Vietti: Derthona Timorasso Boscogrosso 2022
100
- Timorasso 100%
- weiß, trocken
- 13,5% Vol.
- Trinkreife: 2025–2033
- voll & rund
- exotisch & aromatisch
- Lobenberg: 94–95/100
- Parker: 94/100
- Galloni: 94/100
- Falstaff: 94/100
- Italien, Piemont
- Allergene: Sulfite,
Abfüller / Importeur: Vietti, Piazza Vittorio Veneto, 5, 12060 CASTIGLIONE FALETTO (CN), ITALIEN
Heiner Lobenberg über:
Derthona Timorasso Boscogrosso 2022
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Derthona ist fast schon ein Markenname der besten Timorasso. Ursprünglich geschaffen von Walter Massa und seinem Freundeskreis, zu dem auch Vietti und Roagna gehören. Alle drei gehören zu den besten Erzeugern der autochthonen Rebsorte. Boscogrosso ist eine Einzellage in Monleale, die sich durch ihre hügeligen, sandigen Böden auf Mergeluntergrund auszeichnet. Die Trauben werden hier deutlich später gelesen als der klassische Timorasso des Weinguts. Dann folgt der zehn-monatige Ausbau auf der Feinhefe, zum Teil in Keramik (2/3) und zum Teil in einem großen 2.500 Liter fassenden Holzfass. Circa 5 Prozent der Trauben vergären 14 Tage lang auf der Maische im Stahltank. 2022 ist der erste Jahrgang dieser Einzellagen-Abfüllung. Reichhaltige, dichte, fulminant schiebende, gelbe, exotische Nase. Reife Mango, Marzipan, frisch geschälte Mandeln, saftige Williamsbirnen, Lindenblütenhonig, auch Kastanien und Akazienblüten kommen hinzu. Der Unterton basiert auf der steinigen, dunklen, dezent rauchigen Mineralität. Im Mund gleitet der Wein ebenso dicht und cremig über die Zunge. Zarte braune Gewürze mit dezenter Kräuter Aromatik, Mandarinenschale, reifem Steinobst und der zart bitteren, phenolischen Haptik, die zur extra Spannung des Wein beiträgt. Die salzige Mineralität hinterlässt im Nachhall zarte Würze aus Vanille und weißem Pfeffer, die lange im Mund auf der Welle der cremig-öligen Textur nachklingt.
Jahrgangsbericht
2022 war in ganz Europa ein von Hitze und Trockenheit geprägter Jahrgang. Im Piemont fiel bereits im Winter 2021 kaum Schnee, und es regnete lediglich im Mai und dann wieder im August in sehr kleinen Mengen, was ein wenig zur Erleichterung der Reben beitrug. Vom Austrieb bis zur Lese verlief die Wachstumsperiode ungefähr zwei bis drei Wochen früher als im Durchschnitt. Dieses Jahr war also von extremem Wetter gezeichnet, aber glücklicherweise war es sehr regelmäßig und konstant heiß und trocken – vom Austrieb bis zur Weinlese während des »Indian Summer« – und es gab keine Hitzespitzen. Da die Trockenheit nicht plötzlich eintrat, bildeten die Reben dementsprechend kleinere Blätter und weniger Trauben aus. Vielleicht kamen sie deshalb so erstaunlich gut mit diesen erschwerten Bedingungen klar, weil sie sich seit dem Frühling langsam an diese Situation »gewöhnen« konnten.2022 kann unmöglich generalisiert werden, und jeder Wein verdient es, einzeln betrachtet zu werden. Die etwas kühleren Höhenlagen im Piemont sind häufig auch von durchlässigeren Böden geprägt und dieses Jahr aufgrund der Trockenheit deshalb nicht automatisch besser. So sind 2022 ton- und lehmhaltige Böden mit besserem Wasserhaltevermögen deutlich vorteilhafter als sandigere. Die sonst »besten« Cru-Lagen zeichnen sich durch ihre besonders »perfekte« Ausrichtung zur Sonne und somit noch wärmeren Temperaturen aus. Auch das Alter der Reben und die Herangehensweise jedes Weinguts in den Weinbergen konnte einen entscheidenden Unterschied machen. Wurde durch sanftes Entblättern der Sonnenschutz gewährleistet und die Böden nicht unnötig durch Pflügen geöffnet, was zum stärkeren Verdunsten von Wasser führt, hatten es die Reben bedeutend leichter. Aufgrund der Trockenheit bestand kein Krankheitsdruck, es gab weder Pilzkrankheiten noch Fäulnis, was die Arbeit während der Wachstumsperiode auch erleichterte. In Summe brachten die berühmtesten Lagen 2022 nicht automatisch die besten Weine hervor, wohl aber die kühleren und lehmigeren Böden mit gutem Wasserspeicher der »alten« Terroirs aus Castiglione, Serralunga und Monforte d’Alba, teilweise auch Verduno. 2022 ist laut Aussage von Luca Currado-Vietti vom qualitativen Potenzial her riesig, im Ergebnis aber wegen zweier fehlender Regenschauer im August und September und zwei Grad zu hoher Spitzentemperatur haarscharf unterhalb eines Jahrhundertjahrgangs hängen geblieben. Die Winzer, die viel Zeit in die Weinberge investierten und zudem bereits vor oder bei der Lese gnadenlos aussortiert haben, brachten die beeindruckendsten Weine hervor. Was nicht perfekt oder gar vertrocknet war, gelangte gar nicht erst in den Gärtank. Im Durchschnitt bedeutet das 15 bis 40 Prozent kleine Erträge gesunder und konzentrierter Trauben. Im Keller musste aufgrund des höheren Verhältnisses von Traubenschalen zum Saft sanft extrahiert werden; der Ausbau erfolgte oft ein paar Monate kürzer als sonst und somit etwas reduktiver, um die Frische der Weine zu bewahren.Der Jahrgang 2022 hat einen wunderbaren »Überraschungseffekt«, denn wer überreife Weine erwartet hat, wird das Gegenteil im Glas finden! Die Trockenheit bremste. Aber seit im Jahrgang 2003 ebenfalls Hitze auf Trockenheit traf, haben die Winzer viel dazu gelernt. Was bereits bei den Bordeaux Primeur Proben des Jahrgangs 2022 deutlich wurde, stimmt auch im Piemont: In der Spitze kann 2022 enorm was! Die Weine sind so konzentriert wie 2017, aber mit deutlich mehr Frische ausgestattet. Aromatisch sind sie herrlich intensiv und bereit, eine unwiderstehliche Performance abzuliefern. Die Struktur der Tannine hängt dabei von den oben genannten Faktoren ab. Es gibt strukturiertere Weine, die aber durch ihre Fruchtbalance dennoch meist durchaus harmonisch sind. Ich versichere, dass mit Offenheit ausgestattete Nebbiolo-Liebhaber dieses Jahr mit der ein oder anderen Neuentdeckung belohnt werden, denn 2022 gibt es durchaus viele hervorragende und gar überragende Weine im Piemont, auch wenn 2021 sicher über alle Regionen gesehen harmonischer und gleichmäßiger in seiner Weltklasse rüberkam.
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Parker über: Derthona Timorasso Boscogrosso
The Vietti 2022 Colli Tortonesi Timorasso Derthona Boscogrosso represents a special selection of fruit from a hillside slope with southwest exposures on sandy soils. This is a generous expression of this promising grape, which has extra textural heft and layering in a hot vintage such as this. It shows a pretty sense of inner balance that could not have been easy to achieve. I tasted this wine months before its commercial release, and it had already started to flesh out. However, this is a white wine that you can easily set aside for another five years of bottle aging.,,
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Galloni über: Derthona Timorasso Boscogrosso
The 2022 Timorasso Boscogrosso is a new wine from Vietti. It emerges from a single parcel in Monleale. Aromatic and pliant, with terrific textural depth, the 2022 has a lot to offer. A brief period on the skins accents the natural richness of the variety. This is an especially refined Timorasso.
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Falstaff über: Derthona Timorasso Boscogrosso
Leuchtendes Strohgelb mit grünen Reflexen. In der Nase zunächst vornehm zurückhaltend, mit Luft kommen Zitronenabrieb, Banane und Brennnessel sowie mineralische Anklänge. Im Trunk elegant und animierend, zarter Schmelz, gut integrierte Säure, salziges, anhaltendes Finish.
Vietti
Die Familie Vietti erzeugt Wein seit vier Generationen in Castglione Falletto im Herzen des Anbaugebiets Barolo. Seit 1957 war der 2012 verstorbene Alfredo Currado für den Ausbau der Weine verantwortlich, schon 1961 begann er die großen Lagen separat zu vinifizieren. Vietti war es vorbehalten, den...