Cotes du Rhone Coudoulet de Beaucastel 2021

Perrin / Beaucastel

Cotes du Rhone Coudoulet de Beaucastel 2021

voluminös & kräftig
pikant & würzig
fruchtbetont
95
100
2
Cinsault, Grenache, Mourvedre, Syrah
5
rot
14,0% Vol.
Trinkreife: 2027–2047
Verpackt in: 6er
3
Lobenberg: 95/100
6
Frankreich, Rhone, Chateauneuf du Pape
7
Allergene: Sulfite, Abfüllerinformation
lobenberg

Heiner Lobenberg über:
Cotes du Rhone Coudoulet de Beaucastel 2021

95
/100

Lobenberg: 2021 hat einen deutlichen Überhang an Mourvèdre. Hochintensive dunkle Zwetschgennase mit Amarenakirsche, Heilerde und feiner Lakritze, aber nicht so drückend. Estragon dazu, sehr schick und verspielt, aber auch sehr opulent. Viel Schwarzkirsche kommt dann darunter, das ganze ist süß, voluminös und samtig – erstaunlich für einen Côtes du Rhône! Aber wir hatten ja schon einige Weine mit hohem Mourvèdre-Anteil, zum Beispiel Clos des Papes. Die Sorte ist 2021 sensationell ausgefallen. Der Mund ist Samt und Seide, aber mit viel Volumen und Opulenz. Niemals würde man auf einen Côtes du Rhône kommen. Das ist ein Châteauneuf-du-Pape im oberen Mittelfeld. Wunderbare Pikanz im Mund: Schlehe und Sauerkirsche, dazu wieder diese Amarenakirsche und Schwarzkirsche. Das Wechselspiel zwischen Säure und opulenter, samtiger Süße ist phänomenal. Die Tannine sind total poliert, feinkörnig, sandig und samtig. Der Wein ist überhaupt nicht fett und trotzdem schiebt er. Er steht für Minuten mit einer salzigen Spur und immer wieder kommt Sauerkirsche hoch, jetzt auch etwas Cranberry. Im Finale mehr rote als schwarze Frucht und eine wunderbare Frische wie von roter Johannisbeere. Wieder diese Sauerkirsche. Das samtige Tannin verwandelt sich langsam in flüssige Seide. Tolle Spannung! Ein genialer Zechwein – saftig und köstlich. 94-95/100 *** Der Coudoulet ist ein Blend aus Grenache, Mourvèdre, Syrah und Cinsault. Coudoulet ist ein einziger Plot. Er liegt jenseits einer kleinen Straße an den Ausläufern der Lage La Crau. Willkürlich wurde hier die Grenze von Châteauneuf-du-Pape gezogen. Inhaltlich ist das genau das gleiche, aber der Wein darf sich nur Côtes du Rhône nennen. Das hat eine Kommission vor langer Zeit festgelegt. Vom Rebalter bis zur Verarbeitung gibt es aber keinen Unterschied zum Châteauneuf von Beaucastel. Coudoulet ist wegen etwas mehr Sand im Boden vielleicht sogar etwas feiner, etwas schicker. Der direkte Nachbar ist der Côtes du Rhône Les Garrigues von Janasse, dem ein ähnliches Schicksal beschert ist. Auch die Familie Tardieu hat ihren Top Côtes du Rhône, den Cuvée Spéciale, von hier. Wie bei allen Weinen von Beaucastel, wird natürlich auch dieser Weinberg biodynamisch bearbeitet. Vollständig entrappt, spontan im Holzfuder vergoren. Der Ausbau dann in großen Holzfässern. Dieser Coudoulet ist immer baugleich mit dem Châteauneuf, eben nur etwas feiner und er kostet nur ein Drittel. 2021 ist in seiner burgundischen Ausrichtung best ever und vielen Chateauneufs vorzuziehen. 95/100

Jahrgangsbericht

Der Jahrgang 2021 stellt an der Rhône zweifellos einen Einschnitt in der Reihe der heißen, trockenen, mediterranen Jahrgänge dar, wie wir sie spätestens seit 2015 durchweg erlebt haben. 2021 erinnert viele Winzer im Rhônetal gar an die »guten alten Zeiten« vor 20, 30 Jahren – späte Lese, hohe Säurewerte und eine Phenolik wie es sie zuletzt in den 90ern gab. Ein Jahrgang der großen Emotionen, ein ständiges auf und ab der Gefühle: Die extreme Frostepisode vom 7. bis 9. April mit Temperaturen von teilweise fast -10°C betraf fast alle französischen Weinbaugebiete. Teilweise sorgte der Frost für einen kompletten Ernteausfall. Drei Wochen lang regte sich gar nichts in den Weinbergen des Rhônetals. Wie durch ein Wunder trieben viele Reben doch noch aus, aber nicht ohne Folgen: Die eiskalten Nächte brachten die Natur aus dem Gleichgewicht, der Wiederaustrieb verlief geradezu anarchisch, die Arbeit im Weinberg war extrem anspruchsvoll und verlangte den Winzerinnen und Winzern alles ab. Die wohltuenden Regenfälle während des gesamten Vegetationszyklus, die gemäßigten Temperaturen im Sommer und der goldene Herbst sorgten für ein großes Durchatmen. Am Ende wird 2021 nicht nur als Jahrgang der plötzlichen Wiedergeburt der Klassik, der Feinheit und Eleganz in Erinnerung bleiben, sondern auch wegen des immensen Aufwands – nur, wer 2021 alles gegeben hat, wurde am Ende mit ultrafeinen Weinen belohnt, wie wir sie seit Jahren nicht mehr im Glas hatten. An der südlichen Rhône ist 2021 ein Jahr der puren Trinkfreude. Alles ist sofort da, offen und so unglaublich fein. Die Alkoholgrade liegen rund 1,5 Prozent unter denen der vergangenen Jahrgänge. Sowohl die Weißen als auch die Roten sind hervorragend balanciert und bestechen mit guten Säurewerten und hoher Frische. Die Weine sind hocharomatisch, die Frucht ist schmeichelhaft und fast schon spielerisch-abgehoben. Eine Grenache voll auf der Pinot-Spur – wann gab es das zuletzt?! Die nördliche Rhône bringt 2021 einen Stil, den dort viele für nicht mehr möglich hielten: Extrem fein und verspielt, fast schon schwebend und mit einer genialen Frische ausgestattet. Ein Jahr für große Weißweine mit strahlender Aromatik und hervorragender Lagerfähigkeit, ein Jahr für herrlich klassische, stilvolle, delikate Rotweine mit betörend ätherischen Noten von Pfeffer und Veilchen und ultrafeiner, aber aufregender Tanninstruktur. All in all ist 2021 an der Rhône ein Jahr für Finessetrinker, für Liebhaber der Feinheit, der Frische und der Eleganz. Lange hat man sich nach solchen klassischen Jahren gesehnt. Aber klassisch mit einem genialen Twist, denn am Ende vereint 2021 mit seiner schlanken, hochfeinen Art und der genialen Duftigkeit und Aromatik das Beste von damals und heute. »Zurück in die Zukunft!« – das beschreibt diesen aufregenden Rhône-Jahrgang wohl letztlich am besten.

Mein Winzer

Famille Perrin

Beaucastel ist ganz sicher seit Jahrzehnten der Primus inter Pares in der südlichen Rhone und einer der wenigen Betriebe, der für den roten Chateauneuf noch alle 13 zugelassenen Traubensorten verwendet.