Spätburgunder Centgrafenberg Großes Gewächs trocken 2020

Rudolf Fürst

Spätburgunder Centgrafenberg Großes Gewächs trocken 2020

Limitiert

pikant & würzig
saftig
strukturiert
97–99
100
2
Spätburgunder 100%
5
rot
13,5% Vol.
Trinkreife: 2028–2048
Verpackt in: 6er
3
Lobenberg: 97–99/100
6
Deutschland, Franken
7
Allergene: Sulfite, Abfüllerinformation
lobenberg

Heiner Lobenberg über:
Spätburgunder Centgrafenberg Großes Gewächs trocken 2020

97–99
/100

Lobenberg: Der Bürgstadter Berg zieht sich ins Erftal hinein, was ein kühleres Seitental des Maintals ist. Das kleine Flüsschen zieht sich vor Centgrafenberg und Hundsrück entlang. Hier ist es kühler als am Hang in Klingenberg. Dieser Wein kommt komplett aus Hanglagen. Fürst arbeitet bei den Spätburgundern mit einer „Vormazeration“. Die unentrappten, völlig intakten Trauben werden in die Bütt gelegt und mit Kühlplatten auf eine niedrigere Temperatur gebracht, dass sie nicht so schnell in die Gärung schießen. Danach wird das möglichst vorsichtig Entrappte darüber geschichtet, aber nicht angequetscht. Dann wird die Kühlung entfernt und Stück für Stück beginnt die Gärung. Es wird die ersten acht bis zehn Tage überhaupt nicht gestampft, d.h. wir haben eine Vergärung in der teilweise ganze, intakte Beeren heile verbleiben bis zur Pressung. Zwischendurch wird dann allerdings auch mit einem Stößel untergestoßen. Wir haben also eine Kombination aus teilweiser Maceration Carbonique innerhalb der Beeren und gleichzeitig einen oxidativeren Ansatz. Das gibt eine größere Vielschichtigkeit und eine größere Fruchtstärke. Durch die fehlenden Winterwasserreserven in Kombination mit dem trockenen Sommer waren die Erträge in 2020 stark verringert. Die Saftausbeute war entsprechend gering und die Beeren klein und dickschalig. Erträge unter 25 hl /ha. Rund 60 Prozent Ganztrauben in der Gärung. 50 bis 60 Prozent Neuholz, nur Troncais-Eiche von Top-Produzenten. Der Jahrgang steht irgendwo zwischen 2018 und 2019 in seiner Art, mit der dunkelbeerigen, hedonistischen Frucht von 2018 und der etwas frischeren, straffen Art von 2019. Der Centgrafenberg ist schon farblich das dunkelste der drei Fürst’schen GGs. Und was für eine aromatische Wucht hier in 2020 aus dem Glas schiebt. Hoch verdichtet, kraftvoll und tief, mit einer köstlichen Fruchtausprägung zwischen dunkler Kirsche und blauen Beeren. Es hat fast ein bisschen Gevrey Chambertin-Anmutung in der dunklen Würze. Grüner Pfeffer, getrocknete Tabakblätter, blühender Rosmarin, pikant und so frisch, dass man verblüfft und fasziniert zurückbleibt. Der Mund läuft auf einem satten, raumgreifende Tanninteppich, der alles belegt, aber so hoch fein, samtig und zart daherkommt. Auch hier dunkelblaue Beeren, ein Merkmal des Jahrgangs, kühl und graphitig unterlegt. 2018 wirkte mediterraner in der Art, 2019 war herber und straffer, 2020 ist die Mitte aus delikater, zugänglicher Frucht und minzig-feiner Frische. Ein köstlicher Spätburgunder, etwas feiner, charmanter und einnehmender als das etwas verschlossenere 2019. Schmeckt jung fantastisch und wird wohl unglaublich gut reifen – die Vertikale 2018 bis 2020 in einigen Jahren nebeneinander zu haben dürfte atemberaubend werden. 97-99/100

Mein Winzer

Rudolf Fürst

Franken ist Frankreich nicht nur phonetisch ganz nahe. Wer behauptet, dass exzellenter Pinot Noir, also Spätburgunder nur aus dem in Frankreich gelegenen Burgund stammt, hat mindestens die letzte Dekade verschlafen.