderbaren 2021er, sondern eher die etwas geänderte Charakteristik. Das macht große Freude! 95-96/100 *** Paradis ist eine Einzellage im Besitz der Familie Ferraton, nur einen halben Hektar groß. Sie besteht aus drei verschiedenen kleinen Plots. Wir haben hier zu 100 Prozent die alte Syrah-Form, sprich Petite Syrah oder auch Sérine. Dieser Saint-Joseph steht auf Granit, ein Teil auf Löss und ein weiterer Abschnitt auf Lehm. Die Reben sind zwischen 30 und 50 Jahre alt. 6.500 Stöcke pro Hektar. Biodynamisch bewirtschaftet, wie alles bei Ferraton. Die Trauben werden vor der Gärung komplett entrappt. Diese erfolgt spontan im Beton. Danach wird ganz sanft abgepresst, überwiegend nur der Free Run Juice verwendet. Der Wein bleibt dann bis zum Frühjahr auf der Feinhefe. Dann wird abgezogen und ausgebaut im Tonneau und nicht mehr in Barriques. 2022 liegt der Anteil Neuholz bei rund 20 Prozent. Der Paradis hat eine Südexposition. Dadurch – und durch seine Böden – ähnelt er dem Kleinklima der Côte Rôtie. Er hat viel Power durch die ebenfalls vorhandenen Sedimentböden. Dementsprechend ist der Wein immer etwas schwarzfruchtiger, würziger und voluminöser als viele andere Saint-Joseph. Er bringt die Wärme der Sedimentböden und gleichzeitig die Kühle der Ostexposition und des Granitgesteins. Viele Insider wissen, dass Saint-Joseph die neue Côte-Rôtie ist, weil die Côte-Rôtie preislich schon so abgehoben ist. Dadurch, dass der Winemaker Damien den Schwefeleinsatz auf ein Minimum reduziert – im Keller wird den Weinen erst nach drei Monaten im Fass minimale Mengen zugegeben – werden die Weine deutlich präziser und eleganter. Auch zieht er die Weine nach der Malo ohne die Vollhefe aus dem Beton. Das ist neu in 2022 und dadurch ist das Jahr feiner, mittiger und mineralischer als die Vorjahre. Die Weine kommen etwas weniger voluminös und fleischig rüber. Der Alkoholgehalt der Weine liegt zwischen 13 und 13,5 Volumenprozent.

Jahrgangsbericht

Der Jahrgang 2022 ist ein multikomplexer, kontrastreicher, heterogener und ganz und gar ungewöhnlicher Jahrgang - offensichtliche Folgen des Klimawandels? Die Rhone hat in den letzten zwei Jahren somit zwei extreme, paradoxe und diametral entgegengesetzte Jahrgänge erlebt. 2021 war frostig, kühl und regenreich, klassisch aufregendes cool-climate. 2022 war dagegen viel zu trocken und extrem sonnig. Dieser schnelle Wechsel macht etwas ratlos und 2022 stellt sogar die Zukunft mancher Weinberge dauerhaft in Frage. Der schon jetzt zu einem der besten Jahrgänge des letzten Jahrzehnts erklärte Jahrgang 2022, den manche gar mit 1978 vergleichen, hält zwar im Norden wunderbare, ja grandiose Überraschungen bereit, aber im Süden durchaus auch einige herbe Enttäuschungen. Die Widerstandsfähigkeit der Reben angesichts der klimatischen Extremsituationen erstaunt dennoch! Die mehr oder weniger intensiven Regenfälle Mitte August und September retteten dann die Weinberge und Regionen, in denen der Punkt ohne Wiederkehr durch Wasserstress noch nicht erreicht war, manchmal aber war es zu spät. 2022 ist somit durch sehr starke Heterogenität zwischen und auch innerhalb der Appellationen gekennzeichnet, grandiose Schönheiten und vertrocknetes, unreifes Elend liegen oft nah beieinander, alles hing am seidenen Faden. Unsere Verkostungen bei den Erzeugern und unsere akribische Auswahl hat in diesem Jahrgang 2022 noch mehr Bedeutung als je zuvor.Südliche Rhone:Wider Erwarten sind die Weißen harmonisch, aromatisch und nicht fett und alkoholisch, es gibt viele großartige Erfolge. Erstaunlich und superb! Die Qualität der Roten ist deutlich heterogener. Unbalanciertheit, Disharmonie, spröde und harte Tannine und mangelnde phenolische Reife findet man in vielen jungen Reben. Nur sehr alte Reben mit minimalen Erträgen und tiefem Wurzelwerk bieten komplexe und anmutige, ja sogar ganz große Weine der historischen Extraklasse.Nördliche Rhone:Der kühlere Norden blieb von den meisten Leiden des Jahrgangs verschont. Die vollständige Reife wurde fast immer erreicht und die Alkoholgrade blieben moderat. Die Gaumen der gleichermaßen großartigen Weißen und Roten sind üppig, prall und dennoch straff. Weine mit Typizität und Stil, die Sommeliers und Restaurants gleichermaßen glücklich machen werden. Ein historisch großer Jahrgang!

Mein Winzer

Ferraton Père et Fils

Samuel Ferraton, Vertreter der vierten Generation im Weingut, gab 1998 dem Haus einen neuen Impuls durch eine finanzielle Partnerschaft mit dem Haus Chapoutier bei gleichzeitiger Wahrung der qualitativen Unabhängigkeit.

Saint Joseph Lieu-dit Paradis 2022