Rudolf Fürst

Spätburgunder Centgrafenberg Großes Gewächs trocken 2018

pikant & würzig
saftig
strukturiert
98
100
2
Spätburgunder 100%
5
rot
13,5% Vol.
Trinkreife: 2026–2046
Verpackt in: 6er
3
Lobenberg: 98/100
Gerstl: 20/20
Falstaff: 96/100
Suckling: 95/100
Vinum: 95/100
Weinwisser: 18,5+/20
Parker: 94–95/100
6
Deutschland, Franken
7
Allergene: Sulfite, Abfüllerinformation
lobenberg

Heiner Lobenberg über:
Spätburgunder Centgrafenberg Großes Gewächs trocken 2018

98
/100

Lobenberg: Der Centgrafenberg steht komplett auf Buntsandstein. Komplette Handlese und zum Teil eine Vergärung mit ganzen Trauben. Bei Fürst wird zu Beginn immer eine Kaltmazeration von zwei bis drei Tagen durchgeführt, dann die unentrappten, völlig intakten Trauben in die Bütt gelegt. Danach wird das möglichst vorsichtig Entrappte darüber geschichtet, aber nicht angequetscht. Das Ganze verbleibt dann mehrere Tage und dann wird langsam die Temperatur im Raum erhöht. Es gibt also keine Trockeneiskühlung, sondern nur Kühlung mit Kühlplatten. Dann wird das entfernt und Stück für Stück beginnt die Gärung. Es wird die ersten acht bis zehn Tage überhaupt nicht gestampft, d.h. wir haben eine Vergärung in der teilweise ganze, intakte Beeren verbleiben bis zur Pressung. Zwischendurch wird dann allerdings auch mit einem Stößel untergestoßen. Wir haben also eine Kombination aus teilweiser Maceration Carbonique innerhalb der Beeren und gleichzeitig einen eher oxidativen Ansatz alkoholischer Vergärung. Das gibt eine größere Vielschichtigkeit und eine größere Fruchtstärke. Der Centgrafenberg besteht fast ausschließlich aus Burgundischen Klonen. Um 30 Jahre alt. Der Centgrafenberg ist einer der zwei GG-Lagen im Bürgstadter Berg. Neben ihm kommt auch der Hundsrück aus dieser Großlage. Quasi als spezieller Alte Reben-Teil direkt am Steinbruch stehend. Dieser Centgrafenberg ist also dementsprechend das „einfachste“ der drei GGs, wenn man denn hier überhaupt von einfach sprechen kann, denn wir sind in der obersten Liga deutscher Pinot Noirs. 2018 ist eine lustige Kombination aus hoher Intensität, aus Sauerkische, Schwarzkirschen und auch ein bisschen Hagebutte. Eingekochte Himbeere und sogar ein kleiner Hauch Cassis. Im Mund die typische Kühle für die Fürst so sehr steht. Seine Burgunder sind in Deutschland für mich am ehesten mit Molitor zu vergleichen, auch wenn diese auf Schiefer stehen und die von Fürst auf Buntsandstein. Aber diese Kühle und dieses Filigrane ist so besonders und macht Fürst immer sehr einzigartig. Nie zu verwechseln mit den typischen Burgunderweinen aus der Pfalz oder aus Baden. Ganz kühl, ganz Cool Climate und sehr lang, obwohl 2018 ein warmes Jahr war. Sehr reich, im Mittelbau wieder Hagebutte, rote Kirsche, Sauerkirsche. Eine leichte Holznote, eine wunderschöne Krautwürzigkeit. Was ganz sicher ist bei diesem Wein: Fränkische Pinot Noirs – genau wie die Pinots von der Ahr oder der Mosel – haben absolut ihre Berechtigung, weil sie so einzigartig sind und anders als die burgundisch angehauchten Weine aus er Pfalz und auch aus Baden. Diese leicht grünlich schwarze elegante Stilistik, und die leichte Krautwürzigkeit unter der Holzkohle ist schon wirklich famos. Der Wein kommt so unglaublich kühl und lang rüber. 2018 wird erstaunlicherweise lange brauchen, dafür aber lange halten. Bitte gehen Sie ihn fünf Jahre nicht an. Ein archetypischer, großer, fränkischer Pinot Noir. 98/100

20
/20

Gerstl über: Spätburgunder Centgrafenberg Großes Gewächs trocken

-- Gerstl: Gegenüber dem Schlossberg zeigt der Centgrafenberg eine noch etwas ausgeprägtere rotbeerige Nase. Ein Schwall von Himbeere, Erdbeere und Johannisbeere kommt mir entgegen. Ich bin sofort verliebt in diesen sinnlichen Duft. Geradezu ideal dazu passen die Aromen von noblen Kräuter, welche zart im Hintergrund zum Vorschein kommen. Dieser Duft lässt sich absolut mit den grossen Weinen aus dem Burgund vergleichen. Nicht nur aromatisch auch strukturell muss sich dieser Wein hinter einem Grand Cru aus Frankreich nicht verstecken. Hier steckt soviel Kraft und gleichzeitig Eleganz im Wein, wie es nur ein Pinot im Stande ist zu zeigen. Meine Begeisterung kennt keine Grenzen und ich muss aufpassen, dass ich nicht vom Boden abheben. Das ist einfach nur überirdisch köstlich - ein nobleres Getränk kann ich mir nicht vorstellen. 20/20

96
/100

Falstaff über: Spätburgunder Centgrafenberg Großes Gewächs trocken

-- Falstaff: Floral und auch blumig in der Nase, Veilchen, Krokus, Mandel, feine Kräuter und Rauch. Setzt am Gauen weich an, mit saftiger Säure und delikater Würze, aber auch steigerndem Druck, Dichte und Spannung, mineralisch unterlegt, zunehmende Komplexität, lang und jung. 96/100

95
/100

Suckling über: Spätburgunder Centgrafenberg Großes Gewächs trocken

-- Suckling: Even in a Burgundian context, this would be a remarkable pinot noir with intense herbal character, very polished tannins and a long, silky finish that just keeps going. Drink or hold.

95
/100

Vinum über: Spätburgunder Centgrafenberg Großes Gewächs trocken

-- Vinum: Typischer Duft von Bleistiftspitze, ein Hauch Zeder, etwas Kirsche, sensationelle Balance, schwebt über der Zunge. 95/100

18,5+
/20

Weinwisser über: Spätburgunder Centgrafenberg Großes Gewächs trocken

-- Weinwisser: Das Filetstück vom Centgrafenberg ist 1 km vom Hundsrück entfernt und liegt direkt über dem Weingut. Grandioses Bouquet mit feinster Kirsch- und Walderdbeer-Aromatik, auch herbe Preiselbeeren, dahinter eine pointiert erdige Mineralik, die den Wein männlicher und tiefer als den verspielteren und charmanteren Schlossberg erscheinen lässt. In Hintergrund baut sich eine tiefgründige, massiv-mineralische Kulisse auf mit an Feuerstein erinnernden Noten. Im Mund sehr prägnant mit mineralischem Fundament, sehr dunkle, «männlich» wirkende Mineralität, enorm griffig und druckvoll mit merklicher, komplexer Gerbstoffstruktur, getragen von einer saftigen Säure. Kann mit etwas Reife durchaus noch zulegen. 18,5+/20

94–95
/100

Parker über: Spätburgunder Centgrafenberg Großes Gewächs trocken

-- Parker: The 2018 Centgrafenberg Spätburgunder GG is fascinatingly pure, fresh, refined and elegant on the delicate and spicy nose, with great finesse, precision and some toasty and smoky notes. Tight and intense on the palate, this is a vibrantly fresh, tensioned and juicy Pinot with a silky texture and charming red berry aromas. The finish is straight, clear and elegant and reveals stimulating salinity and mineral tension. This is a mouth-salivating Pinot Noir from iron-rich sandstone soils. Tasted as a sample in January and April 2020. 94-95/100

Mein Winzer

Rudolf Fürst

Franken ist Frankreich nicht nur phonetisch ganz nahe. Wer behauptet, dass exzellenter Pinot Noir, also Spätburgunder nur aus dem in Frankreich gelegenen Burgund stammt, hat mindestens die letzte Dekade verschlafen.