Silvaner Escherndorf am Lumpen 1655 Großes Gewächs 2017

Horst Sauer: Silvaner Escherndorf am Lumpen 1655 Großes Gewächs 2017

Zum Winzer

97–99
100
2
Silvaner 100%
5
weiß, trocken
13,5% Vol.
Trinkreife: 2019–2038
Verpackt in: 6er
9
voll & rund
mineralisch
3
Lobenberg: 97–99/100
Falstaff: 94/100
Gault Millau: 93/100
Gerstl: 19/20
6
Deutschland, Franken
7
Allergene: Sulfite, Abfüllerinformation
lobenberg

Heiner Lobenberg über:
Silvaner Escherndorf am Lumpen 1655 Großes Gewächs 2017

97–99
/100

Lobenberg: Der Wein wurde erstmalig komplett entrappt und dann für 18 Stunden eingemaischt – auf der Presse mit Schalen belassen. Dann abgepresst und in die spontane Vergärung überführt. Daraufhin Ausbau im großen Holz. Wir haben eine unglaublich schöne, reife Frucht. Weintraube mit Apfel. Fast eine Riesling-Nase in diesem Silvaner. Dazu auch Orangenzesten, Assam-Tee. Unglaublich dicht und reich. Das Ganze mit schicker Mineralität unterlegt. So unendlich aromatisch und duftig. Hoffentlich kommt jetzt der mineralische Gripp im Mund. Denn die Nase ist fast zu schön. Ja, Treffer. Genau so soll es sein. So war es bei May, so ist es bei Sauer. Das Ding hat richtig Druck und Power. Bleibt aber im Mund total auf der charmanten Seite. Es hat eine leichte, stützende Holznote vom großen Holz. Es hat diese Phenolik. Und dazu eine fast rasiermesserscharfe Mineralität. Aber die Säure ist unglaublich moderat. Der Wein ist durchgegoren, also staubtrocken. Aber er ist nicht trocken im Mund. Er hat eine wahnsinnige Süße von einem Extraktwert, der sicherlich oberhalb von 35 Gramm liegt.. Das ist wirklich ein großer Silvaner. Er braucht einige Jahre und wird verdammt lange halten. Bin sehr begeistert von dieser Harmonie auf einer höheren Ebene. 97-99/100

Jahrgangsbericht

Nach einem erneut eher milden Winter kamen Austrieb (März) und Blüte (Mitte Mai) wieder recht früh in 2020. Es folgte ein warmer Sommer, der aber weniger extreme Hitzespitzen wie 2019 und 2018 hatte und vor allem durch kühlere Sommernächte eine robuste Säurestruktur erhalten konnte. Häufig wird vergessen, dass Hitze und vor allem Trockenheit nicht nur die Zuckerentwicklung, sondern auch die Säuren und Gerbstoffe durch niedrige Erträge und dicke Beerenschalen aufkonzentrieren. Dieser mediterrane Powersommer hat dem Burgund Mitte August den frühsten Lesestart seit 2003 beschert, dennoch wurden die vollen 100 Tage Reifezeit nach der Blüte erreicht bis zur Lese. Aufgrund der sehr trockenen Verhältnisse waren die Trauben weitgehend kerngesund und vollreif – Fototrauben soweit das Auge reicht! Wohingegen an der Côte de Beaune fast durchschnittliche Mengen Chardonnay geerntet werden konnten, war der Ertrag beim Pinot Noir an der gesamten Côte d’Or durch die winzige Beerengröße geringer noch als im Vorjahr 2019. Die Chardonnays betören mit dem selben imposanten Fruchtdruck und einer Power wie 2019. Sie wirken allerdings schlanker und feiner, auch aufgrund von lebhafteren Säuren, die eher an 2017 denken lassen. Es ist mit 2014 und 2017 ziemlich sicher das beste Weißweinjahr der letzten 10 Jahre. Die Balance der weißen 2020er ist herausragend! Die Pinot Noirs sind etwas weniger einheitlich balanciert. Je nach Terroir und Erntezeitpunkt, changieren sie zwischen bestechender Eleganz, Kühle und Finesse bis hin zu gewaltiger, mediterraner Struktur mit hoher Reife bis hin zur Überreife in einigen Fällen. Die topgesunden Beeren waren dickschalig, klein und kernig und gaben nur widerwillig ihren hochkonzentrierten, hochintensiven Saft preis. Die Fruchtfülle und das Parfüm der roten 2020er ist gewaltig, wie dichte Wolken aus Waldfrüchten und dunkler Kirsche schiebt es tieffarbig und reich aus dem Glas. Die Konzentration ist berauschend, die besten 2020er stellen die exzellenten Vorjahre sogar noch in den Schatten – in der Spitze war absolute Weltklasse möglich in diesem Blockbusterjahr. 2020 ist ein beeindruckendes und großes Jahr, das bei den Top-Domaines mit zum besten zählt, was es in den letzten Jahrzehnten gab. Zurücklehnen und genießen mit den verführerischen Pinots und sich mitreißen lassen von den berauschenden Chardonnays. Die erneut kleinen Erträge und der harte Frost in 2021 erzeugen weiter Mengendruck auf das Burgund und die besten 2020er werden schnell rar und gesucht sein.

19
/20

Gerstl über: Silvaner Escherndorf am Lumpen 1655 Großes Gewächs

-- Gerstl: --Gerstl: Die Fassprobe im März 2018 ist noch trüb. Auch wenn der Duft noch etwas verhalten ist, er fasziniert mich trotzdem, die Komplexität ist eindrücklich, drückt eine stolze Weinpersönlichkeitaus, da kündet sich ein kleines mineralisches Feuerwerk an. Auch am Gaumen zeigt er noch nicht alles ganz offen, aber was da alles im Halbverborgenen liegt, ist beeindruckend, das ist so ein Geheimniskrämer, aber es gelingt ihm nicht wirklich, seine Qualitäten ganz zu verbergen. Gewaltig, was da abgeht, da ist verschwenderische Vielfalt mit sinnlicher Ausstrahlung, das ist ein sehr edler, tiefgründiger und auch herzerfrischend charmanter Wein. Ich werde imme mehr zum Silvaner-Fan. 19/100

Mein Winzer

Horst Sauer

Horst Sauer und seine Tochter Sandra bearbeiten zusammen über 18 Hektar der besten Weinberge Frankens. Als Horst Sauer den Betrieb, der bereits vom Urgroßvater gegründet wurde, vom Vater übernahm, waren es gerade 2,5 Hektar ohne Selbstvermarktung.