Spätburgunder Hundsrück Großes Gewächs 2020

Rudolf Fürst Spätburgunder Hundsrück 2020

Zum Winzer

98–100
100
2
Spätburgunder 100%
5
rot, trocken
13,0% Vol.
Trinkreife: 2028–2052
Verpackt in: 3er
9
seidig & aromatisch
strukturiert
3
Lobenberg: 98–100/100
6
Deutschland, Franken
7
Allergene: Sulfite, Abfüllerinformation
lobenberg

Heiner Lobenberg über:
Spätburgunder Hundsrück Großes Gewächs 2020

98–100
/100

Lobenberg: Die ältesten Reben des Weingutes, bis zu 50 Jahre alt. Inzwischen besteht der Wein aus jeweils 50 Prozent deutschen und französischen Klonen. Der Weinberg ist insgesamt die Erste Lage Bürgstadter Berg, in der dann der Centgrafenberg und der Hundsrück als separate Weinberge liegen. Der Hundsrück ist der kargste und eisenhaltigste Teil am Bürgstadter Berg – genau an einer Felskante. Der starke Eisenanteil schlägt natürlich voll durch. Der Bürgstadter Berg zieht sich ins Erftal hinein, was ein kühleres Seitental des Maintals ist. Das kleine Flüsschen zieht sich vor Centgrafenberg und Hundsrück entlang. Hier ist es kühler als am Hang in Klingenberg. Dieser Wein kommt komplett aus Hanglagen. Fürst arbeitet bei den Spätburgundern mit einer „Vormazeration“. Die unentrappten, völlig intakten Trauben werden in die Bütt gelegt und mit Kühlplatten auf eine niedrigere Temperatur gebracht, dass sie nicht so schnell in die Gärung schießen. Danach wird das möglichst vorsichtig Entrappte darüber geschichtet, aber nicht angequetscht. Dann wird die Kühlung entfernt und Stück für Stück beginnt die Gärung. Es wird die ersten acht bis zehn Tage überhaupt nicht gestampft, d.h. wir haben eine Vergärung in der teilweise ganze, intakte Beeren heile verbleiben bis zur Pressung. Zwischendurch wird dann allerdings auch mit einem Stößel untergestoßen. Wir haben also eine Kombination aus teilweiser Maceration Carbonique innerhalb der Beeren und gleichzeitig einen oxidativeren Ansatz. Das gibt eine größere Vielschichtigkeit und eine größere Fruchtstärke. Die Trauben waren 2020 so unglaublich perfekt, dass Fürsts den Holzbehälter direkt in den Weinberg mitgenommen hatten und direkt vor Ort die Ganztrauben in die Bütt geworfen haben. Das Lesegut war einfach makellos, sodass kein zweites Umkippen nötig war. Entsprechend knapp 100 Prozent Ganztrauben in der Gärung in 2020, der Ausbau in 50 bis 60 Prozent Neuholz, alles Troncais-Eiche von Top-Erzeugern. Der Hundsrück hat wie immer die eleganteste, leiseste, aber auch verschlossenste Nase. Er wirkt fast scheu neben dem pompösen Schlossberg und dem kräftigeren Centgrafenberg. Erst mit sehr viel Luft schält sich etwas steinige Würze durch, viel Graphit, Bleistiftabrieb, zart Wacholderbeeren, Anemone, dominikanische Tabake, langsam auch dunklere Kirsche, blaue Waldbeeren. Die Aromen streicheln den Gaumen eher als ihn wirklich zu treffen. Die Struktur ist blaufruchtig-ätherisch bis in den lange nachhhallenden Abgang. Der Mund ist Samt und Seide, aber die Tiefe aus der Struktur ist ungeheuerlich. So hoch verdichtet und kompakt im Jungstadium, dass man aktuell nur erahnen kann was hier noch kommen mag. Aber dann eben wiederrum so feingliedrig, so zart, dass man sich immer wieder fragen muss wo und wie denn diese unterschwellige Kraft eigentlich versteckt ist. Fürst 2020 schafft, was deutscher Spätburgunder noch immer nur sehr selten schafft: großer Hedonismus, elegante Köstlichkeit, ohne laut zu sein. 100/100

Jahrgangsbericht

Nach einem erneut eher milden Winter kamen Austrieb (März) und Blüte (Mitte Mai) wieder recht früh in 2020. Es folgte ein warmer Sommer, der aber weniger extreme Hitzespitzen wie 2019 und 2018 hatte und vor allem durch kühlere Sommernächte eine robuste Säurestruktur erhalten konnte. Häufig wird vergessen, dass Hitze und vor allem Trockenheit nicht nur die Zuckerentwicklung, sondern auch die Säuren und Gerbstoffe durch niedrige Erträge und dicke Beerenschalen aufkonzentrieren. Dieser mediterrane Powersommer hat dem Burgund Mitte August den frühsten Lesestart seit 2003 beschert, dennoch wurden die vollen 100 Tage Reifezeit nach der Blüte erreicht bis zur Lese. Aufgrund der sehr trockenen Verhältnisse waren die Trauben weitgehend kerngesund und vollreif – Fototrauben soweit das Auge reicht! Wohingegen an der Côte de Beaune fast durchschnittliche Mengen Chardonnay geerntet werden konnten, war der Ertrag beim Pinot Noir an der gesamten Côte d’Or durch die winzige Beerengröße geringer noch als im Vorjahr 2019. Die Chardonnays betören mit dem selben imposanten Fruchtdruck und einer Power wie 2019. Sie wirken allerdings schlanker und feiner, auch aufgrund von lebhafteren Säuren, die eher an 2017 denken lassen. Es ist mit 2014 und 2017 ziemlich sicher das beste Weißweinjahr der letzten 10 Jahre. Die Balance der weißen 2020er ist herausragend! Die Pinot Noirs sind etwas weniger einheitlich balanciert. Je nach Terroir und Erntezeitpunkt, changieren sie zwischen bestechender Eleganz, Kühle und Finesse bis hin zu gewaltiger, mediterraner Struktur mit hoher Reife bis hin zur Überreife in einigen Fällen. Die topgesunden Beeren waren dickschalig, klein und kernig und gaben nur widerwillig ihren hochkonzentrierten, hochintensiven Saft preis. Die Fruchtfülle und das Parfüm der roten 2020er ist gewaltig, wie dichte Wolken aus Waldfrüchten und dunkler Kirsche schiebt es tieffarbig und reich aus dem Glas. Die Konzentration ist berauschend, die besten 2020er stellen die exzellenten Vorjahre sogar noch in den Schatten – in der Spitze war absolute Weltklasse möglich in diesem Blockbusterjahr. 2020 ist ein beeindruckendes und großes Jahr, das bei den Top-Domaines mit zum besten zählt, was es in den letzten Jahrzehnten gab. Zurücklehnen und genießen mit den verführerischen Pinots und sich mitreißen lassen von den berauschenden Chardonnays. Die erneut kleinen Erträge und der harte Frost in 2021 erzeugen weiter Mengendruck auf das Burgund und die besten 2020er werden schnell rar und gesucht sein.

Mein Winzer

Rudolf Fürst

Franken ist Frankreich nicht nur phonetisch ganz nahe. Wer behauptet, dass exzellenter Pinot Noir, also Spätburgunder nur aus dem in Frankreich gelegenen Burgund stammt, hat mindestens die letzte Dekade verschlafen.