Im Portrait

Domaine de Commaraine

Schon seit Jahrhunderten gilt er neben dem Clos des Epenots als die beste Lage Pommards und eines Grands Crus würdig. In ihrem Werk über die großen Weine des Burgunds von 1892 stellen Danguy und Aubertin fest, dass »unter den berühmtesten Lagen der Clos de la Commaraine an erster Stelle steht«. Zuletzt war der Clos allerdings lange Zeit nur mittelmäßig bewirtschaftet. Jadot hat einen Großteil der Trauben gekauft und einen ordentlichen, aber etwas belanglosen Wein daraus gekeltert – mehr war einfach nicht drin. Seit 2017 ist nun alles anders. Das komplette Anwesen inklusive Weinberg und aller uralter Gebäude wurde von finanzstarken Investoren übernommen: Harvard-Professorin Denise Dupré und Dr. Mark Nunelly vom Boston Capital Fund. Die beiden sind auch an einer der luxuriösesten Hotelketten der Welt beteiligt, zu der unter anderem das Megahotel Royale in der Champagne gehört. Es versteht sich, dass auch in den Festungs- und Klosteranlagen des Clos de la Commaraine, der nun aufwendig restauriert und ausgebaut wird, ein Weinhotel entsteht. Direkt vor dessen Türen wächst auf 3,7 Hektar in bester Lage Pommards dieser Wein – der einzige der Domaine. Der Boden ist tonhaltiger Kalkboden von hoher Güte und mit unzähligen Eiseneinschlüssen, was ihn stark rötlich schimmern lässt.

Es wird nur ein Grand Vin aus allen Teilen des Clos erzeugt, um die maximale Komplexität zu erreichen. Die Weinbergsarbeit und den Wein macht kein geringerer als Louis-Michel Liger-Belair, der Superstar aus Vosne-Romanée. Der Clos de la Commaraine ist heute also ein Pinot Noir im grandiosen, samtigweichen Liger-Belair-Style und weit weg von der Mittelmäßigkeit früherer Zeiten. Dass das Terroir Größe hergibt, steht seit Jahrhunderten fest. Das System Liger-Belair beinhaltet sofortige Umstellung auf Biodynamie auf der ganzen Fläche, organische Düngung, im Clos weidende Schafe und maximal penible Weinbergsarbeit. Im Keller wird zurückhaltend gearbeitet, auch wenn in der bezaubernden Samtigkeit des Weines Liger-Belairs Handschrift klar erkennbar ist. Schon beim ersten Hineinriechen ist man verblüfft, wie zart und duftig der Commaraine ist. Auch Parkers William Kelley schreibt: »Ein charmanter, direkter und zugänglicher Pommard, der die veralteten Stereotypen der Appellation widerlegt.« Man erwartet Üppigkeit und eine gewisse Rustizität in Pommard und findet das Gegenteil. Clos de la Commaraine ist trinkbare Historie – und heute auf dem besten Weg wieder so legendär wie einst zu werden.