Lobenberg: Die Weine von Can Rafols dels Caus entstammen der Region Massis del Garraf. Eine hügelige Landschaft direkt an der Küste Kataloniens gelegen mit teilweise steilen Hängen, trocken und karg. Die Weinberge stehen auf einem Kalkriff, das Teil der Küstenlinie von Katalonien ist und sich zwischen den Ebenen von Penedes und dem Mittelmeer befindet. Die Terraprima-Weine sind das neuste Projekt von Carlos Esteva, dem Weinmacher und Besitzer von Can Rafols. In direkter Nachbarschaft zum Weingut sollte ein Gebiet von 80 Hektar, auf dem 40 Hektar alte Weingärten stehen, gerodet werden, um ein Zementwerk zu errichten. Um diese uralte Kulturlandschaft zu erhalten, hat Carlos eingegriffen und das Land gekauft. Die Weinberge werden zertifiziert biologisch bewirtschaftet. Wir haben hier eine rare Komposition von Xarello und Riesling, zwei Sorten, die beide auf Frische und Säure aufbauen. Alles spontanvergoren, der Xarello wurde in großen Fässern aus Kastanienholz ausgebaut. Aus dem Glas strömt ein Fächer von Zitrusfrüchten, Limette, grüner Apfel, schöne Frische zeigend. Auch leicht kräuterig und rauchig. Im Mund dann fein tänzelnd, frisch und Zitrusfrucht-betont mit etwas kreidigem Gripp vom kalkgeprägten Boden. Eine saftige, runde Frucht mit grünem Apfel, Aprikose und Grapefruit, begleitet von rassiger Säure, macht den Terraprima zu einem mundwässernden Frische-Erlebnis mit puristisch mineralistischem Ausklang. Das ist ein erfrischender, aromatischer Blanco in einer kalkig-kühlen Stilistik, die man so eher aus den Rias Baixas im Nordwesten kennt. Eine leckere und spannende Erweiterung der Weinwelt Kataloniens. 91/100
Der Winter 2020/2021 brachte zwischen Dezember und März sehr viel Regen und Schnee, auch etwas Frost. Die Böden waren vor dem Austrieb der Reben mit ordentlichen Wasserreserven gefüllt – ein guter Start in den Jahrgang 2021. Die Blüte verlief bis auf kleine Verrieselungen ziemlich normal, kein Frost, kein Mehltau. Dann folgten nach einem trockenen Mai noch vor der Blüte große Regenmengen im Juni. Nach der Blüte begann ein sehr trockener, warmer, teils heißer Sommer. Hitze- und Trockenstress waren die Folge, die Reben machten ab Mitte August total dicht, um sich zu schützen. Die Beeren waren zu diesem Zeitpunkt dickschalig und kerngesund, Sorge bereitet aber die phenolische Reife, die durch den Stillstand der Reben nicht erreicht werden konnte. Dieses Phänomen gab es in allen Regionen der nördlichen Hälfte Spaniens, also in allen Topregionen. Von Anfang September bis zum 25. September gab es einige Tage satten Regen. Durch die neue Wasserversorgung setzten Photosynthese und Reifung sofort ein. Ab dem 25. September war es trocken, extrem sonnig und warm, nachts sanken die Temperaturen deutlich. Fünf traumhafte Wochen mit großen Temperaturunterschieden zwischen Tag und Nach und hochintensiver Sonne folgten. Diese große Kühle, ja Kälte der Nächte, nach dem letzten Regen vom 25. September, gilt als der Schlüssel zu diesem großen, reifen und zugleich frischen Cool-Climate-Jahrgang. Das Ergebnis waren überall hochgesunde, dickschalige Beeren mit sattem Tannin und hoher Säure vor der Lese im Herbst. Die Weine sind weniger extremreif und immens als 2019, aber deutlich aromatischer und reifer als 2018, mit einer Frische, die ihresgleichen sucht.