Lobenberg: Der Escherndorfer Lump öffnet sich wie ein Parabolspiegel gen Süden und fängt das ganze Jahr über die Sonne ein. Der Steilhang mit Muschelkalkboden ist perfekt vor kühlen Nordwinden geschützt. Die kerngesunden Beeren werden entrappt und bekommen dann eine 24-stündige Maischestandzeit. Danach wird spontan vergoren und vier bis fünf Monate auf der Hefe ausgebaut. Der Restzucker liegt bei circa 20 Gramm bei über 7 Gramm Säure. Das ist eine meiner jedes Jahr gekauften Scheureben, weil dieser Wein von Horst Sauer einfach so ein Unikat ist, da er einen Bereich abdeckt, den kaum ein anderer Wein zu treffen vermag. Die Säure lässt den Restzucker kaum spürbar werden. Es gibt nur einen feinen Schmelz, in dieser von Apfel und exotischer Frucht geprägten Nase. Hohe Intensität des mit feinen Südfrüchten unterlegten Duftes, Melone, Litschi, Maracuja und Grapefruit, reife Aprikose. Im Mund dann eine Explosion der tropischen und reifen Frucht, saftiger Pfirsich, dazu auch Kumquat und Orangenschale, Grapefruit, Passionsfrucht. Alles reintönig aus total cleanem Lesegut. Der Wein hat Länge, Frucht und eben eine immense Intensität. Er trinkt sich filigran und leicht mit toller Spannung, mundwässernd, pikant. So saftig und aromatisch. Das ist ein großer Spaßmacher und eine tolle Alternative zu Riesling, Silvaner und den Üblichen. Das ist viel fruchtiger als jeder Silvaner, weniger zitrisch als jeder Riesling. Dafür ebenso intensiv, so reif und vollmundig, wirklich spannend. Nein, Scheurebe kann nie Weltklasse darstellen, aber sie kann auf ganz hohem Niveau große Freude bereiten. Der Wein ist für das was er kostet eigentlich ein Superschnäppchen, weil er schon eine gewisse Größe zeigt. 93-94/100